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Als psychologisches, psychisches, seelisches oder mentales Trauma oder Psychotrauma (griech.: Wunde, Pl.: Traumata, Traumen) wird die Erinnerung einer Person an die Situation eines für sie seelisch einschneidenden Erlebnisses bezeichnet bzw. der seelische und / oder neuerdings auch der körperliche (Hirnstrukturen) Eindruck, den das Erlebnis in der Seele der betroffenen Person hinterlassen hat. Häufig wird auch stellvertretend die traumatisierende Situation selbst als Trauma bezeichnet.
Zu einer psychischen Traumatisierung kommt es, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Individuums übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann. Beispiele für Erlebnisse, die Traumata auslösen können, sind Gewalt, Krieg, Mord, Folter, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Misshandlung, Unfälle, Katastrophen oder Krankheiten. Auch emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung, Zwangsräumung, Obdachlosigkeit oder Mobbing können zu einer Traumatisierung führen. Mitunter kann die bloße Zeugenschaft eines solchen Ereignisses auf die beobachtende Person traumatisierend wirken.
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In der aktuellen internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) und den klinischen Beschreibungen und diagnostischen Anleitungen dazu[1] und im aktuellen U.S.-amerikanischen (international genutzten) diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Krankheiten (DSM-IV-TR) gibt es Beispiele und Definitionen von traumatischen Erlebnissen und Stressformen, die Voraussetzungen bestimmter psychischer, trauma-assoziierter Erkrankungen sind. Nicht jedes Trauma muss indes pathogen sein, und ein und dasselbe traumatische Erlebnis kann bei der einen Person eine psychische Erkrankung auslösen und bei der nächsten wiederum nicht.
Im Folgenden werden Textstellen aus ICD-10; den klinischen Beschreibungen und diagnostischen Anleitungen dazu ineinander verschachtelt zitiert, da die Beschreibungen und Anleitungen den Text des ICD-10 enthalten und text-schlüssig erweitern. Die Stellen aus dem ICD-10 sind durch ein nachgestelltes (ICD-10), die aus den Beschreibungen und Anleitungen durch ein nachgestelltes (Handb.) gekennzeichnet.
Im ICD-10; den klinischen Beschreibungen und diagnostischen Anleitungen dazu (aus dem Englischen übersetzt) werden Beschreibungen von pathogenem Psychotrauma und andere an den folgenden Stellen ausgewiesen oder nahegelegt:
Im DSM-IV-TR werden Beschreibungen von pathogenem Psychotrauma und anderen an den folgenden Stellen ausgewiesen:
Das traumatisierende Erlebnis muss in seiner Wirkung von einer Stärke gewesen sein, dass es einen bleibenden, nachhaltigen Eindruck bei der betroffenen Person hinterlassen hat. Allerdings muss diese Stärke der Person weder im Zeitpunkt des Erlebens noch später bewusst sein, sie kann das Erlebnis insbesondere dauerhaft oder über lange Zeit gänzlich vergessen / verdrängen. Ein Trauma kann sowohl durch ein körperliches als auch durch ein seelisches Erleben der betroffenen Person oder beides verursacht werden, relevant für das psychologische Trauma sind jedoch nur die seelischen Auswirkungen des Erlebens. Allerdings können die körperlichen Erlebnisse zusätzlich zum seelischen auch ein körperliches Trauma verursacht haben. Das Trauma kann sowohl angenehm empfunden und Ergebnis einer erfreulichen Situation – positives Trauma –, als auch unangenehm empfunden und Ergebnis einer unerfreulichen Situation – negatives Trauma – sein. Das Wort wird jedoch fast immer in seiner negativen Bedeutung benutzt, andernfalls ist es durch einen eindeutig positiven Kontext oder einen positiven Zusatz näher bestimmt.
Ein psychisches Trauma hat oft schwerwiegende Folgen für die traumatisierte Person, die von Leid- und Angstgefühlen bis hin zu schwerwiegenden psychischen Störungen reichen. In der medizinischen Diagnose wird unterschieden:
Durch sog. Trigger ausgelösten Reaktionen können sich bis ins hohe Alter zeigen. Ein Trigger ist ein Ereignis, das den Traumatisierten hauptsächlich emotional an sein Trauma erinnert (meist in Form von Ängsten). Zum Beispiel kann das Geräusch eines Silvesterknallers bei einem Menschen, der einen Bombenangriff miterlebt hat, panische Angst auslösen. An das eigentliche traumatische Ereignis erinnert er sich jedoch in vielen Fällen nicht, besonders wenn es sich im Kleinkindalter ereignet hat. Maßgeblich für die Folgewirkungen des Traumas ist nicht die äußere (objektive) Intensität des erlebten Ereignisses, sondern die innere (subjektive) Wahrnehmung der eigenen, zwangsläufig verdrängten schweren Kränkung bzw. Verletzung.
