Turnerschaft


Turnerschafter

Eine studentische oder akademische Turnerschaft ist eine besondere Kategorie von Studentenverbindungen, die im Laufe des 19. Jahrhundert aus den älteren Akademischen Turnvereinen hervorgegangen sind und sich wie diese insbesondere der Pflege des Sports („Turnen“ als einstiger Oberbegriff für Sport allgemein) verschrieben haben.

Im Unterschied zu den Akademischen Turnvereinen sind die studentischen Turnerschaften in der Mehrzahl pflichtschlagend und allesamt farbentragend. Einige wenige Turnerschaften sind seit den 1970er Jahren nur noch fakultativ schlagend, d.h. sie stellen ihren Mitgliedern die Mensur frei.

Dachverband der Turnerschaften war vor dem 2. Weltkrieg der Vertreterconvent (VC). 1950 schloss sich der ehemalige Vertreterconvent mit dem Dachverband der akademischen Landsmannschaften zum Coburger Convent (CC) zusammen. Ihm gehört auch heute noch die Mehrheit der akademischen Turnerschaften. Einige fakultativ schlagende Turnerschaften haben sich in den 1970er Jahren vom CC getrennt und im Marburger Konvent (MK) zusammengeschlossen. Eine dritte Gruppe gehört keinem der beiden Verbände an.

Nichtstudentische Turnerschaften

Auch außerhalb der Hochschulen führen viele Sportvereine die Bezeichnung Turnerschaft, darunter der älteste noch existierende Sportverein der Welt, die Hamburger Turnerschaft von 1816. Diese Turnvereine gehörten früher überwiegend der Deutschen Turnerschaft (DT) und heute dem Deutschen Turner-Bund (DTB) an.

Im österreichischen Bundesland Vorarlberg steht der Begriff „Turnerschaft“ für den dortigen Landesturnverband Vorarlberger Turnerschaft und insgesamt 39 Turnsport-Vereine, die ausschließlich sportliche Ziele verfolgen und mit Studentenverbindungen nichts zu tun haben.

Soweit Sportvereine heute noch die Bezeichnung Freie Turnerschaft (FT) führen, gehörten diese vor 1933 der Arbeitersportbewegung an, dem sozialistisch orientierten Widerpart zur „bürgerlichen“ Deutschen Turnerschaft.

Sowohl die sportlichen als auch die akademischen Turnerschaften sind aus der Turnbewegung um Friedrich Ludwig Jahn hervorgegangen und in Abgrenzung zur konkurrierenden Turnbewegung von Johann Christoph Friedrich Guts Muths zu sehen.

Literatur

  • Edwin A. Biedermann, "Logen, Clubs und Bruderschaften", Droste-Verlag, 2004, ISBN 3-7700-1184-8, 350 Seiten

Weblinks







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