Mit Ruhrbergbau wird der Steinkohlen– und Erzbergbau im Ruhrgebiet bezeichnet, der auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann.
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Bereits zu Beginn der Gebirgsbildung (Variszische Orogenese) vor 400 bis 300 Millionen Jahren im Süden des heutigen Ruhrgebiets während der Devon– und Karbonzeit, war an tektonischen Störungen Magma aufgestiegen und dadurch Erz-Lagerstätten entstanden.
Gleichzeitig setzte nördlich des Hochgebirges eine Absenkung ein. Dort wechselte die Landschaft über Millionen von Jahren hinweg immer wieder zwischen einem flachen Meer, der Entstehung von Flussdeltas und der Verlandung durch erodierte Sedimente aus dem Hochgebirge. Dabei entstanden im feucht-warmen Klima des Karbons ausgedehnte Moore, die durch Sedimente überschichtet wurden und so die Inkohlung des pflanzlichen Materials bewirkten. Bis zur heutigen Tiefe von etwa 3000 m entstanden so hunderte kohleführender Schichten, von denen nur etwa 75 Flöze abbauwürdige Stärken von 1 m bis maximal 3 m erreichen. Durch die Absenkung fallen heute die flözführenden Schichten mit etwa 6° nach Norden hin ein. So reicht am Südrand des Ruhrgebietes bei Witten die Kohle bis an die Erdoberfläche, während sie beispielsweise bei Marl am Nordrand des Ruhrgebietes etwa 700 Meter tief liegt.
In den Erzlagerlätten des Ruhrgebietes wurden Eisenerze wie Roteisenerz, Toneisenstein und Raseneisenstein, aber vor allem Kohleneisenstein, (sogenannter Black Band) für die Stahlherstellung abgebaut. Daneben wurden in geringen Mengen auch andere Erze wie Schwefelkies, Kobalt, Blei, Zink, Silberund Kupfer gewonnen.
Auf der Zeche Auguste Victoria wurden 1938 Blei-Zink-Erzvorkommen im „William-Köhler-Gang entdeckt und unter den Autarkiebemühungen des Dritten Reiches auch abgebaut. In den 1950er Jahren wurden ca. 20 % der deutschen Erzproduktion auf der Zeche Auguste Victoria gefördert (1956: 349.000 t Erz). Allerdings wurde der Abbau unwirtschaftlich und 1962 eingestellt.
| Belegschaftszahlen im Ruhrbergbau [1] | ||
|---|---|---|
| Jahr | Belegschaft | Förderung in Mio. t |
| 1820 | 3.556 | 0,41 |
| 1830 | 4.457 | 0,549 |
| 1840 | 8.945 | 0,96 |
| 1850 | 12.741 | 1,96 |
| 1860 | 28.657 | 4,3 |
| 1865 | 42.450 | 9,3 |
| 1870 | 50.749 | 11,8 |
| 1875 | 83.134 | 17,0 |
| 1880 | 80.309 | 22,5 |
| 1885 | 102.292 | 29,0 |
| 1890 | 127.794 | 35,5 |
| 1895 | 154.702 | 41,3 |
| 1900 | 228.593 | 60,1 |
| 1905 | 273.184 | 66,7 |
| 1910 | 353.347 | 89,1 |
| 1912 | 374.041 | 102.8 |
| 1913 | 444.406 | 114,2 |
| 1915 | 295.993 | 86,5 |
| 1918 | 350.282 | 95.7 |
| 1920 | 473.468 | 88.1 |
| 1923 | 42 | |
| 1925 | 459876 | 104.3 |
| 1932 | 221.096 | 73.2 |
| 1938 | 355.084 | 127.2 |
| 1945 | 276.192 | 33,3 |
| 1948 | 401.671 | 81.1 |
| 1953 | 480.806 | 115.5 |
| 1956 | 484.986 | 124.6 |
| 1957 | 123,2 | |
| 1960 | 408.049 | 115,4 |
| 1965 | 316.114 | 90 |
| 1970 | 198.943 | 91,1 |
| 1975 | 161.113 | 75,9 |
| 1980 | 141.808 | 69,1 |
| 1985 | 125.824 | 64 |
| 1990 | 100.949 | 54,6 |
| 1995 | 72.483 | 41,6 |
| 1997 | 37,2 | |
| 2000 | 48.679 | 25,9 |
| 2002 | 26 | |
| 2008 | 14,5 | |
Der Sage nach fand ein Junge in der Gegend von Witten, Sprockhövel oder Wetter beim Schweinehüten glühende schwarze Steine in einer Feuerstelle. Hier wurde bereits im Mittelalter Kohle in einfachen Grabelöchern (Pingen) abgebaut. Die Schwerpunkte dieses frühen Steinkohlenbergbaues lagen im Raum Witten-Sprockhövel-Haßlinghausen, wo die Kohleflöze bis an die Tagesoberfläche reichen. Aufgrund der räumlichen Nähe zu den wichtigen Abnehmern in Schwelm, Ennepetal, Hagen und dem Wupperraum sind die Keimzellen des Ruhrbergbaues in Sprockhövel und Wetter zu suchen. Diese Pingen wurden solange betrieben, bis das aufsteigende Grundwasser eine weitere Kohlengewinnung verhinderte.
Urkundlich ist ein erster Kohlebergbau für Dortmund im Jahre 1296 bei Haus Schüren belegt. Die hier gewonnene Kohle wurde vor allem von den Salzsiedereien in Unna abgenommen. Im Jahre 1439 erteilte Adolf II. von Berg dem Johann Schüren das Kohleprivileg.
Im Spätmittelalter wurde bereits Stollenbergbau betrieben, bei dem auf mehreren Sohlen Kohle abgebaut wurde. Die Sohlen waren durch Schächte mit rechteckigem Querschnitt verbunden.
1547 wird der Bergbau in Schee bei Sprockhövel erstmals urkundlich erwähnt. Für etwa 1552 ist ein Stollen am Schlebusch in Wetter belegt. 1566 bildet sich die erste Bergbaugenossenschaft in Bredeney.
Um 1700 gab es schon das Schießen, das Sprengen mit Schwarzpulver. Eine Liste aus dem Jahre 1737 verzeichnete 105 Zechen mit zusammen 688 Bergleuten in der Grafschaft Mark .
Im Jahre 1738 wurde das Märkische Bergamt in Bochum eröffnet. Die ersten Markscheider nahmen ihre Tätigkeit in der Grafschaft Mark auf. Großmaßstäbliche Kartenwerke fertigten der Markscheider und Bergamtsleiter Johann Friedrich Niemeyer (1759-1814) und Johann Ehrenfried Honigmann (1775-1855) an.
Kurze Zeit vor dem Siebenjährigen Krieg beauftragte König Friedrich II. im Jahre 1755 Ludwig Philipp Freiherr vom Hagen und Johann Friedrich Heintzmann mit der Inspektion des Ruhrbergbaus und erließ am 29. April 1766 die Revidirte Bergordnung für das Herzogtum Cleve, das Fürstentum Meurs und die Grafschaft Mark, weil er dessen Bedeutung für die Kriegsindustrie und den Merkantilismus erkannt hatte.
Im 18. Jahrhundert wurde an der tiefsten Stelle eines Abbauberges ein gemauerter Stollen angelegt, der die Funktion hatte, das Grubenwasser an der tiefst möglichen Stelle abzuführen. Diese Stollen wurden Erbstollen genannt; dem Besitzer dieses Erbstollens musste ein gewisser Anteil der Kohle abgeführt werden, die in dem Entwässerungsbereich gewonnen wurde. An der Ruhr sind im Bereich von Witten und Bochum noch Erbstollen erhalten. Die Mundlöcher dieser Erbstollen liegen nur wenig über dem Niveau des Flusses. Im Muttental (Witten) sind die übertägigen Bauwerke einiger Stollenzechen restauriert worden. Im Jahr 1754 gab es in Bochum 20 Zechen mit einer Gesamtbelegschaft von 114 Personen, so dass dem Bergbau zu der Zeit noch keine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung zukam.
