Thüringer Schiefergebirge


Verschieferte Häuser wie hier in Gehren prägen in zahlreichen Orten im Schiefergebirge das Ortsbild
Rathaus von Großbreitenbach
Lauscha mit seinen schieferbeschlagenen und schiefergedeckten Häusern
Stadtkirche in Neuhaus am Rennweg
verschieferte Häuser in Böhlen
Blick vom Thüringer Schiefergebirge auf das südliche Buntsandsteinvorland
Die Talsperre Leibis-Lichte
Bleßberg von Schalkau aus gesehen
Das Bleßbergplateau
Blick vom Fellberg auf Steinach und den Großen Mittelberg
Fröbelturm auf dem Oberweißbacher Kirchberg
Blick von Masserberg auf das Wurzelbergmassiv
Schieferbergbaumuseum Lehesten
Die Meurasteine bei Meura
Burg Lauenstein und der Dresselstein
Hohenwarte-Stausee in Höhe der Linkenmühle
Tal des Breitenbachs bei Böhlen
Blick vom Simmersberg auf Schnett und Waffenrod-Hinterrod, Eckartsberg und Klingeberg
Meuselbach-Schwarzmühle und der Viehberg

Das Thüringer Schiefergebirge, auch Thüringisches Schiefergebirge genannt, ist ein maximal 869 m ü. NN hohes Mittelgebirge in Thüringen, Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Thüringer Schiefergebirge schließt sich südöstlich an den Thüringer Wald an und reicht als naturräumliche Einheit bis zum oberen Saaletal im Bereich der Saaletalsperren. Der überwiegende Anteil der Gebirgsfläche liegt im Freistaat Thüringen, im äußersten Norden des Landkreises Kronach ein kleiner Teil im Freistaat Bayern. Das Thüringer Schiefergebirge wird von Teilen der Naturparks Thüringer Wald, Frankenwald und Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale eingenommen. Das Gebirge umfasst sehr unterschiedliche Landschaften: das hohe Schiefergebirge mit der Rennsteigregion, der Saalfelder Höhe und der Raanz, die Sormitz- und die Schwarza-Talauen und das obere Saaletal. Geomorphologisch zählen das Plothener Teichgebiet und das Oberland im thüringischen Vogtland ebenfalls zu diesem Gebirgszug. Der höchste Berg ist der Große Farmdenkopf (869 m ü. NN).

Vom Thüringer Wald erstreckt sich das Thüringer Schiefergebirge als Teil eines in südöstliche Richtung verlaufenden Mittelgebirgszuges bis zum Frankenwald. In nordöstliche Richtung zum sächsischen Erzgebirge hin schließt sich das Vogtland mit dem Elstergebirge an. Beim Thüringer Schiefergebirge handelt es sich um eine etwa 300 m bis 500 m ü. NN hohe, flachwellige Mittelgebirgs-Rumpffläche. An der Nordostflanke flacht sie allmählich zum Vorland des Thüringer Beckens hin ab. Am Gebirgskamm, dem Rennsteig, erreichen die Berge Höhen zwischen 700 m und über 860 m ü. NN. Seine Ausdehnung beträgt etwa 75 km in Ost-West-Richtung und 50 km in Nord-Süd-Richtung.

Im Unterschied zum Thüringer Wald sind besonders im Kammbereich langgesteckte, hochflächenartige Bergrücken mit steilen Hängen und tief eingeschnitte Täler typisch. Im Gebiet der steilwandigen Täler von Schwarza und Saale erreichen die Höhenunterschiede zwischen Hochfläche und Talsohle oft 300 m und mehr, was für ein Mittelgebirge recht viel ist. Besonders charakteristische Landschaftsmerkmale sind Diabaskuppen (wie der Pöhlde oder der Hübel) mit ihren Waldschöpfen. Sie bestehen aus vulkanischen Gesteinen, Diabasen, die härter als das umgebende Gestein sind und deshalb langsamer verwittern. Dadurch entstehen die typischen Kuppen.

Städte

Größere Städte im Thüringer Schiefergebirge sind Saalfeld/Saale und Bad Blankenburg am Nordrand, Neuhaus am Rennweg in Kammlage, Sonneberg am Südrand und Bad Lobenstein im Osten am Übergang zum Vogtland und zum Frankenwald bei Blankenstein.

Verkehr

Die Fernverkehrswege A 73 im Westen und A 9 im Osten erschließen das Gebiet. Das Thüringer Schiefergebirge wird von der B 281 Eisfeld – Saalfeld, der B 85 Kronach – Saalfeld und der B 90 Lobenstein – Saalfeld durchquert. Auf dem Steckenabschnitt Lichtenfels–Saalfeld durchquert die Fernstrecke Frankenwaldbahn das Gebirge. Von den Hauptbahnen aus führen einige Nebenbahnen in das Schiefergebirge, so die Schwarzatalbahn Rottenbach–Katzhütte, an die die Oberweißbacher Bergbahn angebunden ist, und die Hinterlandbahn Eisfeld–Sonneberg, die wie die daran anschließende Bahnstrecke Sonneberg–Neuhaus am Rennweg von der Südthüringenbahn betrieben wird, im Westen des Thüringer Schiefergebirges. Im Osten des Schiefergebirges führen die Bahnstrecke Hockeroda–Unterlemnitz und die Bahnstrecke Ebersdorf-Friesau–Blankenstein in das Gebirge. Die ICE-Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt wird durch das Thüringer Schiefergebirge geführt und wird es unter anderem im Tunnel Bleßberg unterqueren, allerdings ohne Halt in der Region.

