Xenophon


Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit Xenophon aus Athen, andere Namensträger siehe unter Xenophon (Begriffsklärung).
Sokrates im Gespräch mit dem jungen Xenophon (links). Detailansicht aus Raffaels Die Schule von Athen (1510–1511), Fresko in der Stanza della Segnatura (Vatikan)

Xenophon (griech. Ξενοφῶν) (* um 426 v. Chr.; † nach 355 v. Chr.) war ein aus Athen stammender Schriftsteller, Geschichtsschreiber, Philosoph, Heerführer und Gutsherr.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren um 426 v. Chr. in Athen, muss Xenophon in einer wohlhabenden Familie herangewachsen sein. Merkmale sind eine im wesentlichen sportlich-militärische Erziehung, seine Vorliebe für Sparta und die Ablehnung der nachperikleischen athenischen Demokratie. Er gehörte zu den Schülern des Sokrates. In den letzten Jahren des Peloponnesischen Krieges und unter den Dreißig Tyrannen scheint er in der attischen Reiterei gedient zu haben.

Als junger Mann schloss er sich, nicht ohne seinen Lehrer Sokrates um Rat gefragt zu haben,[1] dem griechischen Söldnerheer des gegen Artaxerxes II. rebellierenden Prinzen Kyros an. Beim Rückzug der nach Kyros’ Tod in der Schlacht von Kunaxa (401 v. Chr.) ihrer Führer beraubten Zehntausend bewährte sich Xenophon als einer ihrer beiden neuen Anführer. Nachdem Xenophon abgelehnt hatte, Anführer der zurückgeführten Söldner zu bleiben, und der offene Krieg mit Persien ausgebrochen war, traten die Söldner unter das Kommando Spartas und wurden seit 396 v. Chr. von König Agesilaos II. geführt. Die Rückkehr nach Athen war Xenophon jetzt verschlossen; er blieb bei Agesilaos, mit dem ihn bald Bewunderung und Freundschaft (vgl. sein Werk Agesilaos) verband, und folgte ihm auch, als der Krieg aufs Mutterland übergriff: Bei Koroneia (394 v. Chr.) kämpfte er auf spartanischer Seite gegen Athen.

Um ihn für die Verbannung aus der Heimat (399 v. Chr. oder 394 v. Chr.) zu entschädigen, boten ihm die Spartaner die Stellung eines Staatsgastfreundes und ein Landgut bei Skillous in der Nähe von Olympia,[2] wo er – inzwischen verheiratet – etwa 20 Jahre lang in Zurückgezogenheit seinen Neigungen für Familie, Landwirtschaft und Jagd nachgehen konnte. In dieser Phase dürfte er mit umfangreicherer Schriftstellerei begonnen haben.

Nach dem Umschwung der politischen Lage, die mit der Niederlage Spartas bei Leuktra (371 v. Chr.) einhergegangen war, kam Xenophon als Flüchtling nach Korinth. Als jedoch nach der Aussöhnung zwischen Sparta, Korinth und Athen das gegen ihn erlassene Verbannungsdekret aufgehoben wurde, kehrte er wahrscheinlich nach Athen zurück; seine Schriften, zum großen Teil erst nach 371 v. Chr. abgeschlossen, sind weithin für ein attisches Publikum bestimmt.

Seine Söhne, bisher in Sparta erzogen, kämpften nun in der athenischen Reiterei; einer von ihnen, Gryllos, fiel bei Mantineia (362 v. Chr.). Die literarischen Ehrungen, die dem Gefallenen zuteil wurden, zeugen von dem Ruhm, den sich der Vater als Schriftsteller inzwischen erworben hatte. Xenophon schrieb sein letztes Werk, Über die Staatseinkünfte, noch nach 355 v. Chr. Sein Todesjahr ist unbekannt.

Werke

Die chronologische Ordnung der Schriften kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, bei den umfangreicheren Werken Anabasis, Hellenika, Memorabilien ist Niederschrift in einzelnen Abschnitten denkbar.

