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Dieser Artikel behandelt die Gedichtesammlung Des Knaben Wunderhorn. Für die Vertonung durch Gustav Mahler siehe Des Knaben Wunderhorn (Mahler) |
Unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn veröffentlichten Clemens Brentano und Achim von Arnim von 1805 bis 1808 eine Sammlung von Volksliedtexten in drei Bänden. Es enthält Liebes-, Soldaten-, Wander- und Kinderlieder vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert.
Das Titelkupfer des zweiten Bandes bildet das Oldenburger Wunderhorn ab.
Inhaltsverzeichnis |
Im Rahmen eines allgemeinen Streites zwischen den Heidelberger Romantikern und dem dort ebenfalls ansässigen Gelehrten Johann Heinrich Voß wurde die Möglichkeit einer „reinen“ Abbildung der volkstümlichen Dichtkunst lange diskutiert, besonders in einem Konflikt zwischen den Herausgebern:
Brentano kritisierte an Arnim, dass seine Wiederherstellung der gefundenen Werke zu „dichterisch“ seien und über bloße Wiederherstellungen weit hinausgingen. In die sich daraufhin ausweitende Debatte um Naturpoesie und Kunstpoesie griffen auch die Brüder Grimm ein, wobei Jacob Grimm für eine „naive“, „wahrhafte“ und „notwendige“ Poesie eintrat, wohingegen sein Bruder Wilhelm Grimm durchaus die Übersetzbarkeit und Editierbarkeit – beispielsweise von fremdsprachigen Mythen – bejahte.
Goethe, dem der erste Band der Reihe zugeeignet war, veröffentlichte - als Dank - ebenfalls eine Kritik und lobte sowohl den naiven Anspruch der Reihe als auch deren Eignung für Gelehrte. Er empfahl Des Knaben Wunderhorn für jede Küche „des einfachen Volkes“ und für jedes Klavier der „Gelehrten“.
Der Anspruch einer Sammlung alter deutscher Lieder aus dem Volk bleibt bis heute umstritten, der Vorwurf der Verfälschung und Selbstkreation – besonders gegen Arnim – scheint zwar bisweilen überzogen, die unterschiedlichen Kunstdefinitionen der Herausgeber und möglichen Ansprüche an das Werk sollten aber klar getrennt und differenziert werden.
Die maßgebliche Edition von Des Knaben Wunderhorn erschien 1975 bis 1978 in sechs Bänden im Rahmen der historisch-kritischen Frankfurter Brentano-Ausgabe (hg. von Heinz Rölleke); diese Wunderhorn-Edition basiert auf den jahrzehntelangen Forschungen und dem Nachlass des (Ost-)Berliner Volkskundlers Harry Schewe (1885–1963), der vor dem Zweiten Weltkrieg auch den (später lange verschollenen) Varnhagen-Nachlass ausgewertet hat.
Im ersten Band war auch das Lied Frau Nachtigal [1] enthalten, das wahrscheinlich die Basis für die berlinerische Redewendung „Nachtigall, ick hör' dir trapsen“ lieferte. Der Berliner drückt damit aus, dass er etwas bereits im Voraus bemerkt bzw. „den Braten gerochen“ hat.
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