Für den Bergbau galt das preußische Direktionsprinzip, das dem Grubenbetreiber, den Gewerken, nur wenig Freiraum in der wirtschaftlichen Entfaltung zuließ. Die Bergverwaltung und die Festlegung der Löhne war staatlich geregelt. Besonderen Einfluss nahm Freiherr vom Stein, der 1784 zum Direktor des Märkischen Bergamtes bestellt wurde, auf die politischen Randbedingungen für den Bergbau. Er unternimmt ausgiebige Reisen in die heimischen und ausländischen Bergbaureviere. So geht die Verschärfung des Direktionsprinzips durch die revidierte Clever-Märkische Bergordnung auf seine Vorschläge zurück. Sie führte zu einer Straffung des Rechnungswesens, einer gemeinschaftlichen Verwaltung der Betriebe mit Obersteigern und Oberschichtmeistern. Großen Einfluss hatte Freiherr vom Stein auf den Einsatz der Dampfmaschine, der Verbesserung des Markscheidewesens und auf die Anwendung neuer Abbauverfahren.
Die Ruhr besaß im 18. Jahrhundert bereits eine größere Anzahl von Staustufen, die von Mühlenbesitzern, Fischern und Fabrikanten angelegt worden waren. 1735/36 empfiehlt Bergrat Decker den Fluss schiffbar zu machen und für den Kohletransport zu nutzen. 1749 erteilt die preußische Regierung eine Konzession, die die Schifffahrt erlaubt. Diese gilt nur für den preußischen Landesbereich. Die unterschiedlichen Interessen der Länder am Verlauf der Ruhr verhinderten vorerst eine gezielte Umsetzung der Pläne. So mussten an den Staustufen die Frachtsäcke aufwändig umgeladen werden. Im Jahr 1776 wird die durchgehende Schiffbarkeit angestrebt. 1780 wurde die letzte von sechzehn, durch Preußen in Auftrag gegebenen, Ruhrschleusen fertig gestellt und der Fluss war von Duisburg bis Langschede schiffbar. Die Schleusenkammern wurden aus Stein oder Holz errichtet. Die Größe der Schleusen war genormt und betrug 45 m * 5 m, wobei die Länge der Ruhraaken meistens 35 m nicht überschritt. Die 74 Kilometer lange Fahrt flussabwärts dauerte 2 Tage; flussaufwärts mussten die Schiffe getreidelt werden. Der Steinkohlenbergbau in der Grafschaft Mark und im Essen-Werdener Revier profitierte am meisten von der Kanalisierung der Ruhr. Die Ruhrschifffahrt diente bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem dem Kohletransport ins Rheinland und wurde mit steigendem Ausbau des Eisenbahnnetzes nach und nach eingestellt.
Der Abbau der Kohle erfolgte mit der Keilhaue. Die Stollen hatten eine Breite von 1,2 m und eine Höhe von 2,2 m; Hauptförderstrecken hatten einen Querschnitt von etwa von 1,5 m * 2,5 m. Der Ausbau bestand anfänglich aus Reisig mit eingefügten Holzstangen; später ging man zum hölzernen Türstockausbau über. Mundlöcher und kritische Stollenabschnitte wurden durch Gewölbe gesichert. Das Gezähe des Bergmanns besteht aus der Keilhaue, Schramhacke und Schaufel. Der Transport der Kohlen vom Streb erfolgte jahrhundertelang mit einrädrigen Laufkarren und Schlitten- oder Schlepptrögen, die dann im 18. Jahrhundert durch Hunte (Förderwagen) unterschiedlichster Bauform abgelöst wurden. Später setzte sich die Huntbauart mit vier gleichgroßen Laufrädern durch, die auf Holzbohlen geschoben wurden. Schlepper mussten die Hunte zum Schacht oder Mundloch schieben. An seigeren Schächten wurden Haspeln aufgestellt, mit denen die Kohlenkübel zutage gezogen wurden. Der Einsatz von Sprengstoffen im 17. Jahrhundert war eine wesentliche Innovation, die das Anlegen der Stollen rationalisierte.
Ab 1785 wurden Pferde in Pferdegöpeln zur Schachtförderung eingesetzt (Zeche Trappe, Silschede). Die Schächte hatten einen rechteckigen Querschnitt und waren mit Kanthölzern und Brettern ausgebaut. Die Schächte waren unterteilt; ein Trum diente der Fahrung und eines der Förderung. Um 1787 führte man über Tage den schienengebundenen Transport (Rauendahler Schiebeweg) ein und im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde die Kohle oft mit Pferdebahnen zu den Verladestellen an der Ruhr transportiert. Von Zechen, die nicht an das Wassernetz angeschlossen waren, konnte die Kohle nur auf ochsen- oder pferdebespannten Wagen über schlechte Straßen transportiert werden.
1804 zählte man im Ruhrgebiet schon 229 Zechen mit einer Gesamtjahresförderung von 380.000 Tonnen. Einen weiteren Aufschwung erfuhr der Ruhrbergbau durch die Einführung der Dampfkraft bei der Wasserhaltung. Der erste 46 m tiefe Seigerschacht im Rahmen des Tiefbaus wurde 1800 von der Zeche Vollmond in Bochum-Langendreer abgeteuft. Hier wurde auch die erste Dampfmaschine zur Wasserhaltung verwendet. 1809 wurde auf der Zeche Vereinigte Sälzer & Neuack erstmalig eine Dampfmaschine für die Kohlenförderung eingesetzt.
Die erste Kokerei wurde 1816 auf der Zeche Vereinigte Sälzer & Neuack in Essen gebaut. In der Schachtförderung wird 1835 erstmalig ein Drahtseil verwendet. Um 1840 wird die von Sir Humphry Davy entwickelte Sicherheitslampe im Ruhrbergbau eingeführt.
Mitte des 19. Jahrhunderts reichten die Kapazitäten der Stollenzechen nicht mehr aus, um den Kohlebedarf der beginnenden Industrialisierung zu decken. Ein Meilenstein im Ruhrbergbau war die Überwindung der Mergelgrenze durch den Tiefbau. In Tiefbauzechen muss das Grubenwasser gehoben und abgeführt werden. Die ersten Tiefbauschächte wurden an den bestehenden Stollengruben angelegt, um tiefer liegende Flöze zu erschließen. Dieses gelang Franz Haniel 1833 mit dem Schacht Franz in Borbeck bei Essen und im großen Maßstab 1840 auf der Zeche Vereinigte Kronprinz. Die in diesem Bereich angesetzten Erbstollen blieben zuvor regelmäßig in dem beim Vortrieb entstehenden Mergelschlamm stecken.
Die Schächte der ersten Tiefbauzechen nördlich der Ruhr, im Süden der Städte Dortmund, Bochum und Essen mussten durch ein Mergeldeckgebirge von 30 - 100 m abgeteuft werden. Die Schächte wurden anfangs noch mit Holz ausgebaut; bald ging man zur Ausmauerung mit Klinker über, um die Schachtwand möglichst wasserdicht auszuführen und die Standfestigkeit zu erhöhen.
