Tukulti-Ninurta I.


Tukulti-Ninurta I. regierte von 1233 v. Chr. bis 1197 v. Chr. als assyrischer König, dem es gelang, die Macht Assurs deutlich zu erweitern.

Inhaltsverzeichnis

Bauten

Tukulti-Ninurta I. baute eine neue Hauptstadt, Kar-Tukulti-Ninurta. Sie lag am Ostufer des Tigris unweit von Assur. Sie war stark befestigt und enthielt Paläste (darunter é-gal me-šár-ra), einen Assurtempel (é-kur me-šár-ra) und eine Ziggurat. Tukulti-Ninurta I. setzte zahlreiche Deportierte beim Bau seiner neuen Hauptstadt Kar-Tukulti-Ninurta ein, darunter Kassiten, Subaräer (Palastanlagen), Männer aus den Nairi-Ländern, Leute aus Katmuhi, Alše, Purulumzi und Amadani.

Aus den Rationenlisten lassen sich erschließen[1]:

In den späten Jahren seiner Regierung baute er auch das Befestigungssystems der Stadt Assur aus.

Titel

Tukulti-Ninurta I. nennt sich Šar māt Karduniaš (König von Babylonien) und führt und die babylonischen Titel Šamšu kiššat nišē „Sonne aller Völker“, Šar māt Sumeri u Akkadî (König von Sumer und Akkad), Šar kibrātt arbaʿi „König der vier Weltufer“ und nišīt dAššur u dŠamaš „Günstling von Aššur und Šamaš“. „Sonne aller Völker“ nennt er sich auch nach Ende der direkten Herrschaft in Babylon.

Verhältnis zu Hatti

Bereits im ersten Jahr seiner Regierung überschritt Tukulti-Ninurta den Euphrat und deportierte nach seinen Militärberichten, die auf zwei Alabastertafeln aus Kar-Tukulti-Ninurta aus Tell B (Bereich des Aššurtempels) überliefert sind, 28.800 Hethiter nach Assyrien. Olmstead interpretierte dies als Beleg einer großen hethitischen Invasion, dieser Ansicht haben sich aber nur wenige Forscher angeschlossen. Klengel und Liverani wollen den entsprechenden Feldzug wesentlich später ansetzen. Im späteren Verlauf seiner Regierung waren die Beziehungen zu Hatti weitgehend friedlich. In den folgenden Regierungsjahren zog er in die osttigridischen Vorberge (Mat Qutî und Mat Papî), dann die westlich daran angrenzenden Länder Subartu, Katmuhu und Alzi und griff schließlich die Nairi-Länder im Norden an.

Sieg über Babylon

Der Feldzug gegen und der schließliche Sieg Tukulti-Ninurtas über den König der Kassiten wird in dem sogenannten Tukulti-Ninurta Epos beschrieben. Es ist auf mehreren Tontafeln überliefert, deren Reihenfolge nicht immer ganz klar ist.

Der König greift den Feind an der Spitze seiner Truppen in seinem Streitwagen an, muss aber zunächst wenden und fliehen. Später benutzt Tukulti-Ninurta diesen Vorfall aber, um Kaschtiliasch IV. (1227 v. Chr. bis 1220 v. Chr.), den König von Babylon herauszufordern: dieser werde in keiner Festung Zuflucht finden, und gleich, wieviele Opfer er den Göttern anbiete, diese würden ihm keinen Sieg zusprechen. Vor der Entscheidungsschlacht befragt Kaschtiliasch die Zeichendeuter. Tukulti-ninurta betet zu Schamasch und erinnert ihn an das Bündnis zwischen ihm und seinen Vorfahren. Auch seine Krieger erflehen die Hilfe des Sonnengottes gegen die abfälligen Kassiten. In der Schlacht selber rufen die Assyrer die Kriegsgötting Ischtar an. Und in der Tat greifen die Götter selbst in die Schlacht ein: Ischtar schlägt ihre Leier, um die Krieger zu wilder Wut anzufeuern, Adad wirft den gegnerischen Schlachtreihen Wind und Regen entgegen, Bel schlägt den Feind und verzehrt ihn mit Feuerflammen. Die Krieger sind so in Kampfeslust entflammt, dass sie ihre Rüstung abwerfen und mit bloßer Brust auf den Feind einstürmen.

Tukulti -Ninurta berichtet: „am unteren Meer des Sonnenaufgangs setzte ich die Grenze meines Landes fest“, was auf eine Kontrolle von ganz Babylonien hindeutet. Unter den beherrschten Gebieten werden unter anderem Sippar und Babylon, Dilmun und Meluhha, Oberes (Mittelmeer) und Unteres Meer (Persischer Golf), Subartu, Mat Qutî und die Nairi-Länder aufgeführt.

Die Zerstörung von Babylon und die Entführung der Statue des Marduk und die Überführung der Assur-Statue aus Assur nach Kar-Tukulti-Ninurta scheint von den Zeitgenossen als Sakrileg angesehen worden zu sein und führte schließlich zum Sturz von Tukulti-Ninurta. Er wurde von seinem Sohn Aschur-nasir-pal gefangen gesetzt und schließlich getötet. Sein Nachfolger wurde ein anderer Sohn, Aschur-nadin-apli.

Eponyme Beamte

  • Qarrad-Aššur
  • Urad-ilani, Sohn von Išme-Adad
  • Abī-ilī
  • Aplija
  • Šulmānu-šumā-uṣur
  • Ina-Aššur-šuma-aṣbat

Literatur

  • R. Campbell Thompson: The Epic of Tukulti-Ninurta. In: The Annals of Archaeology and Anthropology. Band 20, S. 116 ff.
  • R. Campbell Thompson: The Excavations on the Temple of Sabu at Nineveh. In: Archaeologia NS. 1926, S. 128 ff.
  • G. Lambert: Three Unpublished Fragments of the Tukulti-Ninurta Epic. In: Archiv für Orientforschung. Band 18, S. 38 ff.
  • P. C. Craigie: The Song of Deborah and the Epic of Tukulti-Ninurta.. In: Journal of Biblical Literature. Band 88/3, 1969, S- 253-265.
  • Hannes D. Galter: 28.800 Hethiter. In: Journal of Cuneiform Studies. Band 40/2, 1988, S. 217-235.
  • A. T. Olmstead: History of Assyria. New York-London 1923
  • H. Klengel: Geschichte Syriens im 2. Jahrtausend v.u.Z. Berlin 1967/69.

Weblinks

Belege

  1. H. D. Galter, 28.800 Hethiter. Journal of Cuneiform Studies 40/2, 1988, S.228 und S. Jakob, Mittelassyrische Verwaltung und Sozialstruktur. Cuneiform Monographs 29, 2003, S.224.






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