Parkfriedhof Marzahn


Der Parkfriedhof Marzahn ist ein landeseigener Friedhof im Berliner Ortsteil Marzahn.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Parkfriedhof umfasst heute, nach zwei Erweiterungen, eine Fläche von 22,4 Hektar und liegt westlich der Wriezener Bahn entlang dem Wiesenburger Weg, nördlich des S-Bahnhofes Marzahn. Der Haupteingang befindet sich am Wiesenburger Weg 10, nahe dem Firmengelände der Knorr-Bremse. Er ist der größte Friedhof im Bezirk. Ein weiterer Ausgang am Nordende des Friedhofes führt zum S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße.

Auf dem Friedhof befinden sich 4.660 Einzelgrabstellen von Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. [1] [2]

Park und Friedhof

Er weist typische Merkmale eines Parkfriedhofs auf, in dem die Friedhofsanlagen meist aus rechteckigen, durch baumbestandene Hauptwege gegliederten Grabanlagen bestehen. Aus diesem Grunde wurde der Friedhof in seiner Anlage in der Berliner Denkmalsliste als Gartendenkmal aufgenommen[3]. Nahe dem Eingang steht eine Sommerlinde aus den 1920er Jahren, für die ein Antrag als Naturdenkmal läuft.

Durch die strukturierte Vegetation (Bäume, Sträucher, Hecken, Grabanlagen und Rasenflächen) bildet er neben dem Großsiedlungsgebiet Marzahn ein notwendiges Biotopsystems der Stadt, ein Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere. Im Parkfriedhof finden sich neben rot- und weißblühenden Rosskastanien auch Birken. Bemerkenswert sind Serbische Fichten, Roteichen, Eschen und Gemeine Fichten. Nahe dem Sowjetischen Ehrenhain sind Krimlinden angepflanzt.

Im Südosten, rechts vom Eingangsbereich, wurde ein Folienteich angelegt, der mit Sumpf- und Wasserpflanzen bepflanzt ist. Dieser Teich bietet die Grundlage für ein Feuchtbiotop mit Fröschen und auch Ringelnattern und Libellen. Spontan siedelten im Uferbereich weitere Pflanzen wie Rohrkolben, Sumpfdotterblume und Kalmus.

Entlang der Bahnlinie finden sich naturbelassene Flächen, die besonders dem Arten- und Biotopschutz vorbehalten sind und sollen nicht zu Begräbnisflächen gestaltet werden. Zusammen mit weiteren Flächen finden sich hier Greifvögel und Feldhasen, im Unterholz finden sich Nachtigallen. Gefördert werden die Vögel durch zahlreiche Nistkästen, die ehrenamtlich betreut werden. Zauneidechsen finden auf den Wiesen- und Hochstaudenflächen Unterschlupf, teilweise tragen die Flächen den Charakter eines Vorwaldes [4]. Diese parkartigen Waldflächen befinden sich auf fünf Flächen am Haupteingang rechts vom Hauptweg. Eine zweite Waldfläche gegenüber den Grabflächen der Sinti und Roma, sowie der Polinnen bis zur Abteilung 27 und 29.

Geschichte

In Ergänzung zur Begräbnisfläche des Friedhofs Friedrichsfelde wurde 1909 nahe dem Dorf Marzahn ein weiterer Armenfriedhof östlich von Berlin angelegt, begünstigt durch die Lage an der Eisenbahnstrecke. Der Friedhof wurde am 29. November 1909 eröffnet.

Auf dem Armenfriedhof wurden mittellos Verstorbene bestattet, für die die öffentliche Wohlfahrtspflege die Kosten übernahm.

Die Feierhalle des Friedhofs gleich links neben dem Eingang wurde wohl 1911 erbaut.

Gefallene Soldaten des ersten Weltkrieges wurden hier bestattet. Zwischen 1933 und 1945 erhielten zahlreiche Opfer des nationalsozialistischen Regimes und des Krieges ihre letzte Ruhestätte. Entsprechend wurden, beginnend mit den 1950er Jahren, einzelnen Opfergruppen verschiedene Gedenksteine gewidmet.

Die Gedenkstätten

Die auf dem Friedhof vorhandenen Gedenkstätten sind in die Bezirksliste der Geschützten Denkmäler aufgenommen.