Die Wasserhaltung war das größte Problem des sich entwickelnden Tiefbaus. Anfänglich wurde mit einfachen handbetriebenen Holzpumpen oder Ledereimern das Grubenwasser zur Tagesoberfläche geleitet. Das Deckgebirge über dem Karbon ist wasserdurchlässig, so dass zwangsläufig Wasser in die Grubenbaue eindringt. Die Dampfmaschine wurde im Ruhrbergbau zuerst für die Wasserhaltung eingesetzt, und setzte sich in den 1830er Jahren langsam durch. Das Grubenwasser wurde im Schachtsumpf gesammelt. Es wurden anfangs untertägig aufgestellte Pumpen verwendet, die über ein Gestänge angetrieben wurden, das zu der Übertage aufgestellten Dampfmaschine reichte. Es konnten so erste Erfolge bei der Wasserhaltung von Tiefbauzechen erreicht werden, obwohl die Anordnung sehr störanfällig und wenig effizient war und auch den nutzbaren Schachtquerschnitt verringerte. Als Fördermaschine wurde die Dampfmaschine erst später eingesetzt. Es gab dann auch Varianten, bei denen die Dampfmaschine alternativ für Wasserhaltung und Förderung verwendet werden konnte.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Hanfseile für die Schachtförderung verwendet. Ab 1836 setzte sich die Märkische Bergbehörde für die Verwendung von Stahlseilen ein. 1840 waren alle Fördermaschinen mit Dampfmaschinenantrieb mit den wesentlich belastbareren und beständigeren Stahlseilen umgerüstet worden.
Das gängige Verfahren zum Abteufen von Schächten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Senkschachtverfahren. Es wurde ein Senkschuh aus Gussstahl in das Bohrloch abgelassen. Auf diesen Stahlring wurde die Schachtwand aus Klinker aufgemauert. Während auf dem Schachtgrund das Erdreich gelöst und in Kübeln nach über Tage gefördert wurde, sank der Schacht durch das Gewicht der aufgemauerten Schachtwand nach unten. Aber in vielen Fällen erschwerten Wassereinbrüche die Teufarbeiten. Die Abfuhr des eingedrungenen Wasser mit Hilfe des Kübels oder mit den störanfälligen Gestängepumpen war oft unzureichend, so dass an vielen Schächten die Abteufarbeiten zwischenzeitlich gestundet werden mussten. Bei Schächten, die in nördlicheren Gebieten mit höherem Mergeldeckgebirge abgeteuft worden sind, mussten oft mehrere Senkschächte ineinander angelegt werden, wenn die Reibung der Schachtwand zum Erdreich zu groß geworden war und der Senkschacht sich nicht weiter absenkte.
Die Kohlengewinnung erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts oft mit dem Pfeilerrückbau-Verfahren. Es wurde von einer höheren Sohle eine geneigte Strecke zum Abbaubetrieb aufgefahren, die als Bremsberg diente. Die beladenen schweren Kohlenwagen wurden am Streb befüllt und gebremst zur tieferen Sohle abgelassen. Gleichzeitig wurden mit dem höheren Gewicht der beladenen Wagen leere Wagen den Bremsberg hinaufgezogen. Vom Bremsberg aus wurden alle 10 - 12 m schmale horizontale Strecken in das Streb angelegt, bis man die Grenze der Abteilung erreichte. Die Streckenförderung der Kohle erfolgte in Förderwagen (Hunte), die entweder von Schleppern oder von Grubenpferden gezogen wurden.
Beim Pfeilerrückbauverfahren bleiben Kohlenpfeiler stehen, die noch eine gewisse Zeit das Gebirge tragen. Die ausgekohlten Hohlräume werden aber bald durch den Gebirgsdruck zusammengedrückt und die Folge sind Bergsenkungen, die bis zur Tagesoberfläche reichen. Eine weitere Gefahr besteht in der Selbstentzündung der verbliebenen Kohlenpfeiler. Trotz der Nachteile herrschte dieses Abbauverfahren bis 1880 vor. Beim Abbau wurden die Firste mit dem Holzabbau gesichert. Danach wurden die Hohlräume mit taubem Gestein, den Bergen, verfüllt. Auf diese Weise wurden auch Bergsenkungen an der Tagesoberfläche verringert.
Das Abteufen eines Schachtes war Mitte der 19. Jahrhunderts eine langfristige und auch spekulative finanzielle Investition, da sich das Abteufen über Jahre hinziehen konnte und der Verlauf der Flöze und der Störungen nur unzureichend bekannt waren. Daher wurde bei Erreichen Karbons zwei Sohlen (Wettersohle und die Abbausohle) aufgefahren. Man begnügte sich vorerst mit einem Schacht, der eine Zwischenwand erhielt, um eine Seite für frische Wetter und die andere Seite für die Abwetter zu nutzen. Die Abwetter wurden an den Kamin des Kesselhauses angeschlossen, um den Kaminzug für die Abströmung der Abwetter zu nutzen. Mit der weiteren Ausdehnung der Grubengebäude und den auftretenden Wetterkurzschlüssen im Schacht war diese Form der Bewetterung nicht mehr ausreichend. Es ereigneten sich folgenreiche Schlagwetterexplosionen, oft in Verbindung mit Kohlenstaubexplosionen, die viele Tote zur Folge hatten. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde daher von den Bergbehörden verlangt, dass jede Schachtanlage mindestens zwei Schächte unterhalten muss, wovon einer als Frischwetter- und der andere als Abwetterschacht zu nutzen ist. Der Kaminunterdruck der Dampfkesselfeuerungen erwies sich nicht mehr als ausreichend, um die Abwetter abzuführen. Es wurden daher Grubenlüfter installiert mit einem radialen Lüfterrad, die von einer Dampfmaschine angetrieben wurden. Ab 1893 wurden auch Elektromotoren zum Antrieb von Grubenlüfter eingesetzt, mit denen dann im 20. Jahrhundert die Axiallüfter angetrieben werden konnten.
Etwa ab 1850 setzte man Grubenpferde zur Streckenförderung untertage ein. Allein die Hauderei Bischoff aus Gelsenkirchen vermietete im Ruhrbergbau bis zu 6.000 Pferde. Mit Einführung der Druckluft-, Diesel- und Elektrolokomotiven zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Grubenpferd verdrängt. Das letzte Grubenpferd namens Tobias wurde im Juli 1966 von der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen ans Tageslicht gebracht.
Um 1850 wurden die ersten Malakowtürme gebaut. Bis 1857 steigert sich die Zahl der Zechen auf 296 und die Förderung auf 3,6 Mio Tonnen. Die Kinderarbeit wurde 1854 untersagt, die Bergbehörde untersagte den Einsatz von Jugendlichen unter 16 Jahren untertage.
Der Mangel an qualifizierten Bergarbeitern führte ab 1855 zu dem zecheneigenen Wohnungsbau und der Anlage von Arbeitersiedlungen. Mit der Gestellung von günstigem Wohnraum sollten Arbeitskräfte angeworben und an die Zeche gebunden werden. Für den Schachtausbau setzte man 1855 erstmalig Tübbings ein. 1865 wurden die ersten Pressluftbohrer für den Kohlenabbau eingesetzt. Das ausgehende 19. Jahrhundert war von einer rasanten technischen Entwicklung begleitet: 1865 wurden die erste Druckluftbohrmaschine für die Herstellung von Sprenglöchern verwendet, ab 1866 wurde Dynamit eingesetzt. 1875 wurde die erste Schrämmaschine getestet.
Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund, kurz Bergbau-Verein, wird 1858 als Unternehmerverband gegründet. Mit dem „Allgemeinen Berggesetz für die preußischen Staaten vom 24. Juni 1865“ ging der Bergbau von der staatswirtschaftlichen in die privatwirtschaftliche Form über.
1865 erreichte der Steinkohlebergbau die Emscherzone, und es entstanden Bergwerke in Oberhausen und Bottrop.
