Mammuts


Disambig-dark.svg Dieser Artikel behandelt die ausgestorbene Elefantengattung Mammut; zu weiteren Bedeutungen siehe Mammut.
Mammut
Mammut
Zeitraum
Pleistozän bis Holozän
1,8 Mio. Jahre bis vor etwa 4000 Jahren
Fossilfundorte
Nordamerika, Europa, Asien und Afrika
Systematik
Säugetiere (Mammalia)
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Afrotheria
Rüsseltiere (Proboscidea)
Elefanten (Elephantidae)
Wissenschaftlicher Name
Mammuthus
Brookes, 1828
Untertaxa

Als Mammut (Plural: Mammuts oder Mammute), wissenschaftlicher Name Mammuthus (von frz. mammouth < russ.: mamont < vermutlich aus dem Waldnenzischen), bezeichnet man eine ausgestorbene Gattung von Elefanten, die im Pliozän und Pleistozän mit verschiedenen Arten in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika vorkam. Die letzten Vertreter der Gattung starben erst vor rund 4000 Jahren auf der Wrangel-Insel im sibirischen Eismeer aus.

Im November 2008 wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ die Genomsequenz des Wollhaarmammuts (M. primigenius) publiziert.[1] Circa 70 Prozent der Erbinformation konnten entschlüsselt werden. Das Mammutgenom ist das erste Genom eines ausgestorbenen Tieres, das sequenziert wurde.

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Die Mammuts haben sich im mittleren Pliozän in Afrika entwickelt und verbreiteten sich von dort aus bis Eurasien und Nordamerika. Dabei spezialisierten sie sich zunehmend auf Grasnahrung und entwickelten Anpassungen an die Kälte. Die ältesten Funde von Mammuts sind etwa vier Millionen Jahre alt und stammen aus der Landsenke von Afar in Äthiopien. Sie gehören der Art Mammuthus subplanifrons an, die auch in Kenia und Südafrika gefunden wurde. Die Art überlebte sicher bis vor etwa drei Millionen Jahren und kurz darauf tauchte sein vermutlicher direkter Nachfolger Mammuthus africanavus in Nordafrika auf. Diese Art war entweder eine evolutionäre Sackgasse oder der Vorfahre des Südelefanten. Aus dem Südelefanten entwickelte sich vor etwa 750.000 Jahren das Steppenmammut, das zum Vorfahren des Wollhaarmammuts wurde. Das Präriemammut Nordamerikas hat sich wahrscheinlich ebenfalls aus dem Südelefanten entwickelt, der vor etwa 1,5 Millionen Jahren nach Amerika eingewandert ist.

Im Allgemeinen meint man mit „Mammut“ das während der letzten Eiszeit in Europa und Nordasien verbreitete Wollhaarmammut; die meisten Mammutarten waren aber wahrscheinlich weitgehend unbehaart.

Für den Laien verwirrend ist die Tatsache, dass der Gattungsname Mammut nicht etwa die Mammuts bezeichnet, sondern eine nur entfernt verwandte Gattung der Echten Mastodonten (Mammutidae), Rüsseltiere mit vier Stoßzähnen, die in der letzten Eiszeit ebenfalls behaarte Formen entwickelten.

Mammut und Mensch

Hauptartikel: Quartäre Aussterbewelle

Das Wollhaarmammut war eines der Jagdtiere der Menschen im Jungpleistozän. Dies ist durch zahlreiche Höhlenmalereien und eine Vielzahl von Mammutknochen-Anhäufungen in archäologischen Fundstellen des Aurignacien, Gravettien und Epigravettien dokumentiert. Spektakulär sind die Mammutknochenhäuser von Mezhirich, Mezin, Dobranichevka und Kiev, Kirillovskaja Ulica (alle Ukraine) aus der Zeit des osteuropäischen Epigravettiens (entspricht dem Magdalénien Mitteleuropas), die um 15.000 BP datieren.

