Alfred Wilhelm Franz Maria Hugenberg (* 19. Juni 1865 auf Gut Kükenbruch, heute Extertal-Kükenbruch bei Rinteln; † 12. März 1951 in Kükenbruch) war ein deutscher Montan-, Rüstungsindustrie-, Medienunternehmer, Politiker (DNVP) und Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung im ersten Kabinett Hitlers. Er gilt als bedeutendster bürgerlicher Wegbereiter des Nationalsozialismus, mit seinem Hugenberg-Konzern, der die Hälfte der deutschen Presse kontrollierte, trug er mit nationalistischer und antisemitischer Propaganda maßgeblich zum Aufstieg der rechten Parteien in der Weimarer Republik bei.
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Alfred Hugenberg wurde als Sohn des Königlich Hannoverschen Schatzrats und Mitglied des preußischen Landtages Karl Hugenberg (1836–1882) und seiner Ehefrau Erneste, geb. Adickes (1842–1917), auf dem großväterlichen Gut Rohbraken in Kükenbruch bei Rinteln geboren. 1900 heiratete Alfred Hugenberg die Tochter des damaligen Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes Gertrud Adickes (1878–1960, Hugenbergs Mutter war eine geborene Adickes und Cousine von Franz Adickes). Alfred und Gertrud Hugenberg hatten einen Sohn und drei Töchter.
Hugenberg studierte Jura in Göttingen, Heidelberg und Berlin und schloss ein volkswirtschaftliches Studium 1888 in Straßburg mit einer Promotion ab. Er hatte ab 1894 in Posen eine leitende Funktion in der Ansiedlungskommission. Diese sollte durch Ansiedlung deutscher Familien die Germanisierung der Provinz Posen fördern.
Ab 1. Januar 1908 war er im Vorstand der Frankfurter Berg- und Metallbank von Richard Merton und ab 1. Oktober 1909 leitete er bis 1918 als Vorsitzender des Direktoriums das Finanzwesen der Friedrich Krupp AG. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Alldeutschen Verbandes. Von 1912 bis 1925 war er Vorsitzender des Bergbauvereins und des Zechenverbandes, sowie seit 1919 Mitglied im Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und Mitglied des Vorstands und Ausschusses Deutscher Arbeitgeberverbände.
Im November 1918 war er Mitbegründer und einflussreiches Mitglied der nationalistischen DNVP, deren Ziele – die Beseitigung der Weimarer Republik und Wiedereinführung der Monarchie – sein Medienkonzern, der so genannte Hugenberg-Konzern, unterstützte. Der Hugenberg-Konzern war ein Medienunternehmen [1] aus Verlagen, Pressediensten und -Agenturen (Telegraphen-Union), Werbeagenturen, Korrespondenzdiensten, Filmgesellschaften (wie z. B. UfA mit Wochenschauen) und Zeitungsbeteiligungen, welches er 1933 an die NSDAP verkaufte. Das Geld für sein Medienimperium erhielt er von der Wirtschaftsvereinigung zur Förderung der geistigen Wiederaufbaukräfte.
Seit dem 21. Oktober 1928 war Hugenberg Parteivorsitzender der DNVP und führte die Partei, nach einer Phase der Kooperationsbereitschaft zwischen 1925 und 1928, in eine Richtung der Fundamentalopposition und einer – wenn auch keineswegs reibungslosen – Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Nationalsozialisten. Zur Reichstagswahl am 5. März 1933 schloss sich die DNVP mit dem Frontsoldatenbund Stahlhelm zur Kampffront Schwarz-Weiß-Rot zusammen. Hugenberg hatte den zweitgrößten Berliner Scherl-Verlag mit seiner deutsch-nationalen Ausrichtung übernommen.
Er verwaltete die Gelder der Ruhrlade, die an politische Parteien verteilt wurden. Er gründete den Vierer-Ausschuss. Und war Mitglied der Gäa.
