Der Bund der Demokratischen Linken (poln. Sojusz Lewicy Demokratycznej; SLD) ist eine postkommunistische und sozialdemokratische Partei in Polen. Aus den Wahlen 1993 und 2001 ging sie als stärkste Fraktion hervor und stellte somit auch die Regierungen. Insgesamt vier Premierminister kamen aus den Reihen der SLD. Derzeit ist sie mit 43 Abgeordneten über das Wahlbündnis Linke und Demokraten (LiD) im Sejm vertreten.
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Die SLD wurde 1990 als Wahlbündnis aus etwa 30 Gruppierungen gegründet, darunter die Sozialdemokratie der Republik Polen (SdRP) als Nachfolgepartei der Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PZPR) sowie die Gesamtpolnischer Gewerkschaftsverband (OPZZ).
Bei den Gründungswahlen 1991 wurde die SLD mit 12,0 % zweitstärkste Fraktion (nach der Demokratischen Union mit 12,3), war aber von allen Koalitionsoptionen ausgeschlossen, da die als postkommunistische Partei als nicht koalitionsfähig galt. Bei den vorgezogenen Neuwahlen am 19. September 1993 wurde die SLD mit 20,4 % stärkste Partei und bildete zusammen mit der Polnischen Bauernpartei (PSL) eine Koalitionsregierung. Premierminister wurde der Vorsitzende des kleineren Kaolitionspartners, Waldemar Pawlak. Obwohl beide Parteien nur auf ein 35,8 % der Stimmen kamen, stellten sie fast zwei Drittel der Abgordenten (303 von 460) und konnten somit mit komfortabler Mehrheit regieren. Die große Diskrepanz zwischen Stimmen- und Mandatsanteil resultierte aus der hohen Zahl unrepräsentierter Stimmen, da zahlreiche, v.a. konservative Parteien, an der Sperrklausel scheiterten. Die Koalition zwischen SLD und PSL mag zwar aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit als Blockparteien der Volksrepublik nahe liegen, jedoch war es mehr der Wille zur Macht als inhaltliche Gemeinsamkeiten, die die Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode zusammenhielt. Nachdem Waldemar Pawlak in einem Misstrauensvotum abgewählt wurde, wurde am 15. März 1995 Józef Oleksy zum Regierungschef ernannt. Nach Anschuldigungen durch einen Minister der eigenen Regierung – des Innenministers Andrzej Milczanowski – wegen angeblicher Spionagetätigkeiten für Russland, trat Olesky jedoch am 26. Januar 1996 zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Włodzimierz Cimoszewicz, der die Regierung bis zum 17. Oktober 1997 führte.
Bei den Parlamentswahlen 1997 konnte die SLD zwar mit 27,1 % Stimmen hinzugewinnen, musste jedoch trotzdem sieben Sitze abgeben (164 statt 171), da wesentlich weniger Stimmen verloren gingen als bei der letzten Wahl. Durch den Zusammenschluss des Post-Solidarność-Lagers zur Wahlaktion Solidarność gelang es den noch 1993 gescheiterten Parteien nun mit 33,8 % gemeinsam die Mehrheit der Stimmen zu erzielen.
Während der Legislaturperiode beschloss das Wahlbündnis, sich in eine Partei umzuwandeln. Die SdRP wurde aufgelöst (wohl nicht zuletzt um nicht weiterhin als Rechtsnachfolgerin der PZPR zur Verantwortung gezogen werden zu können) und am 18./19. Dezember 1999 fand in Warschau ein Kongress statt, der das Wahlbündnis in eine regulären Partei zu überführen. Vorsitzender der SLD wurde Leszek Miller. Nachdem die SLD dank eines Bündnisses mit der links-liberalen Arbeitsunion (UP) bei Parlamentswahlen im Jahr 2001 mit 41% der Stimmen einen Erdrutschsieg eingefahren hatte, wurde Miller auch zum Premierminister einer Kaolitionsregierung mit der UP und der PSL gewählt. Nach dessen Rücktritt kurz nach dem EU-Beitritt Polens im Mai 2004, wurde der parteilose Wirtschaftswissenschaftler Marek Belka sein Nachfolger. Zuvor hatt er im März 2004 bereits den Parteivorsitz niederglegt, wurde kurzzeitig Krzysztof Janik bis Dezember 2004 Vorsitzender der SLD.