Ob eine übermäßige Bejagung („Overkill-Hypothese“) das Aussterben der Tiere verursacht hat oder rasche Klimaveränderungen zum Ende der Eiszeit (Erwärmung im Allerød-Interstadial), ist bis heute umstritten. Eine Studie von C. Johnson deutet darauf hin, dass das Aussterben des Wollhaarmammuts und anderer pleistozäner Arten mit einer rapiden Abnahme der Fruchtbarkeit einherging.[2] Eine zu geringe Reproduktionsrate sieht er bei einer Reihe von Großsäugern in Australien, Eurasien, Amerika und Madagaskar als Hauptursache des Aussterbens, während er die „Overkill-Hypothese“ (bei ihm: „Blitzkrieg-Hypothese“) als ursächliches Szenario zurückweist. Da Arten mit zurückgehender Reproduktionsrate bei menschlicher Bejagung zusätzlichem Stress ausgesetzt sind, sei die Gleichzeitigkeit des Aussterbens mit der verstärkten Bejagung durch Jäger-und-Sammler-Populationen die logische Folge.

Bisher wurde angenommen, das Wollhaarmammut sei in Europa und Südsibirien bereits 10.000 v. Chr. ausgestorben, nachdem es in der letzten Kaltphase („Jüngere Dryas“) am Ende der Weichsel-Eiszeit noch einmal bis Nordosteuropa vordringen konnte.[3][4][5][6] Neue Funde zeigen aber, dass die Mammuts erst um 8000 v. Chr. vollständig aus Nordosteuropa verschwunden sind. Nur wenig später verschwand die Art - nach dem heutigem Fossilreport zu urteilen - auch auf dem nordsibirischen Festland. Nur auf der ostsibirischen Wrangelinsel überlebten kleine Populationen bis etwa 2000 v. Chr.[7]. Das Amerikanische Präriemammut starb ebenfalls erst am Ende des Eiszeitalters aus. Gleichzeitig mit dem Verschwinden der Mammuts drangen zum Ende der letzten Eiszeit Gruppen von modernen Menschen (Homo sapiens) von Süden her in diese Regionen vor.

Entdeckung erhaltener Mammuts

Das männliche Wollhaarmammutkalb „Dima“ am Fundort in der einstigen Mammutsteppe von Beringia

Hauptartikel: Wollhaarmammut#Funde im Eis konservierter Wollhaarmammuts

Im asiatischen Teil Russlands werden immer wieder nahezu vollständig im Eis eingeschlossene gut erhaltene Mammutkörper gefunden. Entdeckt werden diese meist durch den kilometerweit wahrnehmbaren, beißenden Moschus- und Verwesungsgeruch, sobald Teile des Tierkörpers durch den Auftauvorgang freigelegt wurden. Neben der raschen Verwesung sorgen auch Aasfresser dafür, dass solche bis dahin über Jahrtausende ununterbrochen gefrorenen Kadaver oft schon binnen Wochen vollständig zerstört werden.

Fundorte und Museen

Fundorte von Mammuts und Wollnashörnern bis 1912 (aus Digby:The Mammoth, 1923)

Zu wichtigen Fundorten, die viel zur Analyse der Lebensweise der Mammuts beigetragen haben, gehören die Teergruben von Rancho La Brea und die Bechan Cave, eine Höhle, die vor 15.000 Jahren über eine Dauer von 1.500 Jahren von Präriemammuts genutzt wurde.

Überreste in großen Mengen wurden zudem auf den Neusibirischen Inseln gefunden, die einen Gutteil ihrer Entdeckungsgeschichte russischen Händlern verdanken, die Überreste von Mammuts, insbesondere deren elfenbeinerne Stoßzähne, suchten.

Sieben vollständige Mammutskelette sind im Mammutheum Siegsdorf, ein großes im Naturkundemuseum Siegsdorf im Chiemgau und ein Teilskelett im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Eichstätt zu besichtigen. Weitere, mehr oder weniger vollständige Mammutskelette befinden sich beispielsweise in Stuttgart, Ahlen, Bottrop, Darmstadt, Halle an der Saale, Sangerhausen und Münster.

