Einsteinium


Eigenschaften
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Einsteinium, Es, 99
Serie Actinoide
Gruppe, Periode, Block Ac, 7, f
Aussehen
CAS-Nummer 7429-92-7
Massenanteil an der Erdhülle 0 %
Atomar [1]
Atommasse 252 u
Atomradius (berechnet) () pm
Elektronenkonfiguration (Rn) 5f117s2
Elektronen pro Energieniveau
Physikalisch [1]
Aggregatzustand fest
Dichte (berechnet) 13,5 g/cm3
Schmelzpunkt 1133 K (860 °C)
Siedepunkt K ( °C)
Chemisch [1]
Oxidationszustände +2, +3
Oxide (Basizität)
Normalpotential (Es3+ + 3 e → Es)
Elektronegativität (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop NH t1/2 ZM ZE MeV ZP
248Es

{syn.}

27 min ε (≈ 100 %) 248Cf
α (≈ 0,25 %) 244Bk
SF (3 · 10−5 %) ? ?
249Es

{syn.}

102,2 min ε (≈ 100 %) 249Cf
α (≈ 0,57 %) 245Bk
250Es

{syn.}

8,6 h ε (> 97 %) 2,100 250Cf
α (?) 6,880 246Bk
251Es

{syn.}

33 h ε (?) 0,367 251Cf
α (0,5 %) 6,597 247Bk
252Es

{syn.}

471,7 d α (78 %) 6,760 248Bk
ε (22 %) 1,260 252Cf
253Es

{syn.}

20,47 d α (100 %) 6,739 249Bk
SF (8,7 · 10−6 %) ? ?
254Es

{syn.}

275,7 d α (≈ 100 %) 6,618 250Bk
ε (0,03 %) 254Cf
254mEs

{syn.}

39,3 h β (98 %) 250Bk
SF (< 3 %) ? ?
α (0,32 %) 250Bk
255Es

{syn.}

39,8 d β (92,0 %) 0,288 255Fm
α (8,0 %) 251Bk
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
R- und S-Sätze R: siehe oben
S: siehe oben
weitere Sicherheitshinweise
Radioaktivität
Radioaktives Element

Radioaktives Element
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Einsteinium ist ein ausschließlich künstlich erzeugtes chemisches Element mit dem Symbol Es und der Ordnungszahl 99 im Periodensystem der Elemente. Es gehört zur Gruppe der Actinoide (7. Periode, f-Block) und zählt auch zu den Transuranen. Einsteinium ist ein radioaktives Metall, welches in gerade noch wägbaren Mengen herstellbar ist. Es wurde 1952 entdeckt und Albert Einstein zu Ehren benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Albert Einstein, 1921
Im Feuerball von Ivy Mike entstand Einsteinium

Einsteinium wurde zusammen mit Fermium im Jahr 1952 von den amerikanischen Forschern Greg R. Choppin, Stanley G. Thompson, Albert Ghiorso und B. G. Harvey entdeckt. Es wurde nicht gezielt im Labor hergestellt, sondern nach dem Test der ersten amerikanischen Wasserstoffbombe, Ivy Mike, am 1. November 1952 auf dem Eniwetok-Atoll entdeckt. Einsteinium findet bzw. fand sich (wegen der kurzen Halbwertszeit) auch in den Korallenriffen des Atolls. Aus Gründen der militärischen Geheimhaltung wurden die Ergebnisse erst drei Jahre später (1955) publiziert.[3][4][5]

Die Bildung gelingt durch fortgesetzten Neutroneneinfang. Im Moment der Detonation ist die Neutronenflussdichte so hoch, dass der Atomkern zwischen den Neutroneneinfängen keine Zeit für den Betazerfall hat. Die Massenzahl steigt also stark an, ohne dass die Ordnungszahl steigt. Erst anschließend zerfallen die entstandenen instabilen Nuklide über viele β--Zerfälle zu stabilen oder instabilen Nukliden mit hoher Ordnungszahl:

\mathrm{^{239}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow [-5\ \beta^-]{+\ 14,\ 15,\ 16\ (n,\gamma)} \ ^{253,\ 254,\ 255}_{\ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ 99}Es}

Isotope von Einsteinium wurden kurz danach am University of California Radiation Laboratory hergestellt durch Reaktion von 238U mit 14N.[6] Durch Beschuss von Uran mit fünffach ionisierten Stickstoff- und sechsfach ionisierten Sauerstoffatomen wurden gleichfalls Einsteinium- und Fermiumisotope erzeugt.[7]

