Als Oberschwaben oder „Schwäbisches Oberland“ wird im Gegensatz zum Unterland die Landschaft zwischen der Schwäbischen Alb bzw. der Donau, dem Bodensee, dem Allgäu und dem Illertal bezeichnet. Es war ein wesentlicher Bestandteil des 911 gegründeten Herzogtums Schwaben. Nach dessen politischem Zerfall zum Ende der Stauferzeit 1283 gehörten große Gebiete Oberschwabens bis zu ihrem endgültigen rechtlichen Zerfall mit der Säkularisation 1803 zu Vorderösterreich. Aufgrund dessen wurde es auch bis zur Säkularisierung als Schwäbisch-Österreich bezeichnet. Es war ein wesentlicher Teil der Germania Sacra im Heiligen Römischen Reich, jene geistlichen Territorien reichsunmittelbare Klöster, Reichsabteien, Hochstifte, Balleien und Kommenden der geistlichen Ritterorden, die von den Protestanten auch als Pfaffengasse bezeichnet wurde.
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Oberschwaben liegt im Südosten von Baden-Württemberg und - zum kleineren Teil - im südwestlichen Bayern. Es ist ein Hügelland, das landwirtschaftlich vor allem für die Milchwirtschaft genutzt wird; im Schussenbecken herrschen Hopfengärten und Obstbau vor. Die wichtigsten Städte Oberschwabens sind Friedrichshafen, Ravensburg, Weingarten, Memmingen und Biberach an der Riß. Weite Teile des Gebiets sind aber sehr ländlich geprägt.
Umstritten ist die Ostgrenze: Historisch begründet kann man den Lech als solche ansehen, was die Einbeziehung weiter Teile von Bayerisch-Schwaben bedeuten würde. Verbreitet ist heute die Ansicht, die Iller bilde die Ostgrenze Oberschwabens. Bei dem im Jahr 2007 tagenden Schwäbischen Forum für Regionalgeschichte im Memminger Rathaus wurde unterstrichen, dass eben dieser Teil bis nach Weilheim und den Landkreis Augsburg kulturhistorisch zu Oberschwaben zählt und auch weiterhin zu zählen ist. Die Grenze zwischen Württemberg und Bayern ist eine Grenze, welche erst durch Napoleon eingeführt wurde. Somit ist auch der Bereich Mittelschwaben erst dadurch entstanden. Ein richtiges Zentrum des Gebietes Oberschwaben gibt es nicht, was auch hier eine eindeutige Identifikation mit der Region schwierig macht. Durch die enge Verknüpfung vor allem der freien Reichsstädte Ravensburg, Memmingen, Ulm und Biberach kann gesagt werden, dass vor allem der heute bayerische Bereich direkt an der Iller (auch die Region Donau-Iller) zu Oberschwaben zählt.
Auch wenn die Einwohner der ehemaligen Reichsstadt Ulm und der einstigen Klosterherrschaft Zwiefalten sich nicht als Oberschwaben sehen, so sind die beiden am Rand zur Schwäbischen Alb gelegenen Städte nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell eng mit Oberschwaben verknüpft.
Aulendorf, Bad Buchau, Bad Saulgau, Bad Schussenried, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Biberach an der Riß, Ehingen (Donau), Erbach (Donau), Friedrichshafen, Illertissen, Isny im Allgäu, Laupheim, Leutkirch im Allgäu, Memmingen, Mengen, Neu-Ulm, Ochsenhausen, Ravensburg, Riedlingen, Scheer, Sigmaringen, Tettnang, Ulm, Wangen im Allgäu, Weingarten, Weißenhorn
Der römische Feldherr Drusus zog im Jahr 15 v. Chr. mit einem Heer über den Brenner und flankierend über den Reschenpass in das Gebiet nördlich der Alpen und eroberte auch Teile von Oberschwaben. Im gleichen Jahr eroberte sein Bruder Tiberius, der spätere römische Kaiser, das Gebiet weiter westlich und erreichte über das Rheintal den Bodensee, wo sich das Gebiet der Vindeliker befand. Diese wurden u. a. in einer Seeschlacht unterworfen, wobei eine der Inseln im See den Römern als Basis diente. In den Jahren 16 bis 14 v. Chr. wurden die Gebiete des heutigen Graubündens, Vorarlbergs, Südbayerns und Oberschwabens zwischen Donau und Inn sowie des nördlichen Tirols zur Provinz Raetia zusammengefasst.