Nicht jedes Ereignis, welches hier als Trauma definiert ist, muss eine psychische Störung auslösen. Manchmal gelingt es Personen, die traumatischen Ereignisse auch ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Hierbei sind die Schwere des Traumas und die Unterstützung durch das soziale Umfeld entscheidend. Je schwerer die belastende Situation war, desto mehr vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit, eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, ist bei länger andauernden Traumata (Typ II) größer als bei einmaligen Traumata (Typ I). Weiterhin wirkt ein von Menschen verursachtes Trauma (zum Beispiel Vergewaltigung, Folter oder Krieg) schlimmer als wenn das Trauma „zufällige“ Ursachen hatte (Naturkatastrophe, Autounfall).
Die wissenschaftliche Untersuchung der Wirkungen und Therapiemöglichkeiten der Traumata ist unter anderem eine Aufgabe der Psychotraumatologie. Der Umgang mit Traumatisierungsphänomenen nimmt in jeder Therapierichtung innerhalb der Psychologie eine zentrale Stellung ein, insbesondere in der Psychoanalyse, die unbewusste Wirkungen von Traumatisierungen untersucht und zu behandeln versucht.
Ein Trauma kann durch den Verlust, das plötzliche Verlassenwerden von einer wichtigen Bezugsperson, einem geliebten Menschen, ausgelöst werden. Nicht selten ist die Folge davon das Vermeiden von Nähe innerhalb von Beziehungen, da man große Angst empfindet, auch diese Person wieder zu verlieren. Kommt es nach einem Verlust zu einem erneuten Verlust einer wichtigen Bezugsperson, wird meist das erste Verlassenheitstrauma reaktiviert und man spricht von einer Retraumatisierung.
Als in den siebziger und achtziger Jahren Kleinkinder in den Krankenhäusern nicht von ihren Eltern besucht werden durften, kam es bei vielen Kleinkindern und Säuglingen zu solchen Verlassenheitstraumata mit Sofort- und Spätfolgen: Die Kinder erkannten zum Teil ihre Eltern nicht wieder, ließen sich nicht mehr so tief auf Beziehungen ein oder klammerten verstärkt. Im Erwachsenenalter kann es zu unverhältnismäßig starken emotionalen Reaktionen kommen (Hyperarousal), wenn eine wichtige Bezugsperson weggeht.
Körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt führt fast immer zu einem mehr oder minder großen Trauma. Zu den traumatisierenden Gewalterfahrungen gehören beispielsweise: Krieg, Tötungsversuch, Folter, Vergewaltigung, sexuelle und/oder körperliche Misshandlung, Mobbing; bedingt gehören dazu auch: emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung, Zwangsräumung und Obdachlosigkeit. Entscheidend ist hier die Erfahrung des hilf- und wehrlosen Ausgeliefertseins an die Misshandlungen, den Missbrauch und / oder die Willkür eines anderen Menschen (Ohnmacht). Kommt es später zu erneuten Gewalterfahrungen, spricht man von Reviktimisierung.
Gewalttätige Traumata in der Kindheit und Jugend – egal ob einmalig oder längerandauernd – führen oft zu tiefgreifenden Störungen in der Persönlichkeit der Opfer, die über die Symptomatik allgemeiner posttraumatischer Erkrankungen hinausgehen. Bei langandauerndem Aufwachsen in einem gewaltgeprägten familiären oder sozialen Umfeld wirkt sich die Traumatisierung zudem in Form erzieherischer Prägung aus, die sich später in einer spezifisch geformten Denk-, Fühl-, Handlungs-, Kommunikations- und Wertestruktur niederschlägt. Da im Erwachsenenalter die Persönlichkeit gefestigter ist, braucht es hier stärkere Traumatisierungen, um die gleichen Auswirkungen auf die Persönlichkeitsstruktur zu haben; Erwachsene können aber prinzipiell alle Folgen wie auch Kinder und Jugendliche erleiden.
Folgen von Traumatisierungen, die über die allgemeinen posttraumatischen Symptomatiken hinausgehen, können Bindungs-, Anpassung- und Persönlichkeitsstörungen sein. Es gibt auch Folgen, die spezifisch für die Art der Gewalt sind. So kann sexualisierte Gewalt zu diversen Störungen der Sexualität und des Lustempfindens (sowohl in Form von Hemmung als auch Übersteigerung) führen; Folter wiederum geht später häufig mit idiopathischen Schmerzen einher.