Der Aufbau eines Eisenbahnnetzes war ein entscheidender Fortschritt, um Güter über mittlere und größere Entfernungen günstig befördern zu können, und dies machte sich der Bergbau früh zu Nutzen. Die erste Eisenbahnstrecke im Ruhrgebiet war die Bahnstrecke Köln–Duisburg, die 1847 ihren Betrieb aufnahm. In der Folge wurden neue Schachtanlagen möglichst in der Nähe dieser Trasse errichtet oder es wurden Stichbahnen angelegt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Streckennetz im Ruhrgebiet schon weit durch überregionale Verbindungen und Zechenanschlussbahnen ausgebaut. Die Erschließung Deutschlands mit der Eisenbahn während der industriellen Revolution verbesserte nicht nur die Infrastruktur des Ruhrbergbaus, sondern steigerte auch den Bedarf nach Kohle und Stahl.
In den Tiefbauzechen gaste Grubengas aus den Kohlenflözen aus und bildete bei geringer Bewetterung oft ein explosionsfähiges Gemisch. Es häuften sich Schlagwetterexplosionen, die oft noch verheerendere Kohlenstaubexplosionen auslösten, und vielen Bergleuten das Leben kostete. Das aus dem Stollenbau weiter genutzte offene Geleucht war oft die Zündquelle von Explosionen. Im Jahr 1881 wurde die Preußische Schlagwetterkommission eingesetzt, um Ursachen und Maßnahmen zur Vermeidung von Schlagwetterexplosionen zu erarbeiten. Als Maßnahme wird die Benzinsicherheitslampe eingeführt, deren Flamme mit einem feinmaschigen Gitter umgeben ist, das eine Zündung von der Flamme nach außen verhindert und als Flammendurchschlagsicherung wirkt. Weitere Maßnahmen ist die Anordnung Wasserleitungen in der Grube zu verlegen, Kohlenstaub zu befeuchten und das Verwendungsverbot von Schwarzpulver (1898).
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg führen die Kontributionen zu einer großen Investition im Ruhrgebiet. Im Jahre 1873 kam es aber auch zur ersten Depression, der Kohlepreis sank.
Die soziale Problematik, Kampf um gerechtere Löhne, bessere Arbeitszeiten, Unfall-, Kranken- und Rentenversicherungen drückten sich im ersten größeren Streik 1872 in Essen aus. Um 1885 zählte man schon über 100.000 Bergleute im Revier. Der große Bergarbeiterstreik von 1889 führte schließlich zur Gründung von Bergarbeitergewerkschaften. Diese spielten bei den großen Streiks von 1905 und 1912 eine wichtige Rolle.
Um 1880 wurde die Abbaumethode vom Pfeilerrückbauverfahren zum Stoßabbau und dann zum Strebabbau mit Teil- oder Vollversatz über. Der abgebaute Bereich, der alte Mann, wurde mit zerkleinertem Gestein verfüllt, das z. B. aus den Waschbergen stammt. Das zerkleinerte Gestein wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mit Wasser vermischt und durch ein Rohrleitungssystem zum Abbau befördert. Es waren zwar 1908 insgesamt 35 Sprühversatzanlagen in Betrieb, aber wegen Verstopfungen bewährte sich das Verfahren im Endeffekt nicht. Durch den Bergeversatz konnten die Bergschäden zumindest reduziert werden.
Neben dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde Ende des 19. Jahrhunderts der Aufbau eine Kanalnetzes für den preiswerten Transport von Massengütern in Angriff genommen. Der Dortmund-Ems-Kanal wird 1899 fertiggestellt und er verbindet über 270 km Dortmund mit Beverungen. Der Kanal hat 16 Schleusen und ist vorerst für Schiffe mit einer Traglast bis 800 t ausgelegt. Der weitere Anschluss des Kanals zum Rhein erfolgt mit dem Ausbau des Rhein-Herne-Kanals. Er durchzieht das Ruhrgebiet und verbindet über 44 km Dortmund mit dem Rhein bei Duisburg. An dem Kanal liegen viele Zechen, die eigene Werkshäfen zur Kohlen- und Koksverladung anlegen. Im Jahr 1928 folgt noch die Anlage des Weser-Dattel-Kanal.
1893 wurde das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat gegründet. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ereigneten sich immer wieder folgenschwere Unfälle, oft mit vielen Verletzten und Toten. Die Hauptursache waren Explosionen durch Schlagwetter und Kohlenstaub, das Einstürzen von Strecken und Streben oder Unfälle bei der Verwendung von Sprengstoff. Eine folgenreiche Schlagwetterexplosion ereignete sich am 12. November 1908 auf der Zeche Radbod in Hamm. In Folge einer Schlagwetterexplosion, die vermutlich durch eine defekte Benzinsicherheitslampe ausgelöst worden ist, sterben 348 Bergleute durch Feuer und giftige Gase. Als Konsequenz wird auf der Zeche die elektrische Sicherheitslampe eingeführt.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte der Abbau der Flöze händisch mit den klassischen Werkzeugen Schlägel und Eisen, die in kurzer Zeit durch den Druckluftabbauhammer ersetzt wurden. In der Folge zeigten sich die negativen Auswirkungen dieses Abbauverfahren auf die Gesundheit der Bergleute, die durch Vibrationen und Lärmbelastungen erheblich beeinträchtigt wurde. Für die Kohlenabfuhr wurde jetzt vorwiegend Schüttelrutschen eingesetzt. Diese bestanden aus Blechwannen, die langsam vor- und schnell zurückgezogen wurden, und somit einen Transport der gewonnenen Kohle zur Förderstrecke ermöglichten. Der abzubauende Streb wurde durch die Bergezufuhrstrecke und die Kohlenförderstrecke erschlossen. An der Kohlenförderstrecke war das Ende der Schüttelrutsche so angeordnet, dass die Kohlen direkt in die Förderwagen gefüllt werden konnten. Die Streckenförderung der Kohle erfolgte zunehmend maschinell. Zum Einsatz kamen Fahrdrahtlokomotiven in nicht schlagwettergefährdeten Strecken und in gefährdeten Bereichen wurden Akkumulatorlokomotiven, druckluftbetriebenen Lokomotiven und später vermehrt auch schlagwettergeschützte Diesellokomotiven eingesetzt. Einen Engpass in dem Transport der Kohle vom Flöz nach über Tage bildete die Schachtförderung, insbesondere bei der zunehmenden Tiefe der Fördersohlen. Die Malakowtürme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden etwa ab 1880 durch stählerne Fördergerüste abgelöst. Die höheren Gerüste erlaubten den Einbau von Förderkörben mit mehreren Etagen. Bessere Förderseile und leistungsstärkere Fördermaschinen erhöhten die Schachtförderquote. Die Förderseile wurden nicht mehr auf der Trommel aufgewickelt, sondern man verwendete die Koepeförderung, bei der das Seil in einer Seilrille auf der Treibscheibe läuft und an beiden Seilenden ist jeweils ein Förderkorb angeschlagen ist. Auf diese Weise können gleichzeitig leere oder mit Versatzbergen gefüllt Förderwagen nach unter Tage und volle Kohlenwagen nach über Tage befördert werden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten elektrischen Fördermaschinen eingesetzt. Soweit eine Dampfversorgung an dem Förderort zur Verfügung stand, wurden auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg Dampffördermaschinen aufgestellt und auf den Zechen Lohberg und Fürst Leopold bis in die 1990er Jahre betrieben. Der Fortschritt bei Kohlenabbau und der Kohlenförderung hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen erheblichen Anstieg der Förderung der Ruhrzechen zur Folge.
