| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vergebung (Begriffsklärung) aufgeführt. |
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Vergebung (gr. a·mnestia, "das Nicht-Gedenken", alternativ auch: Verzeihung) ist ein Schlüsselbegriff des Christentums und zählt auch zu den menschlichen Tugenden. Eine besondere, offizielle Art und Weise der Vergebung ist die Begnadigung. Ein verwandter Begriff zur Vergebung ist die Versöhnung.
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Vergeben zu können, galt als Tugend der Könige („Großmut“) und gilt noch heute als ein Bestandteil fortgeschrittener Zivilisation, da ohne Vergebung (oder Abgeltung) Untaten Rache erfordern würden, welche wiederum gerächt werden müsste, so dass es zu einer langen Reihe von gegenseitigen Vergeltungen kommen kann. Dies ist bei Völkern und Kulturen der Fall, die Blutrache üben.
Viele Verfassungsordnungen sehen die Möglichkeit der Begnadigung von Tätern vor. Sie ist gerade nicht „Recht“, sondern ein Ausfluss der Souveränität der Person an der Spitze eines Gemeinwesens (Staates), auch über die Jurisdiktion: Ein (z.B.) Bundespräsident lässt Gnade für Recht ergehen.
In den meisten Religionen spielt Vergebung eine wesentliche Rolle. Hierbei wird die Vergebungsbereitschaft unter den Menschen als möglicher Weg zur Konfliktbeendung angesehen. Ein anderer Aspekt der Vergebung spiegelt sich in der Beziehung zwischen Gott und Mensch wider, besonders in den monotheistischen Religionen, in denen Gott sich nach Ansicht vieler Anhänger in seiner Eigenschaft als „eifriger [= eifersüchtiger] Gott“ rächt, jedoch auch vergibt.
Besonders im Christentum wird die Versöhnung zwischen Gott und Mensch, auch zwischen Menschen untereinander hervorgehoben. Dem Neuen Testament zufolge hat sich Jesus Christus geopfert um die Sünden der Welt auf sich zu nehmen (1. Johannesbrief 2,2 LUT).
Jesus vergibt seinen Kreuzigern im Angesicht des eigenen Todes, weist aber gleichzeitig auf das Unwissen der Peiniger hin:
„Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
– NT von Lukas nach Luther 23,34 LUT
Apostel Petrus verkündigte die Vergebung der Sünden durch die Taufe auf den Namen Jesus Christi:
„Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“
– Apostelgeschichte 2,38 LUT
Apostel Paulus predigte die Vergebung der Sünden durch Jesus:
„So sei euch nun kundgetan, liebe Brüder, dass euch durch ihn Vergebung der Sünden verkündigt wird; und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet, ist der gerecht gemacht, der an ihn glaubt.“
– Apostelgeschichte 13,38-39 LUT
Die Kirche kennt die "Gabe der Vergebung", wie dies bereits von dem Evangelisten Hl. Johannes geschrieben wurde.
Gandhi gab zu bedenken: eine abhängige Person kann dem entsprechend nicht verzeihen, sie handelt zwangsläufig. Er schrieb auch: "Gewaltfreiheit ist bedeutungslos, wenn sie von einer hilflosen Kreatur ausgeht. Eine Maus wird einer Katze kaum vergeben, wenn sie es zulassen muß, von ihr in Stücke zerrissen zu werden." [1], [2].
Der Gesprächspsychotherapeut Reinhard Tausch hat die psychologische Dimension des Vergebens empirisch untersucht. Demnach handelt es sich um intensive innere Selbstgespräche, die eine mentale Bewältigung des verletzenden Ereignisses ermöglichen. Tausch weist darauf hin, daß bereits eine innere Vergebung ausreichend sein kann, vor allem wenn der andere nicht erreichbar ist oder eine Mitteilung unangemessen erscheint.
Pater Anselm Grün unterscheidet in seinen Lebensberatungs-Büchern zwischen schädlichem Zorn und heilsamer Wut: Es kommt ihm auf die Distanz an. Ohne diese würde sonst eine schwere seelische Kränkung weiter in einem rumoren und man würde sich damit selbst verletzen. Vergebung ist nicht zu erzwingen, auch wenn man es will und vorgibt.
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