| Vietnamesisch | ||
|---|---|---|
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Gesprochen in |
Vietnam, USA, Kambodscha, Frankreich, Australien, Deutschland und einigen anderen Ländern | |
| Sprecher | Geschätzte 75 Millionen Muttersprachler, 10 Millionen Zweitsprachler | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | Vietnam | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
vi |
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| ISO 639-2: |
vie |
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| ISO 639-3: |
vie |
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Die vietnamesische Sprache (Vietnamesisch, Annamitisch, tiếng Việt (Hán Nôm: 㗂越), tiếng Việt Nam (㗂越南), oder Việt ngữ (越語) ist die Amtssprache in Vietnam. Sie wird von etwa 75 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, davon etwa 70 Millionen Menschen in Vietnam und schätzungsweise sechs bis sieben Millionen Vietnamesen im Ausland.
Obwohl Vietnamesisch mit Chinesisch nicht urverwandt ist, besteht es im Wesentlichen aus Wörtern chinesischen Ursprungs. Dabei muss man zwischen den sinovietnamesischen und den vietnamisierten Wörtern unterscheiden. Erstere werden als einheimisch empfunden, obwohl sie eigentlich chinesischen Ursprungs sind.
Vietnamesisch ist eine tonale und monosyllabische Sprache (die kleinste Sinneinheit besteht aus nur einer Silbe). Aufgrund des jahrzehntelangen Vietnamkriegs und der darauf folgenden Abschottung des Landes bis in die 1980er Jahre gehört Vietnamesisch zu den linguistisch weniger erforschten Sprachen.
Inhaltsverzeichnis |
Die genetische Einordnung der vietnamesischen Sprache ist heute unumstritten, sie gehört zu den Mon-Khmer-Sprachen innerhalb der austroasiatischen Sprachfamilie. Dies geht auf die Sprachwissenschaftler Jean Przyluski und A.-G. Haudricourt zurück, die Vietnamesisch mit der Mường-Sprache (㗂𡙧) verglichen, die zwar keine Tonsprache ist, aber trotzdem nachweislich mit dem Vietnamesischen verwandt ist. In einem viel beachteten Artikel erklärte Haudricourt 1954 die Tonogenese der vietnamesischen Sprache, nämlich dass sie ursprünglich keine Tonsprache war und sich die sechs Töne erst später herausbildeten.
Die Geschichte der vietnamesischen Sprache ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die heute vorherrschende Meinung geht auf Henri Maspéro zurück. Nach dieser gab es eine Proto-Vietnamesische Sprache, die bezüglich Flexion und Konsonantenverbindungen anderen Sprachen in der Austro-Asiatischen Sprachfamilie ähnlich war. Diese Eigenschaften sind später verloren gegangen; stattdessen hat sich die vietnamesische Sprache ähnlich anderen südostasiatischen Sprachen entwickelt (etwa den Tai-Kadai-Sprachen welche ebenfalls mit chinesischen Zeichen geschrieben wurden). So kamen Töne und der isolierende Sprachbau im Vietnamesischen auf.
Diese Vorgängersprache war möglicherweise zunächst in der Region um den Roten Fluss im heutigen Nordvietnam beheimatet und kam erst mit der langsamen Ausdehnung des vietnamesischen Einflusses nach Süden in das heutige Mittel- und noch viel später erst in das heutige Südvietnam.
Gleichzeitig zu dieser Ausdehnung kam es zu einer politischen Dominanz Chinas über Vietnam, die 1.000 Jahre dauern sollte. Die Chinesen machten die chinesische Sprache zur Literatur- und Amtssprache, sie wurde damit zur Sprache der herrschenden Klasse des Landes. Bis zum 10. Jahrhundert hatte sich eine Art Sino-Vietnamesisch herausgebildet, das eine hohe Anzahl von chinesischem Vokabular enthielt und auch mit chinesischen Zeichen geschrieben wurde. Vor allem aus dem gesellschaftspolitischen und kulturellen Bereich wurden zahlreiche Wörter in die vietnamesische Sprache übernommen.
Nach dem Ende der chinesischen Herrschaft über Vietnam bekam die vietnamesische Umgangssprache wieder höhere Bedeutung. Diese Sprache wurde ebenfalls mit chinesischen Zeichen geschrieben, welche die vietnamesischen Gelehrten jedoch nach und nach an ihre Bedürfnisse anpassten, das Ergebnis war chữ nôm (𡦂喃). Diese altvietnamesische Schrift erreichte im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit, einige Schriftsteller verfassen heute noch bedeutende Werke in chữ nôm.