Anabasis

In der Anabasis schildert Xenophon in sieben Büchern die eigenen Erlebnisse im „Zug der Zehntausend“. Auf den Hinaufzug mit Kyros bis Kunaxa im Jahre 401 v. Chr. folgte der strapazen- und verlustreiche Rückzug durch das winterliche Bergland, durch feindliche Barbarenstämme bis zum Schwarzen Meer, dann die enttäuschende, diplomatisch schwierige Fortsetzung des Zugs über Byzanz bis zur Übernahme in spartanische Dienste. Das Buch wirkt bei aller Sachlichkeit, ja sogar Trockenheit der Angaben durch die Frische eigenen Erlebens, lässt Tag um Tag im Wechsel von Angst und Hoffnung miterleben. Die Buntheit fremden Völkerlebens ist ebenso mit offenem Blick erfasst wie die ungewohnte Winterlandschaft. Die Überlegenheit griechischer Soldatenzucht ließ den Söldnermarsch von jeher als Vorläufer des Alexanderzugs erscheinen. Xenophon, der sich erst zu Beginn des 3. Buches und stets in der 3. Person einführt, hat seine eigene Rolle als einer der beiden neu gewählter Anführer – zusammen mit Cheirisophos – dargestellt. (Sein Kampfgefährte Sophainetos hat einen nur in vier Fragmenten erhaltenen eigenen Bericht zur Anabasis verfasst, in dem Xenophons Rolle nach Vermuten einiger bescheidener dargestellt wurde.) Zugleich hebt Xenophon auch hervor, dass die Zielsetzung des Zuges erst im Verlauf des Unternehmens klar geworden sei und rechtfertigt seine Teilnahme daran wiederholt.

Hellenika

In den Hellenika widmet Xenophon sich in sieben Büchern der Geschichte Griechenlands von 411 bis 362 v. Chr. Das Werk ist nicht aus einem Guss: Der erste Teil setzt, ohne Einleitung, ThukydidesDer Peloponnesische Krieg bis zum Ende dieses Krieges fort; er folgt diesem auch in der strikten Disposition nach Sommern und Wintern. Dann schildert Xenophon ausführlich die Herrschaft der Dreißig und die Restauration der Demokratie. Das 3. Buch setzt neu ein mit einem Verweis auf die Anabasis. Xenophon schildert Blüte und Verfall der spartanischen Hegemonie bis zur Schlacht bei Mantineia (362 v. Chr.), die das Ende aller innergriechischen Hegemoniebestrebungen bedeutete.

Die Darstellung ist ungleichmäßig, einseitig und zumal chronologisch unbefriedigend, gleitet zuweilen über mehrere Jahre hinweg; sie folgt weithin dem persönlich Erlebten und individuellem Interesse. Xenophon zeigt sich entschieden prospartanisch und antidemokratisch – in der athenischen Demokratie war der Justizmord an Sokrates möglich gewesen –, wenn auch Fehler und Härten der spartanischen Herrschaft nicht verschwiegen werden. Ziel ist die nach 371 v. Chr. verwirklichte Freundschaft Spartas mit Athen. Wichtigstes erwähnt er nur nebenbei oder lässt es ganz aus, etwa den Zweiten Attischen Seebund. Doch sind ihm keine bewussten Fälschungen nachgewiesen, und er wahrt in der Form die Objektivität, zu der der thukydideische Historiker verpflichtet ist. Diesem Vorbild folgend, erwähnt er in seinem Werk fast ausschließlich Kriegsgeschichte. Sein militärischer Sachverstand bewährt sich in exakten Schlachtenschilderungen. Größeren Zusammenhängen und tieferliegenden Ursachen nachzugehen liegt ihm fern. Er fügt sich dem Willen der Götter. Spartas Niedergang erscheint als Strafe für den Bruch des Königsfriedens im Jahre 387 v. Chr. (V,4,I). Im Zentrum steht die Einzelpersönlichkeit mit ihren Leistungen zumal als Heerführer; den Problemen von Herrschaft und Führung gilt sein psychologisches Interesse. Es fehlt nicht an geschickter Charakterisierung, auch wenn die zahlreichen Reden blass bleiben; einzelne Szenen sind dennoch ausgezeichnet gelungen. Xenophon hat an dem Werk lange gearbeitet. Der erste Teil kann vor 390 v. Chr. verfasst worden sein; eine Notiz des 3 . Buchs (III,5,25) wurde jedoch nach 381 v. Chr., eine des 6. Buchs (VI,4,37) nach 358 v. Chr. formuliert.

