Mauerpark


Mauerpark 2007
Mauerpark im Winter 2010

Der Mauerpark ist eine Parkanlage in Berlin. Sein Name geht auf die 1961 errichtete Berliner Mauer zurück, die hier die Grenze zwischen den damaligen Bezirken Prenzlauer Berg und Wedding bildete. Heute verläuft hier die Grenze zwischen den Ortsteilen Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow) und Gesundbrunnen (Bezirk Mitte). Im Westen liegt das zu Gesundbrunnen gehörende Brunnenviertel, im Osten das zu Prenzlauer Berg gehörende Gleimviertel. Das langgestreckte Freigelände verläuft entlang des für den Kraftverkehr gesperrten Abschnitts der Schwedter Straße zwischen Eberswalder Straße/Bernauer Straße und Ringbahn. Da es im dichtbebauten Prenzlauer Berg vergleichsweise wenige Grünflächen gibt, hat sich der Mauerpark zu einem beliebten Ort der Naherholung entwickelt, der gerade am Wochenende auch Gauklern, Künstlern, Musikern und Familien eine Heimstatt bietet und sich dadurch auch über Berlin hinaus einen Namen gemacht hat.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im 19. Jahrhundert gehörte das Gelände zum Alten Nordbahnhof. Nach dem Mauerbau bildete es ab 1961 das Grenzgebiet zwischen West- und Ost-Berlin: der Teil westlich der Schwedter Straße gehörte zum französischen Sektor Berlins, der Teil östlich davon zum sowjetischen Sektor.

Alter Nordbahnhof

Lage des (Alten) Nordbahnhofs, Berlin 1884

Auf dem Gelände des Mauerparks lag im 19. und 20. Jahrhundert einer der zahlreichen Berliner Kopfbahnhöfe. Auf dem historischen Stadtplan kann man erkennen, wie die Bahntrasse von Norden kommend geradlinig über die Ringbahn und Gleimstraße hinaus bis zur Eberswalder Straße vorstieß. Hier endete die Preußische Nordbahn, die seit 1878 Stralsund mit Berlin verband. Der erste Streckenabschnitt, und damit auch der Bahnhof nahe der Berliner Innenstadt, eröffnete bereits am 10. Juli 1877. Das Empfangsgebäude befand sich an der Eberswalder Straße, gegenüber der Einmündung der Schwedter und Oderberger Straße, am heutigen Südeingang des Mauerparks. Der Gleimtunnel ist noch heute als Eisenbahnbauwerk erkennbar.

Der Personenverkehr der Nordbahn wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts in den größeren und zentraler gelegenen Stettiner Bahnhof verlegt, der 1950 in Nordbahnhof umbenannt wurde. Auf dem alten Bahnhof der Nordbahn, der nun den Namen Güterbahnhof Eberswalder Straße erhielt, wurden noch bis in die 1960er Jahre Güter umgeschlagen.

Todesstreifen

Das Bahnhofsgelände lag genau an der Grenze zwischen den 1920 eingerichteten Verwaltungsbezirken Wedding und Prenzlauer Berg. Während der Bezirk Wedding nach 1945 dem französischen Sektor zugeordnet wurde, kam Prenzlauer Berg zum sowjetischen Sektor. Die Schließung der innerstädtischen Grenze am 13. August 1961 (Bau der Berliner Mauer) trennte das Bahnhofsgelände, das gerade eben noch auf Weddinger Gebiet lag, von der an ihm entlang führenden Schwedter Straße, der eigentlichen Sektorengrenze, und der Böschung zum höhergelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Südlich des ehemaligen Empfangsgebäudes verlief die Grenze über die (nun gesperrte) Kreuzung Eberswalder/Oderberger/Schwedter/Bernauer Straße hinweg, um nach Westen abzuknicken und sich auf der südlichen Straßenseite der Bernauer Straße fortzusetzen.

An der genannten Straßenkreuzung stand auf West-Berliner Gebiet eine der bekannten Aussichtsplattformen, die einen Blick über die Mauer nach Ost-Berlin ermöglichten.

Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen Sportpark und ehemaligem Bahnhofsgelände bestand für die DDR-Grenztruppen über 20 Jahre lang eine schwierige Situation: der Grenzstreifen befand sich sozusagen in einer schiefen Ebene an der steilen Böschung unterhalb des Jahnstadions, während das ebene Bahnhofsgelände bereits zu West-Berlin gehörte. Durch einen Gebietsaustausch 1988 erwarb Ost-Berlin die östliche Hälfte des Bahnhofsgeländes, die Sektorengrenze wurde auf rund einem Kilometer Länge um 50 Meter Richtung Westen verschoben.