Symptome eines Traumas sind unter anderem:
Unbehandelte Traumata können zu einschneidenden, sehr belastenden Folge-Erkrankungen führen, die womöglich lebenslang anhalten bzw. die Biographie einer Person negativ beeinflussen. Sie müssen es jedoch nicht, wie die Langzeitstudie von Emmy Werner gezeigt hat.[2] Durch diese Langzeitstudie ist bekannt, dass eine stabile Bezugsperson die wichtigste und bedeutendste Hilfe für einen traumatisierten Menschen ist. Ebenso ist es von großer Hilfe für Betroffene, dass ihnen erklärt wird, was sie haben, und dass ihre Verhaltensweisen und Empfindungen typisch, also gewisserart "normal" bei einem Trauma sind. Wer einem potenziell traumatisierenden Ereignis ausgesetzt war, sollte sich dringend möglichst professionelle Hilfe organisieren. Zur Ruhe kommen, mit Vertrauten darüber sprechen, sich womöglich an einen darauf spezialisierten Psychotherapeuten oder -therapeutin wenden, welche traumatherapeutisch ausgebildet und in dieser Therapieform erfahren sind.
Die Auswirkungen von Traumata beeinflussen oft in starkem Maß das Leben der Betroffenen. Traumatisierte Menschen wechseln häufig zwischen dem Vermeiden von Erinnerungen an die seelische Verletzung und ihre Folgen (bis hin zu Trance-ähnlichen Zuständen bzw. Dissoziationen) auf der einen und dem plötzlichen "Überfallenwerden" durch Erinnerungen (sogenannte Flashbacks) auf der anderen Seite. Diese treten oft in Form einzelner Bilder, Gefühle, Gerüche in das Bewusstsein oder bestimmte auslösende, an das Trauma erinnernde Faktoren ("Trigger") lösen Gefühle und Angstreaktionen aus, oft ohne dass der oder die Betroffene dies auf das Trauma zurückzuführen vermag.
Das kann sogar dazu führen, dass anderen Menschen z. B. medizinisch notwendige Hilfe verweigert wird, weil die Traumabetroffenen dies als Störfall in ihrem geregelten Ablauf empfinden und die Situation schlicht ignorieren, sie als nicht existent betrachten, um sich Normalität zu suggerieren. Das steuert das Unterbewusstsein und ist eine zum Teil über Jahre hinweg antrainierte Schutzreaktion, um erneute Traumatisierungen zu vermeiden.
Ansätze zur Traumatherapie greifen Elemente verschiedener Schulrichtungen auf und entwickeln zusätzlich eigene Methoden. Eine Traumatherapie stützt sich meistens auf verschiedene Therapieformen. Eine Verhaltenstherapie wird angewendet, um antrainierte Schutzmechanismen, die den Alltag belasten, zu umgehen und aufzulösen. Die Psychodynamische Psychotherapie arbeitet zunächst an der Stabilisierung der Persönlichkeit des Patienten. Hier werden Strategien zum Umgang mit traumatischen Erinnerungen erlernt und die Suche nach der (zum Teil durch das Trauma gestörten) Identität unterstützt. Somatic Experiencing baut durch auf Gesprächsebene achtsam begleitete Körpererfahrung traumatische Stressreaktionen auf physiologischer Ebene ab und kommt so ohne die belastende Traumageschichte aus. Auch körperorientierte Therapieformen werden erfolgreich eingesetzt. Kunsttherapie kann entscheidend dazu beitragen, die inneren Bilder besser zum Ausdruck zu bringen und dadurch besser zu verarbeiten. Gelegentlich kann auch die medikamentöse Therapie, zum Beispiel mit Antidepressiva, stabilisierend zur Traumatherapie beitragen. Die Symptome können derart stark ausgeprägt sein, dass ein Gespräch über das Trauma nicht möglich ist, sei es wegen Vermeidungsstrategien, Flashbacks oder sonstigen Symptomen. Diese können durch Medikamente so weit abgeschwächt werden, dass eine Therapie überhaupt ermöglicht wird.
Benzodiazepine werden als zur Traumtherapie ungeeignet angesehen. In der Langzeitbehandlung gehen die positiven Effekte rasch verloren. Das Missbrauchspotential ist hoch. Darüber hinaus gibt es einen Abstumpfungseffekt. Die Betroffenen haben auf Langzeit weniger Chancen, einen gesundheitsfördernden Verarbeitungsprozess einzugehen.[3]
In der Behandlung von Beziehungstraumata ist Ressourcenarbeit ein zentraler Baustein, beispielsweise mittels Imagination wie bei Luise Reddemann beschrieben: Es geht vor allem um die Vernetzung jener Wirkmechanismen, die den Traumatisierten möglichst rasch die Kontrolle über sich zurückgewinnen lassen. Die Arbeit verläuft ressourcen- und prozessorientiert und vermeidet während der Stabilisierungsphase Traumakonfrontationen, um nicht eine Retraumatisierung durch Überflutung mit traumatischem Material auszulösen. Die Verarbeitungsprozesse des Patienten werden vom Therapeuten als stabiler Bezugsperson begleitet.
Aus der inzwischen auch neurophysiologisch untermauerten Erkenntnis, dass traumatisierte Menschen eine von anderen psychologischen Störungsbildern deutlich verschiedene Dynamik und Physiologie aufweisen, haben sich auch Methoden entwickelt, die speziell der Trauma-Behandlung dienen.
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