| Isländisch (Íslenska) | ||
|---|---|---|
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Gesprochen in |
Island | |
| Sprecher | 300.000 | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | ||
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
is |
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| ISO 639-2: | (B) ice | (T) isl |
| ISO 639-3: |
isl |
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Isländisch (isländisch íslenska) ist eine Sprache aus dem germanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Sie ist die Amtssprache in Island. Derzeit wird Isländisch von circa 300.000 Menschen gesprochen.
Der Sprachcode ist is bzw. ice oder isl (nach ISO 639).
Inhaltsverzeichnis |
Bemerkenswert ist, dass sich das Isländische (zusammen mit dem Färöischen) in den letzten tausend Jahren im Bereich der Formenlehre (Morphologie) kaum verändert hat und somit dem Altnordischen noch am ehesten ähnelt. Grammatische Eigenheiten, die sich in anderen Sprachen im Laufe ihrer Entwicklung abgeschliffen haben, blieben im Isländischen weitestgehend erhalten. Entscheidender Grund für diese auffällige Sprachkonstanz dürfte jedoch kaum die vielzitierte Funktion Islands als „germanischer Eisschrank“ sein. Vielmehr war es im Laufe der Abhängigkeit von Dänemark auch zu einer erheblichen Danisierung der isländischen Sprache gekommen, wie man sie auch auf den Färöern beobachten konnte. Im Rahmen zunehmender Loslösungbestrebungen kamen auch sprachpflegerische Ideen auf. Um die eigene Sprache von Einflüssen der dänischen Herrscher zu reinigen, wurde das Isländische anhand alter Schriftquellen rekonstruiert.
Schon vor der Niederschrift der Edda und anderer dichterischer Werke (vermutlich ab dem 12. Jh.) gab es in Island und anderen Teilen der nordischen Welt eine besondere Dichtersprache, in der nach bestimmten Regeln oft hochformalisierte Gedichte verfasst wurden. Die Dichter, die diese Gedichte in altwestnordischer (altisländischer) Sprache verfassten und vortrugen, nannte man „Skalden”. Die Skalden benutzten poetische Umschreibungen (sogenannte Kenninge und Heiti), die auf Figuren und deren Taten aus (nord)germanischen Heldensagen und der (nord)germanischen Mythologie anspielten.
Konsequenterweise achtet man auch heute noch in Island darauf, die Übernahme von Fremdwörtern so gering wie möglich zu halten. Neue Begriffe erschafft man in der Regel aus dem vorhandenen Wortschatz. So entstand das Wort für „Computer”, tölva, aus den Worten tala, „Zahl”, und völva, „Wahrsagerin, Seherin”. Der Begriff für „Aids”, alnæmi, wurde aus al-, „all-”, und næmi, „Empfindlichkeit”, gebildet. Dennoch gibt es eine beträchtliche Anzahl älterer Lehnwörter wie hótel („Hotel”) oder prestur („Priester”); ein Anschwellen von Anglizismen, ähnlich wie im Deutschen, ist seit den 1950er-Jahren auch auf Island zu bemerken. Seit 1964 besteht darum in Island ein eigenes Komitee, das für neumodische Begriffe rein isländische Entsprechungen findet.