Anfänge des Mauerparks

Der Mauerpark

Nach der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung Berlins 1989/90 wurde der Mauerstreifen an der Schwedter Straße schnell als öffentliche Grünfläche genutzt. Im Sommer 1990 standen noch Wachtürme der Grenztruppen auf der Böschung, während die Wiese daneben bereits von den Anwohnern genutzt wurde.

Das zu Wendezeiten entstandene Projekt eines „Mauerparks“, also eines grünen Bandes auf dem ehemaligen Grenzstreifen quer durch das wiedervereinigte Berlin, gewann Anhänger in der Bevölkerung. Nachdem die Allianz-Umweltstiftung einen Betrag von 4,5 Millionen DM zur Gestaltung des neuen Parks zugesagt hatte, beschloss das Land Berlin am 23. Juni 1992 das im damaligen Bezirk Prenzlauer Berg gelegene 7,1 Hektar große Teilstück des ehemaligen Güterbahnhofgeländes als Park umzubauen. Mit der Planung wurde der Hamburger Landschaftsarchitekt Gustav Lange beauftragt. Die Bauarbeiten für diesen Parkteil wurden 1994 abgeschlossen.

Der im damaligen Bezirk Wedding liegende Geländestreifen wurde nicht in die Umgestaltung mit einbezogen. Dieses Gelände gehört der Immobiliengesellschaft Vivico und wird von Mietern als Baustofflager und seit 2004 auch als Trödelmarkt genutzt. Zum Mauerpark gehören somit die östliche Hälfte des ehemaligen Gleisfelds sowie der steile Hang unterhalb des Stadions. Im Jahr 2005 wurde ein etwa zwei Hektar großes Teilstück nördlich der Gleimstraße, gelegen um den Kinderbauernhof „Moritzhof“ am Ende der Kopenhagener Straße herum, dem Mauerpark angeschlossen.

Graffiti

Der Mauerpark wurde zur viel genutzten Parkanlage. Insbesondere im Sommer ist der Park ein stark genutzter Treffpunkt vor allem junger Menschen und ein beliebter Ort für Boulespieler, Freizeitkicker, Basketballer, Jongleure und Freizeitmusiker. Die erhaltene ehemalige Hinterlandmauer am Jahnstadion ist eine Übungsfläche für Graffitikünstler. Der Mauerpark ist im Sommer auch nachts besucht, jedoch fast völlig unbeleuchtet.

Seit den 1990er Jahren finden im Mauerpark jährlich am Abend des 30. April Feiern zur Walpurgisnacht mit Lagerfeuern und künstlerischen Darbietungen statt. Am Rande dieser Veranstaltung kam es in den letzten Jahren wiederholt zu gewalttätigen Ausschreitungen, die von vielen als Auftakt der Maikrawalle angesehen werden.

Am Falkplatz, nördlich an das Jahnstadion und östlich an den Mauerpark angrenzend, entstand im Rahmen der Berliner Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 eine Großsporthalle, die Max-Schmeling-Halle, Austragungsort zahlreicher Veranstaltungen sowie bis September 2008 der Heimspiele des Basketball-Bundesligisten ALBA Berlin.

Die Teilung des Mauerparks durch den Gleimtunnel

Der während der Teilung Berlins verschlossene denkmalgeschützte Gleimtunnel, der die Gleimstraße unter ehemaligen Eisenbahnbrücken der Nordbahn hindurchführt, wurde nach der Wende wiedereröffnet und stellt heute eine von vier Verbindungen zwischen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg dar. Er teilt den Mauerpark in eine Nord- und eine Südfläche.

Die Überquerung der bestehenden der Deutschen Bahn gehörenden Eisenbahnbrücken durch die Parkbesucher war bis 2008 vom Bezirksamt Pankow durch Absperrungen unterbunden. Als Grund nannte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine geplante Eigentumsübernahme und die Klärung finanzieller Folgen als Voraussetzungen für die Umsetzung eines Weges über den Gleimtunnel.

Durch maßgeblichen Druck des Vereins Freunde des Mauerparks e.V. konnte eine Öffnung des gesperrten Weges erreicht werden. Im Jahr 2008 wurde ein schmaler, eingezäunter Streifen, der über die breite, von Wildwuchs überwucherte ehemalige Bahnbrücke führt, freigegeben. Besucher des Mauerparks können seit dem beide Teile des Mauerparks wieder auf direktem Weg erreichen. [1]

