Tannroda


Tannroda
Stadt Bad Berka
Koordinaten: 50° 52′ N, 11° 15′ O50.85916711.246389287Koordinaten: 50° 51′ 33″ N, 11° 14′ 47″ O
Höhe: 287 m ü. NN
Einwohner: 1007 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Dez. 2008
Postleitzahl: 99438
Vorwahl: 036450

Tannroda ist ein Ortsteil der Stadt Bad Berka im Landkreis Weimarer Land (Freistaat Thüringen). Erst im Jahr 1993 wurde Tannroda eingemeindet, zuvor war der Ort selbstständig und hatte bereits seit 1403 das Stadtrecht inne.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Tannroda liegt im Mittleren Ilmtal, an der Mündung des Flüsschens Schwarza in die Ilm am Rande des bewaldeten Teils des Tannrodaer Sattels (Teil der Ilm-Saale-Platte). Im Norden und Osten ist der Ort von ausgedehnten Wäldern umgeben.

Geschichte

Zuerst erwähnt wurde „Rode“ 1103/16 in einer Urkunde des Petersklosters in Erfurt. Die hochmittelalterliche Burg Tannroda der erstmals 1174 genannten Herren von Tannrode stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im Jahre 1465 wurde die Burg, die sich inzwischen im Besitz des „Brandmeisters von Thüringen“, des Raubritters Apel von Vitzthum befand, durch Erfurter Bürger und den Herzog von Weimar zerstört. Im 16./17. Jahrhundert entstanden zwei bescheidene Schlösser. Das ziegelgedeckte „Rote Schloss“ brannte bald ab, das Baumaterial wurde 1824 zum Bau der neuen Michaeliskirche verwendet. Das schiefergedeckte „Blaue Schloss“ wurde Rittergutssitz, 1854 durch die Freiherren von Gleichen-Rußwurm erworben. Der letzte Besitzer, der konservative Publizist Heinrich von Gleichen-Rußwurm, wurde 1945 auf der Basis der Bodenreform in der SBZ entschädigungslos enteignet. Er war Vetter des letzten Urenkels von Friedrich von Schiller, des 1947 verstorbenen Schriftstellers Alexander von Gleichen-Rußwurm, den er mit einer Leibrente aus den Erträgen seiner Güter unterstützte.

Nach jahrzehntelangem Verfall mit teilweisen Notsicherungen wird seit den 1990er Jahren „das Schlossgelände Stück für Stück saniert und so der Bevölkerung zurückgegeben“. Der Bergfried (22 m hoch) ist erneuert und dient als Aussichtsturm. Ebenfalls wiederhergestellt ist das Laubengang-Gebäude, in dem durch den 1996 gegründeten, rührigen Heimatverein 1998 das Thüringer Korbmachermuseum eingerichtet wurde. Das „Blaue Schloss“ harrt mit teilweise zugemauerten Fenstern eines Investors. Der Bergfried mit Burgruine, das Schloss und die Michaeliskirche bilden zusammen auf einer Erhebung das Wahrzeichen von Tannroda.

Das Städtchen Tannroda entwickelte sich im Schutz der Burg. 1403 wurde ihm das Stadtrecht verliehen. Im 30-jährigen Krieg wurde der Ort verwüstet. 1680 kamen Stadt und Schloss unter Landesherrschaft. Die Bürgerschaft ernährte sich noch im 19. Jh. vorwiegend von der Landwirtschaft, daneben entwickelte sich die Korbflechterei. Industrie-Entwicklung: 1799 Pulvermühle (Explosion 1887), 1802 Ziegelhütte, Holzverarbeitung, Metallfabrik, Kunstemaille-Fabrik, 1906 Papierfabrik (1923 erheblich erweitert, wurde größter Betrieb in Tannroda).

Das Korbmachergewerbe erlosch 1990. Die Papierfabrik wurde 1992 geschlossen. Arbeit vor Ort bieten noch die Edelstahlbau GmbH, ein Holzverarbeitungsbetrieb und ein Agrarunternehmen.

Wappen

Wappen der ehemaligen Stadt Tannroda

Auf ungegliedertem Schildhaupt in weiß (heraldisch: in Silber) auf grünem Boden eine Tanne. Tannrodaer Wappen und Siegel mit diesem Bild sind nachweislich seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch.

Sehenswürdigkeiten

  • Stadtkirche St. Michael von 1825, nach Plänen von Clemens Wenzeslaus Coudray, auf dem Burgberg
  • Bergfried, Ruinen und sanierte Gebäude im Burg-/Schloss-Bereich
  • Thüringisches Korbmachermuseum und Ausstellung zu Burg- und Stadt-Geschichte: im Burggelände
  • Fachwerk-Bahnhof
  • Alte Papierfabrik als Industrie-Ruine

Verkehr

Tannroda liegt an der Bundesstraße 87 (Ilmenau–Bad Berka–(Weimar).

Seit 1888 hat Tannroda einen Bahnanschluss an der 25 Kilometer langen Ilmbahn nach Weimar.

Tannroda liegt am Ilmtal-Radweg.

Literatur

  • Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands / Thüringen. In: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. 2. Auflage. Bd. 9, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-520-31302-7.
  • Thomas Bienert; Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Mittelalterliche Burgen in Thüringen : 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1.
  • Jürgen Gruhle: Bodenreform als reiner Willkürakt. Heinrich von Gleichen verfügte über guten Leumund. In: Thüringische Landeszeitung. 14. November 2008.






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