Im 17. Jahrhundert entwickelten Missionare aus Europa eine Romanisierung der vietnamesischen Sprache. Gleichzeitig begannen europäische Sprachen, speziell das Französische, die vietnamesische Sprache zu beeinflussen. Langsam entwickelte sich dadurch die mittelvietnamesische Sprache heraus. Nachdem im späten 19. Jahrhundert Vietnam zur französischen Kolonie wurde, wurde die französische Sprache auch Amts- und Bildungssprache. Viele Worte aus dem Französischen kamen als Lehnwörter in die vietnamesische Sprache, und eine bedeutende Zahl von sino-vietnamesischen Wörtern bekam eine neue, von westlichem Gedankengut inspirierte Bedeutung. Die chinesische Schrift blieb in Verwendung, die romanisierte Schrift breitete sich jedoch im 19. Jahrhundert weiter aus. Im Jahre 1910 führte die französische Kolonialverwaltung die lateinische Schrift offiziell ein. Nach der Unabhängigkeit Vietnams 1945 wurde sie verbindlich und ermöglichte eine schnellere Alphabetisierung großer Bevölkerungsteile.
Vietnamesisch ist ausschließlich in Vietnam Amtssprache. In Vietnam wird es von der gesamten Bevölkerung gesprochen; die zahlreichen ethnischen Minderheiten des Landes (dazu gehören Chinesen, Inder und Kambodschaner ebenso wie zahlreiche Bergvölker) sprechen die Sprache entweder als Muttersprache oder als Zweitsprache.
Darüber hinaus hat sich die Sprache mit der Auswanderung von Millionen Vietnamesen in die ganze Welt verbreitet. So wird Vietnamesisch vor allem in den USA, Australien, Kanada und Frankreich von „Überseevietnamesen“ gesprochen. In Deutschland gibt es etwa 100 000 Muttersprachler, in Frankreich etwa 200 000, in Polen sind es etwa 5 000.
Es gibt drei Hauptdialekte. Die Sprecher des einen Dialektes können unter Umständen den Sprecher eines anderen Dialektes verstehen, denn die Dialekte unterscheiden sich nur in der Aussprache und Wortwahl, nicht aber in Grammatik oder Syntax. Die drei Dialekte sind:
Hauptunterschiede bestehen bezüglich der Aussprache der Töne – die nördlichen Dialekte neigen dazu, die Töne stärker voneinander zu unterscheiden als die südlichen Dialekte; das betrifft besonders den hỏi (𠳨)-Ton und den ngã (我)-Ton.
Die Rechtschreibung ist an den Dialekt der Hauptstadt angelehnt.
In diesem Abschnitt wird die Aussprache des Vietnamesischen im Norden des Landes bzw. in Hanoi beschrieben.
In der Aussprache von Hanoi gibt es 22 Konsonanten-Phoneme:
| bilabial | labio- dental |
dental/ alveolar |
palatal | velar | glottal | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | nicht aspiriert | p | t | c | k | (ʔ) | |
| aspiriert | tʰ | ||||||
| implosiv | ɓ | ɗ | |||||
| Frikative | f v | s z | x ɣ | h | |||
| Nasale | m | n | ɲ | ŋ | |||
| Approximanten | labiovelar | w | j | ||||
| lateral | l | ||||||
| ăn (𩛖) | „essen“ | /ɐn/ | → | [ʔɐn] |
| uỷ (委) | „delegieren“ | /wi/ | → | [ʔwij] |
| đáp (答) | „antworten“ | /ɗɐːp/ | → | [ʔɗɐːp̚] |
| mát (𩗂) | „kühl“ | /mɐːt/ | → | [mɐːt̚] |
| khác (恪) | „unterschiedlich“ | /xɐːk/ | → | [xɐːk̚] |
| đục (濁) | „schlammig“ | /ɗuk/ | → | [ʔɗuk͡p̚] |
| độc (毒) | „Gift“ | /ɗɜwk/ | → | [ʔɗɜwk͡p̚] |
| ung (癰) | „Krebs“ | /uŋ/ | → | [ʔuŋ͡m] |
| ong (蜂,螉) | „Biene“ | /ɐwŋ/ | → | [ʔɐwŋ͡m] |
Über das Vokalsystem des Vietnamesischen besteht unter Sprachwissenschaftlern relativ große Uneinigkeit. Die einfachen Vokale können auch als Diphthonge interpretiert werden und es gibt verschiedene Ansichten über die Merkmale Länge und Qualität.