Ebenfalls im Jahr 2004 spaltete sich während einer tiefen politischen Krise zudem ein Teil der Partei unter Führung des damaligen Sejmmarschalls Marek Borowski ab und gründete die ebenfalls sozialdemokratische Sozialdemokratie Polens (SdPL). Andere Politiker verließen die SLD, um der ebenfalls neu gegründeten sozialliberalen Demokratischen Partei (PD) beizutreten, die aus der liberalen Freiheitsunion (UW) hervorgegangen war.
Im Dezember 2004 wählten die Delegierten in einer Kampfabstimmung zwischen Krzysztof Janik und Józef Oleksy, der bereits von 1995 bis 1996 Premierminister gewesen war, letzteren zu ihrem Vorsitzenden. Doch im Mai 2005 trat das gesamte Präsidium und der Vorstand der Partei zurück, was im Juni zu einem umfassenden Generationenwechsel führte. Der ehemalige Landwirtschaftsminister Wojciech Olejniczak strebte danach als neuer Vorsitzender eine Reintegraion der SLD in die Parteienlandschaft an. Zu diese Zweck setzte er auch durch, dass auf den Wahllisten der SLD keine ehemaligen Parteikader der PZPR mehr zu finden waren. Olejniczak war selbst auch der erste SLD-Vorsitzende, der nicht Mitglied der PZPR war.
Neben den parteiinternen Querelen war die Legislaturperiode darüber hinaus auch noch von zahlreichen Korruptionsaffären und Skandalen geprägt, so dass die Partei bei den Parlamentswahlen 2005 drastisch abgestraft wurde und auf nur noch 11,3 % der Stimmen kam.
Für die Parlamentswahlen 2007 ging die SLD schließlich ein Bündnis mit der UP, der SdPL und der PD ein. Gemeinsam traten die Parteien unter der Bezeichnung Linke und Demokraten (LiD) zur Wahl an. Spitzenkandidat dieses Bündnisses war der ehemalige polnische Staatspräsident Aleksander Kwaśniewski (SLD). Am Ende erreichten die Parteien allerdings nur 13,15 % der Wählerstimmen und damit 4,5 % weniger als die addierten Wahlergebnisse der Einzelparteien 2005. Das Bündnis wurde 2008 aufgelöst. In einer Kampfabstimmung gegen Olejniczak wurde daraufhin der bisherige Generalsekretär Grzegorz Napieralski zum neuen Vorsitzenden der SLD gewählt.
Andere bekannte Politiker der SLD: Joanna Senyszyn, Janusz Zemke, Jerzy Wenderlich, Ryszard Kalisz
Die Jugendorganisation der SLD ist die Federacja Młodych Socjaldemokratów (dt. Bündnis der jungen Sozialdemokraten).
Bund der Demokratischen Linken (SLD) | Sozialdemokratie Polens (SdPL) | Union der Arbeit (UP) | Demokratische Partei – demokraten.pl (PD)
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Assoziierte Parteien
Bulgarien: Partei bulgarischer Sozialdemokraten | Kroatien: Socijaldemokratska Partija Hrvatske | Mazedonien: Socijaldemokratski Sojuz na Makedonija | Schweiz: Sozialdemokratische Partei | Türkei: Demokratik Toplum Partisi · Cumhuriyet Halk Partisi
Parteien mit Beobachterstatus
Andorra: Partit Socialdemòcrata | Bosnien und Herzegowina: Socijaldemokratska partija Bosne i Hercegovine | Island: Samfylkingin | Israel: Meretz-Jachad · Awoda | San Marino: Partito dei Socialisti e dei Democratici | Serbien: Demokratska Stranka
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