| Nationalpark Bayerischer Wald | ||
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| Lage: | Bayern, Deutschland | |
| Fläche: | 24.217 ha | |
| Gründung: | 7. Oktober 1970 | |
| Adresse: | Webseiten des Nationalparks Freyunger Straße 2 94481 Grafenau |
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Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands im Gebiet des heutigen Landkreises Freyung-Grafenau eröffnet und umfasst seit seiner wesentlichen Erweiterung vom 1. August 1997 auf das Gebiet des Landkreises Regen eine Fläche von 24.250 Hektar. Zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Böhmerwald bildet der Bayerische Wald die größte zusammenhängende Waldfläche Mitteleuropas.
Inhaltsverzeichnis |
Die ersten Forderungen nach der Errichtung eines großen Naturschutzreservates im Bayerischen Wald erschienen bereits 1911 in den Niederbayerischen Monatsheften. Ende der 1930er/Anfang der 1940er Jahre waren die Planungen zur Schaffung eines Nationalparks, zu dessen Befürwortern Lutz Heck gehörte, bereits weit fortgeschritten, sie mussten aber kriegsbedingt zurückgestellt werden.
Erst 1966 wurden auf Initiative von Bernhard Grzimek und dem Bund Naturschutz in Bayern unter Hubert Weinzierl diese Pläne erneuert. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium und die Staatsforstverwaltung hatten jedoch zunächst Bedenken. In der Presse sowie in Rundfunk und Fernsehen begannen teilweise heftige Diskussionen über den Sinn und Charakter des Projekts.
Am 6. September 1967 fand in Grafenau die offizielle Gründungsversammlung des Zweckverbandes zur Förderung des Projektes eines Nationalparks Bayerischer Wald statt. Am 11. Juni 1969 beschloss der Bayerische Landtag einstimmig die Errichtung des Nationalparks Bayerischer Wald. Am 2. November 1969 nahm das Nationalparkamt Bayerischer Wald in Spiegelau seine Tätigkeit auf. Am 7. Oktober 1970 wurde der Nationalpark in Neuschönau durch Staatsminister Hans Eisenmann feierlich eröffnet.
1972 erhielt der Nationalpark die internationale Anerkennung durch die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN). Am 5. Juli 1982 übergab Staatsminister Eisenmann das Informationszentrum bei Neuschönau, heute Hans-Eisenmann-Haus, seiner Bestimmung. 1986 erfolgte die Verleihung des Europadiploms der Kategorie A durch den Europarat (letztmals 2006 verlängert bis 2011)[1].
In Deutschland wurde bisher nur ein einziger Nationalpark, der Nationalpark Bayerischer Wald, im Jahre 2009 mit einem Zertifikat Transboundery Park für vorbildliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem tschechischen Nationalpark Sumava ausgezeichnet.[2]
Gegen die geplante Erweiterung des Nationalparks auf das Gebiet des Landkreises Regen gab es in den betroffenen Gemeinden (Bayerisch Eisenstein, Frauenau, Lindberg und Zwiesel) teilweise heftige Proteste mit Demonstrationen, zum Beispiel auf dem Stadtplatz in Zwiesel am 1. Juli 1995 mit rund 1500 Teilnehmern.[3]. In Frauenau kam es zu einem Bürgerentscheid über die Nationalparkerweiterung. Bei einer Wahlbeteiligung von knapp über 51 Prozent stimmten 83,7 Prozent gegen eine Nationalpark-Erweiterung.[4] Wegen fehlender Zuständigkeit der Gemeinden wurde die Erweiterung um 12.500 Hektar dennoch vollzogen. Die Gegner der Erweiterung erreichten aber die Aufnahme des § 14 „Hochlagenwald“ in die Nationalparkverordnung vom 12. September 1997 durch den Bayerischen Landtag. Darin wurde bestimmt, dass der Hochlagenwald in seiner Substanz und Funktion zu erhalten und deshalb im Zeitraum bis zum Jahr 2017 die Ausweitung des Borkenkäfers auf die Wälder der Hochlagen zwischen Falkenstein und Rachel zu verhindern ist.
In der Nähe von Ludwigsthal befindet sich das 2005 errichtete Infozentrum „Haus der Wildnis“ des Nationalparks Bayerischer Wald sowie ein 65 ha großes Tierfreigehege.
Der Nationalpark liegt im Osten Bayerns in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau entlang der Grenze zu Tschechien und umfasst heute eine Fläche von 24.250 Hektar fast unberührter (Ur)Waldlandschaft im Mittelgebirge des Bayerischen Waldes. Nach der Gliederung der Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands gehört das Gebiet des Nationalparks zum Hinteren Bayerischen Wald[5] in der Gruppe Oberpfälzisch-Bayerischer Wald.
Ein Großteil des Nationalparks liegt in einer Höhe von über 1000 Metern, umgeben von den Gipfeln des Falkensteins (1315 m), des Lusens (1373 m) und des Großen Rachels (1453 m). Neben den Hochwäldern erstrecken sich dort auch noch einzigartige Hochmoore mit Moorseen wie dem Latschensee und ehemalige Hochweiden, die sog. Schachten, welche sich auf der tschechischen Seite im Böhmerwald noch weiter ausbreiten. Im Osten grenzt der Nationalpark an den 1991 gegründeten 69.030 ha großen Nationalpark Šumava, mit dem eine enge Zusammenarbeit besteht.