| vorne | zentral | hinten | |
|---|---|---|---|
| geschlossen | i | ɨ | u |
| halb geschlossen | e | əː | o |
| halb offen | ɛ | ɜ | ɔ |
| fast offen | ɐ / ɐː |
| chị (姊,姉) | „ältere Schwester“ | /ci/ | → | [cɪj] | quê (圭) | „Land“ | /kwe/ | → | [kwej] | |
| tư (四) | „vierter“ | /tɨ/ | → | [tɨɰ] | mơ (𥊚) | „träumen“ | /məː/ | → | [məːɰ] | |
| thu (秋) | „Herbst“ | /tʰu/ | → | [tʰʊw] | cô (姑) | „Tante väterlicherseits“ | /ko/ | → | [kow] |
Außer den einfachen Vokalen (Monophthongen) hat das Vietnamesische noch eine Reihe von Diphthongen und Triphthongen. Phonologisch kann man diese Diphthonge und Triphthonge als Vokale beschreiben, auf die ein Konsonant ([j] oder [w]) folgt.
| /ɜ/-Diphthonge | /j/-Diphthonge/Triphthonge | /w/-Diphthonge/Triphthonge |
|---|---|---|
| /iɜ/ | /əːj/ | /iw/ |
| /ɨɜ/ | /ɜj/ | /ew/ |
| /uɜ/ | /ɐːj/ | /ɛw/ |
| /ɐj/ | /əːw/ | |
| /ɨj/ | /ɜw/ | |
| /uj/ | /ɐːw/ | |
| /oj/ | /ɐw/ | |
| /ɔj/ | /ɨw/ | |
| /ɨɜj/ | /iɜw/ | |
| /uɜj/ | /ɨɜw/ |
Die Höhe und der Verlauf der Tonhöhe bei der Aussprache einer Silbe ist bedeutungsunterscheidend. Dies bedeutet, dass eine falsche Aussprache des Tones sinnentstellend wirkt. Ohne die Töne hätte die vietnamesische Sprache eine extrem hohe Anzahl an Homonymen. Die Töne des Vietnamesischen unterscheiden sich in Tonhöhe und -verlauf, Länge und Glottalisierung. In der vietnamesischen Schrift werden die Töne durch diakritische Zeichen kenntlich gemacht.
| Bezeichnung | Kurzbeschreibung | Ziffern nach Yuen Ren Chao | Vietnamesische Schrift | Beispiel | Erklärung |
|---|---|---|---|---|---|
| ngang (昂) oder không (空) | hoch (oder mittel) und eben | 33 | (nicht bezeichnet) | ba (𠀧) „drei“ | Der Normalton wird mittelhoch ausgesprochen, wobei die Stimme weder steigt noch fällt. |
| sắc (嗇) | hoch (oder mittel) steigend | 35 | ´ | bá (霸) „Gouverneur“ | Der steigende Ton beginnt hoch und steigt kurz an. Die Silben im steigenden Ton werden meist mit etwas mehr Nachdruck gesprochen. |
| huyền (懸) | tief und fallend | 21 | ` | bà (婆,妑) „Dame“ | Der fallende Ton beginnt tief und sinkt von dort noch etwas. Er wird meist etwas weniger stark als andere Silben, dafür etwas länger, ausgesprochen. |
| nặng (𨤼) | tief, fallend und knarrig | 32 oder 31 | ̣ | mệnh (命) „Leben“ | Der tiefe gebrochene Ton wird tief und fallend ausgesprochen, die Silbe enthält einen Knacklaut und wird häufig mit etwas Nachdruck gesprochen. |
| hỏi (𠳨) | (tief) fallend und steigend | 313 | ̛ | sử (史) „Geschichte“ | Der fallend-steigende Ton wird mit etwas mehr Nachdruck gesprochen. Die Stimmhöhe sinkt zunächst und steigt dann. |
| ngã (我) | unterbrochen und steigend | 35 | ˜ | bã (𥺕) „Rest“ | Der unterbrochene steigende Ton steigt und die Silbe hat ebenfalls einen Knacklaut. |
Das Vietnamesische ist eine isolierende Sprache. Die Wörter werden also nicht flektiert, die Beziehung eines Wortes im Satz zu anderen Wörtern wird nur durch ihre Stellung im Satz deutlich. Deshalb wird die Satzkonstruktion Subjekt – Prädikat – Objekt im Allgemeinen eingehalten. Ausnahmen, etwa das Vorziehen des Objekts an den Satzanfang zur Betonung, sind möglich.