Sokratische Schriften

Anderen Schülern des Sokrates folgend, schildert Xenophon in seinen Sokratischen Schriften seinen verehrten Lehrer im Dialog; sein Sokrates (der „xenophontische Sokrates“) ist, im scharfen Widerspruch zu Platons Darstellung (dem „platonischen Sokrates“), ein Meister nüchtern-praktischer Lebensweisheit. Im Gegensatz zu früherer Xenophon-Hochschätzung betont die moderne Forschung den sekundären Charakter dieser Schriften und ihre Abhängigkeit von der Literatur älterer Sokratiker.

Die Apologie skizziert die Verteidigungsrede des Sokrates vor seinen Richtern, umrahmt von einem Gespräch vor der Verhandlung mit Hermogenes (Xenophon selbst war damals nicht in Athen) und einem Schlusswort und zwei Anekdoten nach der Verurteilung. Ziel ist, ältere Apologien, darunter wohl die platonische, zu korrigieren: Sokrates habe nicht in unverständlichem Trotz die Richter gereizt, sondern bewusst den Tod gesucht. Die Echtheit der Schrift wurde in der Forschung auch schon angezweifelt.

Die Memorabilien (auch: Erinnerungen an Sokrates) stellen ein ungleichmäßig durchgearbeitetes Sammelwerk in vier Büchern dar. Voran steht eine Verteidigung des Sokrates (I,1-2), besonders gegen die fingierte, nach 393 v. Chr. veröffentlichte Anklageschrift des Rhetors Polykrates. Als positives Gegenstück folgt eine lose Reihe sokratischer Gespräche, teils schematisch disponiert teils assoziativ angeschlossen. Der äußere Rahmen der Gespräche, Ort und Zeit spielen kaum eine Rolle, die Partner bleiben zuweilen anonym, der Dialog geht in Doxographie oder Spruchsammlung über, nicht ohne Überschneidungen und Wiederholungen. Xenophons Sokrates ist nicht der sich entziehende Ironiker, sondern eindeutiges Vorbild durch Selbstbeherrschung, Rechtlichkeit und Frömmigkeit, offen für den menschlichen Alltag und stets nach dem „Förderlichen“ fragend. Er hält nichts von Naturwissenschaft und Mathematik. Dass Xenophon variierend und korrigierend auf eine reich entfaltete sokratische Literatur Bezug nimmt, ist klar zu spüren; Exzerpte, Erfindungen und echte Erinnerungen genauer voneinander abzugrenzen, bleibt eine überaus heikle Aufgabe. Xenophon schrieb zumindest wesentliche Teile des Werks viele Jahrzehnte nach dem Tod des Sokrates; Anspielungen der Bücher 3 und 4 weisen am ehesten auf die Jahre 357/355 v. Chr.

Der Oikonomikos (auch: Von der Hauswirtschaft), formal ein Stück der Memorabilien, ist zu einem selbständigen Werk ausgestaltet. Sokrates tritt hier zurück: Er spricht mit Kritobulos über Verwaltung und Mehrung des Besitzes und erzählt ausführlich, wie ihm einst der jungverheiratete Gutsbesitzer Ischomachos sein Familienleben und seinen Tageslauf geschildert habe – ein reizvolles Genrebild, das manche autobiographischen Züge vom Leben in Skillous tragen mag und wegen seiner praktischen Ratschläge in der Antike viel gelesen und nachgeahmt wurde.

Das Symposion schildert ein fiktives Gastmahl für einen schönen Knaben im Haus des reichen Kallias in Anwesenheit von Sokrates und Antisthenes. Die heiteren Unterhaltungen münden in ein Gespräch über körperlichen und seelischen Eros, abgeschlossen durch einen Mimos von Dionysos und Ariadne als dem Bild des Eheglücks. Die literarischen Beziehungen zu Platons Symposion und den Lehren des Antisthenes sind kontrovers; als Kunstwerk ist das Symposion besonders gut gelungen.