Beispiele zur Vermeidung von Fremdwörtern im Isländischen (jedoch nicht ganz korrigiert):
| Deutsch | Isländisch | wortwörtliche Bedeutung |
|---|---|---|
| Aids | alnæmi | „Allempfindlichkeit“ (al = all-, næmi = Empfindlichkeit) |
| Barometer | loftvog | „Luftwaage“ (loft = Luft, vog = Waage) |
| Batterie | rafgeymir | „Strombehälter“ (raf = Strom, eigtl. Bernstein; geymir = Behälter) |
| Bibliothek | bókasafn | „Büchersammlung“ (bók = Buch, safn = sammeln, Sammlung) |
| Büro | skrifstofa | „Schreibstube“ |
| Chef | yfirmaður | „Übermann“ (yfir = über, maður = Mann, Mensch) |
| Cello | knéfiðla | „Kniefidel“ |
| Chemie | efnafræði | „Stoffwissenschaft“ (efna = Stoff, fræði = Lehre, Wissenschaft) |
| Elektrizität | rafmagn | „Bernsteinkraft“ (raf = Bernstein, magn = Kraft) |
| Foto | ljósmynd | „Lichtbild“ (ljós = Licht, mynd = Bild) |
| Fotoapparat | myndavél | „Bildmaschine“ (mynd = Bild, vél = Maschine, Motor) |
| Internet | alnetið | „das All-Netz“ (al = all-, net = Netz, -ið = das) |
| Konzert | tónleikar | „Tonspiele“ (tónn = Ton, leika = spielen) |
| Margarine | smjörlíki | „butterähnlich“ (smjör = Butter, líkja = nachahmen) |
| Museum | safn | „Sammlung“ (safn = sammeln, Sammlung) |
| Musik | tónlist | „Tonkunst“ (tónn = Ton, list = Kunst) |
| Organisation | skipulag | „Befehlslegung“ (skipun = Befehl oder in diesem Fall einfach Ordnung, leggja = legen) |
| Pass (Reise-) | vegabréf | „Wegbrief“ (vegur = Weg, bréf = Brief) |
| Politik | stjórnmál | „Leitungssache“ (stjórn = Leitung, Vorstand, mál = Sache) |
| Polizei | lögregla | „Gesetzeshütung“ |
| Problem | vandamál, vandi | „Sorgensache“ (vandi = Sorge, mál = Sache) |
| Programm | dagskrá | „Tagesliste“ (dagur = Tag, skrá = Liste) |
| Pupille | ljósop | „Lichtöffnung“ |
| Pyjama | náttföt | „Nachtkleidung“ |
| Radar | ratsjá | "Zurechtfindungssehen" (rata = sich zurechtfinden, sjá = sehen) |
| Radio | útvarpstæki | „Auswurfsgerät“ |
| Restaurant | veitingahús | „Bewirtungshaus“ (veita = schenken, gewähren, bewirten) |
| Sport | íþrótt | „in Kraft“ (þróttur = Kraft, Energie). Íþrótt ist keine Neubildung im eigentlichen Sinne, das Wort kommt in der ältesten Literatur vor. |
| Summe | upphæð | „Anwachsung“ (upp = auf, hæð = Höhe, Größe, Wuchs) |
| Taxi | leigubíll | „Mietauto“ |
| Telefon | sími | „Draht“ (ursprünglich síma, ein Neutrum, aber man hat sich geeinigt, dass sími [Maskulinum] eine größere Schlagkraft hätte, was sich schließlich auch herausstellte.) |
| Theater | leikhús | „Spielhaus“ (leika = spielen, hús = Haus) |
| Ticket | farseðill | „Fahrzettel“ |
| Vulkan | eldfjall | „Feuerberg“ |
| World Wide Web | veraldarvefurinn | „Weltverflechtung“ (veröld = Welt, vefa = weben, verflechten) |
| Zentrum | miðja | „Mitte“ |
Erstaunlich ist dennoch, über welch reichen Wortschatz das Isländische verfügt – beispielsweise muss, je nachdem auf welches Tier bezogen, das Wort „gefleckt” mit skjöldóttur (Kuh), flekkóttur (Schaf) oder skjóttur (Pferd) übersetzt werden. Das Isländische unterscheidet des Weiteren zwischen Seehundmännchen (brimill) und -weibchen (urta), männlichem Lamm (gimbill) und weiblichem Lamm (gimbur) usw.