Bei dem Abteufen der Tiefbauschächte durch den Emschermergel in der Mitte der 19. Jahrhunderts gab es außerordentlich Schwierigkeiten durch eindringendes Wasser in den abzuteufenden Schacht. Teilweise zog sich das Abteufen von Schächten über Jahrzehnte hin (z. B. Schacht Rheinpreussen 1). Ab 1910 ging man dazu über, vor dem Abteufen des Schachtes das Erdreich abzukühlen, so dass das enthaltene Wasser gefroren ist. Hierzu wurde um den geplanten Schachtquerschnitt in Bohrlöchern ein Kranz mit Doppelrohren in das Erdreich eingetrieben. Durch das Innenrohr wurde kalte Sole (z. B. eine Chlormagnesiumlösung) bei ca. -30°C gepumpt, die durch das Außenrohr wieder ausströmen konnte. Nach dem Gefrieren des Bodens konnte der Schacht ohne Wasserzulauf abgeteuft werden.
Durch einen ruhrgebietsweiten Bergarbeiterstreik im Jahr 1905 wird eine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf 8½ Stunden erreicht. In der Folge wurde am 22. Januar 1908 der Zechenverband als Vereinigung der Arbeitgeber im Ruhrbergbau gegründet, der die gemeinsamen Interessen der Zechenunternehmen gegenüber den Arbeitern und Angestellten vertrat.
Im 20. Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach Kohle und Koks weiter an. Dies führte zu einer weiteren Nordwanderung des Bergbaus. Die Zechenneugründungen stießen bis an die Lippe vor und der östliche Bereich bis Hamm und Ahlen/Westf. sowie der Niederrhein bis Kamp-Lintfort wurden vom Bergbau erschlossen. Nach der Einführung des Gefrierschachtverfahrens konnte auch das zunehmende Deckgebirge mit einer Dicke von 200 m bis 400 m durchteuft werden. Um die Jahrhundertwende wurden die Tagesanlagen aufwändig und repräsentativ gestaltet, zumal die Wirtschaft florierte. Die Gebäude wurden oft im klassischen Stil des Historismus errichtet, der dem Zeitgeist des Kaiserreiches und dem Geltungsbedürfnis der Bergbautreibenden entsprach (siehe Zeche Zollern 2/4; ausgebaut 1902).
Die Einberufung von Bergleuten zum Kriegsdienst hatte zu Beginn des Erste Weltkrieg einen Produktionsrückgang zur Folge. Die Steinkohlenfördermenge sinkt von 114 Mio. t im Jahr 1913 auf 70 Mio. t im letzten Kriegsjahr. In dieser Zeit mussten Frauen, auch unter Tage, im Bergbau arbeiten.
Im Jahre 1920 wurde der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (heute Regionalverband Ruhr) gegründet um vor dem Hintergrund der Reparationsforderungen aus dem Versailler Vertrag zusätzliche 150.000 Bergleute und etwa 600.000 weitere Menschen im Ruhrgebiet anzusiedeln. 1922 erreichte man die höchste Beschäftigtenzahl im Ruhrbergbau mit 576.644 Beschäftigten.
Der Zeitraum bis 1925 war geprägt durch soziales Elend, Inflation und der Besetzung der Ruhrgebietes durch französische Truppe im Jahr 1923. Das Jahr war durch die Hyperinflation gekennzeichnet, und die Fördermenge erreichte in dem Jahr mit 40 Mio. t ihren Tiefststand. Die Förderraten waren rückläufig und die weitere Entwicklung der Zechen stagnierte.
Die goldenen Jahre der Weimarer Republik in den Jahren 1925 bis 1929 hatten auch einen wesentlichen wirtschaftlichen Aufschwung in der Industrie zur Folge. Im Bereich des Bergbaus hatte dies nach zehnjähriger Stagnation die Modernisierung und den Ausbau der Schachtanlagen zur Folge. Während die Kohlen bislang auf mehreren Schächten eines Bergwerkes gefördert wurden begann man die Förderung auf einen Schacht zu konzentrieren. Diese Rationalisierungsmaßnahme hatte zur Folge, dass stärkere Fördermaschinen eingesetzt wurden, der Wagenumlauf am Schacht wurde optimiert und die Kohlenaufbereitung wurde weiter mechanisiert. Es wurden viele vollständig neue Schachtanlagen in den bestehenden Kohlenfeldern angelegt. Die Architektur der Zeit löste sich von den klassischen Einflüssen der Kaiserzeit. Eine besondere Entwicklung waren die in den 1920er Jahren gebauten sogenannten Hammerkopftürme, die aus einem Stahlgerüst bestanden. Die Fördermaschine war in einem verklinkerten geschlossenen Raum auf dem Kopf des Stahlgerüstes aufgestellt, der über das Gerüst hinausragt (Beispiele: Schächte Minister Stein 2 und 4, Hannibal 1. Sie waren die Vorläufer der später errichteten Stahlbetontürme,
Die Moderne, der Bauhausstil und funktionelle Formgebung prägten auch die Zechenneubauten; herausragendes Beispiel ist die Zeche Zollverein. Die Förderung des im Jahre 1928 errichteten Schacht 12 mit 12000 t/Tag lag weit über dem Durchschnitt anderer Zechen und diese Förderrate einer Schachtanlage ist im Ruhrbergbau nicht überschritten worden, so dass damit die Entwicklung in Bezug auf eine Zentralisierung bereits einen Endpunkt erreicht hatte. Während in den 1920er Jahren noch filigrane genietete Strebengerüste gebaut wurden (siehe Förderschacht 9 der Zeche Consolidation), wurde das Gerüst des Schachtes Zollverein 12 als vollwandig vernietetes Doppelbockfördergerüst ausgeführt.
Diese Konzentration konnte auch bei den Kokereien beobachtet werden. Viele kleine, unrentabel arbeitende Kokereien wurden stillgelegt, dafür wurde Zentralkokereien in den späten 1920er Jahren errichtet; Beispiele sind die Kokerei Hansa und die Kokerei Prosper.
Unter Tage wurden zu Beginn der 1930er Jahre die Abbaubetriebe durch längere Streblängen vergrößert. Auf einer Streblänge von 200 m konnten bis zu 80 Kohlenhauer gleichzeitig arbeiten. Das Flöz wird mit Schrämmmaschinen angeritzt. Der Abbau erfolgte mit dem Abbauhammer und die Kohlen wurden mit der Schütterutsche zur Abbaustrecke befördert. So verringerte sich die Zahl der Betriebspunkte von 1927 nach 1937 von 16700 auf 3551. 1927 wurden erstmals Diesellokomotiven eingesetzt. 1939 setzte man den ersten Walzenschrämlader ein und es werden Ladegeräte eingesetzt.
| Kohleförderung im Ruhrgebiet 1943 - 1945 [2] | |
|---|---|
| Datum | t/Tag |
| 1943 | 400.000 |
| Februar 1944 | 390.000 |
| Februar 1945 | 190.000 |
| Tage der Besetzung | 11 |
| Mitte Mai 1945 | 7.000 |
| Ende Mai 1945 | 20.000 |
| Mitte Juni 1945 | 40.000* |
Die Aufrüstung im nationalsozialistischen Deutschland und die Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg hatte eine hohen Kohlebedarf zu Folge. Die Kohle wurde genutzt für die Stahlerzeugung (Kokseinsatz), Brennstoff für Dampflokomotiven und zur Erzeugung von Treibstoff. Die Kohleverflüssigung wurden am mehreren Hydrieranlagen im Rurhgebietes vorwiegend mittels des Bergius-Verfahrens und auch mit der Fischer-Tropsch-Synthese in den 30er Jahren aufgebaut. Der synthetischer Treibstoff wurde für Straßenfahrzeuge, Panzer und Flugzeuge verwendet. Zur Sicherstellung des Kohlenabbaus wurden bis 1942 Bergleute vom Kriegsdienst freigestellt. Mit der Verschlechterung der Kriegslage wurden dann vermehrt auch Bergleute zum Kriegsdienst eingezogen und Zwangsarbeiter, meistens Kriegsgefangene, ersetzen sie und wurden unter schwersten Arbeitsbedingungen und Repressalien eingesetzt. Auf den Zechengelände wurden Barackenlager für die Zwangsarbeiter errichtet. Ihnen wurden in meisten Fälle bei Bombenangriffen eine Schutzstellung verwehrt, so dass oft dieser Personenkreis zu den Kriegsopfern zählte.