Erziehung des Kyros

Die Erziehung des Kyros (auch: Kyrupädie bzw. Cyropädie), in 8 Büchern, ist nach Anspruch und stilistischem Können Xenophons Hauptwerk: das Bild des Idealstaates in Gestalt eines historischen Romans, der nach der Erziehung Kyros des Großen auch die schrittweise Eroberung Asiens bis zum Tod des Königs schildert. Die historischen Fakten sind nach Belieben zurechtgerückt – von persischem Lokalkolorit bleibt kaum eine Spur. Vielmehr entfaltet Xenophon mit dem Ziel politischer Bildung seine sokratischen und spartanischen Lieblingsthemen: Selbstzucht, Genügsamkeit und Gottvertrauen, Jagd und Krieg, Vorbild der Herrscherpersönlichkeit und aufrichtiger doch treuer Gehorsam der Untergebenen. Neben lehrhaften, geradezu sokratischen Gesprächen stehen realistisch-heitere Einzelszenen, auch eine hoch-pathetische Liebesgeschichte. Die Verherrlichung der aristokratischen Monarchie ist für die geistige Lage der Zeit bezeichnend; mit der Idealisierung des Kyros ging ihm anscheinend der Sokratesschüler Antisthenes voraus. Der Epilog, der den völligen Verfall der altpersischen Zucht schildert, ist nach 362 v. Chr. verfasst (VIII, 8, 4).

Sonstige Schriften

Der Agesilaos (Xenophon) stellt ein Enkomion auf den 361/360 v. Chr. verstorbenen Freund Agesilaos II. dar, das aus dem entsprechenden Material der Hellenika ausgearbeitet wurde. Nach einem erzählenden Teil werden die Tugenden des Toten systematisch dargestellt.

Die Schrift Hieron, ein Gespräch des Dichters Simonides mit dem Tyrannen Hieron von Syrakus über die Tyrannis, entwickelt wiederum Xenophons Ideal der Monarchie, wohl mit dem Blick auf die zeitgenössischen Tyrannen von Syrakus.

Das Staatswesen der Lakedämonier beschreibt die durch die Verfassung des mythischen Gesetzgebers Lykurg geregelte Erziehung und Lebensweise der Spartaner als Voraussetzung ihrer Vorherrschaft. Die alten Bräuche, die Xenophon aus eigener Anschauung kennt, werden im Licht sokratischer Ethik gedeutet und sublimiert. Ein Epilog führt den Niedergang Spartas nach 379 v. Chr. auf den Abfall von den alten Gesetzen zurück.

Im Kynegetikos (auch: Über die Jagd, besonders über die Abrichtung der Jagdhunde), widmet sich Xenophon einem seiner Lieblingsthemen. Lebendiger Erfahrung entspringen die feinen Tierbeobachtungen. Voran steht eine pompöse mythologische Einleitung, der Schluss verficht gegen die Bildung der Sophisten den erzieherischen Wert des Jagens. Aus stilistischen Gründen wurde die Echtheit angezweifelt; vielleicht liegt ein Frühwerk Xenophons vor.

Der Hipparchikos ist eine Fachschrift mit eingehender Anweisung und Empfehlungen für Rekrutierung, Dienstaufsicht, Drill, Menschenführung und Taktiken an einen kommandierenden Reitereioffizier in attischen Diensten im Hinblick auf eine Bedrohung durch Theben, also wohl um 362 v. Chr. verfasst.

Über die Reitkunst enthält eingehende Anweisungen von Pferdekauf und -pflege über die Schulung des Reiters bis zu den Spezialkniffen des Reiterkampfs.

Das Werk Über die Staatseinkünfte entwickelt ein Programm zur Sanierung der Finanzlage der Polis Athen, das nach dem Zusammenbruch des Zweiten Attischen Seebunds 355 v. Chr. auf die eigene Kraft angewiesen war. Staatliche Förderung der Wirtschaft, insbesondere Intensivierung des Silberbergbaus von Laurion soll nach Xenophons Ansicht die Besserung bewirken.

