Mit dem Heidelberger Manifest vom 17. Juni 1981 wollten deutsche Hochschulprofessoren vor der „Unterwanderung des deutschen Volkes“ und der „Überfremdung“ der deutschen Sprache, der Kultur und des „Volkstums“ warnen. Erstmals nach 1945 erhielten Rassismus und Fremdenfeindlichkeit öffentlich eine – wenn auch umstrittene – Legitimation durch Wissenschaftler.[1]
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Die Hauptinitiatoren des Heidelberger Manifestes waren Prof. Theodor Schmidt-Kaler von der Universität Bochum und Prof. Helmut Schröcke von der Universität München. Beide Professoren äußerten sich bereits im Vorfeld mit ihren Kernthesen, welche später im Manifest übernommen wurden. So schrieben Prof. Schröcke und Prof. Schmidt-Kaler 1980:
Die Originalfassung des Heidelberger Manifestes wurde am 17. Juni 1981 von Prof. Schröcke verfasst [4] und von insgesamt 15 Hochschulprofessoren unterzeichnet (für den Gesamttext siehe Weblink unten). Neben den Professoren Schmidt-Kaler und Schröcke waren die Unterzeichner:
Prof. Manfred Bambeck (Frankfurt), Prof. R. Fricke (Karlsruhe), Prof. Karl Georg Götz (Stuttgart), Prof. Werner Georg Haverbeck (Vlotho), Prof. Joachim Illies (Schlitz), Prof. Peter Manns (Mainz), Professor Theodor Oberländer, (Vertriebenenminister der Bundesrepublik Deutschland a. D.), Prof. Harold Rasch (Frankfurt), Prof. Franz Hieronymus Riedl aus Österreich, Professor Heinrich Schade (Düsseldorf), Prof. Kurt Schürmann (Mainz), Prof. Ferdinand Siebert (Mainz) sowie Prof. Georg Stadtmüller (München).
In der Originalfassung des Manifestes, die zunächst keiner breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, stand beispielsweise folgende Textpassage:
Ende 1981 wurde die Originalfassung des Heidelberger Manifestes in gleich drei rechtsextremen Zeitschriften publiziert, in der Deutschen Wochenzeitung, Nation & Europa sowie Deutschland in Geschichte und Gegenwart. [5]
Die Originalfassung des Heidelberger Manifestes wurde Ende 1981 in verschiedenen Universitätsstädten als Flugblatt verteilt. Hierdurch wurden Studenten in Bonn und München aufmerksam, welche die öffentlichen Medien informierten.
Im Januar 1982 gab es aufgrund der breiten Berichterstattung erste öffentliche Reaktionen. Für die bayerische FDP beispielsweise, war das Manifest ein „übles Pamphlet und nichts weiter als ein Aufguß der rassistischen Nazi-Ideologie“ [6]
Ebenfalls im Januar 1982 lud im Namen von Prof. Schmidt-Kaler ein „Schutzbund für das deutsche Volk“ (SDV) zu einem Gründungs- und Diskussionsseminar unter dem Titel „Wissenschaftliche und ethische Grundlagen des Heidelberger Manifestes vom 17. Juni 1981“ ein, welches am 23. Januar 1982 in Heidelberg stattfand. [7] Bereits im Text der Originalfassung des Manifestes waren „alle Verbände, Vereinigungen und Bürgerinitiativen, die sich der Erhaltung unseres Volkes, seiner Sprache, Kultur und Lebensweise widmen“ aufgefordert worden, „einen Dachverband zu gründen.“ Prof. Schmidt-Kaler gab während des Treffens bekannt, dass er für die Pressearbeit des SDVs zuständig sei. [8]
Nach zahlreichen kritischen Reaktionen in der Öffentlichkeit kam es am 31. Januar 1982 in Mainz zu einer Presseerklärung und der Vorstellung einer Neufassung des Heidelberger Manifestes durch Prof. Schmidt-Kaler. Eine „von der radikalen Linken gesteuerte Diffamierungskampagne“ und die „versuchte Einschleusung rechtsradikaler Kräfte“ hätten es notwendig gemacht, selbst an die Öffentlichkeit zu treten. „Durch Indiskretionen, für die die Unterzeichner nicht verantwortlich zu machen sind, geriet das Heidelberger Manifest an die Öffentlichkeit in einer vorläufigen Form, die nur zur Gewinnung weiterer Unterzeichner bestimmt war“, so Prof. Schmidt-Kaler.[9]
Prof. Schmidt-Kaler distanzierte sich auch von seinem Kollegen Prof. Schröcke, der Mitglied im SDV wurde: „Der in Gründung befindliche Verein 'Schutzbund für das deutsche Volk' ist weder politisch noch nach seiner Kompetenz in der Lage, die Aufgaben des in der vorläufigen Fassung des 'Heidelberger Manifestes' erwähnten Bundes wahrzunehmen. Wir sind nicht Mitglieder dieses Vereins. Der Verein ist nicht berechtigt, für uns oder in unserem Auftrag irgendwelche Mitteilungen zu machen oder Äußerungen zu verbreiten.“
In der überarbeiteten und abgeschwächten Version des Heidelberger Manifests vom 31. Januar 1982 fehlten als Unterzeichner die Professoren Götz, Oberländer, Riedl, Schade und Schröcke. Neu hinzu kam Prof. Werner Rutz (Bochum). Es findet sich beispielsweise folgende Textpassage:
Kritiker werfen den Verfassern vor, trotz der einschränkenden Bemerkungen und der Distanzierung von Rassismus und Rechtsextremismus werde auch in diesem Aufruf völkisch argumentiert und sich an das neurechte Konzept des Ethnopluralismus angelehnt. Dieses Konzept gibt vor, keine Werthierarchie unter den verschiedenen „Völkern“ zu postulieren, hält sie aber für schützenswert und durch „Vermischung“ bedroht. Auch dieses Dokument löste einen Skandal aus, da es rassistischen, ausländerfeindlichen und nationalistischen Inhalt enthalten würde.
Im Zuge einer breiten öffentlichen Berichterstattung wurden 1982 beide Versionen des Heidelberger Manifestes von verschiedenen Zeitungen als Zeitdokument im Wortlaut abgedruckt. [10] Als Reaktion und als Manifest zur Völkerverständigung haben andere 24 deutsche Professoren der Ruhr-Universität Bochum eine Gegendarstellung zum Heidelberger Manifest am 16. Februar 1982 unterzeichnet.
Der „Mainzer Kreis“ um Prof. Schmidt-Kaler wurde in den folgenden Jahren nicht mehr aktiv. Prof. Schröcke engagierte sich weiterhin im SDV. Der Schutzbund wird bis heute von verschiedenen Landesbehörden des Verfassungsschutzes als rechtsextrem eingestuft.[11] Im Februar 1984 verschickte der SDV im Namen von Prof. Schröcke ein Flugblatt mit dem Titel Grundgesetzlicher Grundwert - Deutsches Volk, wo der SDV „als Sachverwalter des 'Heidelberger Manifestes vom 17. Juni 1981'“ auftritt und seine Thesen zur Ausländerpolitik vorstellt. [12] Zusammen mit Prof. Heinrich Schade und Prof. Robert Hepp (Vechta) veröffentlichte Schröcke Ende 1984 eine Broschüre im rechtsextremen Grabert-Verlag, wo der SDV erneut seine „Forderungen zur Ausländerpolitik“ stellte. [13]
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