Da es keine grammatischen Tempora gibt, wird die Zeitform nur aus dem Kontext sichtbar, d. h. sie geht aus dem Zusammenhang hervor oder wird durch andere Wörter (z.B. Adverbien) näher bestimmt.
Bedeutsam ist das Vorkommen von Zähleinheitswörtern in der vietnamesischen Sprache. Wie in anderen asiatischen Sprachen ist es nicht möglich, das Numeral und das Nomen direkt zu verbinden, sondern es muss ein Zähleinheitswort dazwischengestellt werden. Diese unterscheiden sich danach, ob das Nomen belebt ist oder nicht, bei unbelebten Nomen sind Eigenschaften wie die Form entscheidend.
Ähnlich wie in romanischen Sprachen steht bei Attributkonstruktionen das Attribut immer nach dem Wort, das es näher beschreibt, also etwa tiếng Việt („Sprache-Viet“).
Vietnamesisch ist eine Sprache, bei welcher ursprünglich jedes Wort nur aus einer einzigen Silbe bestand. Bis heute sind das Grundvokabular und alle grammatisch bedeutsamen Wörter einsilbig. Im Laufe der Geschichte sind jedoch zahlreiche zweisilbige Wörter in den Wortschatz der Sprache aufgenommen worden. Mehrsilbige Wörter werden aber, von Eigennamen abgesehen, als mehrere Einzelsilben geschrieben.
Mehrsilbige Wörter sind entstanden, in dem man neue Formen aus existierenden Wörtern zusammengesetzt hat, etwa bàn ghế (槃椅) (Tisch–Stuhl, Bedeutung: „Möbel“) oder nước mắt (渃眜) („Wasser-Auge“, „Träne“).
Weiterhin sind mehrsilbige Lehnwörter aus dem Chinesischen in die vietnamesische Sprache aufgenommen worden. Sind sie zweisilbig, so erkennt man sie leicht daran, dass das Beschreibende nicht hinter dem Beschriebenen steht, sondern davor. Die Aussprache ähnelt dabei nicht dem Hochchinesischen, sondern eher südchinesischen Dialekten (kantonesisch). Beispiele sind đại học (大學, hochchinesisch dàxué, kantonesisch daih hohg; wörtl. „Große Lehre“, ein Buch des Konfuzius; moderne Bedeutung: „Universität“) oder ngữ pháp (語法 chin. yǔfǎ = wörtl. „Sprache-Gesetz“, d.h. „Grammatik“). Es gibt eine hohe Anzahl an Synonympaaren, wobei das eine Wort aus vietnamesischen Komponenten zusammengesetzt ist, während es ein Wort chinesischen Ursprunges mit gleicher Bedeutung gibt. Meist sind beide Versionen aus dem chinesischen entlehnt, wobei die als einheimisch empfundene Version einen, gelegentlich als Vietnamisierung bezeichneten Prozess durchlaufen hat. Offensichtliche Beispiele sind etwa năm und niên für Jahr, welche beide von chinesisch 年 stammen.
Wörter mit neueren Bedeutungsinhalten werden in der Regel durch Umschreibung geschaffen. Dazu gehört beispielsweise máy thu thanh (𣛠收聲) („Maschine–sammeln–Klang“, „Radio“).
Bedingt durch die Jahrzehnte lange französische Kolonialherrschaft gibt es eine Reihe französischer Wörter im Vietnamesischen, die vor allem technische Ausdrücke wiedergeben oder Dinge des täglichen Lebens bezeichnen, die von den Franzosen im Land eingeführt wurden. Dazu gehören etwa ga (von gare, „Bahnhof“), xi-măng (von ciment, „Zement“), bia (啤) (von bière, „Bier“), pho mat (von fromage, „Käse“) oder bánh (餅) (von pain, „Brot“, aus dem chinesischen entlehntes 餅 bánh, Kecks, ist allerdings gleichlautend).