Geringe Mengen an Einsteinium und Fermium wurden aus Plutonium isoliert und abgetrennt, welches mit Neutronen bestrahlt wurde. Vier Einsteiniumisotope wurden gefunden: 253Es (α-Strahler mit HWZ 20,03 Tage, sowie mit einer Spontanspaltungs-Halbwertszeit von 7×105 Jahren); 254mEs (β-Strahler mit HWZ 38,5 Stunden), 254Es (α-Strahler mit HWZ ∼320 Tage) und 255Es (β-Strahler mit HWZ 24 Tage). Zwei Fermiumisotope wurden gefunden: 254Fm (α-Strahler mit HWZ 3,24 Stunden, sowie mit einer Spontanspaltungs-Halbwertszeit von 246 Tagen) und 255Fm (α-Strahler mit HWZ 21,5 Stunden).[8]

Im Jahr 1961 wurde genügend Einsteinium synthetisiert, um eine wägbare Menge des Isotops 253Es zu erhalten. Diese Probe wog etwa 0,01 mg und wurde zur Herstellung von Mendelevium eingesetzt. Weiteres Einsteinium wurde am Oak Ridge National Laboratory im High Flux Isotope Reactor in Tennessee durch Beschuss von 239Pu mit Neutronen hergestellt.[9] Ungefähr 3 Milligramm wurden in einer vierjährigen Dauerbestrahlung aus einem Kilogramm Plutonium und anschließender Trennung erhalten.

Das Isotop 248Es wurde beim Beschuss von 249Cf mit Deuterium identifiziert. Es zerfällt hauptsächlich durch Elektroneneinfang mit einer Halbwertszeit von 25 ± 5 Minuten aber auch durch die Aussendung von (6,87 ± 0,02)-MeV α-Teilchen. Das Verhältnis (ε / α) von ∼400 konnte durch die Menge des durch Elektroneneinfang entstandenen 248Cf identifiziert werden.[10]

\mathrm{^{249}_{\ 98}Cf\ +\ ^{2}_{1}D\ \longrightarrow\ ^{248}_{\ 99}Es\ +\ 3\ ^{1}_{0}n \quad (^{248}_{\ 99}Es\ \xrightarrow[27 \ min]{\epsilon} \ ^{248}_{\ 98}Cf)}

Die Isotope 249Es, 250Es, 251Es und 252Es wurden durch Beschuss von 249Bk mit α-Teilchen erzeugt.[11]

\mathrm{^{249}_{\ 97}Bk\ \xrightarrow [-\ 4-1\ n]{+\alpha} \ ^{249,\ 250,\ 251,\ 252}_{\ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ 99}Es}

Das Isotop 253Es wurde durch Bestrahlung von 100–200 μg 252Cf mit thermischen Neutronen erhalten (Flussdichte: 2–5×1014 Neutronen × cm−2 s−1, Zeitraum: 500–900 h). Zur Trennung wurde Ammonium-α-oxyisobutyrat verwendet. Der Trennungskoeffizient von Einsteinium und Californium liegt bei etwa 1,62, der Reinheitskoeffizient bei etwa 105.[12]

\mathrm{^{252}_{\ 98}Cf\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{253}_{\ 98}Cf\ \xrightarrow [17,81 \ d]{\beta^-} \ ^{253}_{\ 99}Es}

Isotope

Sämtliche bisher bekannten 17 Nuklide und 3 Kernisomere sind radioaktiv und instabil. Das Einsteinium 252Es ist mit einer Halbwertszeit von 471,7 Tagen das langlebigste Isotop, so dass es auf der Erde keine natürlichen Vorkommen mehr geben kann. Die bekannten Massenzahlen reichen von 241 bis 257.[13]

Liste der Einsteiniumisotope

Verbindungen

Die stabilste Oxidationsstufe für Einsteinium ist +3. Seltener ist es auch in der Oxidationsstufe +2 zu finden. In wässriger Lösung ist das Es3+-Ion blassrosa gefärbt.[14]

Folgende Verbindungen sind bekannt:[15]

Oxide

Einsteinium(III)-oxid (Es2O3) wurde durch Glühen des entsprechenden Nitrats in Submikrogramm-Mengen erhalten. Der Gitterparameter des kubisch-raumzentierten Kristalls beträgt 1076,6 ± 0,6 pm. Hiervon ausgehend wurde der Ionenradius von Es3+ auf 92,8 pm berechnet.[16]

Halogenide

Halogenide sind für die Oxidationsstufen +2 und +3 bekannt.[17][18] Die stabilste Stufe +3 ist für sämtliche Verbindungen von Fluor bis Iod bekannt und auch in wässriger Lösung stabil.

