Jean Prouvé


Vitra petrol station
Prouvéchaises

Jean Prouvé (* 8. April 1901 in Paris; † 23. März 1984 in Nancy) war ein französischer Architekt und Designer.

Als ausgebildeter Kunstschmied schaffte er es richtungsweisende Architektur und Möbellösungen zu etablieren. Sein zentrales Bemühen war es, Produktionstechniken aus der Industrie auf die Architektur zu übertragen, ohne dabei die ästhetische Qualität des Ergebnisses aus den Augen zu verlieren. Er gilt als einer der herausragenden europäischen Konstrukteure.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren 1901 als zweites Kind des Malers Victor Prouvé (Mitbegründer der "Schule von Nancy") und der Pianistin Marie Duhamel begann er 1916 eine Lehre als Kunstschmied bei Emile Robert in Enghien bei Paris. Nach Abschluss der Lehre setzte er diese bei Adalbert Szabo in Paris bis 1921 fort. 1924 eröffnete Prouvé seine eigene Werkstatt in Nancy und heiratete Madleine Schott. 1927 folgte nach Bekanntschaft mit Le Corbusier, Pierre Chareau und Robert Mallet-Stevens der erste signifikante Auftrag für die Gestaltung des Eingangstores der Villa Reifenberg von Robert Mallet-Stevens. 1929 wurde Jean Prouvé sein erstes Patent für Türen aus Stahlblech erteilt. 1930 wurde Prouvé Gründungsmitglied der modernen Künstlervereinigung "Union des Artistes Moderne" - U.A.M., 1931 wurde seine Firma in eine Aktiengesellschaft (Les Ateliers Jean Prouvé S.A.) umgewandelt und gleichzeitig der Standort innerhalb von Nancy gewechselt. 1940-44 war Prouvé Mitglied der Résistance und dadurch 1944/45 für einige Monate Bürgermeister von Nancy. 1947 zieht er mit seiner Firma von Nancy nach Maxéville und beschäftigt 200 Mitarbeiter. 1949 beteiligt sich "Aluminium Francais" an den Werkstätten Maxéville, ein Jahr später wird Jean Prouvé zum "Ritter der Ehrenlegion" ernannt. 1952 wird ihm der Zugang zu seinen Werkstätten durch dem Mehrheitsaktionär "Aluminium Francais" untersagt, 1956 gründet er nach zwischenzeitlicher angestellter Tätigkeit für "Aluminium Francais" "Les constructions Jean Prouvé" gemeinsam mit Michel Bataille. 1971 ist er als "Nichtarchitekt" Vorsitzender der Jury für den Wettbewerb des "Centre Pompidou" in Paris, was für internationale Diskussionen sorgt. 1981 bekommt Jean Prouvé den niederländischen "Erasmus-Preis" verliehen, 1982 den "Großen Architekturpreis der Stadt Paris". 1984 stirbt Jean Prouvé in Nancy.

Als Konstrukteur widmete sich Jean Prouvé ständig der Verbesserung und Optimierung von Produktionsabläufen. Viele seiner architektonischen Werke sind demontierbar und für ein Massenproduktion entwickelt worden. Einen wesentlichen Teil seines Schaffens widmete Jean Prouvé dem Design von Möbeln. Dabei sollten seine Möbel nicht nur funktionell und ästhetisch ansprechend, sondern auch preisgünstig herzustellen sein. Bis heute berühmt und in einer Neuauflage auch wieder hergestellt ist z.B. sein "Fauteuil de Grand Repos". Mehrere berühmte Architekten und Designer berufen sich auf Jean Prouvé als Vorbild, der sie durch sein Werk inspiriert hat, unter ihnen Renzo Piano, Jean Nouvel und Norman Foster.