Ehrenhain für gefallene Soldaten des I. Weltkrieges

Am Haupteingang des Friedhofs befindet sich die Anlage für Gefallene des ersten Weltkrieges, die von einer Hainbuchenhecke umgeben ist. In ihrer Mitte steht eine alte Stieleiche mit einem steinernen Eichenlaubkranz am Fuß. Grabsteine mit Eichenlaubkränzen umgeben diese Eiche.

Gedenkstein Rote Matrosen 1918

Fritz und Albert Gast sind zwei Rote Matrosen, die am 12. März 1919 vom Freikorps Lüttwitz ermordet wurden. Ihr Ehrengrab liegt drei Abteilungen links hinter dem Ehrenhain für die Gefallenen des I. Weltkrieges, am dritten Querweg. Im Rathaus-Park von Lichtenberg befindet sich eine Gedenktafel an dem Ort, wo die Matrosen erschossen wurden.

„Dem Gedenken der am 12. März 1919 ermordeten Matrosen Gebrüder Fritz und Albert Gast.“

Inschrift

Gedenkstein gefallener italienischer Soldaten des II. Weltkrieges

Auf Initiative der italienischen Botschaft wurde ein Denkmal für die Italiener errichtet, die an der Seite der Alliierten gefallen sind. Dieser Gedenkstein befindet sich in der Abteilung 18, nahe dem Gedenkstein der Roten Matrosen.

Gedenkstein für die Opfer des II. Weltkrieges

Die Schwurhand neben der Feierhalle wurde 1952 vom Bildhauer Erwin Kobbert geschaffen. Sie gemahnt an die 3 330 Bombenopfer des II. Weltkrieges in mehreren Kriegsgräberfeldern[5]. Auf dem Friedhof befinden sich im südlichen Teil mehrere Gräberfelder für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, die durch schrägliegende Platten aus Majolika mit Namen, Geburts- und Sterbedatum und einer kategorisierenden Inschrift versehen sind. In den Reihen fehlende Steine markieren Grabstellen, wo Angehörige Umbettungen durchgeführt haben. Pflege und Erhalt dieser Grabstätten sind vom Land Berlin durch das Kriegsgräbergesetz übernommen worden.[6]

Gedenkstein für die Opfer des Faschismus

Rechts vom Hauptweg gegenüber der Urnengemeinschaftsanlage hinter Wacholderhecken steht der OdF-Gedenkstein. In 46 Einzelgräbern ruhen aktive Widerstandskämpfer gegen den Faschismus. Es handelt sich um vier Frauen und 42 Männer, die als politische Häftlinge im Strafgefängnis Plötzensee zum Tode verurteilt waren. Nach der Hinrichtung mit Strick oder Fallbeil wurden sie verbrannt und ihre Urnen in dieser Abteilung beigesetzt. Das auf der Spitze stehende rote Dreieck symbolisiert die Markierung für politisch Verfolgte, wie es in den Konzentrationslagern als Kennzeichen eingesetzt wurde.

„46 Menschen starben, damit wir leben“

Inschrift

Gedenkstein für Sinti und Roma

Rechts des verlängerten Hauptweges im hinteren Friedhofsteil zum Ausgang Raoul-Wallenberg-Straße wurde 1986 ein Denkmal für Sinti und Roma aufgestellt. Es wurde vom Bildhauer Jürgen Rave geschaffen. Er steht inmitten des extensiv belassenen Gräberfeldes.

„Auf einem ehemaligen Rieselfeld nördlich dieses Friedhofs richteten die Nazis im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 einen „Zigeunerrastplatz“ ein, auf dem Hunderte Sinti und Roma gezwungen wurden zu leben. Zusammengepfercht in düsteren Baracken fristeten die Lagerbewohner ein elendes Dasein. Harte Arbeit, Krankheit und Hunger forderten ihre Opfer. Willkürlich wurden Menschen verschleppt und verhaftet. Demütigende rassenhygienische Untersuchungen verbreiteten Angst und Schrecken. Im Frühjahr 1943 wurden die meisten der „Festgesetzten“ nach Auschwitz deportiert. Männer und Frauen, Greise und Kinder. Nur wenige überlebten.“

Inschrift des Gedenksteins

Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit 1939-1945

Dieser Gedenkstein wurde am 27. Januar 2004 geweiht und erinnert an die Verstorbenen von mehreren Tausend Zwangsarbeitern. Er hat die Form einer Stele mit einem Sockel, auf der Pyramide sitzt eine bronzene Figur, sie wurde von Michael Klein gestaltet. Allein in Marzahn befanden sich 27 Lager mit sogenannten "Ostarbeitern" aus der Sowjetunion, Polen und der Tschechoslowakei, hinzu kamen Zwangsarbeiter aus Italien, Belgien, den Niederlanden und anderen Ländern Europas. Die Deutsche Reichsbahn beschäftigte die meisten Zwangsarbeiter, sie hatte sieben Lager in Marzahn-Hellersdorf. Für den Generalbauinspektor Albert Speer waren Bauarbeiter in ganz Berlin tätig. Der Gedenkstein befindet sich im hinteren Friedhofsteiles direkt rechts vom Hauptweg in der Abteilung 23.

