Lot (Einheit)


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Württembergisches Loth (1859)

Ein Lot(h) bezeichnete in der Metallurgie und da besonders in der Münztechnik bis ins 19. Jh. zum einen eine alte Maßeinheit für den relativen Feingehalt (Korn) zum Gesamtgewicht (Schrot). Ein Lot war damit ein Verhältnismaß eines Edelmetallanteils in einer Metallware.

Zum Beispiel wurde beim Silber das beliebige Gesamtgewicht bis etwa 1857 in 16 (Verhältnis-)Lot unterteilt, wonach eine "zwölflötige" Silberlegierung 12/16 = ¾ oder 75% des Gewichts Silber und 25% anderes Metall (meist Kupfer) enthielt. Das deutsche Verhältnismaß Lot wurde dann im Deutschen Reich endgültig durch das französische Verhältnismaß Promille (Tausendstel) abgelöst. Siehe analog auch Karat für Gold.

Gleichzeitig war das Lot (später Postlot oder Neulot genannt) auch eine Einheit der Masse. Es wurde ebenfalls endgültig im Deutschen Reich durch die Maßeinheit Gramm abgelöst.

Meist war das (Masse-)Lot 1/32 des alten Handelspfundes und später als 1/30 des Neu-Pfundes, dann umgerechnet 500/30 Gramm = 16,6667 Gramm schwer. 1 (altes) Lot der altdeutschen Länder lag in der Regel - bei einigen Ausnahmen - meist um etwa 14 bis 18 g Gramm. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es auch das metrische Neulot: in Österreich und Bayern zu 10 g (1888 gesetzlich aufgehoben), in Lübeck zu 50 g.

  • Im deutschen Zollverein des 19. Jahrhunderts war es als 1/30 des Zoll- oder Neupfundes zu 500 g nach 1857 definiert und damit umgerechnet = 16,6667 g
  • Preußen: 1 altes Lot = 4 Quentchen = 14,606 g (vor Mai 1856)
  • Bayern: 1 altes Lot = 4 Quentchen = 15,6 g
  • Hessen: 1 Neu-Lot = 10 Quentchen = 16,67 g
  • Österreich: 1 Lot = 4 Quentchen = 17,5 g.

Das Lot hatte in den verschiedenen deutschen Ländern unterschiedliche Massen, die zusätzlich auch noch zeitlich verschieden waren. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entsprach in Anhalt, Hessen, Homburg, Frankfurt a. M., Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Mecklenburg-Strelitz, Nassau, Preußen, Reuß, Sachsen, S-Altenburg, S-Coburg, S-Gotha, S-Weimar, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Waldeck und Württemberg das Lot 14,6 g, in Mecklenburg-Schwerin 15,1 g, in Lübeck 15,2 g, in Baden, Bremen und dem Großherzogtum Hessen 15,6 g, in Sachsen-Meiningen 15,9 g, in Kurhessen 16,7 g in Österreich 17,5 g, in Braunschweig, Hamburg, Hannover und Oldenburg 1 Neulot = 25 g.

Die Kölner Münz-Mark (Gewicht) war somit für Silber in 16 Lot und für Gold in 24 Karat als Verhältnis- und als Massemaß unterteilt.

Meistens galt für die alten, kleineren Masse-Einheiten vor etwa 1856:

1 (Handels-)Pfund = 2 (Münz-)Mark = 16 Unzen = 32 Lot = 128 Quentchen = 512 Pfenniggewichte (engl. pennyweight) = 1024 Hellergewichte oder auch 1 Lot = 18 Grän oder Gran je nach zu wägendem Gut.

Am obigen Beispiel ist leicht erkennbar, dass die Einführung des Gramms mit seinen dezimalen Multiplikationsfaktoren, wie z.B. Kilo oder milli, einen ganz erheblichen Fortschritt darstellte.

Das in Preußen am 27. Mai 1856 erlassene Gesetz „eines allgemeinen Landes-Gewichts“ lässt den Übergang zum französischen „Gramm“ erkennen – ohne das Gramm jedoch direkt schon zu nennen:

1 (Schiffs-)Last = 40 Centner (Zentner) (= 2000 kg = 2 Tonnen)

1 Centner = 100 Pfund (= 50 kg)

1 Pfund = 30 Loth (= 500 g)

1 Loth = 10 Quentchen (= 16,666 g, entspricht 1 Vereinstaler fein)

1 Quentchen = 10 Cent (= 1,6666 g)

1 Cent = 10 Korn (= 0,16666 g)

Zitat aus Gädicke:

„Dadurch läßt sich unser neues Gewicht leicht mit dem französischen vergleichen, das auch schon in den anderen Ländern, z.B. in den Niederlanden und in der Lombardei eingeführt war.“

In Wertevergleichstabellen von gleichnamigen alten und neuen Maßeinheiten wurde dann ab 1856 in Preußen das Lot von vor 1856 (und auch andere Maßeinheiten) zur Unterscheidung häufig mit dem Vorsatz "Alt-" und das neue, ab 27. Mai 1856 geltende Lot mit dem Vorsatz "Neu-" oder auch "Zoll-" versehen.

Lot(h) war auch noch um 1900 eine gebräuchliche volkstümliche Maßeinheit der Masse in vielen norddeutschen Koch- und Backrezepten.

Literarisch wird das Lot u. a. im Märchen vom tapferen Schneiderlein (»Das Mus scheint mir gut, wieg sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau, wenn’s auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an«) und im Schlussteil der Geschichte vom Suppenkaspar aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann verwendet (»Er wog vielleicht ein halbes Lot«).

Quellen

Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte …, Verlag Phillip Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-89836-198-5.

Walter Gellert u. a.: Kleine Enzyklopädie Natur, Verlag VEB Leipziger Druckhaus und Offizin Andersen Nexö, 1962

Johann Christian Gädicke: Berliner Ausrechner von kleinen zu großen Preisen …, Ernst'sche Buchhandlung Quedlinburg, Berlin 1858,

Siehe auch







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