Oxidationszahl F Cl Br I
+3 Einsteinium(III)-fluorid
EsF3
 
Einsteinium(III)-chlorid
EsCl3
orange
Einsteinium(III)-bromid
EsBr3
weißgelb
Einsteinium(III)-iodid[19]
EsI3
bernsteinfarben
+2 Einsteinium(II)-chlorid
EsCl2
Einsteinium(II)-bromid
EsBr2
Einsteinium(II)-iodid
EsI2

Einzelnachweise

  1. Die Werte der atomaren und physikalischen Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus www.webelements.com (Einsteinium) entnommen.
  2. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. A. Ghiorso, S. G. Thompson, G. H. Higgins, G. T. Seaborg, M. H. Studier, P. R. Fields, S. M. Fried, H. Diamond, J. F. Mech, G. L. Pyle, J. R. Huizenga, A. Hirsch, W. M. Manning, C. I. Browne, H. L. Smith, R. W. Spence: „New Elements Einsteinium and Fermium, Atomic Numbers 99 and 100“, in: Physical Review 1955, 99 (3), 1048–1049; doi:10.1103/PhysRev.99.1048; Maschinoskript (9. Juni 1955), Lawrence Berkeley National Laboratory. Paper UCRL-3036.
  4. G. T. Seaborg, S. G. Thompson, B. G. Harvey, G. R. Choppin: „Chemical Properties of Elements 99 and 100“; Abstract; Maschinoskript (23. Juli 1954), Radiation Laboratory, University of California, Berkeley, UCRL-2591 (Rev.).
  5. P. R. Fields, M. H. Studier, H. Diamond, J. F. Mech, M. G. Inghram, G. L. Pyle, C. M. Stevens, S. Fried, W. M. Manning (Argonne National Laboratory, Lemont, Illinois); A. Ghiorso, S. G. Thompson, G. H. Higgins, G. T. Seaborg (University of California, Berkeley, California): „Transplutonium Elements in Thermonuclear Test Debris“, in: Physical Review 1956, 102 (1), 180–182; doi:10.1103/PhysRev.102.180.
  6. Albert Ghiorso, G. Bernard Rossi, Bernard G. Harvey, Stanley G. Thompson: „Reactions of U238 with Cyclotron-Produced Nitrogen Ions“, in: Physical Review 1954, 93 (1), 257–257; doi:10.1103/PhysRev.93.257.
  7. L. I. Guseva, K. V. Filippova, Yu. B. Gerlit, V. A. Druin, B. F. Myasoedov, N. I. Tarantin: „Experiments on the Production of Einsteinium and Fermium with a Cyclotron“, in: Journal of Nuclear Energy 1954, 3 (4), 341-346 (übersetzt im November 1956); doi:10.1016/0891-3919(56)90064-X.
  8. M. Jones, R. P. Schuman, J. P. Butler, G. Cowper, T. A. Eastwood, H. G. Jackson: „Isotopes of Einsteinium and Fermium Produced by Neutron Irradiation of Plutonium“, in: Physical Review 1956, 102 (1), 203–207; doi:10.1103/PhysRev.102.203.
  9. Darleane C. Hoffman, Albert Ghiorso, Glenn Theodore Seaborg: The Transuranium People: The Inside Story, Imperial College Press, 2000, ISBN 978-1-86094-087-3, S. 190–191; (Google Books).
  10. A. Chetham-Strode, L. W. Holm: „New Isotope Einsteinium-248“, in: Physical Review 1956, 104 (5), 1314–1314; doi:10.1103/PhysRev.104.1314.
  11. Bernard G. Harvey, Alfred Chetham-Strode, Albert Ghiorso, Gregory R. Choppin, Stanley G. Thompson: „New Isotopes of Einsteinium“, in: Physical Review 1956, 104 (5), 1315–1319; doi:10.1103/PhysRev.104.1315.
  12. S. A. Kulyukhin, L. N. Auerman, V. L. Novichenko, N. B. Mikheev, I. A. Rumer, A. N. Kamenskaya, L. A. Goncharov, A. I. Smirnov: „Production of Microgram Quantities of Einsteinium-253 by the Reactor Irradiation of Californium“, in: Inorganica Chimica Acta 1985, 110 (1), 25–26; doi:10.1016/S0020-1693(00)81347-X.
  13. G. Pfennig, H. Klewe-Nebenius, W. Seelmann-Eggebert (Hrsg.): Karlsruher Nuklidkarte, 7. Aufl., 2006.
  14. Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie, 102. Auflage, de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 1956.
  15. WebElements (Einsteinium, Verbindungen); aufgerufen am 28. Dezember 2008.
  16. R. G. Haire, R. D. Baybarz: „Identification and Analysis of Einsteinium Sesquioxide by Electron Diffraction“, in: Journal of Inorganic and Nuclear Chemistry 1973, 35 (2), 489–496; doi:10.1016/0022-1902(73)80561-5.
  17. J. P. Young, R. G. Haire, J. R. Peterson, D. D. Ensor, R. L. Fellow: „Chemical Consequences of Radioactive Decay. 2. Spectrophotometric Study of the Ingrowth of Berkelium-249 and Californium-249 into Halides of Einsteinium-253“, in: Inorg. Chem. 1981, 20 (11), 3979–3983; doi:10.1021/ic50225a076.
  18. Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie, 102. Auflage, de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 1969.
  19. Einsteiniumiodid EsI3, fotografiert im eigenen Licht.

Weblinks

Commons Commons: Einsteinium – Bilder, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Einsteinium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik






stock | retire | vm
Why are we here?
All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License
This page is cache of Wikipedia. History