| Filmdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Die Ehe der Maria Braun |
| Produktionsland: | Deutschland |
| Erscheinungsjahr: | 1979 |
| Länge: | 115 Minuten |
| Originalsprache: | Deutsch |
| Altersfreigabe: | FSK 12 |
| Stab | |
| Regie: | Rainer Werner Fassbinder |
| Drehbuch: | Peter Märthesheimer Pea Fröhlich |
| Produktion: | Albatros / WDR |
| Musik: | Peer Raben |
| Kamera: | Michael Ballhaus |
| Schnitt: | Rainer Werner Fassbinder (als Franz Walsch), Juliane Lorenz |
| Besetzung | |
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Die Ehe der Maria Braun ist ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Er hatte 1979 Premiere und war Fassbinders international erfolgreichstes Werk.
Inhaltsverzeichnis |
Die Handlung des Films setzt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs ein. Maria Braun (Hanna Schygulla) heiratet den Soldaten Hermann (Klaus Löwitsch), der nach der Hochzeit wieder zurück an die Front muss. Die Zeremonie findet statt, während die Stadt, in der sie sich aufhalten, von Flugzeugen bombardiert wird.
Nach Kriegsende trifft die Nachricht ein, Hermann sei im Krieg umgekommen, und Maria wendet sich nun dem farbigen amerikanischen Soldaten Bill (Greg Eagles) zu. Die Vertrautheit von Maria im Umgang mit Bill nimmt immer mehr zu. Es kommt jedoch zu einer Wende im Geschehen, als eines Tages Hermann im Türrahmen ihres Schlafzimmers erscheint. Er schaut dem Liebestreiben von Maria und dem Soldaten für einige Zeit zu und wird dann entdeckt. Es kommt zu einer Rangelei zwischen ihm und dem Amerikaner. Im Zusammenhang mit diesem Konflikt zerschlägt Maria auf dem Kopf des Soldaten eine Flasche und tötet ihn damit.
Maria wird von einem amerikanischen Gericht des Mordes angeklagt. In dieser Verhandlung bekennt sich jedoch Hermann schuldig. Gleich die nächste Szene zeigt ihn als einen, der zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.
Auf einer Zugfahrt gelingt es Maria, den französischen Industriellen Karl Oswald (Ivan Desny) auf sich aufmerksam zu machen. Schon recht bald erhält sie das Angebot, Oswalds persönliche Referentin zu werden. Auf ihrem neuen Posten zeigt sie sich ehrgeizig. Zusammen mit Karl Oswald und dessen Buchhalter (Hark Bohm) bildet sie das Führungstrio der Firma.
Maria legt es darauf an, ihren Chef zu verführen und erreicht ihr Ziel. Der Umgang von Maria und Oswald entwickelt sich zu einer Dauerbeziehung. Maria bleibt dabei aber mit ihrer Liebe bei ihrem Ehemann.
Sie pflegt in dieser Zeit die Gewohnheit, ihren Mann regelmäßig im Gefängnis zu besuchen. Bei einem dieser Besuche beichtet sie ihren Seitensprung. Später entschließt sich auch Karl Oswald zu einem Besuch bei Marias Mann. Es bleibt allerdings zunächst unklar, zu welchen Ergebnissen der Besuch führt.
Hermann wird aus dem Gefängnis entlassen. Maria, die gekommen war, um ihn abzuholen, erfährt, dass er die Haftanstalt bereits verlassen hat. Einem Brief von ihm entnimmt sie, dass er sich entschlossen hat, ins Ausland zu gehen um „wieder zu einem Menschen zu werden“. Als Zeichen seiner Verbundenheit wird er ihr jeden Monat eine Rose schicken.
Maria erhält tatsächlich jeden Monat eine Rose. Sie ist beruflich ausgesprochen erfolgreich, wird aber ihres Lebens nicht froh. Am deutlichsten zeigt sich das in einer Szene, in der sie sich Oswalds Sekretärin gegenüber überheblich und sarkastisch zeigt. Auch ihr Umfeld, etwa ihre Mutter, bestätigt ihr, dass sie bei all ihrem Erfolg keinen richtig lebendigen Eindruck macht.
