Das Diakonische Werk ist ein Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirchen innerhalb der Evangelischen Kirche sowohl in Deutschland als auch in Österreich und zahlreicher Freikirchen. Das Diakonische Werk handelt nach dem Selbstverständnis der Diakonie, der sozialen Arbeit der Evangelischen Kirchen an Menschen aller Altersgruppen unabhängig von Geschlecht und Religionszugehörigkeit. Das Gegenstück zum Diakonischen Werk auf Seiten der römisch-katholischen Kirche ist die Caritas.
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In der Kirchengeschichte hat es immer eine Diakonie gegeben. Orden, die sich der Krankenpflege widmeten, treten in der mittelalterlichen Geschichte dabei am meisten hervor. Nachreformatorisch haben die von August Hermann Francke gegründeten Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) (1698), das von Johann Hinrich Wichern aufgebaute Rauhe Haus in Hamburg (1833), der 1836 von Theodor Fliedner in Kaiserswerth ins Leben gerufene Rheinisch-Westfälische Diakonissenverein (siehe auch: Diakonisse, Kaiserswerther Diakonie) und der Neukirchener Erziehungsverein, den Pfarrer Andreas Bräm mit Mitgliedern seines Presbyteriums 1845 in Neukirchen-Vluyn gründete, eine besondere Stellung.
Besonders in der evangelisch-reformierten Kirche kam es durch Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung des Diakonats im Neuen Testament bei Johannes Calvin zur Erneuerung des Amtes des Diakons oder Armenpflegers in der örtlichen Gemeinde. Im reformierten „gegliederten Amt“ stehen Pastoren, Gemeindeälteste (Presbyter), Lehrer und Diakone gleichberechtigt nebeneinander.
Einen wesentlichen Neuimpuls erhielt die Diakonie am 22. September 1848. Johann Hinrich Wichern, der fünfzehn Jahre zuvor das Rauhe Haus in Hamburg für verwahrloste Kinder gegründet hatte, rückte in einer zweistündigen Stegreifrede auf dem Kirchentag zu Wittenberg das diakonische Handeln in die Mitte kirchlichen Tuns. Seine Rede gipfelte in den Sätzen:
„Meine Freunde, es tut eines Not, dass die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit anerkenne: ‚Die Arbeit der Innern Mission ist mein!‘, dass sie ein großes Siegel auf die Summe dieser Arbeit setze: die Liebe gehört mir wie der Glaube. Die rettende Liebe muss ihr das große Werkzeug, womit sie die Tatsache des Glaubens erweiset, werden. Diese Liebe muss in der Kirche als die helle Gottesfackel flammen, die kund macht, dass Christus eine Gestalt in seinem Volk gewonnen hat. Wie der ganze Christus im lebendigen Gottesworte sich offenbart, so muss er auch in den Gottestaten sich predigen, und die höchste, reinste, kirchlichste dieser Taten ist die rettende Liebe.“
Wichern erkannte an, dass es an etlichen Stellen bereits diakonisches Engagement gab. Daher meinte er, an manchen Stellen bedürfe es nicht neuer Initiativen, sondern der Weiterentwicklung und Umorganisation von Bestehendem. Man solle aufhören, caritative Bestrebungen „als Dilettanten-Arbeiten und als bloß philanthropische Unternehmungen zu betrachten; sie müssen als heilige Aufgaben der evangelischen Kirche erfasst und als solche mit neuem Ernste in das Volksleben eingeführt werden. Auf den Kanzeln soll man sie fortan verkündigen hören.“ Wichern ging es um christliche Barmherzigkeit, sein Hauptziel war die Kräftigung der Selbsthilfe der sozial Bedrückten; das soziale Versagen der Kirche erkannte er rückhaltlos an; auch für die sozialistischen Bestrebungen hatte er Verständnis. Wicherns Rede zündet und führt 1849 zur Gründung des Centralausschußes für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche.
Der „Centralausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche“ war der Beginn kirchlich organisierter Diakonie, dem die Entstehung vieler rechtlich selbstständiger Heimen, Anstalten und Einrichtungen im Geiste der Diakonie folgte.
Nach 1945 wurde das „Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“ gegründet. Es erschloss Auslandshilfen und belebte ökumenische Kontakte, um die Hungersnot in Deutschland zu bekämpfen, Vertriebene und Flüchtlinge anzusiedeln und die Jugendberufsnot zu lindern.
