Die Trießnitz ist ein Landschafts- und ehemaliges Wasserschutzgebiet am südlichen Ortsrand von (Jena-)Winzerla. Der Name "Trießnitz/Triesnitz" ist slawischen Ursprungs: dreznica 'im nassen Laubwalde', 'Laubwäldchen'.
Das Dorf Winzerla bezog seit 1894 über eine Hochdruckleitung sein Trinkwasser aus der Trießnitz; heute fließt der Trießnitz-Bach ungenutzt und verrohrt in den Burgauer Felsbach, wie heute der Unterlauf der Trießnitz heißt ("Die Dörffer Burgau am Ausgang des Baches Trießnitz/ Wintzerle bei desselben Ursprung" ... A. Beier 1665, 278), und damit in die Saale. Eine der zahlreichen Trießnitzquellen speiste den einstigen Feuerlöschteich an der Kirche in Winzerla. Die Trinkwasserqualität der Quellen ist wegen der intensiven gärtnerischen Nutzung des Areals oberhalb der Trießnitz nicht mehr zuverlässig gegeben. Noch 1954 gehörte die Trießnitz wie das Mühltal und der Coppanzer Grund zu den für die Wasserwirtschaft relevanten Quellschongebieten um Jena (vgl. J. H. Schultze: Jena [...], S. 260). Trießnitzwasser wurde auch für das früher in Winzerla gebraute Bier (Brauhaus Ecke Winzergasse/Frongasse) verwendet. In einer Sandgrube in der Trießnitz wurde weißer Kalktuff gewonnen, der im feuchten Zustand in Holzrahmen gepresst und zu Bausteinen verarbeitet wurde (Lufttrocknungsverfahren) - noch bis in die 1950er Jahre.
Die Trießnitz war im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebter Fest- und Ausflugsort des "Akademischen Jena". Erwähnt ist ein Gasthaus, das im Verlaufe des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Erhalten blieb ein Festplatz (mit gefasster Quelle, einem Lagerkeller für Bier und der Möglichkeit, einen Tanzboden zu errichten), der von der Bevölkerung, oft unter der Regie des örtlichen Männergesangvereins oder der Freiwilligen Feuerwehr, noch bis ins 20. Jahrhundert genutzt wurde.
Am 12. Oktober 1806, also unmittelbar vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806), kam es an der Trießnitz zu einem Geplänkel zwischen den von Süden ( Saalfeld) heranrückenden französischen Truppen und einem preußischen Vorposten.
Wie es auf den Festen in der Trießnitz in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zugegangen sein mag, kann man in "Felix Schnabel's Universitätsjahren" von 1835 (S. 238 ff.) nachlesen: "Sonntags und Mittwochs ist großer Witz [Schwof] auf der Triesnitz, einer Anlage oberhalb des Dorfes Winzerla, von dem dicken, sinnigen Jakob angelegt und bewirthschaftet. In Breterhäusern wird getanzt, gekegelt und gescherzt. Auf der Plattform des Hügels sitzen in buntem Kreise die Schönen von Jena und der Umgegend, der tiefdenkende Professor mit seinem Nachwuchs, der spekulierende Kaufmann, der Angestellte mit der düstern Amtsmiene, der gemüthliche, gaffende Landmann, der sorgenfreie Bursch, sittige und freche Schönen, züchtige Hausfrauen, ehrwürdige Mütterchen, Alles bunt durcheinander, des lächelnden Lebens, dieser süßen Gewohnheit sich freuend. Alles ergezt sich an der reizenden Landschaft, Alles horcht dem Spiele der in luftiger Höhe schwebenden Musikanten, Alles singt, springt, trinkt, kos't, tanzt und spielt." Darüber hinaus war die Trießnitz auch ein beliebter Paukplatz, das heißt ein Ort für studentische Duelle auf Stoßschläger oder gar auf die noch gefährlicheren "Parisiens" (Pariser (Stoßdegen).
Ernst Moritz Arndt schreibt: "O lieber Junge, ein [Jena-]Lichtenhainer Kommers in Andacht ist mir tausendmal werther, als dampfende Punschbowlen und der Hauch des köstlichen Weines; bas [besser] behagte mich einst der [Jena-]Ziegenhainer Linde Umarmung, als der Kuß eines reizenden Mädgens, und ich gebe gern der stralsunder Hautboisten schönste Töne für das einförmige Getrudel der zwetzer [(Jena-)Zwätzener] und drusnitzer [Trießnitzer] Musikanten." (An Benjamin von Bergmann vom 10. November 1794).
