Sprecherziehung nennt man die praxisorientierte Seite der Sprechwissenschaft, die sich mit allen Aspekten mündlicher Kommunikation beschäftigt. Sie sieht sich in der Tradition der antiken Rhetorik und unterteilt sich in Sprechbildung, Sprechtherapie, rhetorische Kommunikation, Phonetik und Sprechkunst.
Das Ziel der Sprecherziehung ist es, die Rede-, Artikulations- und Gesprächsfähigkeit zu fördern.
Dabei wird interdisziplinär mit angrenzenden Fachgebieten wie Germanistik, Linguistik, Medizin, Pädagogik, Phonetik, Psychologie und Soziologie zusammengearbeitet.
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Rhetorische Kommunikation betont als Weiterentwicklung des klassischen Rhetorik-Begriffs das gemeinsame Sprechen. Gespräche und Reden werden als echte bzw. latente Dialoge angesehen, in denen im Idealfall kooperativ über etwas gemeinsam geredet wird, das von allen Partnern gleichermaßen verantwortet wird. Einzelziele im Rahmen der Rhetorischen Kommunikation sind verständliches und anschauliches Formulieren, wirksames Präsentieren, faires Argumentieren sowie diverse Kompetenzen im Bereich der Gesprächsführung.
Ziel der Sprechbildung ist eine der jeweiligen Situation angemessene Artikulation sowie eine angenehm klingende, belastungsfähige Stimme, die variables, wirksames und ausdrucksvolles Sprechen erleichtert. Gefördert wird dabei z. B. eine entspannende und unhörbare Atmung, das Sprechen in der individuell idealen Sprechstimmlage, die Weitung der Resonanzräume oder eine deutlichere, evtl. sogar normgetreue Artikulation.
Die ästhetische Kommunikation innerhalb der Sprecherziehung beschäftigt sich mit der Theorie und praktischen Umsetzung des Sprechens von literarischen Texten (Gedichte, Reden, Schauspiel etc.). Ziel ist es, eine angemessene Interpretation und Vortragsform des jeweiligen Textes zu finden.
Die größte deutschsprachige Ausbildungsstätte für ästhetische Kommunikation ist das Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogik der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart unter der Leitung von Prof. Annegret Müller.
Daneben wird Sprechkunst auch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Studienfach "Sprechwissenschaft und Phonetik" gelehrt, als einer von vier Teilbereichen neben Rhetorik, Phonetik und Sprach- und Sprechstörungen. Der Teilbereich Sprechkunst hat hier eine lange Tradition. Auf der universitätsinternen Sprechbühne können die Studenten das Erlernte praktisch umsetzen.
Außerdem kann 'Sprechkunst' als Wahlpflichtfach in der universitären achtsemestrigen Ausbildung zur 'Sprecherzieherin (Univ.)' bzw. zum 'Sprecherzieher (Univ.)' der Universität Regensburg (Lehrgebietsleiter: Dr. Dieter-W. Allhoff) belegt werden.
An Schauspielschulen oder Musikhochschulen (z.B. in der Ausbildung im Fach Operngesang) ist Sprecherziehung ein wichtiges Lehrfach. Atemtechnik, Stimmbildung, Artikulationsübungen sowie der Vortrag von Texten (Sachtexten, Prosa, Gedichte usw.) und freies Sprechen sind Inhalte der Sprecherziehung.
Nähere Informationen zum DGSS-Abschluss findet man auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. [3] Bei dem Abschluss Sprecherzieher (DGSS) handelt es sich nicht um einen normalen universitären Abschluss, wie er z. B. in Halle an der Universität zu erwerben ist als Diplom-Sprecherzieher, sondern um eine diplomgleichwertige Prüfung vor einem Prüfungsausschuss der DGSS.
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