Unter Wirtschaftswachstum wird die Änderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Summe der Preise der in einer Volkswirtschaft produzierten ökonomischen Güter (Waren und Dienstleistungen), von einer Periode zur nächsten verstanden.
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Im nominalen Wirtschaftswachstum wird das Wachstum als nominale Änderung des Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise des Bruttonationaleinkommens definiert.
Dagegen wird beim realen Wirtschaftswachstum die Preissteigerung herausgerechnet. Gemessen wird nach diesem Konzept die eigentliche reale Leistungssteigerung der Gesamtwirtschaft.
Bei extensivem Wachstum geht es um die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts, ohne zu betrachten, ob sich auch die Güterversorgung pro Kopf der Bevölkerung vergrößert hat.
Intensives Wirtschaftswachstum liegt nur vor, wenn das Pro-Kopf-Einkommen steigt. Das bedeutet, dass das Wachstum durch eine höhere Arbeitsproduktivität erlangt wird. Die Wachstumsrate des BIP übersteigt also die Wachstumsrate der Bevölkerung.[1]
Bei der Abgrenzung zwischen absolutem und relativem Wirtschaftswachstum wird das Wirtschaftswachstum in der Regel als prozentuale, also relative Veränderung zum Vorjahr angegeben. Damit wird das Wirtschaftswachstum als Exponentielles Wachstum verstanden. Mitte der Fünfziger Jahre betrug in Deutschland das bereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ca. 5000 Euro, bei (relativen) Wachstumsraten um die 10 %. Dies entspricht einem absoluten Wachstum von durchschnittlich ca. 500 Euro pro Person. Anfang der Neunziger Jahre lag das BIP pro Kopf bei ca. 25.000 Euro, bei einem relativen Wachstum von 2%, was einem absoluten Wachstum von wiederum 500 Euro pro Kopf entspricht - demselben absoluten Wert wie in den Fünfzigern.
Unter qualitativem Wachstum versteht man die Erhöhung des Sozialprodukts, die gleichzeitig mit der Mehrung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstandes entsteht. Man nennt dieses Wirtschaftswachstum auch umweltfreundlich, weil es versucht das Wachstum nicht durch Belastung der Umwelt zu erreichen. [2] Mit der verstärkten Nutzung erneuerbaren Ressourcen soll eine Wohlstandsverteilung mit geringerer Belastung der Umwelt und geringerem Verbrauch begrenzter Rohstoffe ermöglicht werden. Solch ein qualitatives Wirtschaftswachstum folgt damit dem Prinzip der Nachhaltigkeit.[3]
Quantitatives Wachstum ist die Erhöhung des Sozialprodukts ohne Rücksichtnahme auf die soziale und natürliche Umwelt.[2] Es erfolgt nur auf Grund einer erhöhten Nachfrage und nur aus diesem Grund regt es auch die Beschäftigung an.[2]
Das Bruttoinlandsprodukt wird mit Hilfe der drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Technologie erzeugt. Zur Erklärung von Wirtschaftswachstum werden, wie im Solow-Modell, die Beiträge der Faktoren zum Gesamtwachstum untersucht [4].
Beschäftigungsvermehrung bedeutet mehr Arbeiter, die bereit sind, die wirtschaftlichen Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Beschäftigungsvermehrung läuft jedoch in sehr engen Grenzen bzw. zunehmend langsamer ab. In vielen ärmeren Ländern in Afrika wächst die Bevölkerung jedes Jahr um drei Prozent. Eine so schnelle Bevölkerungsvermehrung bewirkt, dass es enorm schwer ist, dafür zu sorgen, dass alle Beschäftigten über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen um eine hohe, erforderliche Produktivität zu erreichen. Viele Länder in der Welt versuchen die Bevölkerungsvermehrung mit Gesetzen zu begrenzen und auf diese Weise ihre Lebensqualität zu sichern. In China beispielsweise darf ein Paar nur ein Kind haben und Familien, die gegen dieses Gesetz verstoßen, zahlen hohe Bußgelder.[5]
Die gesellschaftliche Lebensqualität hängt von der Fähigkeit ab, die hierfür erforderlichen Güter und Dienstleistungen herzustellen. Die Länder, die in den Jahren 1960-1965 ein durchschnittlich höheres Niveau bei der Produktivität erreicht haben, hatten im Jahr 1990 auch das größte Pro-Kopf-Einkommen.[6] Anders formuliert waren die reichen Länder produktiver als die ärmeren, weil sie mehr Kapital je Beschäftigten hatten und diese zudem besser ausgebildet waren. Diesen Zusammenhang hat Robert Solow in seinem Wachstumsmodell erklärt.