Im Nationalpark konnte sich eine einzigartige Tierwelt erhalten bzw. wurde dort wieder angesiedelt. Darunter befinden sich vom Aussterben bedrohte Arten wie z. B. Auerhuhn, Luchs, Wanderfalke, Wildkatze, Schwarzstorch, Biber, Wespenbussard oder der Fischotter genauso wie andere typische Bewohner des Bayerischen Waldes. Dazu zählen unter anderem die Rothirsche, die den Winter allerdings in einem Gatter verbringen, weil man allzu große Verbißschäden am Bergwald vermeiden will. Sogar Elche sind anzutreffen, die vom Lipno-Stausee in Tschechien herüberkommen.
Im Tierfreigelände, das sich im Nationalpark in der Nähe von Neuschönau befindet, sind in einem weiträumigen Gelände heute und ehemals ansässige Tiere wie Fischotter, Käuze, Wildkatze, Luchs, Uhu, Wisent, Rothirsch, Wildschwein, Braunbär und Wolf in Freigehegen untergebracht. In einem zweiten Freigelände bei Ludwigsthal sind seit 2006 Rückzüchtungen von heute in Mitteleuropa ausgestorbenen Tierarten wie z. B. dem Wildpferd und dem Urrind zu beobachten.
Zielvorgabe des Nationalparks ist es, „Natur Natur sein [zu] lassen“. Auf der überwiegenden Fläche des Nationalparks sollen die Natur und damit auch die dynamischen Abläufe in den Wäldern geschützt werden. Auf über 11.000 Hektar (über 25 Prozent der Fläche) greift der Mensch in den natürlichen Ablauf daher überhaupt nicht mehr ein.
Nahezu der ganze Park besteht aus ausgedehnten Mischwäldern aus Fichten, Buchen und Tannen, die sich dadurch, dass sie in ihrer Entwicklung heutzutage fast ausschließlich sich selbst überlassen sind, zu einer unberührten Urwald-ähnlichen Landschaft zurückgebildet haben. In den höheren Lagen zwischen Rachel und Lusen setzte sich jedoch der Baumbestand fast nur noch aus Fichten zusammen.
Auch nach Gründung des Nationalparks war hier zunächst jahrelang in reduzierter Form weiterhin Forstwirtschaft zugelassen. Erst als am 1. August 1983 ein Gewittersturm und ein weiterer Sturm im November desselben Jahres etwa 70.000 Festmeter Holz fällten, entschied Minister Hans Eisenmann, 30.000 Festmeter liegen zu lassen. Diese Entscheidung erwies sich als äußerst folgenschwer.
Mitte der 1980er und Anfang der 1990er Jahre kam es durch heftige Stürme zu weiteren zahlreichen Windbrüchen, durch die schlagartig günstige Lebensbedingungen für den Borkenkäfer entstanden. In den Folgejahren erhöhte sich die Population des Buchdruckers teilweise so stark, dass selbst gesunde, stehende Fichten dem starken Befall zum Opfer fielen. Einzelne „Käferlöcher" weiteten sich aus und verschmolzen schließlich zu großen Fronten. In Teilen der Bevölkerung stieß die von der Nationalparkverwaltung verordnete Tatenlosigkeit auf Unverständnis; die angrenzenden Waldbauern fürchteten um ihren eigenen, wirtschaftlich genutzten Bestand. Andere sahen im Borkenkäfer dagegen einen Helfer, um Wirtschaftswald mit anfälligen Monokulturen in kräftigen Mischwald, die beste Vorsorge gegen zukünftigen Befall, zu verwandeln. Nachdem die alten Nadelwaldkulturen inzwischen weitgehend tot sind, gehen die Borkenkäferzahlen seit einigen Jahren deutlich zurück und mit dem Nachwachsen von jungen Ebereschen, Fichten und Buchen ist an vielen Stellen wieder ein Jungwald entstanden. Diese neuen Bäume hatten 2004 schon eine Höhe von 70 cm erreicht. Es gibt im Bayerischen Wald mehrere Vereine, in denen sich Nationalparkgegner und andererseits Nationalparkbefürworter zusammengeschlossen haben.
Am 17. September 2007 wurde eine Verordnung erlassen, die unter anderem vorsieht, dass bis zum Jahr 2027 75 Prozent des Nationalparkgebiets zu einer Naturzone zu entwickeln sind. Dagegen erhob im Juni 2008 eine Bürgerbewegung eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof. Dieser erklärte in seinem Urteil vom 4. März 2009 die Erweiterung der Naturzone als mit der Bayerischen Verfassung vereinbar und das Restrisiko eines Schädlingsbefalls bei den Anwohnern für zumutbar.[6]
Die Nationalparkverwaltung hat ca. 200 Mitarbeiter, Hauptsitz ist Grafenau.
Leiter der Nationalparkverwaltung:
Nationalparkverkehrskonzept Bayerischer Wald
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