Tod am Nachmittag ist ein Essay von Ernest Hemingway, der am 26. September 1932 unter dem englischen Titel Death in the Afternoon erschien. Darin wird der Stierkampf und seine Geschichte in der Spanisch sprechenden Welt gründlich besprochen.
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Eingangs macht der Aficionado Hemingway klar, was Stierkampf ist. Begriffe werden geklärt. Dabei erleichtert der Autor den Einstieg mit Hilfe einer Dialogpartnerin - der Alten Dame. Die Alte stellt die dummen Fragen. Der Autor antwortet klug. Als die Dame lästig wird, schmeißt Hemingway sie auf S. 229 aus dem Essay heraus. Es folgt ein kurzweiliges Statement über die schreibende Zunft. Also vom guten Schriftsteller ist die Rede, vom Gimpel und sogar vom elenden Kauz.
81 Schwarzweißfotos, zwischen die Seiten 240/241 gebunden, lassen den Leser immer wieder zurückblättern, wenn es ab S. 242 zur Sache geht. Kurz umrissen wird die Sache mit einem Satz: "Es gibt keinen großen Stierkämpfer, der nicht früher oder später aufgespießt wird." (S. 250) Große Matadore, deren Leben und Sterben Hemingway teilweise aus eigener Anschauung wiedergibt, werden vor Augen geführt.
Der Anhang ist ausgestattet mit einer bebilderten Worterklärung (S. 353 - 453), einigen amerikanischen Stimmen zum spanischen Stierkampf (S. 454 - 461) und einem Terminkalender der alljährlichen Stierkämpfe in der spanischen Welt.
Hemingway gibt zu, der Stierkampf ist grausam. Der Autor will die Corrida de toros (Stierkampf) nicht rechtfertigen, sondern möchte nur möglichst zutreffend darüber erzählen. Der Stierkampf ist nach Hemingway kein Sport, sondern ein Trauerspiel, das mit dem sicheren Tod des wilden Stiers endet. Je dichter der unberittene Stierkämpfer an den Hörnern arbeitet, desto gefährlicher wird es für ihn in der geschlossenen Arena, in der jenes Trauerspiel nach historisch gewachsenen Regeln aufgeführt wird. Suerte ist der Sammelbegriff für alle Manöver des Mannes am Stier in der Arena. „Der ganze Stierkampf“, schreibt Hemingway, „basiert auf der Tapferkeit des Stiers, seiner Einfalt und seinem Mangel an Erfahrung“ (S. 183). Erfahrung hat nur der Mann, der mit der Capa (kirschfarbenes Cape) oder der Muleta (rotes Tuch über einem Stock getragen) zu Fuß auf den Kampfstier losgeht. Der Stier bringt lediglich die Kraft in die Arena mit und hat ca. 15 Minuten Zeit zum Erfahrung sammeln. Danach ist er tot. In einer Corrida töten drei Matadore je zwei Stiere. Jeder Stier sollte vier bis fünf Jahre alt sein. Weitere „Kennzeichen des Kampfstiers sind dicke und starke Haut mit glänzendem Fell, ein kleiner Kopf, aber eine breite Stirn, die Stärke und Form seiner Hörner, die vorgebogen sind, ein kurzer dicker Nacken mit dem großen Muskelhöcker, der anschwillt, wenn der Stier wütend ist, breite Schultern und die Länge und Dünne des Schwanzes“ (S. 135).
Das Trauerspiel zerfällt in drei Akte. Im ersten erfolgt die „Prüfung durch die Lanzen“. Der Stier greift die Picadores (Lanzenreiter) an und wird von den Berittenen durch Nackenstiche gereizt. Am Ende des ersten Akts werden die toten Pferde, meistens vom Stier aufgeschlitzt, bedeckt. Im zweiten Akt platzieren Banderilleros Banderillas (Stöcke mit Stahlharpune) im Stiernacken. Im dritten Akt, der Faena, besiegt der Matador den Stier im Zweikampf zu Fuß, indem er mit der Muleta den Stierkopf niederzwingt und somit den Degen zum Todesstoß zwischen die Schulterblätter setzen kann.
Hemingway schildert den Kampf berühmter Männer in der Arena sowohl aus der Historie als auch aus langjähriger Zuschauer-Erfahrung heraus.
Nach Baker arbeitete der Autor von 1929 bis 1932 mit Unterbrechungen am Manuskript. Hemingway soll sich gefragt haben: Worüber schreiben? Und die verblüffend simple Antwort soll gewesen sein: Über den Tod natürlich. Denn der ist elementar; das Einzige, was uns sicher ist.
Im Übrigen sei sich Hemingway durchaus der Tatsache bewusst gewesen, dass er mit seinem Buch nur wenige Nichtspanier zu Freunden des Stierkampfs machen könne.
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