Das isländische Alphabet (erste Tabelle) umfasst 32 Buchstaben, die größtenteils den lateinischen entsprechen. Alle Vokale und das "Y" gibt es in einer zweiten Form mit Akzent (gespannte Aussprache). Die Buchstaben C, W, Q und Z kommen in isländischen Wörtern nicht vor. Im Fall des Buchstaben Z ist dies Folge einer nur teils befolgten Rechtschreibreform im 20. Jahrhundert. Zusätzlich zu den lateinischen gibt es die Buchstaben Ð/ð (stimmhaft, wie „weiches” englisches th, wie z. B. in englisch „this” — aber mit heruntergebogener Zungenspitze, desgleichen der folgende), Þ/þ (dieser stammt aus dem Runen-Alphabet und wird stimmlos wie ein „hartes” englisches th ausgesprochen wie in „thing”), Æ/æ (wie deutsches ei) und Ö/ö (wie deutsches Ö). Zu beachten ist, dass die Buchstaben þ, æ und ö erst am Ende des Alphabets nach dem ý eingereiht sind. Die zweite Tabelle zeigt die Unicode-Nummern und die Tastenkombinationen unter Windows für die spezifisch isländischen Sonderzeichen.
| A / a | Á / á | B / b | D / d | Ð / ð | E / e | É / é | F / f |
| G / g | H / h | I / i | Í / í | J / j | K / k | L / l | M / m |
| N / n | O / o | Ó / ó | P / p | R / r | S / s | T / t | U / u |
| Ú / ú | V / v | X / x | Y / y | Ý / ý | Þ / þ | Æ / æ | Ö / ö |
| Name | Groß | Unicode | Windows | Klein | Unicode | Windows | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Eth | Ð | U+00D0 | ALT-209 od. ALT-0208 | ð | U+00F0 | ALT-208 od. ALT-0240 | |
| Thorn | Þ | U+00DE | ALT-232 od. ALT-0222 | þ | U+00FE | ALT-232 od. ALT-0254 | |
| A-E-Ligatur | Æ | U+00C6 | ALT-146 od. ALT-0198 | æ | U+00E6 | ALT-145 od. ALT-0230 |
Siehe auch: Isländische Aussprache
Bei den Plosiven hat das isländische Lautsystem eher einen Aspirations-Kontrast als einen Kontrast der Stimmhaftigkeit. Präaspirierte stimmlose Plosive sind ebenfalls anzutreffen. Die isländischen Frikative und Sonoranten zeigen regelmäßige Kontraste in der Stimmhaftigkeit. Das gilt auch für die Nasale, was in den Sprachen der Welt ein seltenes Phänomen ist. Darüber hinaus ist Länge kontrastiv für alle Phoneme mit Ausnahme der stimmlosen Sonoranten. Die Tabelle der Konsonantenphoneme und ihrer Allophone folgt der Darstellung bei Scholten (2000, S. 22).
| bilabial | labio- dental |
dental | alveolar | palatal | velar | glottal | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | pʰ p | tʰ t | cʰ c | kʰ k | ʔ | ||
| Nasal | m̥ m | n̥ n | ɲ̊ ɲ | ŋ̊ ŋ | |||
| Frikative | f v | θ ð | s | ç j | x ɣ | h | |
| Trills | r̥ r | ||||||
| Laterale | l̥ l | ɬ ɮ |
Die stimmhaften Frikative [v], [ð], [j] und [ɣ] erscheinen oft weiter geöffnet als Approximanten.
Der Status von [c] und [cʰ] als Phoneme oder als Allophone von /k/ and /kʰ/ ist Gegenstand der Diskussion. Auf der anderen Seite impliziert das Vorhandensein von Minimalpaaren wie gjóla [couːla] „leichter Wind” versus góla [kouːla] „Schrei“ und kjóla [cʰouːla] „Kleider” versus kóla [kʰouːla] „Cola”, dass die palatalen Plosive Phonemstatus besitzen. Nur die palatalen, nicht die velaren Plosive, können aber vor vorderen Vokalen erscheinen, und einige Linguisten (vgl. Rögnvaldsson 1993) plädieren daher für die zugrundeliegenden Formen [couːla] und [cʰouːla] für /kjoula/ und /kʰjoula/ sowie für einen phonologischen Prozess, der /k(ʰ)j/ in [c(ʰ)] überführt. Ob dieser Ansatz, der mit der Orthographie und Sprachgeschichte konformgeht, eine synchrone Realität darstellt, ist umstritten.
