| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Rechtshistoriker und Universitätsprofessor siehe Walter Selb. |
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
50.16972222222212.130833333333562
Koordinaten: 50° 10′ N, 12° 8′ O
|
||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberfranken | |
| Landkreis: | Wunsiedel im Fichtelgebirge | |
| Höhe: | 562 m ü. NN | |
| Fläche: | 62,37 km² | |
| Einwohner: |
16.298 (31. Dez. 2008)[1] |
|
| Bevölkerungsdichte: | 261 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 95100 | |
| Vorwahl: | 09287 | |
| Kfz-Kennzeichen: | WUN | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 4 79 152 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Ludwigstraße 6 95100 Selb |
|
| Webpräsenz: | www.selb.de | |
| Oberbürgermeister: | Wolfgang Kreil (CSU) | |
| Lage der Stadt Selb im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge | ||
Selb ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (Regierungsbezirk Oberfranken) und liegt direkt an der tschechischen Grenze. Sie gehört der grenzüberschreitenden Mikroregion Freunde im Herzen Europas an.
Ihr Slogan lautet: Selb – keine Weltstadt aber weltbekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Die Kolonisation im 12. Jahrhundert brachte Siedler aus dem bayerischen Raum in die Region um Selb. Ein Adelsgeschlecht, das sich „de Selewen“ nannte, ist seit 1135 nachgewiesen. 1281 wurde Selb erstmals urkundlich erwähnt, als es zusammen mit dem benachbarten Asch im heutigen Tschechien, an den Vogt Heinrich von Plauen verpfändet wurde und Kaiser Rudolf von Habsburg darüber eine Urkunde ausstellen ließ. 1357 wurde Selb als Reichslehen an das Geschlecht der „Forster“ übertragen, weil von hier aus der Egerer Reichsforst verwaltet wurde. 1412 wurde Selb an die Burggrafen von Nürnberg verkauft. Diese schufen 1437 das „Sechsämterland“, so genannt, weil die Verwaltungsaufgaben dezentral auf sechs Amtsstädte verteilt waren. Eines dieser sechs Ämter war Selb. 1426 verlieh Markgraf Friedrich I. von Bayreuth-Brandenburg der Stadt ein erstes Stadtrecht. Selb blieb Zentrum des markgräflichen Forstes und bevorzugtes Jagdrevier der Bayreuther Fürsten. Noch heute erinnern die Hirschgeweihe im Stadtwappen an die jagdgeschichtliche Bedeutung der Stadt.
Nach mehreren Besitzwechseln und kriegerischen Zerstörungen in den darauffolgenden Jahrhunderten erlangte Selb bis weit ins 18. Jahrhundert Bedeutung als Bergbaustandort in Verbindung mit Hammer- und Eisenschmelzwerken. Die bedeutendsten Hammerwerke (Wenden-, Kaiser-, Schwarzen- und Hendelhammer) nutzten die Wasserkraft der Eger. Bergbau wurde im Steinbruch auf der Häusellohe (heutiger Schausteinbruch) betrieben. Das dortige sehr feinkörnige Granitvorkommen, das keine Eisenbeimengungen enthält, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem zur Herstellung von technischen Walzen für die Porzellanindustrie und von Mühlsteinen genutzt.
Selb war im 18. Jahrhundert eine Handwerkerstadt mit etwa 1.500 Einwohnern und mit Zünften der Schreiner, Zimmerleute, Gerber, Müller, Schuster und Weber. 1709 errichtete der Papiermacher Johann Georg Jäger eine Papiermühle. Sie wurde zum ersten Industriebetrieb der Stadt, der bis in die 1970er Jahre Bedeutung für die Druckindustrie haben sollte.
Nach dem Friedensschluss von Wien 1809 wurde Selb am 30. Juni 1810 bayerisch. Am 17. Juni 1836 wurde Selb zur Stadt erhoben. Durch die Unachtsamkeit einer Magd gerieten am 18. März 1856 die Gebäude bei der alten Apotheke in Brand. Das sich schnell ausbreitende Feuer zerstörte die gesamte Stadt und damit den mittelalterlichen Stadtkern. Es ist als „Selber Brand“ bekannt. Nur wenige Gebäude überstanden den Feuersturm unversehrt, darunter die Gottesackerkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit von 1612 und die sogenannte Pechhütte (ein kleiner profaner Fachwerkbau, in dem das Pechsiederhandwerk ausgeführt wurde) von etwa 1583; diese beiden Gebäude befanden sich damals außerhalb des Stadtkerns. Im Ganzen wurden 221 Häuser und 408 Nebengebäude in Schutt und Asche gelegt, 624 Familien (über 3.500 Personen) wurden obdachlos.