Die Zechen des Ruhrbergbaus zählten zu den besonderen Zielen von Bombenangriffen auf Industrieanlagen, die bereits 1940 begannen (siehe auch Luftangriffe auf das Ruhrgebiet). Während bei dem ersten Luftkrieg über dem Ruhrgebiet, dem Battle of the Ruhr, Innenstädte betroffen und viele Tote zu beklagen waren, waren die Schäden bis Anfang 1944 meistens noch reperabel und die Auswirkungen der Angriffe konnten durch Gegenmaßnahmen (Flugabwehr, Brandschutzmaßnahmen, Verdunkelung) gemindert werden. Schwere Schäden an zentralen Einrichtungen der Zechen konnten meistens innerhalb von ein bis zwei Monaten repariert oder durch Provisorien behoben werden. In der Zeit von Mitte 1943 bis Mitte 1944 wurden kaum Angriffe auf das Ruhrgebiet geflogen. So war es möglich, bis Mitte 1944 die Kohlenproduktion im Ruhrgebiet auf dem Stand zu halten.
Die zweite Luftschlacht über dem Ruhrgebiet erfolgte ab März 1944, die schließlich zur fast vollständigen Zerstörung der Innenstädte führte. Der Zerstörungsgrad der Industrieanlagen war sehr unterschiedlich. Während einige Zechen fast vollständig zerstört wurden und die Förderanlagen ausfielen, konnten andere Zechen kurze Zeit nach der Einnahme des Rurhgebietes wieder in Förderung gehen. Die innenstadtnahe Zeche Präsident in Bochum ist nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgebaut worden, während z. B. die größte Zeche des Ruhrgebietes, die Zeche Zollverein, nur relativ geringe Schäden aufwies.
In Folge der direkten Kriegseinwirkungen und dem Ausfall der Verkehrsinfrastruktur stellten die Zechen die Förderung vor Einmarsch der Alliierten ein. Der Krieg hatte nicht nur den Ausfall vieler übertägigen Zecheneinrichtungen zur Folge. Es wurden zwar bis 1944 weitere Schächte abgeteuft, allerdings wurden keine Investitionen in die technischen Anlagen getätigt, soweit diese nicht direkt der Erhöhung der Förderung dienten. Ferner wurden die Auffahrung neuer Strecken oder Sohlen vernachlässigt, so dass neben den direkten Zerstörungen die Kriegswirtschaft zu einer deutlichen Verschlechterung der Infrastruktur der Bergwerksanlagen führte.
Mit der Kapitulation brach die Kohlenförderung drastisch ein. Viele jüngere Männer befanden sich in Kriegsgefangenschaften und die in den Ruhrzechen eingesetzten Zwangsarbeiter verließen das Land. Die Belegschaft belief sich im Jahr 1945 auf 276.192 Mann. Die Arbeitsfähigen hatten nach dem Zusammenbruch mussten die existentiellen Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung, z. B. durch Hamsterfahrten lösen. Hinzu kam, dass die schlechte Versorgungslage zu einem hohen Krankenstand bei den Bergleuten führte. In den geologischen Bereichen des südlichen Ruhrgebiets, in denen die Kohleflöze bis an die Erdoberfläche reichen, begann an vielen Stellen ein unkontrollierter und bei den Bergämtern nicht dokumentierter Kohlenabbau, der meisten der privaten Versorgung mit Brennstoff diente. Die Zechenleitungen hatten keinen Einfluss auf die Gestaltung der Verkaufspreise. Dies hatte zur Folge, dass die Kohlenförderung der meisten Zechen verlustbehaftet war und so kein Kapital für Modernisierungsnahmen investiert wurde. Die Alliierten verboten Aus- und Vorrichtungsarbeiten. Viele Betriebseinrichtungen waren verschlissen und überaltert, aber angesichts des Kapitalmangels waren größere Investitionen nicht möglich.
Der Ruhrbergbau wurde ab August 1945 von der Organisation North German Coal Contral der englischen Besatzungsmacht geleitet. Die amerikanische und später noch die französische Besatzungsmacht traten dieser Kontrollbehörde untere dem Namen Combinded Coal Control Group bei. Die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich in den ersten Nachkriegsjahren weiter und führte im April 1947 zu einem Hungerstreik der Zechenbelegschaften. In der Folge wurden die Bergarbeiter bei der Zuteilung von Lebensmittel insbesondere auch den Care-Paketen besonders bedacht. Ab 1947 wurden deutsche Stellen geschaffen, insbesondere wurde von der englischen und amerikanischen Besatzungsmacht die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung (DKBL) gegründet. Durch die Organisation wurde der Bergbau an Rhein und Ruhr in Bezirke gegliedert und die teils verwaisten Vorstände der Bergwerksgesellschaften wurden neu besetzt.
Am 20. Februar 1946 ereignete sich das größte Bergwerksunglück des Ruhrbergbaus kamen auf der Zeche Grimberg in Bergkamen, bei dem 405 Bergarbeiter bei einer Schlagwetterexplosion umkamen.
Während des ersten wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland bestand ein bedeutende Kohlenknappheit, zumal sich die Verwendung von Mineralöl noch nicht durchgesetzt hatte. Zur Steigerung der Förderung wurde daher die Belegschaftszahl erhöht. Das hohe Durchschnittsalter der Belegschaft, das relativ hohe Alter der Betriebsanlagen und die sich erhöhende mittlere Teufe der Abbaubetriebe (1936: 665 m; 1951: 756 m) wirkten sich negativ auf die Betriebsergebnisse aus. Rationalisierungsmaßnahmen bei der Gewinnung (Kohlenhobel, Panzerförderung, stempelfreie Abbaufront) und Förderung (Vierseilförderung auf der Zeche Hannover) waren praktisch erprobt, konnten sich aber nur langsam durchsetzen. Die DBKL versuchte insbesondere zerstörte und veraltete Kohlenbaubereitungsanlagen, Kokereien und Kraftwerke instand zusetzen, was auf erheblichen Widerstand der Besatzungsmächte stieß. Aufgrund des befürchteten internationalen Wettbewerbes wurden Verbote und Einschränkungen auferlegt. Die vor dem Krieg errichteten Kohleverflüssigungsanlage wurden bis auf die Anlage in Bergkamen nicht wieder in Betrieb genommen.
Ziel der Besatzungsmächte war die Entflechtung des Kohlenbergbaus und die Verhinderung der Konzentration von wirtschaftlicher Macht. Die DBKL erhielt auf Grund des Gesetzes Nr. 27 den Auftrag, Vorschläge für eine Neuordnung zu erarbeiten. Einem von der Bundesregierung am 14. März 1951 erstellte Vorschlag zur Entflechtung hat die Alliierte Hohe Kommission schließlich zugestimmt. Im Jahr 1951 wurde auch die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Vorständen der Eisen schaffenden Industrie und dem Kohlebergbau verabschiedet (Montanmitbestimmung).
Die Übergangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg endete Mitte 1953 mit der Liquidation des DKBL. Die Kriegsschäden an Werken und Wohnungen waren weitgehend beseitigt und es wurden verstärkt Aus- und Vorrichtungsarbeiten durchgeführt. Die Kohlengewinnung und -förderung wurde weiter mechanisiert und die Förderung erreichte 1952 fast den Vorkriegsstand. Die Erzeugung von Koks überschritt mit 33 Mio. t bereits den Vorkriegsstand. Am 14. Mai 1952 wurde als Organ der Arbeitgeber der Unternehmensverband Ruhrbergbau in Essen gegründet.
