| Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Kleidungsstück Weste. Für die Gemeinde Weste in Niedersachsen siehe unter Weste (Niedersachsen). |
Eine Weste ist ein Kleidungsstück und gehört zur Oberbekleidung. Sie ist eine ärmellose taillenlange Jacke und wird über einem anderen Kleidungsstück, meist dem Oberhemd, getragen.
Westen bestehen aus unterschiedlichen Stoffen. Es gibt z. B. Leder-, Leinen-, Woll- als auch Strick- und Steppwesten. Beim dreiteiligen Anzug besteht die Westenvorderseite aus dem gleichen Material wie der gesamte Anzug, die Rückenseite hingegen aus Futterstoff. Bei festlichen Anzügen (Smoking) und als Frackweste kann die Weste auch kontrastfarbig oder bunt sein.
Eine Weste wird üblicherweise vorn geknöpft, wobei bei der Anzugsweste der unterste Knopf traditionell offen bleibt. Auf der Vorderseite hatte die Weste vier, später auch zwei kleine Taschen, ursprünglich oft zum Einstecken der an einer Uhrkette getragenen Taschenuhr. Zum zweireihigen oder hochgeschlossenen einreihigen Sakko wird üblicherweise keine Weste getragen, da sie nicht zu sehen wäre.
Eine relativ neue Entwicklung sind Westen im legeren Freizeitlook für Männer und Frauen.
Einige Kleidungsstücke, die spezielle Funktionen erfüllen, haben die Form einer Weste, da dies die einfachste Form ist, um den kompletten Oberkörper zu umschließen und somit eine große Fläche zu schützen.
Die bekannteste Funktionsweste ist die im 19. Jahrhundert anstelle der Livree entstandene Dienerweste, schwarz-weiß längsgestreift, mit schwarzem Rücken und Ärmeln und mindestens vier Taschen, um Utensilien wie Schlüssel, Feuerzeug oder ähnliches aufzunehmen.
Bayerische Definition von Weste
In einigen Bayerischen Regionen, vorwiegend in der Oberpfalz und Niederbayern, bezeichnet man langärmlige Sweatshirts, die einen durchgehenden Reißverschluss aufweisen und aus einem für Sweatshirts untypischen dickeren Material gefertigt werden, als Weste. Meist werden sie als Übergangsbekleidung im Herbst und Frühling getragen, wobei der Kreativität in Sachen Anzahl der Knöpfe und Taschen, Kapuze oder Material, kaum Grenzen gesetzt werden.
Die Weste wurde um 1675 als Unterjacke zu einem Justaucorps getragen und entstand aus dem Wams. War sie anfangs meist noch mit Ärmeln ausgestattet, wurde sie im frühen 18. Jahrhundert zu einer knielangen Schoßweste. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts war sie fast immer ärmellos und nur noch hüftlang; am Ende des Jahrhunderts endete sie auf Höhe der Taille. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert gehörte die Weste fast zwingend zum Männeranzug.
Die Tradition, bei einer Anzugweste den untersten Knopf offen zu lassen, hat angeblich Eduard VII. von Großbritannien begründet. Böse Zungen sagen ihm nach, dass er wegen seines Übergewichts stets den untersten Knopf offen gelassen hat. Aufgrund seiner Königswürde sei diese Mode von seinen Untertanen übernommen worden.
Die Redensart, dass jemand eine weiße Weste hat sagt aus, dass derjenige an einem Geschehen unschuldig sei. Als Ursprung dieses Spruches gilt Otto von Bismarck (1815–1898).
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