Kismaayo (ital. Chisimaio; auch Kismayo, Kismaju, Chisimaayo etc. geschrieben) ist eine Hafenstadt im Süden Somalias mit etwa 40.000 Einwohnern[1]. Sie ist Hauptstadt der Region Jubbada Hoose (Unter-Jubba), liegt nahe der Mündung des Flusses Jubba und ist über eine Straße mit der Hauptstadt Mogadischu verbunden.
Vor Kismaayo liegen die Bajuni-Inseln.
Kismaayo war ursprünglich ein Fischerdorf[2] der Bajuni, die zur Swahili-Gesellschaft an der Küste Ostafrikas zählen. Der Ortsname soll von kisima yuu – Swahili für „hoher Brunnen“ – abgeleitet sein, was auch der Name eines nahegelegenen Brunnens ist[1]. Der Ort gewann an Bedeutung, als sich gegen Ende des 19. Jahrhundert Angehörige des Somali-Clans der Harti-Darod in der Umgebung niederließen[2]. Heute sind die Stadt und ihr Umland von diversen Somali-Clans und ethnischen Minderheiten bewohnt.
Im 16./17. Jahrhundert wurde das Gebiet von Portugiesen kontrolliert, im 18./19. Jahrhundert war es unter der Oberherrschaft des Sultanats Sansibar. 1875/76 wurde es kurzzeitig von Ägypten unter Ismail Pascha besetzt. Deutschland beanspruchte 1886/1890 Kismaayo als Teil von Witu (siehe Deutsch-Somaliküste). 1896 wurde die Region Jubaland einschließlich Kismaayo Teil der britischen Kolonie Kenia.[1] 1925 wurde das Gebiet an Italien übertragen, im darauffolgenden Jahr wurde es als Provinz Oltre Giuba mit Kismaayo als Hauptstadt in Italienisch-Somaliland eingegliedert.
Nach der Unabhängigkeit Somalias wurden Ende der 1960er Jahre die alten Hafenanlagen modernisiert. Sie dienten zum Export von Bananen, Häuten, Myrrhe und Zitrusfrüchten. Unter Siad Barre wurde ein großer Fleischverarbeitungsbetrieb errichtet, der Hunderte beschäftigte.[1]
Während des Bürgerkrieges in Somalia war Kismaayo zwischen verschiedenen Clans aus der Stadt und ihrer Umgebung umkämpft. Es wurde zur Hochburg der 1999 entstandenen Juba Valley Alliance unter der Führung des Marehan-Darod Barre Adan Shire Hiiraale.[3]
Zahlreiche somalische Bantu aus dem Jubba-Tal kamen als Binnenvertriebene in die Stadt[4].
Am 25. September 2006 nahm eine Fraktion der Union islamischer Gerichte die Stadt ein und verdrängte damit die Juba Valley Alliance[5].
Als Truppen des Nachbarlandes Äthiopien Ende 2006 in Somalia einmarschierten und die Union aus weiten Landesteilen verdrängten, zogen sich große Teile der Union nach Kismaayo zurück. Truppen Äthiopiens und der Übergangsregierung Somalias folgten ihnen und nahmen Kismaayo am 1. Januar 2007 ein.[6] Ab Juni 2007 kontrollierten wieder Clan-Milizen, die lose mit der Übergangsregierung verbunden waren, die Stadt[7][3].
Sie wurden im August 2008 wiederum von der radikal islamistischen al-Shabaab und der Hisbul Islam verdrängt[8]. Seither nutzen die Islamisten den Hafen der Stadt, um Waffen und weitere Ausrüstung auf dem Seeweg zu importieren[9]. Zudem stellen Abgaben, die sie im Hafen erheben, eine bedeutende Einnahmequelle dar[3]. Im Oktober 2008 führten sie die Steinigung eines 13-jährigen Mädchens durch. Gemäß Verwandten war das Mädchen vergewaltigt worden und hatte diese Tat bei den Sicherheitskräften der al-Shabaab anzeigen wollen, wurde daraufhin jedoch inhaftiert, des unehelichen Geschlechtsverkehrs beschuldigt und öffentlich hingerichtet.[10] Ende September 2009 gab es Kämpfe zwischen al-Shabaab und Hisbul Islam wegen Differenzen um die Teilung der Macht zwischen den beiden Gruppen[11]. Dabei spielten auch Clan-Konflikte eine Rolle.[3]
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