Wolf Jacob Stromer (* 26. Mai 1561 in Nürnberg; † 29. Juni 1614 in Nürnberg) war von 1589 bis zu seinem Tod Ratsbaumeister der Stadt Nürnberg. Während seiner 25-jährigen Amtszeit entstanden viele bedeutende Renaissancebauten der Stadt.
Inhaltsverzeichnis |
Wolf Jakob Stromer gehörte einem Patriziergeschlecht an, das im Mittelalter zu den wichtigsten Patrizierfamilien der freien Reichsstadt Nürnberg gehörte. Die Familie war mit längeren Unterbrechungen im 16. und 17. Jh. im „Inneren Rat“ von Nürnberg vertreten, so auch Wolf Jakob Stromer. Sein Vorfahr Ulman Stromer schrieb das früheste Werk der Nürnberger Geschichtsschreibung und gründete und betrieb die erste Papiermühle Deutschlands. Ein anderer Vorfahr, Peter Stromer, erfand die Nadelholzsaat. Der Leitspruch der Stromer lautet: "dum spiro, spero" – zu deutsch: "solange ich atme, hoffe ich".
Wolf Jakob Stromer wurde 1575 mit 14 Jahren sehr jung und als einer der ersten Studenten an der Reichsstädtischen Akademie in Altdorf immatrikuliert und beendete seine akademische Ausbildung nach einer kurzen Zwischenphase in Ingolstadt ab 1579 in Bologna.
In Italien reiste er nach Padua, Florenz, Rom und Venedig und erwarb dort offenbar reichlich Kenntnis in klassischer und moderner Baukunst. Nachdem er wieder nach Nürnberg zurückgekehrt war, heiratete er 1584 Sabine Scheurl, die Tochter des Stadtrichters Christoph Scheurl. Noch im selben Jahr trat er in die Ämterlaufbahn ein und wurde zum Obersten Forstmeister berufen. Fünf Jahre später wurde er in den „Inneren Rat“ aufgenommen und wurde zum Ratsbaumeister ernannt. Er trat damit die Nachfolge von Hieronymus Holzschuher an und hatte das Amt bis zu seinem Tod 25 Jahre lang inne. Das Grab Stromers auf dem Johannisfriedhof hat sich bis heute erhalten.
Unter Stromers Leitung entstanden mehrere äußerst bedeutende Bauten, die noch heute das Stadtbild Nürnbergs prägen. Dies ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er mit Jakob Wolff dem Älteren und dem Zimmermeister Peter Carl "kongeniale Mitarbeiter" (Fleischmann 2008) an seiner Seite hatte. Zu nennen sind unter anderem der Neubau des Baumeisterhauses in der Peunt, Ausbau und Verstärkung der Festung Lichtenau und die Vollendung von Arbeiten an den Nürnberger Befestigungsanlagen, wie der Wöhrdertorbastei.
Alle achtzehn Pegnitzbrücken – nach verheerenden Hochwassern 1595 und 1602 zerstört oder beschädigt – wurden erneuert. Besonders hervorzuheben sind die Fleischbrücke und die ABC-Brücke.
Die Fleischbrücke liegt an der engsten Stelle der Pegnitz und ist deshalb den stärksten Fließkräften innerhalb der Mauern ausgesetzt. Da die Brücke auch den Haupttransit- und den größten innerstädtischen Verkehr tragen musste, ließ Stromer sie 1596–98 durch den Baumeister Jakob Wolff den Älteren und die Zimmermeister Mathes Herdegen und Peter Carl wieder aufbauen. Als einbogige Steinbrücke auf einem Fundament von über 2000 Holzpfählen errichtet, ist sie in technischer Hinsicht angeregt durch die Rialtobrücke in Venedig, von der Stromer ein in seine architektonischen Einzelteile zerlegbares Baumodell aus Holz [1] besaß. Es befindet sich noch mitsamt der originalen Transportkiste im Schloss Grünsberg bei Altdorf im Nürnberger Land. Die Fleischbrücke gilt als technisch bedeutsamster Brückenbau dieser Zeit in Europa und hielt selbst den benachbarten Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg stand; 2004 musste sie erstmals instandgesetzt werden.
Die 40 Meter lange und 7,5 Meter breite ABC Brücke (1728 durch die Karlsbrücke ersetzt) ließ Wolf Jakob Stromer 1603/04 nach dem Vorbild der Brentabrücke (Ponte degli Alpini) des italienischen Architekten Andrea Palladio bei Bassano di Grappa errichten.
Auch bedeutende private Bauvorhaben in der Stadt und im Nürnberger Landgebiet wurden während Stromers Amtszeit ausgeführt, zum Beispiel am Fembohaus, dem Pellerhaus, den Herrensitzen der Geuder von Heroldsberg/Welser in Neunhof bei Lauf und dem Schloss der Tetzel in Kirchensittenbach.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stromer, Wolf Jakob |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Stadtbaumeister in Nürnberg |
| GEBURTSDATUM | 26. Mai 1561 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 29. Juni 1614 |
| STERBEORT | Nürnberg |
stock | retire | vm
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History