Unter dem Eindruck erfolgte in den 50er Jahren eine Investitionswelle. Neben dem Aufbau neuer Schachtanlagen wurden bestehende Förderstandort weitreichend modernisiert, und z. b. die Fördereinrichtungen und Kohlenaufbereitung vollständig erneuert. An den alten Zechenstandorten, vornehmlich südlich der Ruhr, wurden an aufgegebenen Standorten wieder Kleinzechen eröffnet. Die Felder wurden meist von den Altbergbaugesellschaften gepachtet. Die Kohlenabfuhr erfolgte meistens mit Lastkraftwagen, die Klein- und Mittelbetriebe in der Umgebung belieferten.
Bis zum Anfang der 1950er Jahre war elektrische Energie unter Tage für Beleuchtung, Pumpenantrieb und ggf. für Fahrdrahtlokomotiven eingesetzt worden. Mit dem mechanisierten Abbau wurde eine hohe elektrische Leistung für die Antriebe benötigt, so dass damit auch der Aufbau einer leistungsfähigen Stromversorgung für die Untertagebetriebe notwendig wurde. Die klassische Energie Druckluft wurde teilweise durch elektrische Antriebe substituiert.
Der Arbeitskräftemangel im Bergbau führte zu einer Rationalisierungswelle. Ein wesentlicher Ansatzpunkt war der Kohlenabbau. Voraussetzung einer mechanisierten Kohlengewinnung war der Aufbau einer stempelfreien Abbaufront. Soweit es die Festigkeit des Hangenden dies zuließ, wurden Reibungsstempel aus Stahl verwendet, die ein Stahlkappe hatten. 1949 wurde auf der Zeche Jacobi der erste Panzerförderer eingesetzt werden, mit dem die Kohle aus dem Streb zur Abbaustrecke befördert werden konnte. Im zweiten Schritt folgte die Inbetriebnahme einer mechanisierten Abbaumaschine, wie der Löbbehobel auf der Zeche Jacobi im Jahr 1951. [3]
Aus den Beschäftigtenzahlen und er Förderquote kann abgeleitet werden, dass sich die Förderung je Beschäftigten seit der Jahrhundertwende bis in die 50er nicht geändert hat (1900: 263 jato/Beschäftiger; 1956: 257 jato/Beschäftiger). Es gab zwar Schwankungen, die aber durch Veränderung der Schichtzeit, Kriegseinwirkungen, zwangsverordnete Sonderschichten, Ruhrbesetzung) erklärt werden können. Die Rationalisierungsmaßnahmen konnten nur die im Laufe der Jahre schwieriger werdenden Abbaubedingungen, die sich z. B. durch größere Teufen und längere Wege von den Förderstellen zu den Schächten ergeben haben, kompensieren. Insbesondere der im südlicheren Ruhrgebiet oft anzutreffende Abbau in steiler Lagerung konnte nicht durchgreifend rationalisiert werden. Der Abbau des Kohlenflözes erfolgte hier weiterhin mit dem Abbauhammer. Bis zur Kohlenkrise Ende der 1950er Jahre war es Unternehmenspolitik, die abbaubaren Kohlenvorräte soweit wie möglich zu nutzen, um eine lange Lebensdauer der Schachtanlage zu erreichen. Dieses hatte einen erheblichen Personalbedarf für die Kohlengewinnung zur Folge.
Mitte der 1950 Jahre wurden viele Neubauprojekte aus der Vorkriegszeit weitergeführt, die auf Grund des Krieges eingestellt worden waren; Beispiele sind:
Des weiteren wurde an anderen Schachtanlagen zur Kapazitätserhöhung und Konzentration der Förderung auf einen Schacht neue Förderschächte abgeteuft oder vorhandene Schächte mit modernen Förderanlagen ausgerüstet. Meistens kam die Vierseilförderung zu Einsatz, wobei in den 1950er Jahren noch die Gestellförderung auf mehreren Etagen noch angewandt wurde. Oft wurden Betonfördertürme mit Turmfördermaschinen errichtet.
Beispiele sind:
Darüber hinaus wurden die Zechenkraftwerke modernisiert oder neu errichtet. Statt dessen wurde die Kokserzeugungssrate durch Kokereineubauten und Modernisierungen wesentlich gegenüber dem Vorkriegsstand erhöht. Der Steinkohlenbergbauverein ging nach einer offiziellen Verlautbarung vom 29. Juli 1958 davon aus, dass sich der Bedarf an Ruhrkohle in den nächsten 20 Jahren sich auf 180 Mio. Jahrestonnen erhöhen würde. Die Kapazitätserhöhung sollte durch die Inbetriebnahme neuer Schachtanlagen in bisher nicht aufgeschlossenen Feldern, die Zusammenlegung bestehender Schachtanlagen und durch Rationalisierungsmaßnahme erfolgen.
Im Jahr 1956 erreichte die Kohleförderung knapp 125 Mio. Jahrestonnen und damit den Höchststand nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Löhne der Bergleute lagen mittlerweile in der Spitzengruppe und die Gewerkschaften hatten sich eine starke Position erkämpft. Der Beruf des Bergmanns war trotz der hohen körperlichen Belastung attraktiv und Flüchtlinge und später Gastarbeiter drängten in das Ruhrgebiet.
In der Hochkonjunkturphase in der ersten Hälfte der 1950er Jahre konnte die deutsche Steinkohle die Versorgung nicht alleine decken, so dass Kohlen auch aus den USA, der CSSR und Jugoslawien importiert werden mussten. Daneben drängt Erdöl als neuer Energieträger auf den deutschen Markt. Neben der Verwendung als Treibstoff für Fahrzeuge wird Heizöl verstärkt als industrieller Brennstoff eingesetzt. Die Scholven Chemie AG errichtet 1956 in Gelsenkirchen-Buer eine Erdölraffinerie, die 1958 in Betrieb geht.
Bis 1958 wurde die geförderte heimische Kohle direkt an die Verbraucher weitergeliefert. In den Folgejahren konnte die Gesamtförderung jedoch nicht mehr vollständig vermarktet werden und Kohle musste aufgehaldet werden. Im Jahr 1958 betrugen die Haldenbestände bereits 12,3 Mio. Tonnen, etwa 10 % der Jahresförderung. Als Gegenmaßnahme wurden am 22. Februar 1958 die ersten Feierschichten eingelegt. Die Ursache des Absatzrückganges war die Substitution von Kohle durch Erdöl, dessen Preis in Folge eines Überangebotes auf dem Weltmarkt sank, da im arabischen Raum verstärkt Erdöl gefördert wurde. Seitens der Bundesregierung wurden die Zölle für Mineralölprodukte aufgehoben. Eine weitere Ursache des Absatzrückganges war der steigende Einsatz von Importkohle, die in Verbindung mit sinkenden Frachtpreisen und günstigeren geologischen Verhältnissen in den Erzeugerländern preisgünstiger als die heimische Kohle angeboten werden konnte. Am 30. September 1958 kam es zur ersten Zechenschließung (Zeche Lieselotte in Hattingen). Während Zechenunternehmer und die IG Bergbau sich für protektionistische Maßnahmen zur Eindämmung von Öl- und Kohleimporten aussprechen, wird von der Bundesregierung die Politik der freien Marktwirtschaft mit niedrigen Energiepreisen betrieben. Nach dem ungehemmten Aufstieg des Kohlenabsatzes nach dem Zweiten Weltkrieges war der Umfang der beginnenden Krise nicht absehbar; der Absatzeinbruch bedeutete eine langfristige und schwerwiegende Krise, die letztendlich zu der Entscheidung geführt hab, voraussichtlich bis 2018 den Ruhrbergbau einzustellen.