„Zur Erinnerung an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie ihre Kinder aus vielen Ländern Europas 1939 bis 1945“

Inschrift der Stele

Bereits seit den frühen 1950er Jahren existierte ein Denkmal an die „Opfer der Vereinten Nationen", das in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wegen des schlechten Zustandes abgetragen wurde. Auf dem Parkfriedhof sind vermutlich mindestens 1.400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in verschiedenen Gräberfeldern bestattet.

Gedenkstein für 20 polnische Zwangsarbeiterinnen

Bei einem Bombenangriff 1943 im Wedding kamen 100 Kinder und 20 polnische Frauen zwischen 14 und 21 Jahren ums Leben. Für diese jungen Frauen wurde 2004 der Stein auf Initiative von ehemaligen Kolleginnen aus £ódz errichtet, die ebenfalls Zwangsarbeiter in Berlin waren. Diese Grabfläche in der Abteilung 19 ist unweit des hinteren Eingangs vom S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße gelegen.

Sowjetischer Ehrenfriedhof

Am nordwestlichen Ende mit einem Rondell befindet sich der Sowjetische Ehrenhain, der nach Plänen des Gartenarchitekten Johannes Mielenz und des Bildhauers Erwin Kobbert gestaltet wurde. Mit der Sowjetischen Stadtkommandantur abgestimmt, wurde er am 7. November 1958 eingeweiht. Im Zentrum um das Rondell steht ein 10 m hoher Obelisk aus rotem Granit. Eine symbolische Urne aus Muschelkalkstein in einer Pergola enthält die Asche von 125 gefallenen sowjetischen Soldaten. Die Offiziersgräber befinden sich am zentralen Weg zwischen Rosen und Zwergmispeln, umgeben von einer Thuja-Hecke. Grabstätten weiterer sowjetischer Bürger liegen links des Weges an einer Hainbuchenhecke. Im Gegensatz zum übrigen Friedhof schaffen die großen Rasenflächen und die Birken am Rande den Eindruck von Großzügigkeit und russischer Weite. Die Geometrie der Anlage wird durch Rotdorn und Rhododendron unterstützt.

Denkmal für die Opfer des Stalinismus

Der Erinnerungsstein für die vertriebenen Russlanddeutschen steht gegenüber der Schwurhand am südlichen Ende des Friedhofes rechts vom Hauptweg. Der Grundstein dafür wurde am 11. Oktober 2001 gelegt, das Denkmal war 2002 fertig. Es erinnert an die Vertreibung der Russlanddeutschen aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten durch Stalin.

Grabstätten

Da der Friedhof als Armenfriedhof angelegt wurde, fehlen erwartungsgemäß historische Grabstätten. Allerdings befinden sich unter den 12.000 Gräber sehenswerte Grabstätten aus den letzten Jahren. Die jährliche Anzahl an Bestattungen liegt zu Beginn der Jahre des 21. Jahrhunderts bei 650. Seine Besonderheit bezieht der Friedhof aus der botanischen Anlage. Die Vielzahl an Gedenkstätten bewahrt die Erinnerung an rund 6000 Kriegsopfer. Hinter der anonymen Urnengemeinschaftsanlage befinden sich zwei Grabflächen für halbanonyme Gemeinschaftsbestattungen. Es ist eine Bestattung in Grabfeldern möglich, die für die Angehörigen pflegefrei sind. Auf ortsnahen Grabstelen sind die Namen der jeweils im Feld bestatteten Verstorben angebracht.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste

Einzelnachweise

  1. Kriegsgräberliste
  2. Denkmale
  3. Friedhofsliste beim Senat
  4. Friedhofsplan
  5. Kriegsgräberplan
  6. Gräbergesetz

52.5513.45Koordinaten: 52° 33′ 0″ N, 13° 27′ 0″ O







stock | retire | vm
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History