Datenkompression oder Datenkomprimierung wird angewendet, damit weniger Speicherplatz gebraucht wird oder um die Übertragungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Die Datenorganisation wird hierfür geändert und muss bei der schließlichen Nutzung reorganisiert werden. Man spricht vom Kodieren und Dekodieren.
Die Datenmenge wird reduziert, indem eine günstigere Repräsentation bestimmt wird, mit der sich die gleichen Informationen in kürzerer Form darstellen lassen. Diesen Vorgang übernimmt ein Kodierer, und man bezeichnet den Vorgang als Kompression bzw. Kodierung. Die Umkehrung bezeichnet man als Dekompression oder Dekomprimierung. Man spricht von einer verlustfreien Kompression (oder verlustfreien Kodierung), wenn die kodierten Daten nach Anwendung der entsprechenden Dekodiervorschrift exakt denen des Originals entsprechen. Dies ist beispielsweise bei der Kompression ausführbarer Programmdateien notwendig. Verlustbehaftet wird die Kompression oder Kodierung genannt, wenn sich die Daten im allgemeinen nicht fehlerfrei rekonstruieren lassen. Solche Verfahren werden häufig zur Bildkompression oder Audiodatenkompression eingesetzt. Werden mehrere Dateien komprimiert, können diese vorher durch ein Packprogramm zusammengefasst werden. Enthalten die Dateien Gemeinsamkeiten, so wird dadurch die Kompression verbessert.
In der Nachrichtentechnik wird das Kodieren von Nachrichten aus einer Quelle durch einen Sender als Quellenkodierung bezeichnet.
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Die Datenkompression wird teils durch „günstigere Repräsentation“, das heißt Vermeiden von Redundanz und Erhöhen der Entropie, teils durch Weglassen von Information erreicht. Wenn die Daten mit einem Dekompressionsverfahren wieder originalgetreu hergestellt werden, arbeitet es verlustfrei. Man spricht dann von Redundanzreduktion. Andernfalls ist es verlustbehaftet. In diesem Fall spricht man von Irrelevanzreduktion. Beide Verfahren können kombiniert werden.
Bei der verlustfreien Kompression werden die originären Daten in komprimierte Daten überführt, die die ursprünglichen Informationen vollständig enthalten. Die Überführung muss nicht eindeutig sein, aber auf jeden Fall umkehrbar. Verschiedene Kompressionsprogramme und Heuristiken können unterschiedlich hohe Kompressionsraten eines Kompressionsformates erzeugen.
Die verlustbehaftete Kompression reduziert die Information. Es wird ein Modell zugrunde gelegt, das entscheidet, welcher Anteil der Information für den Empfänger entbehrlich ist. Da eine solche Abbildung nicht mehr eindeutig ist, kann die ursprüngliche Information mittels Dekompression nicht wiederhergestellt werden.
Ein Verfahren zur asymmetrischen Kompression benötigt zum Kodieren (Komprimieren) einen wesentlich höheren zeitlichen Aufwand als zum Dekodieren. Im Gegensatz dazu benötigt ein symmetrisches Verfahren ungefähr gleichviel Zeit für Kompression und Dekompression.
Die theoretische Grundlage bildet die von Informationswissenschaftlern (Claude Shannon; Andrei Kolmogorow) erarbeitete Theorie der Information und Kommunikation (Informationstheorie). Diese beschreibt den Zusammenhang zwischen Informationsgehalt einer Zeichenkette auf der Basis von Zeichen durch den Begriff der Entropie der Zeichenkette, die im Allgemeinen auf eine bestimmte, minimale Länge gebracht werden kann.
Durch geeignete Kompressionsverfahren erreicht man gute Annäherungen an die Kanalkapazität.
In neuerer Zeit gibt es umgekehrt auch Ansätze, den Informationsgehalt auf die „Nichtmehrverkürzbarkeit“ zurückzuführen (Chaitin).
Texte, sofern sie aus Buchstaben bestehen bzw. als Zeichenketten abgespeichert sind, und somit nicht als Bild (Rastergrafik, typischerweise z. B. eine Bilddatei nach dem Einscannen eines Buches), belegen vergleichsweise wenig Speicherplatz. Dieser lässt sich durch ein Verfahren zur verlustfreien Kompression auf 20 % bis 10 % des ursprünglich von ihr benötigten Platzes reduzieren.
Beispiele:
Ausgangstext: AUCH EIN KLEINER BEITRAG IST EIN BEITRAG Kodiertext: AUCH EIN KLEINER BEITRAG IST -4 -3
Hier wurde erkannt, dass die Wörter EIN und BEITRAG zweimal auftauchen, und dadurch angegeben, dass diese mit den gerade zurückliegenden übereinstimmen. Bei genauerer Betrachtung könnte dann auch das EIN in KLEINER entsprechend kodiert werden.
Verwandt ist die tokenbasierte Kompression. Häufig wiederkehrende Schlüsselwörter werden durch Abkürzungen, Tokens, ersetzt.
Ausgangstext: Print "Hallo"; Print "Hier" Kodiertext: 3F "Hallo"; 3F "Hier"
Verfahren der so genannten Entropiekodierung:
Präkodierung umfasst alle Techniken der Datenkompression, welche in Daten vorhandene statistische Abhängigkeiten ausnutzen. Diese Techniken bilden Symbole aus einem Alphabet auf Symbole eines anderen Alphabets ab bzw. unterstützen diesen Prozess. Die Anzahl der Symbole kann sich dabei verändern (im Gegensatz z. B. zu Verfahren der Dekorrelation, welche ebenfalls Korrelationen im Signal auflösen). Oft werden die Ergebnisse nochmals entropiekodiert.