Zugeschriebenes Werk

Eine unter dem Namen Xenophons überlieferte politische Streitschrift über den Staat der Athener stammt nicht von ihm. Ihr Autor wird daher als Pseudo-Xenophon bezeichnet.

Charakteristik

Bei aller Buntheit trägt das Werk Xenophons durchweg das Gepräge einer in ihren Grenzen fest geformten Persönlichkeit. Gerade durch sein wechselvolles, katastrophenumwittertes Leben hindurch bewahrt Xenophon das feste Vertrauen zu den Göttern und ihren Zeichen sowie die unbedingte Wertung der Moral, der „Tugend der Seele“, als des Wegs zum wahren Erfolg. Hierin konvergieren für ihn aristokratische, spartanische, sokratische Ideale: Selbstbeherrschung, Bedürfnislosigkeit, Abhärtung durch Sport und Bewährung im Krieg, vor allem aber die Pflege persönlicher Freundschaft, die auf gegenseitigen „Wohltaten“ und Dankbarkeit beruht. Wohltuend berührt die schlichte, aufgeschlossene Menschlichkeit; Xenophon lebt für Freundschaft und Familie, freilich fern jeder Sentimentalität; entscheidend ist der Blick aufs Mögliche und „Nützliche“. Man spürt bei Xenophon weder Abgründe noch genialen Schwung, sondern Ausgeglichenheit, Urteilskraft und ruhige Heiterkeit.

Diese Ausgeglichenheit hat andererseits dazu geführt, dass man Xenophon in der Forschung lange Zeit unterschätzte. In den modernen Philosophiegeschichten eines Bertrand Russell (History of Western Philosophy) oder J. Hirschberger (Geschichte der Philosophie) spielt er keine besondere Rolle. Einerseits wurde Xenophon schon immer als eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion des historischen Sokrates betrachtet, andererseits hat er jedoch in den philosophischen Diskursen der Neuzeit und Moderne keine herausragende Position inne, weil er sich zu philosophischen Problemfeldern wie der Logik, der Erkenntnistheorie oder der Ontologie kaum geäußert hat. Im Bereich der politischen Philosophie, in der er seine Stimme mit einer großen Summe an praktischen Erfahrungen erhoben hat, spricht aus ihm der Praktiker, der auf diesem Gebiet auch den anderen Sokratikern wie Platon einiges voraus hat.

Ein weiterer Aspekt ließ Xenophon in der Römischen Republik und Kaiserzeit zu einem Klassiker werden: die Glaubwürdigkeit und auch die Bescheidenheit, die in seinem Werk des Öfteren spürbar wird und die ihn in späterer Zeit zu einem ernsthaften und vertrauenswürdigen Zeitzeugen werden ließ, der in seinem Werk so facettenreich Stellung zu verschiedensten geistesgeschichtlichen, kulturellen und sozialen Problemen des Zeitraums 400-350 v. Chr. genommen hat.

Rezeption

Xenophons Erfolg, bedeutend schon zu Lebzeiten, festigte sich in hellenistischer Zeit im Bund mit stoischer Popularphilosophie und erreichte seinen Höhepunkt im Attizismus, der ihn zum Muster des schlichten attischen Stils erhob. Auch die Römer, besonders Cicero, haben Xenophon hoch geschätzt und viel gelesen. Von der Renaissance bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erfreute sich Xenophon neuer Gunst; erst das späte 19. Jahrhundert hat ihn als missglückten Historiker und flachen Moralisten, nicht zuletzt auch als Frömmler und Vaterlandsverräter in einen Abgrund der Verachtung gestoßen, aus dem ihn nur allmählich gerechtere Beurteilung befreien kann.

Xenophons Werke, insbesondere die sokratischen Schriften und die Anabasis, sind unter anderem wegen ihrer nüchtern-klaren Sprache eine beliebte Lektüre, vor allem für den Schulunterricht. Da Xenophon teilweise Augenzeuge der berichteten Ereignisse war, ist er eine wichtige Quelle für die griechische Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Auch für die Philosophiegeschichte ist er als kritische Ergänzung zur Darstellung des Sokrates in den Werken Platons von Bedeutung. Sein soziologisches Urteilsvermögen zu gruppendynamischen Prozessen ist bemerkenswert. Seine Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen; die dort zu findenden Hinweise haben auch heute noch unverändert Gültigkeit.

