Kassenpatient
"Kassenpatient" oder "Kassler" [1] sind die umgangssprachliche Bezeichnungen für ein Mitglied einer der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). In Deutschland sind ca. 87 % der Bevölkerung Kassenpatienten.
Man grenzt "Kassenpatienten" von den Privatpatienten, richtiger eigentlich "Selbstzahlern", ab, die ihre Arzt-, Krankenhaus und sonstige Rechnungen über medizinische Leistung selbst (privat) bezahlen. In der Regel sind diese Privatpatienten Mitglied bei einer Privaten Krankenversicherung (PKV), die ihnen - je nach Gestaltung des Vertrages - die Kosten ganz oder teilweise ersetzt.
Kassenpatienten werden zuweilen signifikant schlechter als Privatpatienten behandelt, wie folgende Beispiele zeigen:
- Der Blutdruck sei nur bei einem Drittel aller Patienten (in Deutschland) gut eingestellt gewesen, bei den Privatpatienten signifikant besser als bei den Kassenpatienten.[2]
- Eine repräsentative Umfrage des WIdO (Wissenschaftliches Institut der Ortskrankenkassen) unter Versicherten hat Ende 2006 gezeigt: 25 Prozent der gesetzlich Versicherten mussten beim letzten Arztbesuch trotz akuter Beschwerden mindestens zwei Wochen auf einen Behandlungstermin warten, bei privat Versicherten waren dies nur 8 Prozent. [3]
- Eine experimentelle Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Köln und Hall (Österreich) zeigte 2007 ähnliche Befunde. Telefonanrufe bei Fachärzten, in denen um einen Termin für eine bestimmte Behandlung oder eine diagnostische Leistung gebeten wurde, ergaben für Versicherte in der GKV etwa dreimal so lange Wartezeiten wie für Privatpatienten.[4]
1996 gab es im Jahresdurchschnitt in Deutschland 50,824 Mio. gesetzlich Versicherte und 2007 50,589 Mio., die 149,69 Mrd. Euro an Beiträge (2007) zahlten, mithin 2.959 Euro pro Versicherten in 2007. 144,32 Mrd. Euro zahlte die GKV in 2007 aus, mithin 2.853 Euro pro Versicherten. 1996 gabe es am Jahresende 6,946 Mio. privat Vollversicherte und 2007 8,549 Mio., die 29,46 Mrd. Euro an Beiträgen zahlten, mithin 3.446 Euro pro Versicherten. 18,79 Mrd. Euro zahlte die PKV für diese Versicherten an Leistungen aus, mithin 2.198 Euro pro Versicherten. Das ist im Durchschnitt weniger als für einen gesetzlich Versicherten ausgezahlt wurde.[5]
Quellen
- ↑ Kranke als Gegner – Ärzte ziehen über Patienten her, ZDF Frontal 21, 12. Juni 2007
- ↑ Zitiert nach "Auch Kardiologe patzt beim Hypertonus", Medical Tribune, 26. Januar 2007, S. 11
- ↑ Wartezeiten beim Arzt GKV-Versicherte warten länger als Privatpatienten http://www.forum-gesundheitspolitik.de/artikel/artikel.pl?artikel=0295
- ↑ Neue Studie: Kassenpatienten warten dreimal so lange wie Privatpatienten auf einen Arzttermin für planbare Behandlungen http://www.forum-gesundheitspolitik.de/artikel/artikel.pl?artikel=1098
- ↑ Zitiert und berechnet nach: "Gegen Krankheit versichert", Deutsches Ärzteblatt, Heft 34-35, 25. August 2008, S. A 1798
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