August Boeckh (oft auch Böckh, * 24. November 1785 in Karlsruhe; † 3. August 1867 in Berlin) war ein deutscher klassischer Philologe und Altertumsforscher.
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August Boeckh war das jüngste von sechs Kindern. Sein Vater, Georg Matthäus Boeckh, war als Hofratssekretär und kaiserlicher Notar Beamter in markgräflichen Diensten. Auch sein Bruder Christian Friedrich von Boeckh schlug die Beamtenlaufbahn ein und wurde badischer Finanzminister (1828) und Ministerpräsident (1844). Sein Onkel war der Theologe und Schriftsteller Christian Gottfried Boeckh. 1790, nur fünf Jahre nach Boeckhs Geburt, starb sein Vater.
Nachdem Boeckh in Karlsruhe das altsprachliche Gymnasium, welches später seiner Meinung nach der einzige Zugang zur Universität und den altertumswissenschaftlichen Studien sein sollte, besucht hatte, studierte er ab 1803 in Halle an einer der zur damaligen Zeit führenden Universitäten Theologie. Doch unter dem Eindruck des Altphilologen Friedrich August Wolf brach er das Theologiestudium ab und begann Philologie zu studieren. Hierin promovierte er 1806 mit der Abhandlung über antike Musik Commentatio in Platonis qui vulgo fertur Minoem und wurde 1806 durch Friedrich Schleiermacher Mitglied des pädagogischen Seminars zu Berlin.
1807 wurde er an der Universität Heidelberg habilitiert und umgehend zum außerordentlichen Professor der Philologie ernannt. Zwei Jahre später erfolgte die Beförderung zum ordentlichen Professor. Im gleichen Jahr heiratete er Dorothea Wagemann (1790–1829). Nach ihrem Tod ehelichte er 1830 Anna Louisa Taube (1790–1864).
Um 1809 nahm Boeckh einen Ruf nach Berlin an, welchem er 1811 folgte und der den Rest seines Lebens bestimmen sollte. Neben ihm gehörten u.a. auch Christoph Wilhelm Hufeland, Carl Ritter, Karl Friedrich von Savigny und Albrecht Daniel Thaer zu den ersten Professoren der 1810 gegründeten Berliner Universität. August Boeckh hielt hier mehr als 120 Semester lang Vorlesungen ohne Unterbrechung, wurde insgesamt sechs Mal Dekan und übte fünf Mal das Amt des Rektors aus. 1814 gründete er das Philologische Seminar. Im gleichen Jahr wurde er ordentliches Mitglied der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften, welche seiner Meinung nach auch Großprojekte betreuen sollte.
Im Jahr 1815 initiierte er das „Corpus Inscriptionum Graecarum“ (CIG) mit dem die wissenschaftlich betriebene Epigraphik begann. Hierin sichtete er in kürzester Zeit die bis dahin vorhandenen griechischen Inschriften und ordnete sie nach Landschaften. Nachdem 1825 das erste Heft des CIG erschien (bis 1859 wurden unter Boeckh 4 Bände herausgegeben), äußerte der Leipziger Philologe Johann Gottfried Jakob Hermann seine Kritik daran. Allerdings arbeitete Boeckh bei seiner Sammlung der griechischen Inschriften nur mit Kopien und hielt es nicht für notwendig, die Inschriften selbst zu betrachten oder von ihnen genaue Abbildungen zu erstellen.
Neben dem Interesse für die Theologie und Philologie beschäftigte sich Boeckh auch mit „den exakten Wissenschaftsbereichen“. So befasste sich denn auch Boeckhs nächstes Werk „Die Staatshaushaltung der Athener“ mit der „Erforschung der Preise, Löhne, Zinsen, der Einkünfte und Ausgaben wie der Finanzverwaltung Athens“ . Dieses Opus schrieb er zum einen auf Anregung von Barthold Georg Niebuhr, der das Kapitel über die griechische Staatswirtschaft im letzten Band von Arnold Hermann Ludwig Heerens „Ideen über Politik, den Verkehr und den Handel der vornehmsten Völker der alten Welt“ kritisiert hatte, und zum anderen, da er ursprünglich ein Gesamtbild des griechischen Altertums unter dem Titel „Hellen“ darstellen wollte, aber aufgrund mangelnder Vorarbeiten im Finanzwesen Athens hängen blieb.