Im Juli 1929 nahm Hugenberg, die bis dahin noch unbedeutende NSDAP, in den „Reichsausschuß für das Volksbegehren gegen den Young-Plan“ auf, und verschaffte ihr so im „nationalen Lager“ enorme Publizität und Reputation. Fortan druckten die Konzern-Blätter Hitlers Reden im vollen Wortlaut und die DNVP und NSDAP führte gemeinsame Wahlveranstaltungen durch.
Die Zeitungen Hugenbergs entfalteten ihre Wirkung vor allem in der Weltwirtschaftskrise, die im Jahr 1929 begann. Dies hatte direkten Einfluss auf die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933.
Am 30. Januar 1933 berief ihn Reichspräsident Hindenburg als Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung in das von Hitler geführte Kabinett. Hugenberg trat jedoch schon am 26. Juni 1933 von allen Minister- und Parteiämtern zurück. Der Hintergrund seines Rücktritts war, dass die Nationalsozialisten ihn und seine Partei politisch ausschalten wollten. Um dies zu erreichen, wurde ihm gestattet, am 12. Juni 1933 auf der Weltwirtschaftskonferenz in London Forderungen vorzutragen, die die Rückgabe der deutschen Kolonien zum Inhalt hatten. Nachdem die Teilnehmer der Konferenz sein Anliegen vehement zurückgewiesen haben, wurden seine Forderungen sogleich als seine private Meinung ausgegeben. Hugenberg wollte die ihm zugetragene Rolle einer Galionsfigur der Konservativen nicht weiter mittragen und gab seine Ämter auf.[2] Seine Nachfolger wurden Kurt Schmitt (Reichswirtschaftsminister) und Walther Darré (Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft).[3] Hugenberg blieb jedoch bis 1945 Reichstagsmitglied „als Gast der NSDAP“. Wie so viele der Förderer Hitlers spielte er im weiteren Verlauf der nationalsozialistischen Diktatur keine Rolle mehr, wohl aber die durch Hugenberg konzentrierte Presselandschaft. Der Großteil wurde von NS-Verlagen übernommen, so der monopolistische, NSDAP-nahe Franz-Eher-Verlag. Hugenberg erhielt 1943 das Adlerschild des Deutschen Reiches.
Bereits 1912 führte Hugenberg eine verdeckte Pressekontrollbehörde, in der er versucht, Einfluss auf die Meinungsbildung zu gewinnen. 1913 kaufte er von dem Legationsrat von Schwerin vier kleinere Nachrichtenbüros, die er zur Telegraphen Union GmbH (TU) zusammenschloss. Das langfristige Ziel lag im Angriff auf das Monolpol des Wolffschen Telegraphen Büros (WTB). Als August Scherl 1913 Reichskanzler Bethmann-Hollweg davon in Kenntnis setzte, dass er sich von Stammanteilen seines Konzerns im Wert von 8 Millionen Mark trennen werde - Rudolf Mosse biete ihm für diese 11,5 Millionen Mark; er würde die Anteile jedoch „Freunden der Regierung“ für 10 Millionen überlassen wird das Unternehmen, neben Ullstein und Mosse einer der drei großen Berliner Mediengiganten von Baron Alfred von Oppenheim und dem Kölner Finanzier Louis Hagen mit einer Finanzierung von 8 Millionen Mark aufgefangen. Am 5. Februar 1914 legte Scherl die Geschäftsführung nieder. Die neue Holding Deutscher Verlagsverbund machte jedoch bald Schulden in Millionenhöhe. Die Käufer wendeten sich an die Reichsregierung. Diese wiederum wurde mit Hugenberg handelseinig, der dem Deutschen Verlagsverein die Tilgung der Schulden zusicherte, unter der Voraussetzung, dass ihm die Anteilsmehrheit am Scherl Unternehmen übertragen würde. Am 25. März 1916 übernahm Hugenberg den Vorsitz in Scherls ehemaligem Unternehmen. Zu den Unterstützern der Übernahme gehörte das preußische Innenministerium, das Hugenberg im August 1914 sowie im Jahre 1916 je 2,5 Millionen Mark zur Verfügung stellte.