Die vietnamesische Sprache wurde in drei Schriftsystemen geschrieben:
Die vietnamesische Sprache wurde, ähnlich wie die koreanische oder japanische Sprache, von der chinesischen Sprache stark beeinflusst. Während der tausendjährigen chinesischen Fremdherrschaft (111 v. Chr. bis 938) war Chinesisch Amts- und Bildungssprache. Die Chinesen brachten mit ihrer Sprache auch ihre Literatur, Philosophie und Geschichte mit nach Vietnam. Dies führte zur Übernahme zahlreicher chinesischer Wörter in die vietnamesische Sprache, denn vor allem für die konfuzianistischen Beamtenprüfungen waren profunde Kenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift unerlässlich.
Wahrscheinlich zu der Zeit, als sich die sino-vietnamesische Aussprache gefestigt hatte, also frühestens ab dem 11., sicher jedoch ab dem 13. Jahrhundert, begannen vietnamesische Gelehrte, die chinesische Schrift abzuwandeln.
Dies begann zunächst mit der Vereinheitlichung der Schreibung von vietnamesischem Wortgut, etwa Eigennamen. Später wurden eigene Zeichen eingeführt, um Wörter, die im Vietnamesischen häufig vorkamen, besser auszudrücken. Es entstand eine eigene vietnamesische Schrift, das Chữ Nôm. Da die Zeichen nicht nach Wortherkunft festgelegt wurden, da diese den diversen Autoren, die Chữ Nôm entwickelt haben, unbekannt war, wurde die Schrift für die Chinesen letzten Endes unlesbar. Die ältesten Inschriften dieser Chữ-Nôm-Zeichen finden sich auf Glocken in Tempeln und in Steininschriften. Kim Vân Kiều (金雲翹) ist das bedeutendste literarische Werk, welches in Chữ Nôm verfasst wurde. Dieses Epos des Schriftstellers Nguyễn Du (阮攸) gehört bis heute zu den Klassikern der vietnamesischen Literatur und ist Standardlesestoff an vietnamesischen Schulen.
Ab dem 16. Jahrhundert begann die missionarische Tätigkeit von katholischen Priestern aus Europa (v. a. Portugal, Italien, Spanien und Frankreich). Sie benötigten eine Umschrift der vietnamesischen Aussprache in lateinische Buchstaben, um die Sprache derer, die sie vom Christentum überzeugen wollten, zu lernen. Gleichzeitig hofften sie, dass das Erlernen des lateinischen Alphabetes auch das Erlernen der jeweiligen europäischen Sprache erleichtern würde. Die Schrift, die sie entwickelten, heißt Chữ Quốc Ngữ (Schrift der Nationalsprache). Die Pioniere bei der Entwicklung dieser Schrift waren Christofora Borri, Francisco de Pina und Francisco de Buzomi. Die Missionare Gaspar d’Amaral, Antoine de Barbosa und Alexandre de Rhodes erstellten in der Folge unabhängig voneinander Wörterbücher der vietnamesischen Sprache. Im Jahre 1651 wurde das Dictionarium Annamiticum Lusitinum et Latinum von Alexandre de Rhodes in Rom zum Druck freigegeben.
Chữ quốc ngữ (𡦂國語) entwickelte sich durch mehrere Modernisierungen und Vereinheitlichungen von Schreibweisen zu einer lateinischen Schrift mit zwei zusätzlichen Buchstaben für Vokale, die in westlichen Sprachen nicht existieren. Daneben werden die sechs Töne durch Diakritika dargestellt. Chữ quốc ngữ ist seit 1945 die offizielle Staats- und Verkehrsschrift Vietnams.
Es handelt sich um eine phonetische Schrift, d. h., dass man aus der Schreibweise die Aussprache sehr exakt ableiten kann.