Der Wachstumsbeitrag, der nicht auf einer Zunahme des Einsatzes der Faktoren Arbeit und Kapital beruht sondern auf technologische Innovationen, wird als Technischer Fortschritt bezeichnet. Hierbei kann es sich zum Beispiel um neue Produkte, verbesserte Produktionsverfahren, Erschließung neuer Rohstoff-Ressourcen oder neue Organisationsstrukturen handeln.
Die fünf reichsten Länder (USA, Frankreich,Deutschland, Japan und UK) geben für die Forschung und Entwicklung zwischen 2 % und 3 % ihres BIP aus. Auf die Weise erhöhen sie ihre Chance neue, bessere Produkte zu entwickeln und dadurch ihren Gewinn zu steigern. Die Verwendung der neuen, hoch technologisch entwickelten Produkte erhöht wiederum die Produktivität der einzelnen Beschäftigten.[7]
| Land |
Euro-16 |
2009 |
2010 |
|---|---|---|---|
| !€ | 103,0 0,3 | 100,7 0,7 | |
| Datei:Flag of Greece.svg Griechenland | !€ | 099,1 −0,9 | 100,1 0,1 |
| !€ | 099,1 −0,9 | 100,2 0,2 | |
| 098,6 −1,4 | 100,8 0,8 | ||
| 098,4 −1,6 | 099,9 −0,1 | ||
| !€ | 097,4 −2,6 | 100,7 0,7 | |
| 097,3 −2,7 | 100,3 0,3 | ||
| !€ | 097,0 –3,0 | 099,8 −0,2 | |
| !€ | 097,0 –3,0 | 099,9 −0,1 | |
| !€ | 096,8 –3,2 | 099,0 −1,0 | |
| 096,7 −3,3 | 100,3 0,3 | ||
| !€ | 096,4 –3,4 | 100,7 0,7 | |
| !€ | 096,5 –3,5 | 099,8 −0,2 | |
| !€ | 096,5 –3,5 | 099,6 −0,4 | |
| !€ | 096,3 –3,7 | 099,2 −0,8 | |
| 096,2 −3,8 | 100,1 0,1 | ||
| !€ | 096,0 –4,0 | 099,9 −0,1 | |
| Europa (EU-27) | 096,0 –4,0 | 099,9 −0,1 | |
| !€ | 096,0 –4,0 | 099,9 −0,1 | |
| 096,0 –4,0 | 100,0 ±0 0 | ||
| 096,0 –4,0 | 100,8 0,8 | ||
| !€ | 095,6 –4,4 | 100,1 0,1 | |
| !€ | 095,3 –4,7 | 100,2 0,2 | |
| !€ | 094,6 –5,4 | 100,3 0,3 | |
| 093,7 −6,3 | 099,7 −0,3 | ||
| !€ | 091,0 –9,0 | 097,4 −2,6 | |
| 089,7−10,3 | 099,2 −0,8 | ||
| 089,0−11,0 | 095,3 −4,7 | ||
| 086,9−13,1 | 096,8 −3,2 | ||
| Quelle: SN/APA/EC[8] | |||
Das Wirtschaftswachstum im Deutschen Kaiserreich betrug etwa 3–4 % pro Jahr. Durch den ersten Weltkrieg ging es in eine Stagnation über. In den 1920er Jahren schoss es auf 6–8 % hoch, weswegen dieses Jahrzehnt auch oft als Die Goldenen Zwanziger bezeichnet wird. Nach der großen Depression 1930 wuchs die Wirtschaft wieder mit etwa 6–8 %, welches aber nicht auf eine stabile wirtschaftliche Erholung, sondern vor allem auf das Wachstum der Rüstungsindustrie und Lohnerhöhungen auf Pump in der Nazizeit zurückzuführen ist. Im Zweiten Weltkrieg schwächte sich das Wachstum bis 1944 ab, worauf dann 1945 die Wirtschaft durch die Niederlage Deutschlands im Krieg einbrach und um zwei Drittel schrumpfte. Im Zuge des Wiederaufbaus der späten 1940er Jahre schoss das Wachstum auf 20 % hoch. Nachdem der Wiederaufbau Mitte der 1950er Jahre abgeschlossen war, pendelte sich das Wachstum in den 1960ern und frühen 1970er Jahren auf 5 % p. a. ein. Dieses starke Wachstum ist allerdings kaum noch auf den Wiederaufbau zurückzuführen, sondern auf eine wirtschaftliche Hochperiode, die weltweit zu beobachten war. Durch die Unsicherheiten der 1970er Jahre vor allem durch die nicht mehr gesicherte Energieversorgung und das Explodieren der Ölpreise sank das Wachstum auf 2–3 % in den 1980ern und 1990ern ab. Ab Mitte der 1990er hat es weiter nachgelassen, dies wird heute mehrheitlich als eine Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland angeführt. Seit 2006 befindet sich Deutschland in einer Phase erhöhter wirtschaftlicher Aktivität – das Wirtschaftswachstum lag mit 2,7 % im Jahr 2006 in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000, damit möglicherweise über dem methodisch umstrittenen sogenannten Potenzialwachstum.