Die Innere Mission und das Hilfswerk haben sich seit 1957 in landeskirchlichen Werken zusammengeschlossen. 1975 wurden sie im Diakonischen Werk der EKD vereint. Am 19. März 1991 traten die Diakonischen Werke der Kirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR dem Diakonischen Werk der EKD bei. Allerdings gibt es in der neusten Bewegung Bestrebungen, die Arbeit wieder zu regionalisieren und den andersartigen Aufgaben in den neuen Bundesländern damit Rechnung zu tragen.
Das Diakonische Werk hat seinen Sitz in der Stafflenbergstraße in Stuttgart. Es besitzt darüber hinaus eine Dienststelle in Berlin und eine in Brüssel.Das DW arbeitet mit den anderen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege zusammen, um die Sozialstaatlichkeit Deutschlands zu verwirklichen. Sie versuchen, jedem Bürger in Not Hilfe zu gewähren. Neben der unmittelbaren Hilfe setzt sich das DW auch politisch ein:
Dies geschieht gegenüber politischen Organen und Gremien wie Parlament und Regierung im In- und Ausland. Es wirkt durch Stellungnahmen an der Gesetzgebung des Bundes mit. Das DW fördert die Werke, Verbände und Einrichtungen, die im DW zusammengeschlossen sind, und „dient der Zusammenarbeit der Mitglieder. Es bietet ihnen Dienstleistungen an. Als Anwalt für Menschen in Not und sozialpolitischer Impulsgeber trägt es zur fachlichen Entwicklung der Arbeit bei“ (Selbstdarstellung).
Gegenwärtig sieht sich die Diakonie vor einer umwälzenden Herausforderung gestellt:
Es gibt in Deutschland auf regionaler Ebene 26 Diakonische Werke (DW). EKD, Landeskirchen und andere Freikirchen sowie viele Kirchenkreise und Dekanate und einige Kirchengemeinden haben lokale Diakonische Werke eingerichtet. Aktiv wird das Diakonische Werk jeweils als Landesverband der einzelnen Gliedkirchen, die auch im rechtlichen Sinn Inhaber der Werke sind. Es gibt folgende Landesverbände:
Sie engagieren sich in der Wohlfahrtspflege und bemühen sich um Hilfe für Menschen in Not. Die Arbeit wird in dem Leitsatz „Diakonie – damit Leben gelingt“ zusammengefasst.
2004 waren in den DW 435.000 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt und 400.000 Ehrenamtliche engagiert. In den Leitungsgremien sind Kirchenrepräsentanten führend. Die Rechtsform und Besitzverhältnisse (Anteile am Besitz) können bei den Werken unterschiedlich geregelt sein. Es gibt etwa 27.000 diakonische Einrichtungen und Dienste mit insgesamt mehr als einer Million Betreuungsplätzen in Deutschland.
Die Diakonische Konferenz ist das höchste Beschlussgremium. Sie setzt sich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der 81 Fachverbände, der 22 gliedkirchlichen Diakonischen Werke sowie aus Einzelpersonen aus Kirche und Diakonie zusammen. Die Diakonische Konferenz beschließt die allgemeinen Grundsätze für die Arbeit der Diakonie. Sie wählt den Diakonischen Rat und auf Vorschlag desselben den Präsidenten des Werkes.
Präsident des Diakonischen Werkes in Deutschland ist der Theologe Klaus-Dieter Kottnik. Er wurde 2006 von der Diakonischen Konferenz der Bundesversammlung des Wohlfahrtsverbandes für fünf Jahre gewählt. Kottniks Vorgänger Jürgen Gohde war zwölf Jahre lang Präsident und hatte dann das Amt nach einem Streit über die Arbeitsmarktreform Hartz IV niedergelegt.