Ab dem 4. Jahrhundert wurde im Rahmen der Reichsreform durch Kaiser Diokletian die Provinz Raetia Teil der Diözese Italia und in die zwei Teilprovinzen Raetia prima (Curiensis) und Raetia secunda (Vindelica) aufgeteilt. Die beiden unter einen Dux gestellten Teilprovinzen wurden nun von Statthaltern niederen Ranges, so genannten Praesides, verwaltet, die in Curia (Chur) und Augusta Vindelicorum (Augsburg) ihren Amtssitz hatten. Oberschwaben wurde Teil der Raetia Secunda. Mit dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft trennten sich die Schicksale der beiden Provinzteile.
Oberschwaben und das Bodenseegebiet (einschließlich des zuvor zu Churrätien gehörigen Vorarlbergs) wurden Teil des Königreichs der Alamannen, das nur kurz bestand, bevor es durch den fränkischen König Chlodwig I. dem Frankenreich einverleibt wurde, zunächst als Herzogtum Alamannien, später als „regnum Sueviae“ („Königreich Schwaben“, für jüngere Königssöhne). Im Ostfrankenreich wurde das Gebiet Teil des mächtigen Herzogtums Schwaben.
Um die Oberherrschaft über dieses Gebiet konkurrierten viele mächtige Adelsgeschlechter, zunächst die Salier, später unter anderem die Staufer und die Welfen, deren Stammhaus sich in Oberschwaben befindet. Die welfischen Stammlande in Oberschwaben fielen später durch Erbvertrag an den Staufer Friedrich Barbarossa.
Nach dem Untergang der Staufer-Dynastie und der Auflösung des Herzogtums Schwabens zerfiel Oberschwaben in eine Vielzahl einzelner kleiner, meist reichsunmittelbarer Territorien (Ritterschaften, Reichsstädte, Grafschaften, Fürstentümer, Reichsabteien, Landvogtei Schwaben). Zu den größten Herrschaften gehörten die der Habsburger (Vorderösterreich), der Grafen von Montfort sowie der Reichsklöster Weingarten und Salem.
Im Deutschen Bauernkrieg (1524-1526) schlossen sich mehrere Bauernhaufen zum sogenannten Oberschwäbischen Haufen zusammen. Einer der wichtigsten war der Baltringer Haufen, er hatte im Oberland sein Zentrum. Im März 1525 verfassten sie in Memmingen die Zwölf Artikel von Memmingen, die erste schriftliche Niederschrift der Menschenrechte der Welt.
Durch die Säkularisation wurden 1803 fast alle Klöster aufgelöst, die Mediatisierung bedeutete das Ende der Freien Reichsstädte. Nach dem Ende des Alten Reichs 1806 (siehe auch Reichsdeputationshauptschluss von 1803) kam – endgültig durch den Wiener Kongress 1815 – der größte Teil dieser vorwiegend katholischen Landschaft an das protestantische Königreich Württemberg. Oberschwaben ist unter mehreren Aspekten eine konservative, aber lebensfrohe Region, in der die Mentalität mit der etwa in Oberbayern bisweilen verglichen wird. Wie dieses hat Oberschwaben aber auch seine rebellische Seite, die sich auch in der Verehrung des Schwarzen Veri, eines um 1800 berüchtigten Räubers, zeigt.
Neben den historischen Altstädten von Ravensburg, Biberach, Ulm und Memmingen sind die Touristikstraßen durch Oberschwaben für den Tourismus wichtig. Hiervon führen durch Oberschwaben:
Insgesamt ist die Entwicklung des Tourismus in Oberschwaben in den letzten Jahrzehnten nur schleppend verlaufen. Die angrenzenden Destinationen Allgäu, Schwäbische Alb, Schwarzwald und der Bodensee prosperierten weit stärker. Nicht zuletzt die Politik hat noch in den 1990er-Jahren darauf verwiesen, dass Oberschwaben eher ein Industriestandort (allerdings nur in wenigen Zentren) denn eine touristische Destination sei. Seit einigen Jahren aber weist Oberschwaben ein ausgeprägtes touristisches Angebot auf. Auch die Politik hat dies erkannt und fördert den Tourismus nun nachhaltig.