Die dentalen Frikative [θ] and [ð] sind Allophone eines Phonems. [θ] erscheint wortinitial, wie zum Beispiel in þak [θaːk] „Dach”, und vor stimmlosem Konsonanten, wie in maðkur [maθkʏr] „Wurm”. [ð] steht intervokalisch, wie beispielsweise in iða [ɪːða] „Strudel”, und final wie in bað [paːð] „Bad”, kann aber am Phrasenende auch zu [θ] entstimmt werden.
Von den stimmlosen Nasalen erscheint nur [n̥] in wortinitialer Position, wie zum Beispiel in hné [n̥jɛː] „Knie”. In letzter Zeit gibt es eine Tendenz, vor allem unter jungen Leuten, die Stimmlosigkeit hier aufzuheben (Beispiel hnífur [nivʏr] „Messer“ statt [n̥ivʏr]). Der palatale Nasal steht vor palatalem Plosiv, die velaren vor velaren Plosiven. [ŋ] steht auch vor [l] und [s], wegen des Ausfalls von [k] in den Konsonantenverbindungen [ŋkl] und [ŋks].
Die präaspirierten [hp ht hc hk] (zum Beispiel löpp [lœhp] „Fuß”) erscheinen nicht wortinitial. Die Geminaten [pp tt cc kk] sind in der Regel nicht länger als die einfachen Konsonanten [p t c k]; sie bewirken aber eine Verkürzung des vorangehenden Vokals. Sie können aber situativ lang gesprochen werden, so unter anderem beim Sprechen mit kleinen Kindern.
Das Isländische hat 13 Vokalphoneme, 8 Monophthonge und 5 Diphthonge. Alle Vokale, auch die Diphthonge, können sowohl lang als auch kurz auftreten. Die Vokallänge ist aber kontextabhängig und damit nicht distinktiv.
| vorne | zentral | hinten | |
|---|---|---|---|
| geschlossen | i | u | |
| fast geschlossen | ɪ ʏ | ||
| mittel | ɛ œ | ɔ | |
| offen | a |
Die Diphthonge sind [ai], [au], [ei], [øy], [ou].
Die Vokale unterscheiden sich oft von ihren deutschen Entsprechungen:
Vokallänge ist im Isländischen vorhersagbar (Orešnik and Pétursson 1977). Betonte Vokale oder Diphthonge sind generell länger als unbetonte. Nur betonte Vokale können aber auch phonologisch lang sein. Langvokale treten auf:
Vor anderen Konsonantenverbindungen sowie den präaspirierten Lauten [hp ht hk] und den Geminaten sind betonte Vokale kurz. Beispiele:
Wer die Aussprache der ersten drei Silben in dem deutschen Ausdruck „ihn in Ehren halten“ genau analysiert, wird bemerken, dass der zweite i-Laut nicht nur kürzer ist als der erste, sondern auch anders klingt – das kurze i wird weniger gespannt („laxer“) ausgesprochen und nimmt klanglich eine Mittelstellung zwischen dem langen i und dem e („Ehren“) ein. Im Deutschen sind alle langen i gespannt, alle kurzen i nicht; im Isländischen existieren hier alle vier Möglichkeiten. Die Schrift unterscheidet das gespannte i durch das Akzentzeichen.
Das Isländische verfügt über eine reichhaltige Vielfalt an Formen bei den flektierbaren Wortarten Pronomen, Substantiv, Verb, Adjektiv und Zahlwort, die eine ziemliche Schwierigkeit beim Erlernen der Sprache darstellen. Im folgenden sind Flexionsbeispiele für alle relevanten Wortklassen aufgeführt.