Beispiele für Arbeitsfelder sind:
Die Diakonie Österreich mit Sitz in Wien ist der Dachverband aller diakonischen Anbieter und besteht aus mehr als 5750 MitarbeiterInnen, die in 34 Mitgliedsorganisationen gegliedert sind. Die Diakonie ist eine der fünf größten österreichischen Wohlfahrtsorganisationen und mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgestattet. Leiter der Diakonie Österreich ist seit 1994 Pfarrer Michael Chalupka[1]
Die Kernkompetenzen in Österreich sind:
Erst mit dem Toleranzpatent von 1781 unter Kaiser Joseph II. wurde die Ausübung der evangelischen Religion wieder in Österreich erlaubt. Aber erst im Protestantenpatent von Kaiser Franz Joseph I. aus dem Jahr 1861 erfolgte die gesetzliche Gleichstellung mit der katholischen Kirche. 1873 gründete Gräfin Elvine de La Tour auf ihrem Gut in Russiz bei Görz ein Liebeswerk für Mädchen. Im gleichen Jahr begann Pfarrer Ernst Schwarz in Waiern in Kärnten mit der so genannten Kinder-Rettungsarbeit. Als erster Verein wurde 1874 der Verein für Innere Mission in Gallneukirchen in Oberösterreich von Ludwig Schwarz gegründet, aus dem 1877 das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen hervor ging. Ernst Schwarz gründete später das evangelische Diakoniewerk Waiern. Nach Gräfin de La Tours Tod 1916 wurde ein Teil ihres Vermögens in das Diakoniewerk Evangelische Stiftung de La Tour eingebracht. Bereits 1885 hatte sie ihrem Gatten das Schlossgut Treffen für die Kinderarbeit erworben. Somit sind die beiden Brüder Schwarz und die Gräfin de La Tour die Begründer der Diakonie Österreich. [2]
1912 wurde der Zentralverein für Innere Mission gegründet, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und später in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und Diakonie in Österreich umbenannt wurde. Dieser Verein wurde vom Diakonischen Werk für Österreich abgelöst, auch als Diakonie Österreich bekannt.
Drei von den 34 Mitgliedsorganisationen sind ständige Mitglieder des Diakonischen Rates mit Sitz und Stimme, dies sind das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen, die Diakonie Kärnten und das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz, die drei größten diakonischen Anbieter Österreichs.
Das 1877 gegründete Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen ist die größte und älteste diakonische Einrichtung in Österreich. Das Mutterhaus Bethanien liegt in der oberösterreichischen Kleinstadt Gallneukirchen, rund 14 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Linz. In den zahlreichen Tätigkeitsfeldern sind über 2700 Menschen beschäftigt, die in fünf österreichischen Bundesländern an über 100 Standorten wirken. Das Diakoniewerk Gallneukirchen betreut auch Einrichtungen in Sibiu (Rumänien) und Mostar (Bosnien und Herzegowina).
Die Diakonie Kärnten ist die zweitgrößte diakonische Einrichtung in Österreich und Dachverband für die beiden Diakoniewerke in Kärnten, das Diakoniewerk Evangelische Stiftung de La Tour und das Evangelische Diakoniewerk Waiern. Diese Diakonie verfügt über mehrere Standorte in sieben Kärntner Gemeinden.[3]
Das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz kümmert sich seit rund 45 Jahren um das Wohl von Kindern und Jugendlichen in Ober- und Niederösterreich. Die Diakonie ist im Eigentum der Evangelisch-methodistischen Kirche. An Zehn Standorten der drei Regionalstellen sind rund 500 MitarbeiterInnen im Einsatz.[4]
Eine andere große diakonische Einrichtung ist das Evangelische Hilfswerk, das sich vor allem um Flüchtlingshilfe, Katastrophenhilfe und Kindergärten in Wien kümmert.[5] Weiters gibt es Anbieter im Burgenland, in der Steiermark bis hin zur Heilsarmee und der Johanniter-Unfallhilfe.
In Europa arbeiten mehrere Diakonische Werke verschiedener Länder in „Eurodiaconia“ zusammen. Sie vertreten damit gemeinsam die Interessen der Mitgliedsverbände gegenüber den europäischen Institutionen.
Weltweit sind die diakonischen Werke in einem Weltverband zusammengeschlossen. Die europäischen Verbände sind in der Regionalversammlung „Europ-Africa“ eingebunden.
Unter dem Dach des Diakonischen Werkes arbeiten folgende Organisationen.
Das Logo der Diakonie enthält das Kronenkreuz, welches von Prof. Richard Boeland von der Kunstschule Berlin im Jahre 1925 entworfen wurde. Es stellt ursprünglich die künstlerische Verbindung der Buchstaben I und M (Innere Mission) dar. Bekannt wurde es aber als Kronenkreuz, wobei das zu erkennende Kreuz für Not und Tod steht und die Krone für Hoffnung und Auferstehung. Das Signet wurde bei der Gründung des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland im Jahre 1957 als eigenes Symbol übernommen.
Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von Caritas und Diakonie beträgt insgesamt etwa 2 Prozent. Die beiden Kirchen finanzierten von den rund 37 Milliarden Euro Kosten der Einrichtungen in der Trägerschaft von Caritas und Diakonie im Jahr 2003 insgesamt etwa 830 Millionen Euro.[6] Somit werden jährlich etwa 0,2 Prozent des Gesamtvermögens der beiden deutschen Großkirchen (981 Milliarden Mark)[7] für soziale Zwecke eingesetzt.
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