Sie kauft sich ein Haus, das sie alleine bewohnt. Über viele Jahre hinweg bereitet sie sich auf ein zukünftiges gemeinsames Leben mit Hermann vor. Von ihrem Chef Oswald war früher schon zu erfahren, dass er todkrank war. Maria erfährt am Arbeitsplatz von seinem Tod.
Bald darauf ist Hermann wieder da. Maria fällt ihm wie ein Mensch, der schon lange am Ende seiner seelischen Kräfte ist, in die Arme. Sie bekommen Besuch von einer Notarin, die ihnen Oswalds Testament eröffnet. Darin ist vorgegeben, dass Oswalds Vermögen je zur Hälfte an Maria und an Hermann fällt. Sie werden jedoch nicht dazu kommen, ihr neues Vermögen auszukosten – Maria stirbt bei einem Unglücksfall.
Fassbinder hat die Geschichte der Maria Braun als eine Geschichte angelegt, die exemplarisch für die Situation im Nachkriegsdeutschland stehen soll. Er richtet einen skeptischen Blick auf die deutsche Gesellschaft der Fünfziger Jahre. Wie die meisten anderen verlegt sich auch Maria vor allem darauf, für wirtschaftlichen Erfolg und materiellen Wohlstand zu sorgen, was ihr auch gelingt. Die Rezepte, mit denen sich zu einem ausgeglichenen Gefühlsleben finden ließe, stellen sich dagegen nicht ein.
In den Kritiken zu dem Film wird hervorgehoben, dass es Fassbinder meisterlich verstanden hat, Zeitkolorit einzufangen. Er liefert Anschauungsmaterial zu den Themen, die für das Alltagsleben im Nachkriegsdeutschland prägend waren: Die Suche nach im Kriege verschollenen Angehörigen, der Schwarzmarkt-Handel, Begegnungen mit den Soldaten der Besatzungsmächte und der nachfolgende wirtschaftliche Wiederaufbau.
Besonders in ausländischen Rezensionen wird „Die Ehe der Maria Braun“ als ein Film gesehen, der viel Aufschluss über die Seelenlage der deutschen Bevölkerung direkt nach dem Zweiten Weltkrieg gibt.
Hanna Schygulla präsentiert eine Maria, die einerseits ehrgeizig ist, bei all ihrem Einsatz aber doch immer wieder wie über den Dingen des Alltags schwebend erscheint. Diese Maria scheint durchaus alle Anlagen für Sinnlichkeit und Lebensfreude zu haben, zeigt sich jedoch den ganzen Film hindurch im Gefühlsausdruck verhalten.
Über weite Strecken ist von ihren persönlichen Ausrichtungen nur zu erfahren, dass sie auf ein zukünftiges Zusammenleben mit Hermann setzt. Zunächst wartet sie darauf, dass Herrmann aus dem Krieg zurückkehrt, dann wartet sie darauf, dass er aus dem Gefängnis entlassen wird. Danach wartet sie darauf, dass er seinen Auslandsaufenthalt beendet.
Es ist typisch für die Art, in der Maria präsentiert wird, dass niemals zu erfahren ist, was es für ihr Innenleben bedeutet, dass sie zu einer Mörderin oder Totschlägerin geworden ist. Dass es ihr Mann ist, der für ihre Tat büßt, wird in dem Film niemals als Ausgangspunkt für besondere Verstrickungen dargestellt.
Es bleibt der Einschätzung des Zuschauers überlassen zu bestimmen, was Maria dazu bringt, gefühlsarm aufzutreten. Sind es Verstörungen, die die Kriegsjahre mit sich gebracht haben? Hat das soziale Umfeld, in dem sie sich bewegt, eine ungünstige Wirkung? Erlebt sie die Gesamtsituation nach 1945 als in hohem Maße fordernd, sodass sie darüber niemals zur Besinnung kommen kann?