1914 gründete Hugenberg schließlich noch die Auslands GmbH, mit Sitz in Essen. Zweck der Gesellschaft unter Beteiligung der Schwerindustrie war die Förderung der Beziehung der rheinischen Industrie zu ausländischen Kulturgebieten durch Verbesserung des Nachrichtenwesens. Mit Gründung vom 30. April 1914 komplettierte die Auslands Anzeigen GmbH mit Sitz in Berlin das Unternehmen. Sie sollte Anzeigen deutscher Industrieller im Ausland lancieren, konnte sich jedoch nach Kriegsbeginn kaum entfalten.
Mit der Gründung der „Ala“, der „ Allgemeine Anzeigen GmbH“ am 9. März 1916 begann der Ausbau des Medienkonzerns zum vollendeten Konkurrenten der Unternehmungen Ullsteins und Mosses - der Angriff zielte auf die Vorherrschaft Mosses bei der Vermittlung von Zeitungs- und Zeitschriftenwerbung. Um das Netz an Zweigniederlassungen aufzubauen, das die Annoncenexpedition benötigte, erwarb Hugenberg 1917 die Anteilsmehrheiten der Firmen „Haasenstein und Vogler“ und „Daube und Co.“. Die „Ala, Vereinigte Anzeigengesellschaft Haasenstein und Vogler,Daube und Co.“ wurde zur größten Anzeigen Epedition in Deutschland. In das Jahr 1917 fiel zudem die Gründung der „VERA“, der Verlagsanstalt GmbH mit Sitz in Berlin. Sie fungierte als Fachberatungsstelle für Großindustrielle, die Eigentümer von Zeitung werden. Der Kampf um die Provinzpresse begann mit den nun folgenden Übernahmen des sich ausbreitenden Konsortiums.
In den folgenden Jahren baute Hugenberg aus dem Scherl-Verlag und der Telegraphen-Union ein Medienkonglomerat aus Verlag, Nachrichtendiensten, Werbeagenturen, Korrespondenzdiensten, Filmgesellschaften und zahlreichen Zeitungsbeteiligungen auf. Die Flaggschiffe aus Scherls Zeitungsimperium gaben dem Hugenberg-Konzern eine monarchistische und während der Weimarerer Republik rechtsnationale bis schließlich offen nationalsozialistische Ausrichtung.
Am 1. Januar 1919 trat Hugenberg aus dem Krupp-Konzern aus. Im selben Jahres wurde er in die Nationalversammlung, später - als führender Mann der DNVP - in den Reichstag gewählt. Politisches Engagement und Hugenbergs Monopolstellung auf dem Pressemarkt verbanden sich nun offen.
Am 23. Oktober 1922 gründete Hugenberg die Mutuum Darlehen Aktiengesellschaft, eine Zeitungsbank, die an Zeitungen Kredite vergab, sich an Zeitungen beteiligte und die darüber hinaus Zeitungen mit der VERA verband. Aktionäre konnten sich über das Instrument der Zeitungsbank Einfluss auf Organe sichern. Das Unternehmen gewannt selben Jahres seine praktische Seite mit der Gründung der WiPro: Erlaubte es die Telegraphen-Union Hugenberg, das Monopol aufzubrechen, das auf dem deutschen Nachrichtenmarkt bis dahin bei der Wolffs Telegrafen-Büro (W.T.B.) lag, so ließ sich der Verkauf der Nachrichten mit der „WiPro“, der „Wirtschaftsstelle der Provinzpresse“ optimieren, die fertige Matern an Zeitungskleinverlage verkauft. Das Unternehmen wurde 1923 in der Inflation durch einen gleichartigen Zuerwerb erweitert. Es bot Leitartikel, Nachrichten, Romane, Sportberichte druckfertig in Pappstreifen gepresst, die in den Provinzdruckereien, nur noch mit Hilfe der gewöhnlichen Metallgießmaschinen zu den fertigen Druckplatten verarbeitet werden mussten. Die meisten Provinzblätter, die sich auf diesem Weg Redakteure sparten, bezogen wenig später ihre Kolumnen aus Hugenbergs Werkstätten.