Da es nationale Unterschiede in der Berechnung des Wirtschaftswachstums gibt, sind die Werte international nicht problemlos miteinander vergleichbar. Aus diesem Grund fertigen Institutionen wie die OECD, die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds internationale Vergleichsstudien an.
Im Vergleich zur gesamten Menschheitsgeschichte hat die gegenwärtige Periode hohen Wirtschaftswachstums bisher nur eine sehr kurze Geschichte. Vom Jahr 1000 bis zum Anfang der Industriellen Revolution 1820 lag das weltweite Wachstum des Pro-Kopf-Bruttosozialprodukts bei gerade einmal 0,05 %. In den Jahren 1820-1870 wird ein Wachstum von 0,53% angenommen und von 1870 bis vor den Anfang des ersten Weltkriegs 1913 dann 1,3 %. Zwischen den Weltkriegen bis 1950 sank es auf 0,91 %, bis es dann in der Zeit des Wirtschaftswunders 1950-1973 (nach Maddison auch golden age) auf 2,93 % hochschoss. In den nächsten 25 Jahren belief es sich wieder nur auf 1,33 %. Von 1900 bis 2000 betrug das Durchschnittswachstum aller westlichen Industrieländer 1,5 %.
Die Wachstumstheorie hat zahlreiche Modelle zum Wirtschaftswachstum hervorgebracht, in denen die langfriste Zunahme des Pro-Kopf-Einkommens analysiert und modelliert wird.
Die bekanntesten sind:
Wirtschaftliches Wachstum gilt als eines der Hauptziele staatlicher Wirtschaftspolitik, da angenommen wird, dass es den Lebensstandard der Bevölkerung erhöhe. In Deutschland ist ein stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum neben einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht, niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation als Eckpunkt des „magischen Vierecks“ im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 als Ziel der Wirtschaftspolitik verankert. „Stetiges“ Wirtschaftswachstum bedeutet, dass die kurzfristigen Konjunkturschwankungen um den langfristigen Wachstumspfad so weit wie möglich vermieden werden sollen. Rezessionen sollen durch staatliche Intervention abgeschwächt und Boomphasen durch Haushaltskonsolidierung eingeschränkt werden. Diese Wirtschaftspolitik wirkt antizyklisch und wurde entscheidend durch den Keynesianismus geprägt. Welche Wachstumsrate „angemessen“ ist, lässt sich nicht pauschal festsetzen. Ein Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent wird jedoch von den meisten Wirtschaftswissenschaftlern als notwendig angesehen, um langfristig die Arbeitslosigkeit abzubauen. Diese Annahmen beruhen auf dem Okunschen Gesetz. Arthur Melvin Okun untersuchte empirisch den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit. Über die Phillips-Kurve können diese Werte mit der Inflation verbunden werden; jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Umfragen zeigen, dass ab einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 20.000 US-Dollar weiteres Wirtschaftswachstum seinen positiven Effekt auf das Glücksempfinden von Nationen verliert. Unter diesem Wert lässt sich noch eine relativ starke Korrelation zwischen der Zufriedenheit der Bevölkerung verschiedener Länder und ihrem durchschnittlichen Einkommen feststellen.[9]. Tibor Scitovsky verband im Jahr 1976 die Entwicklung eines steigenden Konsums ohne eine entsprechend zunehmende Zufriedenheit der Menschen in Wohlstandsgesellschaften mit dem Begriff joyless economy (freudlose Wirtschaft).
