| Basisdaten | |
|---|---|
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen |
| Ausdehnung: | 4220 ha |
| geograf. Lage: | 50° 54′ 39″ N, 6° 30′ 10″ O50.9108333333336.5027777777778Koordinaten: 50° 54′ 39″ N, 6° 30′ 10″ O |
| Kohleinhalt: | 1.772 Mio. t |
| Jährliche Abraummenge: | 250-300 Mio |
| Jährliche Kohleförderung: | 40 Mio. t |
| Kohle-Abraum-Verhältnis: | 1:6,2 |
| Genehmigte Betriebsdauer: | bis 2040 |
| Umgesiedelte Menschen: | bisher ca. 5.200 |
| Restloch: | Auffüllung zum Restsee
(siehe auch Blausteinsee) |
Der Tagebau Hambach (in den Gemeinden Niederzier, Kreis Düren und Elsdorf, Rhein-Erft-Kreis) ist der größte von der RWE Power AG (ehemals Rheinbraun AG) zur Förderung von Braunkohle betriebene Tagebau.
Inhaltsverzeichnis |
Der damals noch unter dem Namen Rheinbraun bekannte Tagebaubetreiber leitete 1974 das Genehmigungsverfahren ein und konnte 1978 mit dem Aufschluss des Tagebaues beginnen. Damit ging die Umsiedlung von Ortschaften einher und das größte Waldgebiet der Jülicher Börde, der Hambacher Forst, wurde weitgehend gerodet. 1984 wurde die erste Braunkohle gefördert.
Hambach ist mit einer Betriebsfläche von 3.389 Hektar (Stand 2007) bei einer genehmigten Maximalgröße des Abbaufeldes von 8500 Hektar der größte Tagebau in Deutschland. Auf dieser Fläche werden jährlich ca. 40 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert. Heute wird geschätzt, dass 1772 Mio. Tonnen Braunkohle noch zum Abbau zur Verfügung stehen. Die Braunkohle entstand aus weitflächigen Wäldern und Mooren, die sich in der Niederrheinischen Bucht vor 30 bis vor 5 Mio. Jahren entwickelten. Die Geologie der Niederrheinischen Bucht ist gekennzeichnet durch langanhaltende Senkungsbewegungen in den letzten 30 Mio. Jahren, die zur Ablagerung eines bis zu 1300 m mächtigen Sedimentpaketes durch die Nordsee und durch viele Flüsse geführt haben, in dem sich heute bis zu 100 m mächtige Braunkohleflöze befinden.
Mit 293 Metern unter NN, was 399 Meter unter dem Geländeniveau vom Südostrand (106 Meter über NN) des Tagebaus entspricht, ist der Tagebau Hambach auch der tiefste Tagebau in Deutschland.
Der Tagebau fördert jährlich eine Abraummenge von 250–300 Mio. m³. Das Verhältnis von Abraum zu Kohle beträgt 6,2:1. Die geförderte Braunkohle wird über die Hambachbahn nach Bergheim-Auenheim und von dort aus weiter über die Nord-Süd-Bahn zu den Kraftwerken Niederaußem, Neurath, Frimmersdorf und Goldenberg bei Hürth-Knapsack transportiert. Der Abraum wurde bis zum 16. April 2009 zum Teil per Band zum Tagebau Bergheim befördert, der bereits ausgekohlt ist und deshalb verkippt wurde und rekultiviert wird. Weithin sichtbares Markenzeichen des Tagebaus ist die Hochkippe Sophienhöhe, sie gilt als weltgrößter künstlich angelegter Berg, der die ebene Bördenlandschaft um 200 Meter überragt.
→ Hauptartikel: Umsiedlungen im Rheinischen Braunkohlegebiet
Siehe auch Liste abgebaggerter Ortschaften.
Der Tagebau Hambach steht im Verdacht, an Feinstaub-Emissionen in seinem näheren Umfeld beteiligt zu sein. Der Anteil des vom Tagebau herrührenden Feinstaubs wird vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen mit 25 % angegeben. 71 % werden der allgemeinen Hintergrundbelastung zugeschrieben.