Im Isländischen werden Personalpronomina wie im Deutschen durch vier Fälle gebeugt; in der 3. Person werden drei Geschlechter (Genera) unterschieden. Eine Übersicht über die Flexion der Personalpronomina:
| Singular | 1. Person | 2. Person | 3. Person (m) | 3. Person (f) | 3. Person (n) |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | ég (ich) | þú (du) | hann (er) | hún (sie) | það (es) |
| akk: | mig (mich) | þig (dich) | hann (ihn) | hana (sie) | það (es) |
| dat: | mér (mir) | þér (dir) | honum (ihm) | henni (ihr) | því (ihm) |
| gen: | mín (meiner) | þín (deiner) | hans (seiner) | hennar (ihrer) | þess (seiner) |
Anders als im Deutschen findet eine Unterscheidung nach Geschlechtern auch im Plural der 3. Person statt. Dabei kommt die maskuline Form þeir nur bei rein männlichen Gruppen zur Anwendung, die feminine Form þær nur bei rein weiblichen Gruppen, während die Neutrumform þau für gemischte Personengruppen (und damit am häufigsten) benutzt wird.
| Plural | 1. Person | 2. Person | 3. Person (m) | 3. Person (f) | 3. Person (n) |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | við (wir) | þið (ihr) | þeir (sie) | þær | þau |
| akk: | okkur (uns) | ykkur (euch) | þá (sie) | þær | þau |
| dat: | okkur (uns) | ykkur (euch) | þeim (ihnen) | þeim | þeim |
| gen: | okkar (unser) | ykkar (euer) | þeirra (ihrer) | þeirra | þeirra |
Zur Anrede einer Person dient im Isländischen stets das Pronomen þú, es wird also – wie heute in skandinavischen Ländern üblich – grundsätzlich geduzt (und jeder mit dem Vornamen angesprochen). Nur den Präsidenten oder Bischof des Landes würde man bei festlichen Anlässen mit dem ansonsten veralteten Höflichkeitspronomen þér (gen.: yðar, dat. und akk.: yður) bezeichnen. Des Weiteren existiert in Gedichten oder auch in der Nationalhymne noch die Form vér „wir“ (gen.: vor, dat. und akk.: oss) statt við (bedeutete im Altnordischen noch „wir beide“).
Fragepronomina unterscheiden nach den drei Genera:
| maskulin (wer? m. sing.) | feminin (wer? f. sing.) | neutrum (wer? n. sing.) | neutrum (was?) | |
|---|---|---|---|---|
| nom: | hver | hver | hvert | hvað |
| gen: | hvers | hverrar | hvers | hvers |
| dat: | hverjum | hverri | hverju | hverju |
| akk: | hvern | hverja | hvert | hvað |
Das waren die Pronomina, aber wichtige Frageadverbien sind: hvar „wo”, hvenær „wann”, hve „wie”, hvernig „wie, auf welche Weise”, af hverju „warum”, hvert „wohin”, hvaðan „woher”.
Die Zahlwörter für 1 bis 4 werden im Isländischen flektiert und müssen mit dem jeweils betreffenden Substantiv in Genus und Kasus kongruieren; als Beispiel das Zahlwort für die „2”:
| maskulin | feminin | neutrum | |
|---|---|---|---|
| nom: | tveir | tvær | tvö |
| akk: | tvo | tvær | tvö |
| dat: | tveim(ur) | tveim(ur) | tveim(ur) |
| gen: | tveggja | tveggja | tveggja |
Beim Abzählen usw. verwenden Isländer üblicherweise die neutralen Formen der Numeralia.