| Name | Höhe | Beschreibung |
|---|---|---|
| Bussen | 767 m | Der Heilige Berg Oberschwabens ist als Aussichtsberg und Wallfahrtsort vielbesucht. |
| Gehrenberg | 754 m | Der bei Markdorf gelegene Berg bietet von einem 30 m hohen Aussichtsturm bei schönem Wetter eine herrliche Aussicht auf den Bodensee und die Alpen. |
| Höchsten | 833 m | Er ist ein beliebter Aussichtspunkt etwa 17 km nördlich des Bodensees im westlichen Oberschwaben. |
| Grabener Höhe | 754 m | Sie befindet sich zwischen Bad Waldsee und Bad Wurzach. Von hier eröffnet sich eine reizende Aussicht auf die Alpen und das Wurzacher Ried, welches das größte Hochmoor Mitteleuropas darstellt. |
| Waldburg | 772 m | Sie befindet sich auf einem kegelförmigen Hügel östlich von Ravensburg. |
Die meistgelesene regionale Tageszeitung ist die Schwäbische Zeitung (Leutkirch im Allgäu). Daneben sind in der Nordhälfte die Südwest-Presse (Ulm), im Bodenseeraum der Südkurier (Konstanz) und im östlichen Teil die Memminger Zeitung und die Illertisser Zeitung verbreitet.
Neben dem Südwestrundfunk, der Rundfunk- und Fernsehstudios in Ulm und Friedrichshafen unterhält, gibt es die privaten Radiosender Radio 7, Donau 3 FM, hitradio RT1 Südschwaben und Radio Seefunk, sowie den regionalen Fernsehesender REGIO TV Schwaben und im südlichen Oberschwaben und am Bodensee den regionalen Fernsehsender REGIO TV Euro 3, die beide wie die Schwäbische Zeitung zum Medienhaus Schwäbischer Verlag gehören.
Die verbreitetsten Wochenzeitungen sind „INFO“ (ebenfalls Schwäbischer Verlag) und „Wochenblatt“, die kostenlos verteilt werden. Neben den tagesaktuellen Medien gibt es monatliche Veranstaltungsmagazine und das jährliche touristische „Oberschwaben Magazin“. Für jüngere Menschen gibt es die kostenlosen Zeitungen public in und Fritzz. Ebenfalls gratis verteilt wird das seit 2003 existierende Monatsmagazin Blix.
Oberschwaben wird durch verschiedene Eisenbahnlinien erschlossen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Württembergischen Südbahn von Friedrichshafen nach Ulm zu. Von der Südbahn zweigt in Warthausen das so genannte Öchsle, eine Schmalspur-Museumsbahn, ab. Weitere wichtige Bahnlinien sind die Württembergische Allgäubahn von Aulendorf nach Memmingen und in Kißlegg abzweigend nach Lindau, die Bodenseegürtelbahn, die Donautalbahn von Ulm über Sigmaringen ins badische Donaueschingen sowie die Zollernalbbahn (Tübingen – Aulendorf), die auf dem Abschnitt Sigmaringen – Aulendorf Oberschwaben erschließt. Die Illertalbahn erschließt das Gebiet zwischen Memmingen und Ulm.
Da Oberschwaben vergleichsweise schwach besiedelt ist, wirkt es in weiten Teilen nach wie vor eher landwirtschaftlich geprägt. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten an den Erwerbstätigen liegt jedoch in der IHK-Region Bodensee-Oberschwaben, die die Landkreise Sigmaringen, Ravensburg und den Bodenseekreis umfasst, nur bei 3,5%, während etwa 33,5% im produzierenden Gewerbe und etwa 63% im Dienstleistungssektor tätig sind.[1]
Um die Städte Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach und Memmingen haben sich industrielle Zentren gebildet. Dort, aber auch in kleineren Orten, befinden sich weltweit agierende Unternehmen wie ZF Friedrichshafen, MTU Friedrichshafen, Liebherr, Hymer, Ravensburger, Vetter Pharma, Waldner, Weishaupt, Berger Holding oder Magnet-Schultz.
Insbesondere im Bodenseeraum ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig.
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