Als „Meister des Aachener Altars“ wird ein anonymer spätgotischer Maler bezeichnet, der nach seinem Hauptwerk, dem Passionstriptychon in der Schatzkammer des Aachener Domes benannt wurde. Er gehört neben dem Meister von St. Severin und dem Meister der Ursula-Legende zu der Gruppe von Malern, die an der Wende zum 16. Jahrhundert in Köln tätig und noch ganz einem "barock" spätgotischen Form- und Stilempfinden verpflichtet waren. Dieser originelle und interessante Künstler steht an der Schwelle zur Neuzeit und kann als der letzte bedeutende Vertreter der spätgotischen Malerei in Köln gelten.
Wie alle Kölner Maler der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist auch der Meister des Aachener Altars nicht mit einem der in den Archiven genannten zeitgenössischen Künstlernamen zu identifizieren. Bisher war es nicht möglich, eines der Werke sicher mit einem in den Urkunden genannten Malernamen zu verbinden. Da sichere Daten und Quellen fast völlig fehlen, wurde sein künstlerisches Werk mit Hilfe stilkritischer Vergleiche erfasst.
Was sein Werk von dem seiner Zeitgenossen unterscheidet, ist das vitale Temperament, das sich in seinen Bildern mitteilt. Seinen Ausdruck findet es im ruhelosen Auf und Ab der Akteure, den dicht gedrängten, aufgewühlten Kompositionen, den von reichen Gegensätzen bestimmten, atmosphärischen Landschaften und den für seine Zeit neuartigen Bildideen sowie der Strahlkraft seiner Farben. Überraschende, oftmals drastische Einfälle, so die naturalistisch geschilderten Krankheitsmerkmale eines Syphilitikers[1] sowie eines mongoloiden Kindes auf dem Aachener Altar, charakterisieren sein Werk. Als Porträtist bewies der Meister des Aachener Altars seine Fähigkeit zu differenzierter Personenschilderung, wie die lebensnahe und realistische Ausführung der Stifterporträts auf dem Retabel in Liverpool sowie das Bildnis Johanns des Jüngeren von Melem, Sohn des aus Köln stammenden Frankfurter Patriziers Johann von Melem, zeigt. Dieses Bild ist heute in der Alten Pinakothek in München zu sehen und wird ebenfalls dem Meister des Aachener Altars zugeschrieben. Dass Johann der Jüngere ebenso wie sein Schwiegervater, der Kölner Bürgermeister und Großkaufmann Hermann Rinck, zu seinen Auftraggebern zählten, daneben ein großes Retabel für eine Ordensniederlassung der Karmeliter und ein Wandgemälde für die Kölner Familie Hardenrath entstand, lassen auf die Wertschätzung schließen, die der Künstler genoss.
Die Verwurzelung des Meisters des Aachener Altars in der Kölner Malerei steht außer Frage. Die Nähe zum Meister der Heiligen Sippe, welche sich sowohl im Stilistischen als auch in der Übernahme von Bildideen und Motiven zeigte, bestätigt die Vermutung, dass der Meister des Aachener Altars in der Werkstatt des Sippenmeisters ausgebildet wurde. Auch vom Meister von St. Severin ging ein wichtiger Einfluss auf den Meister des Aachener Altars aus, wie Übereinstimmungen im Figurenstil und eine ähnliche Malweise belegen. Eine mögliche Mitarbeiterschaft als Geselle in dessen Werkstatt ist möglich. Die reifen Werke des Meisters des Aachener Altars, namentlich die Marientafeln, lassen auf deutliche Einflüsse des Meisters des Bartholomäus-Altars schließen. Darüber hinaus hat der Maler wichtige Anregungen aus der niederländischen Malerei, etwa der Kunst des Hugo van der Goes, empfangen und verarbeitet.
Die Wirkung, die der Meister auf nachfolgende Künstler hatte, scheint nicht groß gewesen zu sein. Einige Werke Bartholomäus Bruyns des Älteren verraten jedoch eine genaue Kenntnis der Werke des Meisters des Aachener Altars und belegen, dass sich Bruyn wiederholt mit den Kompositionen des älteren Meisters auseinandergesetzt hat.
Nur eine relativ geringe Anzahl von Werken können als eigenhändig für den Meister in Anspruch genommen werden: zwei Passionsretabel, eine zerstörte Wandmalerei, zwei Zeichnungen und sieben Einzeltafeln, teils größeren Formats. Zwischen dem frühesten erhaltenen Bild - der kurz vor 1495 entstandenen Anbetung der Könige in Bonn - und dem Aachener Altar als reifstes Werk um 1515/20, ergibt sich die Schaffenszeit des Meisters, welche etwa eine Zeitspanne von gut zwanzig Jahren umfasst. Ein größerer Werkstattbetrieb kann für den Meister des Aachener Altars nicht angenommen werden. Nur klein ist die Zahl der Arbeiten, die Werkstattcharakter zeigen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Meister des Aachener Altars |
| KURZBESCHREIBUNG | Künstler des Spätmittelalters |
stock | retire | vm
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