Ein Überblick über die wichtigsten Kardinalzahlen:
| 3 | þrír (m) | 13 | þrettán |
| þrjár (f) | 14 | fjórtán | |
| þrjú (n) | 15 | fimmtán | |
| 4 | fjórir (m) | 16 | sextán |
| fjórar (f) | 17 | sautján | |
| fjögur (n) | 18 | átján | |
| 5 | fimm | 19 | nítján |
| 6 | sex | 20 | tuttugu |
| 7 | sjö | 30 | þrjátíu |
| 8 | átta | 40 | fjörutíu |
| 9 | níu | 50 | fimmtíu |
| 10 | tíu | 60 | sextíu etc. |
| 11 | ellefu | 100 | hundrað (n) |
| 12 | tólf | 1000 | þúsund (f oder n) |
Eine vertiefende Übersicht der Zahlen ist im isländischen Wiktionary einzusehen.
Isländische Substantive werden ebenso wie deutsche in drei Genera unterteilt, nämlich Maskulina, Feminina und Neutra. Diese drei Genera werden im Unterschied zum Deutschen auch im Plural unterschieden. Dabei wird jedes Wort seinem Genus entsprechend flektiert; außerdem gibt es innerhalb der Genera verschiedene Flexionsklassen.
Innerhalb des Paradigmas eines Substantivs gibt es jeweils vier Fälle (Kasus), die den vier deutschen Fällen Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ entsprechen; diese werden durch Anfügen einer Flexionsendung an den Wortstamm gebildet. Im Plural gibt es für Dativ (-um) (fast immer) und Genitiv (-a) (ausnahmslos) einheitliche Flexionsendungen, gleich welchem Genus sie angehören.
Als Beispiel für ein Maskulinum der starken Flexionsklasse M1 dient das Wort hestur „Pferd“:
| M1 | Singular | Plural | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | hestur | hestar | hesturinn | hestarnir | |
| akk: | hest | hesta | hestinn | hestana | |
| dat: | hesti | hestum | hestinum | hestunum | |
| gen: | hests | hesta | hestsins | hestanna |
In der linken Hälfte der Tabelle wird das Wort ohne Artikel flektiert, in der rechten dagegen mit bestimmtem Artikel, der dem deutschen „das Pferd, des Pferdes etc.” entspricht. Einen unbestimmten Artikel gibt es im Isländischen nicht.
Ähnlich flektiert gestur „Gast” aus M2, der sogenannten i-Klasse:
| M2 | Singular | Plural | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | gestur | gestir | gesturinn | gestirnir | |
| akk: | gest | gesti | gestinn | gestina | |
| dat: | gesti | gestum | gestinum | gestunum | |
| gen: | gests | gesta | gestsins | gestanna |
Ein Beispiel für die Deklination starker Feminina ist borg „Stadt”:
| F1 | Singular | Plural | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | borg | borgir | borgin | borgirnar | |
| akk: | borg | borgir | borgina | borgirnar | |
| dat: | borg | borgum | borginni | borgunum | |
| gen: | borgar | borga | borgarinnar | borganna |
Um sich durch diesen Wust von Formen beim Erlernen durchzukämpfen, merke man sich folgende Faustregeln, die auf die meisten Deklinationen zutreffen:
Ein weiteres Beispiel aus der Klasse der starken Neutra ist borð „Tisch”:
| N1 | Singular | Plural | Singular | Plural | |
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | borð | borð | borðið | borðin | |
| akk: | borð | borð | borðið | borðin | |
| dat: | borði | borðum | borðinu | borðunum | |
| gen: | borðs | borða | borðsins | borðanna |
Es zeigen sich Übereinstimmungen bei der Flexion von starken Maskulina und Neutra:
Bei der Nominalflexion tritt im Isländischen der u-Umlaut auf. Dieser betrifft Substantive mit Stammvokal -a- unabhängig von ihrem Geschlecht; der Stammvokal wird dabei zu -ö- umgelautet, wenn ihm in der unbetonten Silbe (also in der Kasusendung) ein -u- nachfolgt; da dieses -u- jedoch im Laufe der isländischen Sprachgeschichte bereits geschwunden sein kann, merke man sich folgende Regel:
Der Umlaut a > ö tritt ein
Beispiele für ein starkes Femininum der zuvor bereits gezeigten Klasse F1, vör „Lippe”, sowie ein starkes Neutrum der Klasse N1, land „Land” sehen folgendermaßen aus (Umlaute sind fett hervorgehoben):
| Singular | Plural | Singular | Plural | ||
|---|---|---|---|---|---|
| nom: | vör | varir | land | lönd | |
| akk: | vör | varir | land | lönd | |
| dat: | vör | vörum | landi | löndum | |
| gen: | varar | vara | lands | landa |
Da u-Umlaut bei Feminina im Nominativ Singular auftritt und diese Form auch im Wörterbuch das Lemma bildet, ist dies bei der Flexion besonders zu beachten.