Geologie

Wie der Name vermuten lässt, besteht das Thüringer Schiefergebirge größtenteils aus Schiefergestein. Obwohl dieses Gebiet ähnlich aufgebaut ist wie der Harz, fehlt doch die scharfe Begrenzung durch Verwerfungen. Fast ringsum besitzt das Gebiet allmähliche Übergänge zu seiner Umgebung. Bei den auftretenden Gesteinen handelt es sich um Gesteine des Paläozoikums (Erdaltertum), also aus Ordovizium, Silur, Devon und unterem Karbon. Die wichtigsten sind: Tonschiefer, Alaunschiefer, Kieselschiefer, Kalksteine, Sandsteine, Grauwacken, Diabase, Spilite und vulkanische Trümmergesteine. Einzigartig sind die gefalteten Ablagerungen aus dem Erdaltertum in den Katzhütter Schichten bei Katzhütte.

Verkarstungsfähiger Kalkstein, und damit Höhlenbildung, gibt es immer nur in einzelnen, kleinräumigen Gebieten. Dadurch ist natürlich auch die Anzahl der Höhlen recht gering.

Geotope

Gewässer und Wasserkraft

Die bedeutendsten Fließgewässer im Thüringer Schiefergebirge sind die Saale und ihre Nebenflüsse Schwarza, Loquitz und Sormitz. Aber auch die Werra zum einen und zum anderen die Itz und die Steinach entspringen hier. Dadurch haben die Gewässer im Thüringer Schiefergebirge Anteil an den drei großen Flusssystemen Saale-Elbe, Werra-Weser und Main-Rhein. Der Dreistromstein bei Siegmundsburg symbolisiert das.

Im Saaletal befinden sich zwei der größten Talsperren Deutschlands, die den Hohenwarte- und den Bleiloch-Stausee anstauen. Im Schwarzatal befindet sich das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das größte Pumpspeicherkraftwerk Europas, das 2003 eröffnet wurde. Im Zentrum des Thüringer Schiefergebirges, nur etwa 10 km von Goldisthal entfernt, liegt bei Unterweißbach die Talsperre Leibis-Lichte, die mit 102,5 m Höhe über die zweithöchste Staumauer Deutschlands verfügt. Sie wurde zwischen 2002 und 2006 errichtet und dient der Trinkwasserversorgung Ostthüringens.

Berge

Zu den Bergen des Thüringer Schiefergebirges gehören − mit Höhe in Meter über Normalnull (NN):

  1. Großer Farmdenkopf (869 m), Landkreis Sonneberg
  2. Kieferle (868 m), Landkreis Sonneberg
  3. Bleßberg (865 m), Landkreis Sonneberg/Landkreis Hildburghausen
  4. Dürre Fichte (861 m), Landkreis Sonneberg
  5. Eselsberg (842 m), Landkreis Hildburghausen, Thüringer Wald/Thüringer Schiefergebirge
  6. Fellberg (842 m), Landkreis Sonneberg
  7. Pechleite (839 m), Landkreis Hildburghausen
  8. Hoher Schuß (824,6 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  9. Langer Berg (808 m), Ilmkreis
  10. Hettstädt (808 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  11. Rauhhügel (801,9 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  12. Wetzstein (792 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  13. Grendel (787 m), Landkreis Hildburghausen
  14. Meuselbacher Kuppe (786 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  15. Kirchberg (Oberweißbach) (785 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  16. Simmersberg (781 m), Landkreis Hildburghausen, Thüringer Wald/Thüringer Schiefergebirge
  17. Spitzer Berg (781 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  18. Himmelsleiter (774,1 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  19. Töpfersbühl (762,6 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  20. Kirchberg (Reichmannsdorf) (723,5 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  21. Quittelsberg (709 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  22. Bocksberg (Judenbach) (696,5 m), Landkreis Sonneberg
  23. Ratzenberg (678 m), Landkreis Kronach
  24. Auf der Heide (668 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  25. Barigauer Höhe (666 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  26. Zipptanskuppe (657 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  27. Erbisbühl (638 m), Landkreis Sonneberg
  28. Talberg (600,8 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
  29. Ziegenberg (460 m), Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Zu diesen und weiteren Bergen siehe Absatz Thüringer Schiefergebirge und Thüringer Wald des Artikels Liste der Berge in Thüringen.

Siehe auch

Literatur

  • Ernst Kaiser: Thüringerwald und Schiefergebirge, 2. verb. und erg. Aufl., Gotha 1955.
  • Adolf Hanle (Hrsg.): Thüringer Wald und Schiefergebirge, Mannheim u.a. 1992. ISBN 3-411-07191-5

Weblinks








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