Die Ehe der Maria Braun ist ein Film, der in der Ausgestaltung der Filmszenerie nach Realismus strebt, bei der Personencharakterisierung jedoch nicht. Der Zuschauer bekommt stilisierte Darstellungen geboten. Während in einem realistischen Film der Eindruck vorherrschen würde, dass sich jede Szene aus dem Vorhergehenden ergibt, bleibt bei Die Ehe der Maria Braun hinter den Szenen der Regisseur erkennbar, der vorgegeben hat, welche Haltungen die Personen in der jeweiligen Szene zeigen sollen. Speziell für die Figur der Maria gilt, dass sie in ihren Ausdrucksweisen und Verhaltensweisen häufig von dem abweicht, was der Zuschauer jeweils erwartet.
So gesehen ist Die Ehe der Maria Braun das Gegenteil von einem „Heile Welt“-Film. Eher handelt es sich um einen Film, von dem Beunruhigendes ausgeht. Der Film zeigt Menschen, die sich neue Orientierungen suchen mussten, und auch für den Zuschauer wird sich das Gefühl einstellen, dass das eine Welt ist, in der man sich nicht so leicht orientieren kann.
Zum Ende des Films bleibt für den Zuschauer die Frage offen, ob Maria Selbstmord begeht oder ob es sich bei der Gasexplosion in ihrem Haus um einen Unglücksfall handelt.
Die meisten Rezensenten gehen davon aus, dass die Testamentseröffnung Maria zu dem Schluss führen musste, dass es eine Kungelei zwischen Hermann und Oswald gegeben haben muss. Allem Anschein nach hatte Hermann sich bereit erklärt, seine Frau Oswald für seine letzten Lebensjahre zu überlassen, und hatte sich wegen dieser Absprache mit Oswald über Jahre hinweg im Hintergrund gehalten.
„Die Ehe der Maria Braun“ ist letztlich ein Film, zu dem ein Happy End nicht gepasst hätte. Fassbinder wollte eine kühle Welt zeigen, in der es vielen Leuten nicht gelingt, für ihre persönliche Problematik Lösungen zu finden. Es war nicht seine Absicht, zum Schluss eine wundersame Auflösung aller Verstrickungen vorzuführen.
Es gibt mehrere Szenen, in denen im Hintergrund Töne aus dem Radio zu hören sind. Teilweise ist das Radio so laut zu hören, dass die Gespräche der handelnden Personen überdeckt werden. Es handelt sich um diese Radioberichte:
In der zweiten Hälfte des Films gibt es häufig als Hintergrundgeräusche den Lärm von Presslufthämmern zu hören. Man kann das Hämmern als ein Zeichen für rege Bautätigkeit sehen. Die ratternden Geräusche können aber auch wie der Nachklang zu den Maschinengewehrfeuern des zweiten Weltkriegs wirken.
Sämtliche Geräuschuntermalungen sorgen für Verfremdungseffekte. Der Zuschauer wird davon abgehalten, sich zu sehr mit der Protagonistin zu identifizieren und sich an das Geschehen auf der Leinwand zu verlieren.
„Die Ehe der Maria Braun“ ist Bestandteil einer Trilogie, in der sich Fassbinder mit der frühen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschäftigte. Die anderen beiden Filme dieser Trilogie sind Lola (1981) und Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982).
2003 erstellte die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen Filmkanon für die Arbeit an Schulen und nahm diesen Film in ihre Liste mit auf.
„Ich bin eine Meisterin der Täuschung - ein Werkzeug des Kapitalismus bei Tag und bei Nacht eine Agentin der werktätigen Massen. Die Mata Hari des Wirtschaftswunders.“
„Der Fehler bei den Menschen ist der, Opa Berger, dass sie ihre Liebe immer nur an den Einzigen hängen müssen. Wenn wir keine Kartoffeln haben, essen wir eben Steckrüben. Haben wir keine Steckrüben, essen wir eben Mehlsuppe. Aber in der Liebe muss es immer der Einzige sein.“
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