Wie im Deutschen teilt sich das System der isländischen Verben in eine Gruppe starker Verben und eine Gruppe schwacher Verben. Es existieren dennoch einige Verben, die zwischen beiden Gruppen schwanken. Innerhalb der schwachen Verben gibt es vier Gruppen, von denen die größte W4 ist, die sog. a-Klasse, ist. Als Beispiel sei das Paradigma von hjálpa „helfen“ aufgeführt: dabei ist dessen Themavokal -a-, die Endungen dahinter erscheinen kursiv:
| W4 | Präs. Sg. | Präs. Pl. | Prät. Sg. | Prät. Pl. | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1) | ég hjálpa | við hjálpum | ég hjálpaði | við hjálpuðum | |
| 2) | þú hjálpar | þið hjálpið | þú hjálpaðir | þið hjálpuðuð | |
| 3) | hann hjálpar | þeir hjálpa | hann hjálpaði | þeir hjálpuðu |
Hjálpa (Altisländisch hjalpa) war übrigens ursprünglich ein starkes Verb wie im Deutschen. Ein Rest davon befindet sich in dem Adjektiv (ursprünglich das Präteritum Perfekt) hólpinn, gerettet, geborgen.
In der linken Hälfte der Spalte finden sich die Indikativformen des Präsens, in der rechten die des Präteritums, welches bei Verben der Klasse W4 mit dem Suffix -að- (Singular) bzw. -uð- (Plural) gebildet wird.
Weiters ein Beispielverb der i-Klasse mit Themavokal -i- im Präsens Singular: reyna „versuchen“. Das Präteritalsuffix zeigt hier die Form -d-:
| W3 | Präs. Sg. | Präs. Pl. | Prät. Sg. | Prät. Pl. | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1) | ég reyni | við reynum | ég reyndi | við reyndum | |
| 2) | þú reynir | þið reynið | þú reyndir | þið reynduð | |
| 3) | hann reynir | þeir reyna | hann reyndi | þeir reyndu |
Zur sog. Nullklasse der schwachen Verben gehört telja „zählen“, welches im Präteritum Rückumlaut e > a/ö zeigt. Diese Verben haben keinen Themavokal, zeigen jedoch j-Suffix im Präsens Plural:
| W1 | Präs. Sg. | Präs. Pl. | Prät. Sg. (Rückumlaut) |
Prät. Pl. (Rückumlaut) |
|
|---|---|---|---|---|---|
| 1) | ég tel | við teljum | ég taldi | við töldum | |
| 2) | þú telur | þið teljið | þú taldir | þið tölduð | |
| 3) | hann telur | þeir telja | hann taldi | þeir töldu |
Starke Verben flektieren wie die Klasse W1 im Präsens, zeigen jedoch, falls möglich Umlaut im Singular (a > e, o > e, ó > æ, ú > ý). Das Präteritum wird nicht mittels Dentalsuffix, sondern (wie im Deutschen) durch Ablautung des Stammvokals gebildet – als Beispiel taka „nehmen” aus der 6. Gruppe (Ablautreihe) der starken Verben:
| S6 | Präs. Sg. (Umlaut) |
Präs. Pl. | Prät. Sg. (Ablaut) |
Prät. Pl. (Ablaut) |
|
|---|---|---|---|---|---|
| 1) | ég tek | við tökum | ég tók | við tókum | |
| 2) | þú tekur | þið takið | þú tókst | þið tókuð | |
| 3) | hann tekur | þeir taka | hann tók | þeir tóku |
Noch nicht aufgeführt sind die Konjunktivformen der einzelnen Verbklassen.