Fertigstellung

Mauerpark Demo

Die Finanzmittel der Allianz-Umweltstiftung waren an die Bedingung geknüpft, dass bis zum Jahr 2010 ein mindestens zehn Hektar großer Park entsteht. Andernfalls muss das Land Berlin das Geld zurückzahlen. Grundsätzlich käme für eine Erweiterung nur die dem Immobilienunternehmen Vivico gehörende sechs Hektar große Fläche in Frage, die heute durch Gewerbebetriebe genutzt wird und im Erstkonzept einmal als westlicher Teil des Mauerparks vorgesehen war. Das Areal müsste das Land Berlin von Vivico kaufen. Da auf Grund der finanziellen Situation des Landes dieses nicht zu einem Grundstückskauf bereit war, einigten sich beide Parteien auf einen Kompromiss: Das Land würde eine zwei Hektar große Fläche kostenfrei von Vivico erhalten, auf den anderen vier Hektar erhielte Vivico Baurecht. Dafür sollte im Jahr 2004 der bis dahin gültige Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1994, der die gesamte Fläche als Park auswies, entsprechend geändert werden. Die Wohngebäude hätten dabei eine deutlich höhere Traufhöhe, als die in der Umgebung. Dies stieß auf erheblichen Protest vieler Anwohner, die die Umsetzung der ursprünglichen Pläne forderten. Um diesen Konflikt zu lösen, wurde im April 2005 ein Moderationsverfahren eröffnet, das später abgebrochen wurde. Diverse Bürgerinitiativen aus der Umgebung setzen sich für eine Fertigstellung des Parks ein und es fanden Demonstrationen für die Fertigstellung des Parks statt.

Nach erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Bürgerinitiativen und dem Baustadtrat von Berlin-Mitte wurde vom Stadtentwicklungsausschuss Berlin-Mitte am 27. Januar 2010 in einer Beschlussempfehlung als Kompromisslösung eine Neubaubebauung nur noch auf dem Gelände nördlich des Gleimtunnels sowie am Südende des Parks vorgeschlagen.[2] Das Konzept dazu erarbeitete der Verein Freunde des Mauerparks e. V.[3] gemeinsam mit dem Architektenbüro Thiele und Giesler. Ob der zur Erschließung der neuen Fläche im Norden des Mauerparks diskutierte Abriss einer Hälfte des denkmalgeschützen Gleimtunnels umgesetzt wird, lässt die Beschlussempfehlung offen.[4] [5]

Radfernwege

Durch den Mauerpark verlaufen zwei Radwege: der Berliner Mauerweg und der Radfernweg Berlin-Usedom. Letzterer verläuft entlang der Schwedter Straße, führt dabei durch den Mauerpark und dann auf den Schwedter Steg, von dem man eine gute Aussicht auf das Nordkreuz der Berliner Eisenbahn hat.

Die vom Berliner Senat vorgesehene Asphaltierung der bisher gepflasterten Schwedter Straße im Bereich des Mauerparks stieß auf den Widerstand einiger Anwohner, die die Auffassung vertreten, dass damit der Charakter des Parks gestört würde und die Geschichte der Straße als Postenstraße weniger sichtbar wäre. Die Anwohner argumentierten, dass der Radfernweg auf einem separaten Weg geführt werden soll. Die von ihnen vorgeschlagene Wegführung bedeutet allerdings einen Umweg und eine abgeknickte Wegführung für die Fernradfahrer. [6] Zudem wird diesen Plänen zufolge der Fernradweg zwischen einem Spielplatz und dem Eingang zum Kinderbauernhof Moritzhof geführt, wodurch es zur Gefährdung dort spielender Kinder kommen kann. Der ADFC Berlin argumentiert zudem, dass die Teil-Asphaltierung der Schwedter Straße eine wichtige Voraussetzung zum Funktionieren des Radfernwegs als touristische Attraktion sei.

Im Mai 2005 wurden im Vorfeld einer Abstimmung in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow innerhalb von drei Tagen 1.000 Unterschriften für eine Asphaltierung gesammelt. Die BVV entschied sich trotzdem mit den Stimmen von PDS und CDU für den Erhalt des Pflasters. Die endgültige Entscheidung über die Ausführung liegt nunmehr bei der Stadtentwicklungssenatorin.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Christian van Lessen: Brückenschlag im Mauerpark, Der Tagesspiegel, 12. August 2008, abgerufen am 17. Januar 2010
  2. Uwe Rada, Gereon Asmuth: Durchbruch am Mauerpark. Die Tageszeitung, „taz“, 28. Januar 2010]
  3. Freunde des Mauerparks e.V.: "Neues FertigstellungsKonzept"
  4. Uwe Aulich: Mitte sucht neue Lösung zum Mauerpark, Berliner Zeitung, 8. Dezember 2009, ISSN 0947-174X
  5. Mauerpark - mit Grün verbinden - statt durch Bebauung trennen. Beschlussempfehlung des Ausschusses Stadtentwicklung, Sanieren, Bauen der Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin, Stand vom 16. Februar 2009
  6. Bahn frei für den Mauerpark, Freunde des Mauerparks e.V.
52.54361111111113.403333333333






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