„In Jean Prouvé vereinigen sich Architekt und Ingenieur, richtiger noch, Architekt und Baumeister, denn alles, was er anfasst und gestaltet, bekommt sofort eine elegante und plastische Form, mit glänzend verwirklichten Lösungen in Bezug auf Haltbarkeit und industrielle Fertigung” — Le Corbusier

Architektur

Da Jean Prouvé kein Architekt war musste er meist in Zusammenarbeit oder als Konsulent arbeiten. Die Bezeichnung "Konstrukteur" ist für seinen Status die am Besten zutreffende. Seine Häuser und Fassadenelemente wurde oft unter Zeitnot und mit der Auflage der temporären Nutzung entwickelt. Dementsprechend wenige sind daher bis heute erhalten geblieben. Viele Entwürfe kamen trotz einer ursprünglich überlegten Serienproduktion über die Herstellung eines Prototypen nicht hinaus. Jean Prouvé hat sich allerdings trotz seines autodidakten Staus einen festen Platz in der Architekturgeschichte erobert.

Auswahl der wichtigsten architektonischen Werke

  • 1927: Eingangstor Villa Reifenberg, Paris (Arch.: Robert Mallet-Stevens)
  • 1935: Fliegerclub Roland Garros, Buc (Arch.: Marcel Lods)
  • 1935–39: Volkshaus, Clichy (Eugené Beaudonin und Marcel Lods)
  • 1948: Entwicklung des System Coque
  • 1948–51: Meridiansaal für die Pariser Observatorium (Arch.: André Rémondet)
  • 1950: Sheddächer für die Druckerei Mame, Tours
  • 1951: Fassade Messepalast, Lille (Arch.: Paul Herbé und Maurice Louis Gauthier)
  • 1953-54: Fassade am Wohnhaus Square Mozart, Paris (Arch.: Lionel Mirabeau)
  • 1954: Haus Prouvé, Nancy, Pavilion zur Hundertjahrfeier für Aluminium Francais, Paris
  • 1956: Trinkhalle, Evian
  • 1967: Fassade Tour Nobel, La Défense, Paris (Arch.: Jean de Mailly und Jaques Depussé)
  • 1968: Tankstellen für die Firma Total, Messehalle, Grenoble (Arch.: Claude Prouvé)
  • 1975: Glockenstuhl der Notre Dame du Haut
  • 1980/81: Radarturm, Insel Quessant (Arch.: J.-M. Jaquin)

Möbel

Als gelernter Kunstschmied war für Jean Prouvé Metall der bevorzugte Werkstoff. Über profunde Materialkenntnisse und geschickter Einsatz von Verbindungstechniken gelang ihm jedoch auch eine perfekte Kombination mit Holz. Er bevorzugte eine "Sichtbarmachung" der auftretenden Kräfte und setzte so die Materialien in einer ihm typischen, zum Teil überdimensionierten, Art und Weise ein. Als Handwerker entwarf er nur wenige Stücke am Reißbrett - seine Mitarbeiter mussten mit oftmals schemenhaften Skizzen Prototypen bauen und bis zur Serienreife dementsprechend oft korrigieren. Die enge Verbindung zwischen Entwurf, Prototypenbau und Herstellung der Serienprodukte wurde zu einem der Grundlagen seines Erfolges und mit der Übernahme seiner Firma durch "Aluminium Francaise" letztendlich unterbunden.

Auswahl der wichtigsten Möbelentwürfe

  • 1931: Möbel für die Cité Universitaire de Nancy (u.a. Armlehnstuhl "Cité")
  • 1934: Stuhl "Standard No 4"
  • 1936: Schultisch mit zwei Stühlen
  • 1948: Stuhl "Standard"
  • 1949: Tisch "Compas"
  • 1950: Tisch "Gueridon", Tisch "Granito", Lampe "Potence"
  • 1952: Tisch "Trapez"
  • 1953: Anrichte "Bahut"
  • 1954: Bestuhlung für die Cité Universitaire d`Anthony

Literatur

  • Nils Peters: Jean Prouvé 1901-1984. Die Dynamik der Schöpfung. Taschen Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-8228-4876-0

Quellen

  • vitra: Jean Prouvé | Charles & Ray Eames, Die großen Konstrukteure - Parallelen und Unterschiede, De. , Frz. , Engl. , 2002, ISBN 3-931936-37-6
  • Nils Peters: Jean Prouvé 1901-1984. Die Dynamik der Schöpfung. Taschen Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-8228-4876-0

Weblinks

Commons Commons: Jean Prouvé – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien






stock | retire | vm
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History