Für das Jahr 2004 wird vom LANUV NRW für Überschreitungen des Feinstaubgrenzwertes von 50 µg/m³ kein vollständiges Messjahr aufgelistet, der erlaubte Jahresmittelwert von 40 µg/m³ wird jedoch mit 30 µg/m³, an der Messstation Niederzier, deutlich unterschritten.
Ab dem 1. Januar 2005 galten neue Grenzwerte für Feinstaub-Emissionen. Unter Federführung der Bezirksregierung Köln wurde ein Aktionsplan zur Feinstaubminderung in der Umgebung des Tagebaus Hambach erarbeitet, der am 29. September 2005 in Kraft gesetzt wurde. Der Tagebaubetreiber hatte bereits vorlaufend mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Feinstaubreduzierung begonnen. Im Jahr 2006 waren in Niederzier 35 Überschreitungen des Grenzwertes zu verzeichnen gewesen, was genau den erlaubten Überschreitungstagen entsprach. Der Jahresmittelwert sank für diesen Zeitraum auf 29 µg/m³.
Folgende Maßnahmen zur Bekämpfung von Feinstaub wurden im Tagebau umgesetzt:
Bis April 2009 wurde der Abraum, der in Hambach anfällt, zum Teil durch Bandanlagen in den ausgekohlten Tagebau Bergheim geschafft, um diesen wieder aufzufüllen. Nun wird ausschließlich am westlichen Rand des Tagebaus und auf der Sophienhöhe verkippt. Durch die Anhäufung von rund 10 km³ Material an der Sophienhöhe und durch die entnommene Kohle entsteht ein sogenanntes Restloch, das nach Abschluss der Abbautätigkeiten mit Wasser aufgefüllt werden soll.
Geplant ist ein künstlicher See mit einer Fläche von 4200 ha, einer Tiefe von bis zu 400 m und einem Wasservolumen von 3,6 Mrd. m³. Größe und Volumen hängen davon ab, ob der westlich gelegene Tagebau Inden nach dessen Auskohlung ebenso wie der Tagebau Bergheim durch Material aus dem Tagebau Hambach verfüllt wird oder offen gelassen wird. Der Restsee Hambach wäre der tiefste und (nach Volumen) der zweitgrößte See Deutschlands nach dem Bodensee. Wie der Tagebau befüllt werden soll, ist noch strittig. Einige Stimmen schlagen vor, Wasser aus der Rur und/oder der Erft zu entnehmen oder gar den Tagebau über eine Pipeline mit Rheinwasser zu füllen. Wie dies auch geschieht, die Füllung des Tagebaus wird voraussichtlich einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Somit ist mit einer Fertigstellung dieses künstlichen Gewässers nicht vor dem Jahr 2100 zu rechnen.
Pfingsten 2004 haben Greenpeaceaktivisten im Tagebau Hambach gegen die Klimaschädigung durch die Braunkohleverstromung demonstriert. Sie überflogen den Tagebau mit einem Heißluftballon und haben mehrere Tage einen Bagger besetzt und teilweise rosa angestrichen. [1] Am 13. Mai 2009 scheiterten die lokale Aktionsgemeinschaft der Bürgerinitiativen gegen die Verlegung der A4 und der BUND mit ihrer gemeinsamen Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die Kläger versuchten die zur geplanten Erweiterung des Tagebaus notwendige Verlegung der A4 zu stoppen und begründen dies u.a. mit Lärmbelastungen und der Bedrohung der unter Naturschutz stehenden Bechsteinfledermaus. [2] [3] 2009 befindet sich das neue Autobahnteilstück bereits in Bau. Seit 2008 werden vermehrt Beschwerden wegen möglicher Bergschäden im Bereich Elsdorf-Heppendorf laut; da die Beweislast bei den Beschwerdeführern liegt, ist der Nachweis gegenüber dem Bergbautreibenden schwierig.
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