Textausgaben

  • Xenophon: Opera omnia. Bd I. Historia Graeca. Hrsg. von E. C. Marchant. Oxford 1900; Nachdruck 1975, ISBN 0-19-814552-7.
  • Xenophon: Opera omnia. Bd II. Commentarii, Oeconomicus, Convivium, Apologia Socratis. Hrsg. von E. C. Marchant. Oxford 1901; Nachdruck 1971.
  • Xenophon: Opera omnia. Bd III. Expeditio Cyri. Hrsg. von E. C. Marchant. Oxford 1904; Nachdruck 1969.
  • Xenophon: Opera omnia. Bd IV. Institutio Cyri. Hrsg. von E. C. Marchant. Oxford 1910 (und Nachdrucke).
  • Xenophon: Opera omnia. Bd V. Opuscula. Hrsg. von E. C. Marchant. Oxford 1920; Nachdruck 1985. ISBN 0-19-814556-X
  • Xenophon: Kyrupädie – Die Erziehung des Kyros. Griechisch-Deutsch. Hrsg. und übersetzt von Rainer Nickel. Artemis und Winkler, München 1992, ISBN 3-7608-1670-3.
  • Xenophon: Anabasis - Der Zug der Zehntausend. Griechisch-Deutsch. Hrsg. und übersetzt von W. Müri und B. Zimmermann. Artemis-Verlag, München 1990, ISBN 3-7608-1661-4.
  • Xenophon: Hellenika. Griechisch-Deutsch. Hrsg. und übersetzt von G. Strasburger. München 1988, ISBN 3-7608-1670-3.
  • Xenophon: Die sokratischen Schriften. Hrsg. und übersetzt von E. Bux. Kröner, Stuttgart 1956.
  • Xenophons Apologie des Sokrates. Deutsch-Griechisch. Hrsg., eingeleitet, übersetzt, mit Biographie (verfasst von M. Mendelssohn) und Essay (Das Schwören des Sokrates „beim Hunde!“) ergänzt von R. Baer. Verlag Bär, Niederuzwil 2007, ISBN 978-3-9523212-3-2.
  • Ekkehard Stärk (Übers. und Hrsg.): Xenophon: Das Gastmahl. Griechisch/Deutsch. Reclam, Stuttgart 1986, ISBN 3-15-002056-5.

Literatur

Xenophon allgemein
  • Christian Mueller-Goldingen: Xenophon. Philosophie und Geschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-20485-4.
  • Rainer Nickel: Xenophon (= Erträge der Forschung Bd. 111). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1979, ISBN 3-534-04350-2.
  • Christopher Tuplin (Hrsg.): Xenophon and his World. Papers from a conference held in Liverpool in July 1999 (= Historia Einzelschriften Bd. 172), Steiner, Stuttgart 2004. ISBN 3-515-08392-8.
Einzelne Werke
  • Robin Lane Fox (Hrsg.): The Long March: Xenophon and the Ten Thousand. New Haven-London 2004.
  • Otto Lendle: Kommentar zu Xenophons Anabasis. Bücher 1-7. Darmstadt 1995. ISBN 3-534-12813-3.
  • Christian Mueller-Goldingen: Xenophons Memorabilien, in: Das Kleine und das Große, Essays zur antiken Kultur und Geistesgeschichte, München - Leipzig 2004
  • Christian Mueller-Goldingen: Untersuchungen zu Xenophons Kyrupädie. Teubner, Stuttgart 1995, ISBN 3-519-07491-5
  • Sarah B. Pomeroy: Xenophon - Oeconomicus. A Social and Historical Commentary. Oxford 1994. ISBN 0-19-815025-3

Weblinks

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Anmerkungen

  1. Anabasis 3,1,4ff.
  2. Anabasis 5,3,7.






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