| Dieser Artikel behandelt den Kanton Thurgau; zu weiteren Bedeutungen von Thurgau siehe Thurgau (Begriffsklärung). |
| Kanton Thurgau | |
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| Basisdaten | |
| Amtssprache: | Deutsch |
| Hauptort: | Frauenfeld |
| Fläche: | 991 km² |
| Einwohner: | 241'243 (2008) |
| Bevölkerungsdichte: | 243 Einw./km² |
| Beitritt zur Eidgenossenschaft: |
1803 |
| Abkürzung: | TG (ISO:CH-TG) |
| Website: | www.tg.ch |
| Karte | |
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| Lage des Kantons | |
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Der Kanton Thurgau ist ein deutschsprachiger Kanton im Nordosten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Hauptort ist Frauenfeld.
Deutsch: Thurgau; französisch: Thurgovie; italienisch: Turgovia; rätoromanisch: Turgovia; lateinisch: Thurgovia
Im Frühmittelalter war der Thurgau ein Verwaltungsgebiet, das weit über die Grenzen des heutigen Kantons Thurgau hinausreichte. Der Zürichgau wurde um 850 vom Thurgau abgetrennt, siehe historischer Thurgau.
Inhaltsverzeichnis |
Der Kanton grenzt im Norden an das deutsche Bundesland Baden-Württemberg und den Kanton Schaffhausen. Im Süden ist in der Nähe des Hörnli der Grenzpunkt mit den Kantonen St. Gallen und Zürich.
Die Hauptstadt und Sitz des Regierungsrates sowie des Obergerichts ist Frauenfeld. Sitz des Grossen Rates ist halbjährlich wechselnd Frauenfeld und Weinfelden. Der Kanton Thurgau bezieht seinen Namen vom Fluss Thur, der ihn von Südosten nach Nordwesten durchquert und weiter westlich im Zürcher Bezirk Andelfingen in den Rhein mündet.
Die im Thurgau gesprochenen deutschen Mundarten gehören dem Hochalemannischen und innerhalb dessen dem Nordostschweizerdeutschen an.[1]
Als ehemalige gemeine Herrschaft (gemeinsames Untertanengebiet mehrerer eidgenössischer Orte) ist der Thurgau konfessionell nicht einheitlich. Im grösseren Teil des heutigen Kantons dominiert die reformierte Konfession, doch gibt es mehrere Landstriche, wo die katholische Konfession überwiegt. Nach den Kappeler Religionskriegen im 16. Jahrhundert wurde auf der von den katholischen Ständen dominierten Tagsatzung im zweiten Landfrieden festgehalten, dass die neugeschaffenen religiösen Zustände geschützt sein sollen, dass aber auf Wunsch von drei Gläubigen in einer Kirchgemeinde die katholischen Gottesdienste wieder eingeführt werden müssen und die Pfrundgüter gemeinsam verwaltet werden sollen. Im weiteren wurde meist das Territorialitätsprinzip angewandt, die Grundherren (der Thurgau war in sehr viele lokale Herrschaften aufgeteilt) konnten massgeblich die Religion der Untertanen beeinflussen, sich aber nicht immer durchsetzen. Es bildeten sich auch viele paritätische Kirchgemeinden, in denen die Kirchen von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wurden, dabei ging es allerdings mehr oder weniger friedlich zu. Mit dem vierten Landfrieden von 1712 wurden die Reformierten etwas mehr begünstigt als bisher. Die gemeinsamen Pfrundgüter wurden oft nach der Proportion der Konfessionen aufgeteilt. Manche reformierten Kirchgemeinden so zum Beispiel Scherzingen und Erlen konnten im 18. Jahrhundert neue Kirchen errichten, was ihnen vor 1712 meist verwehrt war. Bis 1798 kam es oft vor, dass katholische Kollatoren in den reformierten Kirchgemeinden die sogenannten Prädikanten (Pfarrer) bestimmten. Mit der Aufhebung vieler geistlicher Stifte und des Bistums Konstanz fielen diese Kollaturrechte an den Kanton Thurgau, der sie nach 1830 an die einzelnen Kirchgemeinden vergab.