1838 erschien dann das Buch „Metrologische Untersuchungen über Gewichte, Münzfüsse und Masse des Alterthums in ihrem Zusammenhange“ in Berlin. Darin stellte er als erster einen Überblick „über die Maße im einzelnen sowie ihre Entstehung und Verknüpfung als Ergebnis verschiedener ökonomischer und politischer Entwicklungen im Mittelmeerraum“ dar, wobei auch hier seine Arbeit auf Inschriften basierte. Damit gilt er für Reinhard Schumacher als Begründer der historischen Metrologie. Wichtig ist seine Entdeckung des Unterschieds zwischen vorgefundenen und beabsichtigten Verhältnissen.
Zwischen 1835 und 1861 war er als Sekretar der Philosophisch-historischen Klasse der Berliner Akademie tätig. Die Philosophisch-historische Klasse vereinte vor allem Philosophen und Historiker aller Richtungen, aber auch Philologen, Kultur- und Sprachwissenschaftler, Theologen, Juristen und Nationalökonomen, Psychologen und Soziologen.
Sein Lehrer F. A. Wolf hatte seit 1785 Vorlesungen unter dem Titel „Encyclopaedia philologica“ in Halle gehalten und veröffentlichte auf dieser Grundlage die „Darstellung der Alterthumswissenschaft“. Eine ähnliche sich über 26 Vorlesungen hinziehende Einführungsreihe gab auch Boeckh mit dem Thema „Philologische Encyclopädie“. Er knüpfte damit an Wolf an, versuchte aber gleichzeitig seine Veränderungen an dessen Modell hervorzuheben.
Er starb am 3. August 1867 in Berlin als einer der gefeiertsten Gelehrten seiner Zeit.
Boeckh war der erste, welcher der höheren Auffassung der Philologie Geltung verschaffte, wonach dieselbe in der umfassenden Kenntnis und Reproduktion des Altertums in seiner Gesamtheit bestehen soll. Einer seiner prominenstesten Schüler war der spätere Afrikaforscher und Geografieprofessor Heinrich Barth, der 1843 bei Boeckh über die Handelsgeschichte von Korinth promovierte und sich drei Jahre später mit einer Arbeit über den antiken Mittelmeerraum als kulturelle Einheit habilitierte.
Im Jahre 1842 wurde Boeckh der Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste verliehen.
Auch die Memoiren der Berliner Akademie, die Dissertationen der Philologischen Gesellschaft und andere Zeitschriften enthalten reichhaltige Aufsätze von Boeckh. Daneben hat er als Professor der Beredsamkeit an der Universität, sowie als erster Sekretar der Berliner Akademie, eine Reihe ausgezeichneter Reden in lateinischer und deutscher Sprache gehalten. Diese Kleinen Schriften wurden von Ferdinand Ascherson, Ernst Bratuscheck und Paul Eichholtz gesammelt herausgegeben (Leipzig 1858–1874, 7 Bde.). Boeckh hat auch wesentlichen Anteil an der neuen Ausgabe der Werke Friedrichs des Großen. Aus den Originalheften seiner 1809–1865 gehaltenen Vorlesungen veröffentlichte Bratuscheck 1877 die "Encyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften".
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boeckh, Philipp August |
| ALTERNATIVNAMEN | Boeckhius, Augustus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher klassischer Philologe und Altertumsforscher |
| GEBURTSDATUM | 24. November 1785 |
| GEBURTSORT | Karlsruhe |
| STERBEDATUM | 3. August 1867 |
| STERBEORT | Berlin |
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