Der Kundenstamm wuchs in den zwanziger Jahren auf 1.600 deutsche Zeitungen von deutschnationalen Blättern bis liberal-konservativen. Hugenbergs Konzern beschäftigte im Verlauf einen Stab von 2000 Mitarbeitern, darunter über 500 Festangestellte und 90 Redakteure mit der Aufgabe, Nachrichten auszuwählen, zu formulieren und zu kommentieren.
Zum Pressesektor kam die noch junge Filmbranche. Bereits 1916 gründete Hugenberg die „Deutsche Lichtbildgesellschaft“, aus der 1920 die Deuligfilm A.-G. hervorging. Als glänzende Aquistion erwies sich 1927 die Ufa - Universum Film AG, - die er wirtschaftlich sanierte.
Von 1946 bis 1951 befand sich Hugenberg in britischer Internierung und es begann ein mehrjähriger Rechtsstreit um seine Entnazifizierung. Die entsprechenden Verfahren wurden von seinem Schwiegersohn, dem ehemaligen Reichstagsabgeordneten und Rechtsanwalt Joseph Borchmeyer (1898 - 1989) betrieben. In mehreren Berufungsverfahren erfolgte 1948 die Einstufung in die Kategorie III (Minderbelastete), welche 1949 in die Kategorie IV (Mitläufer) und 1950 in die Kategorie V (Entlastete) geändert wurde. Das Gericht ging letztendlich mit Blick auf sein hohes Alter davon aus, dass von ihm keine weitere politische Betätigung mehr zu erwarten wäre. [4]
Am 17. März 2005 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht (AZ: 3 C 20.04) in Leipzig die Rolle Hugenbergs als Wegbereiter der nationalsozialistischen Herrschaft. In einem Prozess um das 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignete Rittergut in Uhsmannsdorf bei Weißwasser/Oberlausitz in Sachsen urteilte das Gericht, dass Hugenberg dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub geleistet hat[5] und verweigerte deshalb die Forderung seiner Nachkommen auf Entschädigung [6].
Weimarer Republik: Rudolf Wissell | Robert Schmidt | Ernst Scholz | Robert Schmidt | Johann Becker | Hans von Raumer | Joseph Koeth | Eduard Hamm | Albert Neuhaus | Rudolf Krohne | Julius Curtius | Paul Moldenhauer | Robert Schmidt | Hermann Dietrich | Ernst Trendelenburg | Hermann Warmbold | Ernst Trendelenburg | Hermann Warmbold
Zeit des Nationalsozialismus: Alfred Hugenberg | Kurt Schmitt | Hjalmar Schacht | Hermann Göring | Walther Funk | Albert Speer
Weimarer Republik: Robert Schmidt | Andreas Hermes | Anton Fehr | Karl Müller | Hans Luther | Gerhard Graf von Kanitz | Heinrich Haslinde | Martin Schiele | Hermann Dietrich | Martin Schiele | Magnus Freiherr von Braun
Zeit des Nationalsozialismus: Alfred Hugenberg | Richard Walther Darré | Herbert Backe
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Oskar Hergt | Kuno Graf von Westarp | Alfred Hugenberg
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hugenberg, Alfred |
| KURZBESCHREIBUNG | Unternehmer und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 19. Juni 1865 |
| GEBURTSORT | Hannover |
| STERBEDATUM | 12. März 1951 |
| STERBEORT | Kükenbruch |
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