Die gegenwärtige Verfassung datiert von 1987. Sie bildet die Grundlage für die Erfüllung der Staatsaufgaben. Zur Palette dieser Aufgaben gehören die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die Förderung der sozialen Sicherheit (vor allem die Ausrichtung der Sozialhilfe), die Beaufsichtigung und Koordination des Gesundheitswesens, die Sicherstellung einer ausreichenden medizinischen Versorgung und einer genügenden Bildung im obligatorischen Schulbereich, die Bereitstellung eines leistungsfähigen und vielseitigen öffentlichen Schulangebots (Kindergärten, Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen), die Förderung des kulturellen Schaffens, der Umweltschutz, das Bauwesen und die Raumplanung sowie die Förderung des öffentlichen Verkehrs und die Versorgung der Bevölkerung mit Energie und Wasser.
Gesetzgebendes Organ ist der Grosse Rat, der 130 Mitglieder zählt und gemäss Verhältniswahlrecht vom Volk auf vier Jahre gewählt wird. Das Volk ist darüber hinaus direkt an der Gesetzgebung beteiligt, indem Verfassungsänderungen dem obligatorischen, Gesetzesänderungen dem fakultativen Referendum (von mindestens 3000 Stimmberechtigten innert dreier Monate verlangt) unterliegen. Zudem kennt das Volk das Recht der Verfassungs- und Gesetzesinitiative (von mindestens 4'000 Stimmberechtigten verlangt) und es kann (mit mindestens 20'000 Unterschriften) die Abberufung des Grossen Rats vor Ablauf der ordentlichen Amtszeit verlangen, worüber dann eine Volksabstimmung anzuordnen ist.
Nach den Wahlen von 2008 herrscht im Grossen Rat folgende Sitzverteilung:
| Partei | 2000 | 2004 | 2008 |
|---|---|---|---|
| Schweizerische Volkspartei (SVP) | 42 | 47 | 51 |
| Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) | 27 | 22 | 22 |
| Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) | 24 | 20 | 18 |
| Sozialdemokratische Partei (SP) | 22 | 23 | 17 |
| Grüne (GP) | 8 | 13 | 11 |
| Evangelische Volkspartei (EVP) | 5 | 4 | 6 |
| Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) | 1 | 1 | 3 |
| Grünliberale Partei (GLP) | — | — | 2 |
Ausführendes Organ ist der Regierungsrat, der aus fünf Mitgliedern besteht und vom Volk gemäss Mehrheitswahlrecht auf ebenfalls vier Jahre gewählt wird. Das Volk kann (wenn von mindestens 20'000 Stimmberechtigten verlangt) die vorzeitige Abberufung der Regierungsrates beantragen, über die dann eine Volksabstimmung angeordnet werden muss.
Nach den Wahlen von 2004 haben, wie bisher, Sitze:
Regierungspräsident (2008/2009) ist Bernhard Koch, Vizepräsident (2008/2009) ist Claudius Graf-Schelling. Die Staatskanzlei führt Staatsschreiber Dr. Rainer Gonzenbach (seit 1. Juni 2000). Am 24. Februar 2008 wurde zum zweiten Mal in der Thurgauer Geschichte eine Frau in die Regierung gewählt. Die 35-jährige Monika Knill (SVP) ersetzt den zurücktretenden Baudirektor Hans-Peter Ruprecht. Sie übernimmt das Departement Erziehung und Kultur. Jakob Stark steht neu dem Departement Bau und Umwelt vor.
Eberle Roland (SVP; bis Juni 2006), Stark Jakob (SVP; ab Juni 2006), Graf-Schelling Claudius (SP), Koch Bernhard (CVP), Schläpfer Kaspar (FDP), Ruprecht Hans Peter (SVP); Staatsschreiber: Gonzenbach Rainer
Eberle Roland (SVP), Graf-Schelling Claudius (SP), Koch Bernhard (CVP), Lei Hermann (FDP; bis Juni 2002), Schläpfer Kaspar (FDP; ab 2003), Ruprecht Hans Peter (SVP); Staatsschreiber: Gonzenbach Rainer
Eberle Roland (SVP), Lei Hermann (FDP), Ruprecht Hans Peter (SVP), Schawalder Vreni (SP), Stähelin Philipp (CVP); Staatsschreiber: Maurer Charles (FDP)
Bürgi Hermann (SVP), Eberle Roland (SVP; ab Juni 1994), Fischer Hanspeter (SVP; bis Mai 1994), Lei Hermann (FDP), Schmidli Ulrich (SP), Stähelin Philipp (CVP); Staatsschreiber: Maurer Charles (FDP)
Bürgi Hermann (SVP), Fischer Hanspeter (SVP), Haffter Arthur (FDP), Schmidli Ulrich (SP), Stähelin Philipp (CVP); Staatsschreiber: Maurer Charles (FDP)
Richterliche Behörden sind auf kantonaler Ebene das Obergericht, das Verwaltungsgericht, auf regionaler Ebene acht Bezirksgerichte, auf Kreisebene die zwanzig Friedensgerichte.
Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), die Freisinnig-demokratische Partei (FDP), die Schweizerische Volkspartei (SVP) und die Sozialdemokratische Partei (SP) sind in der Exekutive (Regierungsrat) vertreten. Im Parlament sind überdies die Grüne Partei (GP), die Evangelische Volkspartei (EVP), die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU), die Junge SVP (JSVP) und die Grünliberale Partei (GLP) repräsentiert.
Der Kanton Thurgau ist in acht Bezirke unterteilt, die Teil der kantonalen Exekutive sind. Zurzeit macht sich der Regierungsrat grundsätzliche Gedanken zur Erneuerung der heutigen Organisationsstruktur, welche auf die Kantonsgründung im Jahr 1803 zurückgeht.
Organe der örtlichen Selbstverwaltung sind die Politischen Gemeinden. Der frühere sogenannte Gemeindedualismus, der durch eine Nebeneinander von Orts- und Munizipalgemeinden charakterisiert war und aus napoleonischer Zeit stammte, wurde durch die neue Verfassung von 1987 abgeschafft. Weiterhin bestehen aber auch öffentlichrechtlich anerkannte Schul-, Bürger- sowie die evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirchgemeinden.
Siehe auch: Gemeinden des Kantons Thurgau
Das Rückgrat der Thurgauer Volkswirtschaft bildet eine Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen. Eine überragende Bedeutung hat im Thurgau das verarbeitende Gewerbe, darunter insbesondere die Metallindustrie und der Maschinenbau. Weitere bedeutende Branchen sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Elektronikindustrie sowie das Segment der Kunststoffwaren. Eigentliche Wachstumsbranchen sind der Fahrzeugbau sowie das Verlags- und (Tele)-Kommunikationswesen.
Ende September 2008 arbeiteten im Kanton Thurgau rund 115'100 Beschäftigte in 14'900 Arbeitsstätten. Die Beschäftigung verteilt sich wie folgt auf die drei Wirtschaftssektoren: Land- und Forstwirtschaft 6,5 Prozent; Industrie, Gewerbe und Bau 39,5 Prozent; Dienstleistungen 54 Prozent.
Der langfristige Trend der Beschäftigungsverlagerung vom agrarischen und vom industriellen in den Dienstleistungssektor hält nach wie vor an. Trotz der Abnahme von Arbeitsplätzen im primären Sektor um gut 2 Prozent in den Jahren 2005 bis 2008, liegt dessen Anteil an der Gesamtbeschäftigung im Thurgau mit 6,5 Prozent immer noch über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 3,3 Prozent. Ähnlich verhält es sich im industriell-gewerblichen Sektor, dessen Beschäftigungsanteil ebenfalls deutlich über dem gesamtschweizerischen Mittel von 28,5 Prozent liegt (Thurgau: 39,5 Prozent). Hingegen haben fast alle Dienstleistungsbranchen im Thurgau ein geringeres Gewicht als in der Gesamtschweiz und dies obwohl die Beschäftigung im Dienstleistungssektor zwischen 2005 und 2008 um rund 10 % gewachsen ist. Die Wachstumstreiber im dritten Sektor waren das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Detailhandel.
Im Jahr 2008 wurde rund ein Drittel (34 Prozent) aller Thurgauer Exporte in Deutschland abgesetzt. Mit Abstand folgen Italien (7,3 Prozent) sowie Frankreich und Niederlande (mit je 5,5 Prozent). Insgesamt gehen 78 Prozent des Ausfuhrvolumens in die Europäische Union. Ausserhalb der Europäischen Union waren die USA und asiatische Schwellenländer wichtige Handelsstaaten – obwohl es hier zum Teil massive Minderungen im Vergleich zum Vorjahr gab.
