Tyrann


Dieser Artikel behandelt den Begriff Tyrann im Sinne des Alleinherrschers. Die gleichnamige Familie der Vögel findet sich unter Tyrannen.

Als Tyrann versteht man in der heutigen Zeit zumeist einen Gewaltherrscher. In der griechischen Antike bezeichnete der Begriff den Inhaber der Tyrannis.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Begriff Tyrann stammt ursprünglich aus Kleinasien, wahrscheinlich aus der lydischen Sprache (turannu). Von dort hielt er als Lehnwort in die griechische Sprache Einzug (τύραννoς, týrannos).

Der kleinasiatische Begriff turannu wurde auch bereits früh im tyrrhenischen Sprachraum als turan („Herrin“, „Dame“) bekannt. Dass die Römer das Wort nur von den Etruskern übernahmen, ist unwahrscheinlich. Da die griechische Bedeutung des Begriffs (illegitim erworbene Macht) für die lokale etruskische Göttin Turan und ihre römische Nachfolgerin Venus nicht belegt ist, scheint ein späterer bedeutungsgebender Einfluss des Griechischen auf die römische Verwendung des Begriffes wahrscheinlich, analog zur Vermischung von griechischen, etruskischen und anderen Gottheiten als Venus. Vom lateinischen Wort tyrannus („Herr“, „Meister“, „Tyrann“; mittellateinische weibliche Form: tyrannissa) leiten sich alle später verwendeten Varianten ab (z.B. alt-fr. & engl.: tyrant, sp.: tirano, it.: tiranno).

Bedeutung

Seit Archilochos, einem griechischen Lyriker des 7. Jahrhunderts v.Chr., ist der Ausdruck Tyrann in der antiken griechischen Dichtung belegt;[1] er bezeichnet dort anfangs sachlich-neutral den Landesherrn oder König. Offenbar wurde damit ein neues Phänomen zu beschreiben versucht, für das die Griechen selbst noch keine adäquate Bezeichnung besaßen. Zuvor wurde vermutlich der Titel Basileus für einen Herrscher bzw. herausgehobenen Adligen verwendet.

Selbst in späteren Traditionen wurden einige der frühen Tyrannen noch so positiv gesehen, dass Kleobulos von Lindos und Periander von Korinth sogar zu den „Sieben Weisen“ gezählt wurden.

Es gesellte sich dann ein negativer Beiklang hinzu, der den Tyrannen als skrupellosen Machthaber schildert, der die Macht widerrechtlich innehat und die geltende Polisordnung zerstört. In der unter dem Namen Theognis von Megara überlieferten Gedichtsammlung wird der Tyrann Exponent des Demos im Kampf gegen den Adel, der das Elend des Volkes für sich auszunutzen versucht und sich durch Aufruhr und Bürgerkrieg an die Macht bringt. Allerdings ist dies die eingeschränkte Perspektive eines an alten Traditionen und aristokratischen Idealen Festhaltenden, der den Veränderungen in der Poliswelt in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts feindselig gegenüberstand.

Im Zeitraum zwischen 600 v. Chr. und 200 v. Chr. war der Tyrann dann der Inhaber der Tyrannis (griechisch τύραννις), einer Staatsform der antiken Griechen. In der Spätantike wurden dann Usurpatoren in den Quellen häufig auch als „Tyrannen“ bezeichnet.

Die Verwendung und Bedeutung des Tyrannen glitt im Laufe der Zeit immer mehr in die Richtung des willkürlichen Gewaltherrschers, wodurch sich dann die Wendung jemanden tyrannisieren ergab. Entsprechend nennt man heutzutage im Volksmund Herrschaftsformen mit brutalen Alleinherrschern an der Spitze eine Tyrannei; die Bedeutung geht dabei in Richtung Gewaltherrschaft, also einer Diktatur, von der zum Beispiel der spätere amerikanische Präsident James Madison 1787/88 in den Federalist Papers (Nummer 47) schrieb: „Die Ansammlung von jeglicher Gewalt, der Legislative, Exekutive und der Judikative, in den gleichen Händen, ob eines Einzelnen, ein paar Weniger oder von Vielen, und ob erblich, selbsternannt oder gewählt, kann mit Recht als die genaue Definition von Tyrannei erklärt werden.“[2]

Ausgehend von dieser Begriffsentwicklung versteht man heute im übertragenen Sinn unter Tyrann einen herrschsüchtigen oder strengen Menschen (z.B. Familientyrann).

Siehe auch

Wiktionary Wiktionary: Tyrann – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Archilochos, Fragment 19 (nach West) bzw. 22 (nach Diehls): οὔ μοι τὰ Γύγεω τοῦ πολυχρύaσου μέλει, | οὐδ' εἷλέ πώ με ζῆλος, οὐδ' ἀγαίομαι | θεῶν ἔργα, μεγάλης δ' οὐκ ἐρέω τυραννίδος· | ἀπόπροθεν γάρ ἐστιν ὀφθαλμῶν ἐμῶν. „Mich lockt der Schatz des goldumstrahlten Gyges nicht, mich packte Neid noch nie, mich reizt nicht Götterwerk, ich strebe nicht nach einer weiten Herrschermacht: All diese Dinge liegen meinen Augen fern.“
  2. The accumulation of all powers, legislative, executive, and judiciary, in the same hands, whether of one, a few, or many, and whether hereditary, selfappointed, or elective, may justly be pronounced the very definition of tyranny“ (siehe (engl): The Federalist No. 47); http://www.constitution.org/fed/federa47.htm (abgerufen am 8. Juni 2007)

Weblinks







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