Zwischen Februar 1958 und Juni 1959 sind bereits 5 Mio. Feierschichten verfahren worden. Am 26. September 1959 wird von der IG-Bergbau eine Bergarbeiterdemonstration mit 60000 Teilnehmern in Bonn organisiert. Als erste Großschachtanlage wird die Zeche Friedrich Thyssen 4/8 in Duisburg-Hamborn am 30. Juni 1959 stillgelegt; zu Beginn der 1960er Jahre werden vornehmlich Zechen im südlichen Ruhrgebiet geschlossen. Besonders betroffen sind die Städte Dortmund, Bochum und Essen. Die Kohlenvorräte dieser Zechen sind bereits weit erschöpft und die technischen Anlagen sind alt. Aufgrund ungünstiger geologischer Verhältnisse ist einer Rationalisierung und Kostenreduzierung nicht möglich. Die vornehmlich steile Lagerung und Störungen standen einer Mechanisierung des Abbaus entgegen. In Folge der Monostruktur der Wirtschaft der Städte wurde versucht, die Arbeitsplatzabbau durch die Ansiedlung neuer Betriebe auszugleichen. Ein besonderes Beispiel ist die Errichtung der Opel-Werkes ab 1960 auf dem Gelände der kurz vorher stillgelegten Zechen Dannenbaum in Bochum-Langendreer und -Laer und die Errichtung der Ruhr-Universität.
Die Modernisierung der produktiven Schachtanlagen wurde weiter vorangetrieben, da das langfristige Überleben der Zechen außer Frage stand. Zum ende der 1950er Jahre wurde begonnen, auf einigen Zechen die Gefäßförderung (Skipförderung) einzuführen. Statt der aufwändigen Wagenförderung wurde die Kohle unter Tage am Füllort in einem Bunker zwichengelagert und von dort in das Schachtfördergefäß verladen. Auf diese Weise kann eine kontinuierlichere und unterbrenchungsfreiere Förderung und ein einfacherer Betriebsablauf sichergestellt werden. Die Gefäße haben ein Fassungsvermögen von bis zu 30 t. Beispiele für die Einrichtung der Gefäßförderung war der Schacht 1 der Zeche Nordstern (1953), Zeche Walsum Schacht 2 (1954/55), der Schacht 12 der Zeche Zollverein (Umstellung 1957) und der Schacht 9 auf Zeche Graf Bismarck II, der 1957/58 zum Zentralförderschacht mit zwei vollautomatischen Gefäßförderungen umgebaut worden war.
Bis 1963 sind im Ruhrgebiet 33 Zechen mit einer Förderkapazität von 10,3 Mio. t geschlossen worden. Die Zechenbetreiber schließen sich am 1. September 1963 zum Rationalisierungsverband zusammen. Es ist das Ziel, unrentable Betriebe zu schließen und die Förderung auf ertragreiche Anlagen zu konzentrieren. Die Förderung soll der Absatzlage angepasst werden und die Konkurrenzfähigkeit soll erhöht werden. Im Folgejahr verabschiedet der Bundestag das Gesetz zur Förderung der Rationalisierung im Steinkohlenbergbau; dies hat die Schließung weiterer 31 Groß- und 20 Kleinzechen mit einer Gesamtjahresförderquote von 26 Mio. t zur Folge. Eine kurze Erholung beim Kohleabsatz trat 1960 ein. Man war der Meinung, zukünftig einen Absatz von 140 Mio. t deutscher Steinkohle halten zu können, wobei auf den Ruhrbergbau eine Förderquote von etwa 115 Mio. Jahrestonnen entfallen würde. Die Verwendung von mechanischen Fördergeräte, Kohlenhobel und Förderbändern bewirkten eine deutliche die Mehrleistung. Von 1957 nach 1963 erhöhte sich der Anteil der vollmechanisch gewonnenen Kohle von 13 Prozent auf 65 Prozent. Durch die Rationalisierungsmaßnahmen konnte zwischen 1958 und 1966 die durchschnittliche Schichtförderquote je Bergmann von 1,7 t auf 2,9 t erhöht werden.
Im Jahr 1963 wurde die in den 1950er Jahren geplante Schachtanlage Wulfen fertiggestellt, um neue unverritzte Kohlenfelder zu erschließen. Man erwartete, dass sich der Kohlenabbau nach Norden verschiebt, und damit einhergehend ein starkes Anwachsen der Städte im nördlichen Ruhrgebiet. In den Städten Wulfen, Marl und Bergkamen wurden neue Wohngebiete mit vielstöckiger Wohnbebauung errichtet. Die verdichtete Wohnbebauung, die geringe Attraktivität des Wohnumfeldes und das Ausbleiben der erwarteten Wanderungsbewegung zum Nordrand des Ruhrgebietes führte zu sozialen Problemen in diesen Neubaugebieten. Auf den neuen Schachtanlagen wurde keine Kohle gefördert (ausgenommen Wulfen bis 1981), sondern sie dienten nur der Bewetterung, dem Materialtransport und der Seilfahrt.
1964 meldet der Rationalisierungsverband Ruhrbergbau 31 Großzechen zur Stilllegung an. Die Wirtschaftskrise am Ende von Erhardts Kanzlerschaft 1966/67 führte aber wieder zu einem starken Absatzeinbruch. Die von der Bundesregierung gewährte Stilllegungsprämie führte zu der absurden Situation, dass ertragreiche Schachtanlagen stillgelegt wurden. Ein herausragendes Beispiel war die Schließung der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen-Bismarck. Die Schachtanlage wurde von der Deutschen Erdöl-AG (DEA) betrieben und es waren 70 Mio. DM in den 1960er Jahren in die Modernisierung der Zeche investiert worden. Für die Beschäftigten kam die Schließung im Jahr 1966 völlig unerwartet, zumal die Zeche technisch einen hohen Stand und eine hohe Produktivität erreicht hatte und ausreichend Kohlenvorräte unter günstigen Abbaubedingungen vorhanden waren. Die Schließung zeigte, dass die Kohlenpolitik der Bundesregierung gescheitert war. Die Flöze in den Feldern der Zeche Graf Bismarck wurden in den folgenden Jahrzehnten von den angrenzenden Zechen Consolidation und Hugo abgebaut.
Am 27. November 1968 wurde die Ruhrkohle AG als Konsolidierungsunternehmen der deutschen Steinkohleförderung gegründet. Zum Zeitpunkt der Gründung waren 80% der bundesdeutschen Steinkohleförderunternehmen in der kurz RAG genannten Gesellschaft zusammengefasst. Eine wichtige Gechäftsgrundlage war der 1969 mit den Stahlwerken ausgehandelte Hüttenvertrag, der einen Teil des Kohlen- und Koksabsatzes sicherte. 1975 wurde der Kohlepfennig auf den Stromtarif eingeführt, der eine direkte Subventionierung der Ruhrkohle bedeutete.
Im Rheinisch-Westfälischen Steinkohlerevier betreibt die Deutsche Steinkohle AG noch folgende Steinkohlenbergwerke:
Man geht davon aus, dass mittelfristig kein wirtschaftlich rentabler Bergbau (Weltmarktpreis, schwierige Förderbedingungen) auf Steinkohle in Deutschland möglich ist. Derzeitige Planungen sehen vor, bis zum Jahr 2018 die Subventionen für die Steinkohle komplett auf Null herunterzufahren.
Derzeit ist der einheimische Steinkohlebergbau wichtig für die Ausbildung von Fachleuten sowie der Forschung und Entwicklung von Fördertechnik. Die RAG AG mit Sitz in Essen setzt jährlich mehr als 22 Milliarden Euro um und beschäftigt weltweit rund 98.000 Mitarbeiter. Die Bergbauzulieferer gehören auch heute noch zu wichtigen Arbeitgebern im Ruhrgebiet.
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