| Konsonant | Aussprache |
|---|---|
| b | ähnlich dem b in Bett. Am Silbenende nicht-plosiv |
| c | nicht aspiriert, am Silbenende nicht-plosiv, wie g in gut |
| ch | am Silbenanfang wie in tja |
| d | wie j in Junge |
| đ | ähnlich dem d in du |
| g | ähnlich dem g in Gehen |
| gi | s wie in Samen |
| h | ähnlich dem h in holen |
| kh | Ach-Laut wie in lachen |
| l | ähnlich dem l in laufen |
| m | ähnlich dem m in mit |
| n | ähnlich dem n in nicht |
| ng | wie ng in Singen |
| nh | ähnlich dem spanischen ñ (nj) |
| p | nicht aspiriert, am Silbenende nicht-plosiv |
| ph | wie das deutsche f in Fisch |
| r | ähnlich wie r in Reis (rollend) |
| s | im Norden wie s in Biss ausgesprochen, im Süden ungerundeter als das deutsche sch, ähnlich dem englischen sh in show |
| t | nicht aspiriert, am Silbenende nicht-plosiv |
| th | aspiriertes t |
| tr | wie in Kutsche |
| v | wie das v in Vase |
| x | stimmloses s wie in Sex |
| Vokal | Aussprache |
|---|---|
| a | offenes a wie in Vater |
| ă | im Dt. unbekannt |
| â | im Dt. unbekannt |
| e | halboffenes e, ähnlich Wetter (wie ä) |
| ê | halbgeschlossenes e |
| i, y | ähnlich dem deutschen i |
| o | ähnlich dem o in Torte |
| ô | ähnlich dem o von Ton |
| ơ | ähnlich dem u im englischen fur |
| u | ähnlich dem u von Kuss |
| ư | u mit breiten Lippen, im Dt. unbekannt; sehr ähnl. türk. ı und russ. ы |
Die Töne werden durch Diakritika bezeichnet (s.o.). Da es Vokale gibt, die bereits von Natur aus ein diakritisches Zeichen haben, sind Vokale mit zwei Diakritika keine Seltenheit.
Nicht jede Silbe existiert in jeder Tonhöhe; einige Silben ergeben nur in einem oder zwei der sechs möglichen Töne Sinn.
| Thanh không | Thanh sắc | Thanh huyền | Thanh hỏi | Thanh ngã | Thanh nặng |
|---|---|---|---|---|---|
| Đ | đ | ||||
| a | á = á | à = à | ả = ả | ã = ã | ạ = ạ |
| ă = ă | ắ = ắ | ằ = ằ | ẳ = ẳ | ẵ = ẵ | ặ = ặ |
| â = â | ấ = ấ | ầ = ầ | ẩ = ẩ | ẫ = ẫ | ậ = ậ |
| e | é = é | è = è | ẻ = ẻ | ẽ = ẽ | ẹ = ẹ |
| ê = ê | ế = ế | ề = ề | ể = ể | ễ = ễ | ệ = ệ |
| i | í = í | ì = ì | ỉ = ỉ | ĩ = ĩ | ị = ị |
| o | ó = ó | ò = ò | ỏ = ỏ | õ = õ | ọ = ọ |
| ô = ô | ố = ố | ồ = ồ | ổ = ổ | ỗ = ỗ | ộ = ộ |
| ơ = ơ | ớ = ớ | ờ = ờ | ở = ở | ỡ = ỡ | ợ = ợ |
| u | ú = ú | ù = ù | ủ = ủ | ũ = ũ | ụ = ụ |
| ư = ư | ứ = ứ | ừ = ừ | ử = ử | ữ = ữ | ự = ự |
| y | ý = ý | ỳ = ỳ | ỷ = ỷ | ỹ = ỹ | ỵ = ỵ |
| Vietnamesisch | HanNom | IPA (Hanoi) | Deutsch |
|---|---|---|---|
| Tất cả mọi người sinh ra đều được tự do và bình đẳng về nhân phẩm và quyền. Mọi con người đều được tạo hoá ban cho lý trí và lương tâm và cần phải đối xử với nhau trong tình bằng hữu. | 𤲃哿每𠊚生𠚢調得自由吧平等𧗱人品吧權。
每𡥵𠊚調得造化班朱理智吧良心吧懃沛對處𠇍𦣗𪚚情朋友。 |
tɜt̚ kɐː mɔj ŋɨɜj siŋ za ɗew ɗɨɜk̚ tɨɰ zɔ vɐː ɓiŋ ɗɐŋ vej ɲɜn fɜm vɐː kɨɜn. mɔj kɔn ŋɨɜj ɗeu ɗɨɜk̚ tɐːw huɜ ɓɐːn cɔ li ci vɐː lɨɜŋ tɜm vɐː kɜn fɐːj ɗoj sɨ vɜj ɲɐw cɔŋ tiŋ ɓɐŋ hɨw. | Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen. |
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