Um 1857 entwickelte sich Selb zur Porzellanstadt. Die durch den Selber Brand arbeitslos gewordenen Weber fanden 1857 teilweise wieder Arbeit, als Lorenz Hutschenreuther die erste Porzellanfabrik auf der Ludwigsmühle errichtete. Seine Pioniertat bestand darin, dass er die industrielle Serienfertigung von Porzellan ermöglichte. Das „Weiße Gold“ wurde für Normalbürger erschwinglich. In der Fabrik fanden viele der arbeitslos gewordenen Weber eine neue Zukunft. Der Bahnanschluss 1864 an die Strecke Hof–Eger begünstigte die einsetzende rasante Industrieentwicklung in Selb. Es gründeten sich die Porzellanfabriken Jakob Zeidler & Co., J. Rieber, Rosenthal, Krautheim, Müller, Heinrich & Co., Jäger & Werner, Gräf & Krippner, Krautheim & Adelberg, Zeidler & Purucker, Gebr. Hofmann und die Oberfränkische Porzellanfabrik. 1900 hatte Selb bereits 7.200 Einwohner. Inzwischen bestanden 20 Porzellanfabriken mit zusammen 100 Rundöfen.
Am 1. Juli 1919 wurde Selb aus dem Landkreis Rehau ausgegliedert und zur kreisfreien Stadt erklärt. 1930 war die Stadt auf 14.200 Einwohner angewachsen. Die Zahl der Porzellanfabriken war jedoch im Zuge der Weltwirtschaftskrise und der Inflation der 20er Jahre gesunken. Die meisten Fabriken waren durch Fusionen auf andere Unternehmen übergegangen. Die übrig gebliebenen entwickelten sich zu Weltmarken. Heute noch sind die weltweit bekannten Marken Rosenthal und Hutschenreuther in Selb ansässig.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Selb von amerikanischen Truppen eingenommen. 3.500 Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten kamen nach Selb. Durch die neue Grenzziehung fielen für die Porzellanindustrie die Tschechoslowakei und Sachsen als Märkte und Rohstoffquellen weg.
Im Zuge der Gebietsreform 1972 wurde Selb als Große Kreisstadt dem Landkreis Wunsiedel zugeordnet. 1978 wurden die Gemeinden Erkersreuth, Heidelheim-Steinselb, Längenau, Lauterbach-Wildenau, Mühlbach, Oberweißenbach, Selb-Plößberg, Silberbach, Spielberg, Unterweißenbach und Vielitz eingegliedert.
Die Krise der Porzellanindustrie in den Bereichen Tafel- und Luxusgeschirr konnte in den 1990er Jahren nicht geleugnet werden. Die Zahl der Arbeitsplätze in den Porzellanunternehmen ging von 5.000 im Jahr 1965 auf heute unter 1.000 zurück. Technisierung, Rationalisierung und die kostengünstigere Produktionsverlagerung ins Ausland stürzten Stadt und Region in einen einschneidenden Strukturwandel. Im Zuge dessen prägen heute in Selb zahlreiche andere Branchen die Wirtschaftsstruktur. Die 16.500 Einwohnerstadt Selb ist zwischenzeitlich ein Industriestandort an dem sich neben der keramischen Industrie andere Industriezweige, wie v.a. der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilzulieferindustrie und die Kunststoffverarbeitung etabliert haben.
Die Kommunalwahlen 2002 und 2008 führten zu der folgenden Sitzverteilung im Stadtrat:
| 2002 | 2008 | |
|---|---|---|
| CSU/Freie Wähler | 11 | 12 |
| Aktive Bürger | 5 | 6 |
| SPD | 8 | 6 |
| Gesamt | 24 | 24 |
Selb unterhält Städtepartnerschaften mit dem französischen Beaucouzé und dem tschechischen Pardubice (deutsch Pardubitz).
Kultureller Mittelpunkt der Stadt ist das Rosenthal-Theater. Es liegt mitten in Selb, am Hang des Selbbachtales. Von bekannten Opernwerken, beliebten Operetten und Musicals reicht die Spannbreite des Kulturprogramms bis hin zu hochkarätigen Schauspielaufführungen, wechseln Symphoniekonzerte renommierter Orchester mit Kammerkonzerten, Jazzkonzerten, Kleinkunstveranstaltungen und Aufführungen örtlicher Bühnenvereine, sowie der Gesangs-, Geselligkeits- und Musikvereine ab. Besonderes Augenmerk wird auf ein breites Angebot im Bereich Kinder- und Jugendtheater gerichtet.
Die Stadt liegt am Fuße des Fichtelgebirges und bietet viele Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung, wie etwa das Skifahren im Winter auf dem Wartberg oder dem Kornberg oder der Besuch des Waldbades „Langer Teich“ im Sommer. In der Stadt sind die Hutschenreuther-Eissporthalle, das Rosenthal-Theater sowie das Hallenbad zu finden. Der bekannteste Selber Sportverein ist der Eishockey-Club VER Selb.
Selb ist nach wie vor das Zentrum der Porzellanindustrie in Deutschland, die dort aufgrund kleiner und um 1900 schon erschöpfter Kaolinvorkommen nach 1856 entstand. Die Unternehmen Hutschenreuther, Rosenthal und BHS Tabletop, stellen fast die Hälfte der deutschen Produktion her. Weiterhin befinden sich in der Stadt Betriebe des Maschinen- und Anlagenbaus, der technischen Keramik, der Elektrotechnik sowie der Kunststoffverarbeitung.
Arzberg | Bad Alexandersbad | Höchstädt im Fichtelgebirge | Hohenberg an der Eger | Kirchenlamitz | Marktleuthen | Marktredwitz | Nagel | Röslau | Schirnding | Schönwald | Selb | Thiersheim | Thierstein | Tröstau | Weißenstadt | Wunsiedel
stock | retire | vm
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History