Johann Wolfgang von Goethe berichtet von seinen Besuchen in Winzerla und in der Trießnitz wie folgt: "Gestern Abend fuhr ich allein auf die Triesnitz wo es recht lustig herging, ich hätte dich und das Kind dabey gewünscht." (An Christiane Vulpius, Jena am 26. Mai 1797). "Unsere Spazierfahrt war noch zur rechten Zeit angestellt, denn der Regen hat gestern besonders alle Triesnitzliebhaber sehr an ihren Freuden gehindert." (An Christiane Vulpius, Jena am 6. Juni 1797). "August war hier mit seinen Gesellen. Es hat mich gefreut zu sehen, daß es mit seinen körperlichen Kräften und seinem guten Muth so wohl steht. Ich habe mich einige Abende recht hübsch mit ihm unterhalten. Sie sind in allen Bergen und auf allen Schlössern herumgezogen, haben Aal in der Triesnitz gegessen und die Johannisfeuer haben wir zusammen von dem Altan des Daches gesehen." (An Christiane Vulpius, Mittwoch den 25. Juni 1806). "Um nicht aus dem Gleise zu kommen, habe ich einen Karpen von Winzerle für mein Geld kommen lassen [...]." (An Christiane v. Goethe, Jena den 6. Nov. 1812). "Mit Schütz nach Winzerla gefahren, bis auf die Höhe über die Triesnitz. Sodann zu Fuße bis über den Steinbrüchen bey Göschwitz, zu Fuße zurück auf Winzerla, hereingefahren [nach Jena]." (Tagebücher, 11. April 1817). - Vorstehende Zitate sind den jeweiligen Teilbänden der "Sophien-Ausgabe" entnommen.
Eine Aufzählung anderer prominenter Trießnitzbesucher findet man bei August Wilhelm Schlegel: "Gestern gab ... ein Diné auf der Driesnitz, wo es recht hübsch war - so der erste Frühlings Ausflug. Es waren allerley Leute dabey zusammen, Hufelands, Paulus, Loders, Fichtes, Frommanns und Kotzebue's!" (An Johann Diederich Gries, Jena d. 10 May [17]99).
Zu den Besuchern der Trießnitz zählten u. a. der Kirchenhistoriker Karl von Hase und der Zoologe Ernst Haeckel; letzterer äußert sich in einem Brief vom 22. August 1858 an seine spätere Frau Anna Sethe: "Bei der Festhalle [man feierte das 300-jährige Jubiläum der Universität Jena] setzten wir über die Saale und gingen dann über frische, saftige, mit vielen zerstreuten Bäumen und Gebüschgruppen besetzten Wiesen in einer Stunde nach dem Dorfe Winzerla. Von da stiegen wir in die Triesnitz hinauf, einer reizenden, kühlen, wasser- und waldreichen Bergschlucht, zwischen deren moosigen Felstrümmern und alten Bäumen zahlreiche frische Quellen hervorsprudeln. Auf einem der hübschesten Punkte, von wo man über die Bäume weg ins Saaletal hinübersieht, tranken wir Kaffee ...." Und Haeckels Sohn Walter ergänzte später (Alt-Jena, S. 44): "Auch mir ist die Triesnitz, dieses einst wohl verträumteste Fleckchen Erde der Romantik um Jena, mit seinen Quellen und weißen Gartenlauben aus der Biedermeierzeit in lebhafter Erinnerung geblieben. Wie oft wanderten auch wir dort hinaus, wie oft und fröhlich erzählte die Mutter aus ihrer Jugendzeit, als dort die Jenenser Professoren und Bürgertöchter sich in seliger Idylle vergnügt hatten. Doch war dieser Ausflug fast in Vergessenheit geraten, da die einstige Gastwirtschaft das Zeitliche gesegnet, und das Dorf Göschwitz nicht genügend Reize zur Einkehr bot." Unweit der Trießnitz, auf dem alten Kirchhof in Winzerla, erinnert das Grabmal des stud. cam. Johann Paul v. Villeb (* 21. Dezember 1826 in Dresden; † 31. Januar 1848 in Winzerla) an einen ihrer früheren Besucher.
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