Eine detailliertere Übersicht der schwachen und starken Verben ist im isländischen Wiktionary zu finden.
Im Isländischen existieren starke und schwache Adjektivdeklinationen, deren Wahl von der Determination des Substantives resp. der prädikativen Stellung des Adjektives abhängt. Kasus, Numerus und Genus des Adjektives sind mit denen des Substantives kongurent.
Die starke Deklination kann am Beispiel des Adjektives veik- „krank” in allen drei Genera demonstriert werden:
| Singular | maskulin | feminin | neutrum |
|---|---|---|---|
| nom: | veikur | veik | veikt |
| akk: | veikan | veika | veikt |
| dat: | veikum | veikri | veiku |
| gen: | veiks | veikrar | veiks |
Wie bei den Personalpronomina wird auch bei den Adjektiven im Plural zwischen den Genera unterschieden; es gibt allerdings Einheitsendungen im Genitiv und Dativ:
| Plural | maskulin | feminin | neutrum |
|---|---|---|---|
| nom: | veikir | veikar | veik |
| akk: | veika | veikar | veik |
| dat: | veikum | veikum | veikum |
| gen: | veikra | veikra | veikra |
Die schwache Deklination entspricht im Singular den schwachen Substantivdeklinationen und kann am Beispiel des Adjektives rík- „reich” gezeigt werden:
| Singular | maskulin | feminin | neutrum |
|---|---|---|---|
| nom: | ríki | ríka | ríka |
| akk: | ríka | ríku | ríka |
| dat: | ríka | ríku | ríka |
| gen: | ríka | ríku | ríka |
Die einheitliche Pluralendung aller Genera lautet in der schwachen Adjektivflexion u.
Vertiefend hierzu kann der Anhang zu Adjektiven im isländischen Wörterbuch genannt werden.
Die unmarkierte Wortstellung im Isländisch ist Subjekt – Prädikat – Objekt (SPO) wie im Deutschen, allerdings auch im Nebensatz (während im Deutschen dort das Prädikat am Satzende steht). Isländisch ist also eine klassische V2-Sprache; man vergleiche folgenden Beispielsatz zur Verdeutlichung der Unterschiede:
| Isländisch | Deutsch | |
|---|---|---|
| einfacher Satz: | Ég elska hana. | „Ich liebe sie.“ |
| Struktur: | S – P – O | S – P – O |
| Satzgefüge: | Hann veit að [ég elska hana]. | „Er weiß, dass [ich sie liebe].“ |
| Struktur: | S – P – [S – P – O] | S – P – [S – O – P] |
Der Quirky Case (lexikalischer Kasus) gilt vielfach als Besonderheit der isländischen Sprache: So können Sätze gebildet werden, in denen sowohl logisches Subjekt (Agens) als auch logisches Objekt (Patiens) im gleichen Kasus (hier: Akkusativ) stehen. Die isländische Bezeichnung ist ópersónuleg sögn, das heißt unpersönliches Verb. Der „Quirky Case“ ist übrigens keine isländische Besonderheit – das Deutsche weist ihn auch auf, wie im folgenden Beispiel: Mér er kalt: Mir ist kalt.
Die Bezeichnung Quirky Case stammt von Noam Chomsky, der kein Fallspezialist ist. Englisch ist recht arm in der Beziehung, und Chomsky hat in seiner Auffassung der Grammatik das ganze Fach auf die englische Syntax reduziert. (Was im Englischen nicht vorkommt, wird gerne als unterliegendes Phänomen, das weder bewiesen noch bestätigt werden kann, abgefertigt.)
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