Sehr verschiedene Algorithmen gehören zur Gruppe der Präkodierung: Lauflängenkodierung, Phrasenkodierung (besser bekannt als wörterbuchbasierte Kodierung wie z. B. LZ78 und LZW), Blocksortierung (auch bekannt als Burrows-Wheeler-Transformation), Quadtree-Kodierung und andere.
Heutzutage stehen viele Datenkompressionsprogramme für den Rechnereinsatz zur Verfügung.
Ton, Bild und Film sind Einsatzgebiete verlustbehafteter Kompression. Anders wären die oftmals enormen Datenmengen nicht zu handhaben. Bereits die Aufnahmegeräte begrenzen das Datenvolumen. Die Reduktion der gespeicherten Daten orientiert sich an den physiologischen Wahrnehmungseigenschaften des Menschen. Die Kompression durch Algorithmen bedient sich dabei typischerweise der Wandlung von Signalverläufen von Abtastsignalen in eine Frequenzdarstellung.
In der akustischen Wahrnehmung des Menschen werden Frequenzen oberhalb von 16 kHz bis 20 kHz nicht mehr wahrgenommen und können bereits im Aufnahmesystem beschnitten werden, ebenso werden leise Nebentöne nur schwer wahrgenommen, so dass sie vom Kompressions-System entfernt werden können (siehe Psychoakustik). Die Verfahren Ogg Vorbis oder MP3 reduzieren die Datenrate auf übliche Werte zwischen 32 und 256 kbit/s. Bei Reduktionen auf Werte zwischen 160 und 192 kbit/s sind für den Menschen kaum noch Qualitätsunterschiede zum unkomprimierten Ausgangsformat festzustellen. Eine CD von einer Stunde Laufzeit enthält 635 MByte Daten. In datenreduzierter Form mit 160 kbit/s werden daraus 72 MByte, auf eine 74 min CD passen so knapp 11 Stunden an Audiomaterial.
In der optischen Wahrnehmung des Menschen werden Farben weniger stark aufgelöst als Helligkeitsänderungen, daraus leitet sich die schon beim analogen Farbfernsehen bekannte YUV-422 Reduzierung ab. Kanten sind dagegen bedeutsamer, und es existiert eine biologische Kontrastanhebung (Machsche Streifen). Mit moderater Tiefpassfilterung zur Farbreduktion, zum Beispiel durch den auf DCT-Transformation basierenden JPEG-Algorithmus oder den neueren auf Wavelet-Transformation basierenden JPEG2000-Algorithmus, verringert sich das Datenvolumen schnell um mehr als 90 %. Besteht man auf verlustfreier Kompression, so lassen sich fotografisch (oder vergleichbar) erstellte Bilder wegen ihres typischen Rauschanteils nur ungenügend komprimieren. Daher kommen verlustfreie digitale Kompressionsformate, wie etwa das TIFF-Format, fast nur in der professionellen Fotografie und Bild-Gestaltung zur Anwendung.
Filme werden mit etwa 25 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Da aufeinanderfolgende Bilder außer bei Szenenwechseln meist sehr ähnlich sind lassen sich die besten Kompressionsraten dadurch erzielen, nur die Änderungen zwischen den Bilder zu speichern. Es werden Varianten von MPEG sowie diverse andere Formate verwendet. Im Computersektor haben sich die Containerformate AVI (Microsoft) und MOV (Apple) etabliert, wobei der verwendete Codec nahezu frei wählbar ist, zum Beispiel von Intel die Indeo-Kodierung, der Cinepak-Codec, der Sorenson-Codec oder die in letzter Zeit sehr weit verbreiteten Codecs Xvid und DivX.
Als Kompressionsartefakte bezeichnet man Signalstörungen, die durch die digitale, verlustbehaftete Datenreduktion verursacht werden.
Beispiele:
siehe Kompression ausführbarer Programmdateien. Anwendungsbeispiele sind UPX und Upack.
| verlustbehaftet | beides möglich | verlustfrei |
|---|---|---|
| AAC (MPEG) | ||
| Aiff | ||
| ALS (MPEG) | ||
| Apple Lossless | ||
| ATRAC | ||
| DjVu | ||
| Dolby Digital | ||
| DTS | ||
| FLAC | ||
| Monkey’s Audio | ||
| G.729 | ||
| GIF | ||
| HuffYUV | ||
| JPEG | ||
| JPEG 2000 | ||
| LA | ||
| MJPEG | ||
| MP2 (MPEG) | ||
| MP3 (MPEG) | ||
| MPEG-1 | ||
| MPEG-2 | ||
| MPEG-4 (siehe H.264, Xvid, DivX) | ||
| Musepack | ||
| PGF | ||
| PNG | ||
| TGA | ||
| TIFF | ||
| Vorbis (Ogg) | ||
| WavPack | ||
| WMA | ||
| WMV |
| Bilder | Audio | Video |
Auch in der Biologie gibt es Kompressionsalgorithmen. So wird bei Eukaryonten die Information für Proteine nicht immer in einer zusammenhängenden DNA-Sequenz kodiert. Durch ein System von Introns und Exons und die Verarbeitung der mRNA durch alternatives Splicing kann eine DNA-Sequenz die Information für mehrere unterschiedliche Eiweiße tragen. Der jeweilige Kompressionsalgorithmus wird dabei durch den Spleißvorgang und seine Regulation definiert.
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