Der Thurgau ist dank seiner bevorzugten Lage am Bodensee vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugs- und Ferienziel. Im Jahr 2008 wurden über 403'000 Logiernächte registriert, wobei sechs von zehn Gästen aus der Schweiz stammten. Die ausländischen Gäste kamen überwiegend aus Deutschland in den Thurgau (rund 62 Prozent). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 2,0 Tage. Der Tourismus im Kanton Thurgau baut auf fünf Plattformen auf: «Velo-Ferienland», «Genussvolles Wandern», «Skater’s Paradise», «Meeting Thurgau» und «Schlaraffenland am Bodensee». Die sanfte Hügellandschaft und das 62 Kilometer lange Thurgauer Bodenseeufer eignen sich besonders zum Radfahren, Wandern und Inline-Skaten. Ein weiteres wichtiges Standbein bildet der Seminar- und Tagungstourismus. «Meeting Thurgau» ist eine Arbeitsgemeinschaft, in welcher 16 verschiedene Ausbildungs- und Begegnungszentren sowie Tagungs- und Seminarhotels im Kanton Thurgau zusammengeschlossen sind. Und unter dem Titel «Schlaraffenland am Bodensee» wird der Thurgau seit dem Jahr 2003 als Gourmetregion beworben. Beliebtes Ziel ist die Region vor allem für sogenannte «Blustfahrten», im Frühsommer zur Blütezeit der Obstbaumlandschaften.
Der Kanton Thurgau liegt mitten im europäischen High-Tech-Dreieck Stuttgart–München–Mailand. Die Nähe zur Schweizer Wirtschaftsmetropole Zürich und zum Flughafen Zürich (30 Minuten ab Frauenfeld) sichern die schnelle Verbindung zu internationalen Märkten. Ebenfalls in Reichweite sind die Flughäfen von Friedrichshafen (Deutschland) und St. Gallen-Altenrhein. Der Kanton ist durch zwei Autobahnen (A1 und A7) sowie zwei Schnellzugsachsen (Zürich–Konstanz/Romanshorn und Zürich–St. Gallen) mit den Zentren in der Schweiz und des nahen Auslands (Deutschland und Österreich) verbunden. Die Verbindungen zu den Nachbarregionen sowie die innerkantonalen Verbindungen werden einerseits durch ein gut ausgebautes Kantons- und Gemeindestrassennetz sowie durch eine Vielzahl von regionalen Bahn- und Buslinien gewährleistet. Der öffentliche Verkehr ist in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut worden. Im Jahr 2009 sind für alle öffentliche Verkehrsmittel (Bahn- und Buslinien, Ortsverkehr und Schifffahrtslinien) rund 12,5 Millionen Kilometer an Leistung geplant. Im Jahr 2008 beförderten sie über 32 Millionen Passagiere. Dies sind beinahe elf Millionen Personen mehr als im Jahr 2000.
Der Thurgau hat Kantonsschulen (Mittelschulen) an den Standorten Frauenfeld, Kreuzlingen und Romanshorn. Daneben existiert auch eine pädagogische Maturitätsschule in Kreuzlingen und thurgauer Schüler können dank eines Abkommens mit dem Nachbarkanton St. Gallen die Kantonsschule in Wil zu gleichen Bedingungen besuchen wie Schüler aus St. Gallen.
Die Pädagogische Hochschule Thurgau ist die einzige Einrichtung auf Tertiärstufe im Kanton Thurgau und dient der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Sie hat ihren Sitz in Kreuzlingen und besteht seit 2003. Rund 390 Studierende und 103 Dozierende sowie 7 wissenschaftliche Mitarbeitende (mit Voll- oder Teilzeitpensum) waren im Jahr 2008 an der PHTG tätig.
Siehe: Geschichte des Kantons Thurgau und Gerichtsherrenstand im Thurgau
Die zehn grössten Gemeinden (Stand: 31. Dezember 2008):
Weitere Gemeinden des Kantons siehe: Gemeinden des Kantons Thurgau
Die acht Bezirke mit gleichnamigem Hauptort heissen:
In der Schweiz heisst der Kanton Thurgau volkstümlich auch Mostindien. Der Bestandteil «Most-» ergibt sich aus der Eigenschaft als Apfelanbaugebiet, während die Verbindung mit Indien daher rührt, dass die Form des Kantons der von Indien ähnelt. Aber eigentlich bezieht sich dieser Name auf den Oberthurgau, wo seit dem Spätmittelalter im tiefgründigen Boden ausgedehnte Obstgärten (Äpfel und Birnen) angelegt waren und wo vornehmlich Most oder Saft produziert wurde.
Die Hymne des Kantons ist das Thurgauerlied O Thurgau du Heimat. Die Melodie stammt von Johannes Wepf, der Text von Johann Ulrich Bornhauser.
ThurGIS ist das offizielle Portal des Kantons Thurgau zur Darstellung von Geodaten der kantonalen Verwaltung über das Internet.
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