Die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum wird vor allem im Zusammenhang mit der sogenannten Beschäftigungsschwelle diskutiert. Diese versucht anzugeben, ab welchem Wirtschaftswachstum neue Stellen entstehen. Ursache für die Beschäftigungsschwelle sind Rationalisierungen, durch die Arbeitskräfte freigesetzt werden. Um diesen Abbau auszugleichen muss (bei gleich bleibendem Arbeitsangebot) die Wirtschaft wachsen. Bei einem Produktivitätszuwachs von 0 würde auch die Beschäftigungsschwelle auf 0 sinken. Die Beschäftigungsschwelle lag in Deutschland längere Zeit bei einem Wirtschaftswachstum von etwa 2%. In den letzten Jahren sank sie auf 1% im Jahre 2005. Das liegt immer noch über dem Durchschnitt der EU mit einem Produktivitätswachstum von 0,5% im Jahr 2005. Durch die sogenannten Hartz-Reformen wird von den meisten Ökonomen ein Absinken der Beschäftigungsschwelle erwartet. Als Grund dafür wird angenommen, dass durch die Reform auch entstehende unattraktivere Stellen angenommen werden.
Wirtschaftliche Erholungsphasen führten zu einem in den 1990er Jahren als jobless recovery oder jobless growth genannten Effekt: Erholung und Wachstum ohne Schaffung neuer Arbeitsplätze. Erklärungsversuche beziehen Faktoren ein wie Automatisierung, Steigerung der Produktivität der Arbeitnehmer und Verlängerungen der tatsächlichen Arbeitszeiten. Bei der Interpretation der Verringerung von Arbeitslosenzahlen in wachsenden Wirtschaften müssen die Definitionen von Arbeitslosigkeit und Veränderungen der Methoden, Menschen in Arbeit zu bringen, berücksichtigt werden.
Niklas Luhmann sieht im Wirtschaftswachstum eine Wunschvorstellung, die die „unsichtbare Hand“ bereits im 18. Jahrhundert als Fortschrittsgarantie zur „Invisibilisierung“ des Knappheitsparadoxes ersetzte. Nach Luhmann wird Mengenwachstum „durch die Art der Allokation produziert“. Die Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums als Bedingung gesellschaftlicher Stabilität betrachtet Luhmann als eine Suggestion an Politiker und die Öffentlichkeit. Die Suggestion funktioniere, da hier mit „zeitlicher Asymmetrie“ spekuliert werde. Das ist eine Anspielung Luhmans auf die Nutzung von Ressourcen in der Gegenwart, für die kommende Generationen erst in der Zukunft zahlen müssen. Wenn das nicht mehr möglich sei, dann müsse man sich mit den externen Kosten und ökologischen Folgen auseinandersetzen. Wirtschaftswachstum, das absehbar nur kurzfristig stattfindet und die Lebensressourcen der nachfolgenden Generationen übermäßig verknappt, kann die gesellschaftliche Stabilität durchaus beeinträchtigen. Dies kann bereits in der Gegenwarten zu größeren Generationenkonflikten führen, in der Zukunft kann es die Gesellschaft vor existentielle Probleme stellen.[10]
Seit dem Bericht von Dennis Meadows über die Grenzen des Wachstums wird u.a. vom Club of Rome die Möglichkeit eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums diskutiert.
Im Wesentlichen gibt es hier zwei Positionen. Die eine Position - vertreten unter anderem von Herman Daly, Träger des alternativen Nobelpreises - geht von prinzipiellen Grenzen des Wachstums aus, da die physikalischen Grenzen des Verbrauchs von nicht-erneuerbaren Ressourcen (Rohstoffe und Energiequellen) auch für die Wirtschaft gelten, was langfristig eine Verringerung des Wachstums oder sogar Wachstumsrücknahme zur Folge haben müsste.
Die andere Position geht davon aus, dass es für Wachstum neue Möglichkeiten geben wird. Eine Vertreterin letzterer Position ist beispielsweise die Ökonomin Diane Coyle[11]. Als Möglichkeiten zur Überwindung der Grenzen des Wachstums werden zum Beispiel gesehen:
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