Im Juni 2009 wurde in einer Kohlegrube im serbischen Kostolac in unmittelbarer Nähe des römischen Archäologieparks Viminacium das nahezu unversehrte Skelett eines Südelefanten (Mammuthus meridionalis) entdeckt. Falls sich die vorläufigen Altersschätzungen von 3 bis 5 Millionen Jahren als zutreffend erweisen, ist dies der älteste Beleg eines Mammuts in Europa.[8]

Etymologie

Die Bezeichnung Mammut ist seit dem 17. Jahrhundert in Europa verbreitet. Der Name wurde möglicherweise durch den niederländischen Sibirienreisenden Nicolaas Witsen (16411717) eingeführt. Das Wort, das im Russischen und in einigen älteren europäischen Quellen auch Mamont lautet, stammt aus einer sibirischen Sprache. Als ein mögliches Ausgangswort wurde die waldnenzische (waldjurakische) Bezeichnung „jěaŋ-ŋammurəttaə“ („Erdfresser“) identifiziert.[9]

Bilder

Siehe auch

Literatur

  • Garutt, Vadim Evgenievič: Das Mammut: Mammuthus primigenius (Blumenbach), Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2004. Nachdruck der 1. Auflage von 1964. ISBN 3-89432-171-7
  • Lister, Adrian und Bahn, Paul: Mammuts: die Riesen der Eiszeit, Thorbecke, Sigmaringen 1997. ISBN 3-7995-9050-1
  • Stone, Richard: Mammut – Rückkehr der Giganten?, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003. ISBN 3-440-09520-7
  • Ward, Peter D.: Ausgerottet oder ausgestorben? Warum die Mammuts die Eiszeit nicht überleben konnten, Birkhäuser, Basel 1998. ISBN 3-7643-5915-3
  • Ziegler, Reinhard: “Das Mammut (Mammuthus primigenius BLUMENBACH) von Siegsdorf bei Traunstein (Bayern) und seine Begleitfauna”, Münchner Geowissenschaftliche Abhandlungen Reihe A: Geologie und Paläontologie 26, 1994, S. 49-80. ISSN 0177-0950

Links

Wiktionary Wiktionary: Mammut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Commons Commons: Mammuts – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Miller, W. et al., Nature 456, 387–390 (2008)online
  2. Johnson, C.N., 2002. Determinants of loss of mammal species during the Late Quaternary ‘megafauna’ extinctions: life history and ecology, but not body size. Proceedings of the Royal Society of London B269, S. 2221–2227.
  3. A.J. Stuart, Mammalian extinctions in the late Pleistocene of Northern Eurasia and North America. Biological Reviews 66 (1991), S. 453–562
  4. R.D. Kahlke: Die Entstehungs-, Entwicklungs- und Verbreitungsgeschichte des Oberpleistozänen Mammuthus-Coelodonta-Faunencomplexes in Eurasien (Großsäuger). Abandlungen Senckenbergischen Natuforschenden Gesellschaft 546, 1994. S. 1–64.
  5. A.J. Stuart, Late Pleistocene megafaunal extinctions; a European perspective. In: R.D.E. MacPhee, Editor, Extinctions in Near Time: Causes, Contexts and Consequences, Kluwer Academic/Plenum Publishers, New York (1999).
  6. A.J. Stuart, The extinction of woolly mammoth (Mammuthus primigenius) and straight-tusked elephant (Palaeoloxodon antiquus) in Europe. Quaternary International 126–128 (2005). S. 171–177.
  7. Anthony J. Stuart, Leopold D. Sulerzhitsky, Lyobov A. Orlova, Yaroslav V. Kuzmin and Adrian M. Lister: The latest woolly mammoths (Mammuthus primigenius Blumenbach) in Europe and Asia: a review of the current evidence Quaternary Science Reviews Volume 21, Issues 14–15, August 2002, Pages 1559–1569online
  8. Thomas Roser: Mächtiges fossiles Mammut in Serbien entdeckt In: Die Welt Online, 5. Juli 2009
  9. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23., erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-016392-6







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