Unter dem Schlagwort 68er-Bewegung werden verschiedene, meist linksgerichtete Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen zusammengefasst, die mehr oder weniger zeitlich parallel seit Mitte[1] der 1960er-Jahre aktiv waren. Der Name bezieht sich auf das Jahr 1968, in dem einige der von diesen Bewegungen thematisierten Konflikte eskalierten, insbesondere in den USA in den Antikriegsdemonstrationen und den Folgen der Ermordung Martin Luther Kings, in Europa in diversen intensiven zivilen Auseinandersetzungen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch in Deutschland bezeichnet man hiermit häufig vereinfachend die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre.
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Die 68er-Bewegung hat der 68er-Generation ihren Namen gegeben, für die die späten 1960er-Jahre eine prägende Phase darstellt. Angehörige der Generation, im Besonderen aktive Teilnehmer der Bewegungen, werden 68er beziehungsweise Alt-68er genannt. Es werden aber auch allgemein die Geburtsjahrgänge 1940 bis 1950 als 68er-Generation bezeichnet. Seit dem Jahr 2005 beginnt diese Generation das reguläre Renteneintrittsalter zu erreichen.[2] Aus der Alltagswahrnehmung heraus wird 1968 oft vereinfacht als Generationenkonflikt betrachtet. Diese Sichtweise lässt aber die unterschiedlichen weltweiten Schauplätze und die gleichzeitige Teilnahme verschiedener Generationen außer Acht.[3] Unter Rückgriff auf ein differenziertes generationstheoretisches Konzept lässt sich die soziale Bewegung von 1967/68 aber durchaus als generationelle Protestbewegung begreifen.[4]
Einen Erklärungsversuch, warum innerhalb eines kurzen Zeitraums Ende der 1960er, Anfang der 1970er-Jahre so viele und verschiedene Prozesse abliefen, bietet Marcel van der Linden. Einerseits nennt er drei strukturelle Faktoren. Diese sind das global gesehen zwar ungleiche, aber starke Wirtschaftswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg, das gegen Ende der 1960er zu stocken begann; die weltweit zunehmend stärkere Bildungsbeteiligung, insbesondere an der Hochschulbildung; die Dekolonisierung, die seit dem Zweiten Weltkrieg und besonders Anfang der 1960er stattfand. Daneben nennt er mehrere Ereignisse, die als Inspirationsquelle zu zeigen schienen, dass ganz andere Arten der Politik möglich waren: die kubanische Revolution, die chinesische Große Proletarische Kulturrevolution, und den Prager Frühling. Wichtig war auch die Tet-Offensive im Vietnam-Krieg. Als letzten Faktor nennt van der Linden wechselseitige Lernprozesse und internationale Kontakte, einerseits zwischen Arbeitergruppen, die einhergehend mit dem Aufstieg multinationaler Unternehmen internationale Interessensvertretung zu organisieren suchten, und andererseits zwischen radikalen Studenten.[5]
Klaus Wagenbach beschreibt die besondere Situation in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren, und damit die Ursachen der 68er-Bewegung in Deutschland aus seiner Sicht so:
1954, als sie in Bern Fußballweltmeister wurden, habe ich in Frankfurt gehört, wie nach der Deutschlandhymne wie früher das Horst-Wessel-Lied gebrüllt wurde. Das Gebrüll des „Dritten Reichs“ konnten Sie in den Wochenschauen hören, und im Rundfunk wurde noch immer gebellt. Wenn einer mal Gitarre spielte, kam sofort der Polizeiknüppel. Das waren die "Schwabinger Krawalle“. Sie machten sich doch damals praktisch schon strafbar, wenn Sie Geschlechtsverkehr hatten, ohne verheiratet zu sein. Wenn Hildegard Knef eine halbe Brust heraushängen ließ, wurde die Aktion "Saubere Leinwand“ aktiv.[1].
Eine andere Deutung der 68er-Bewegung liefert Torsten Krauel: Das Auftreten „dezidierte[r] Jugendrevolutionäre[...], die das Establishment verjagen wollten“, das Bedienen „antibürgerlicher, antireligiöser, antifamiliärer Reflexe“ und der „antikulturelle Zertrümmerungsfeldzug“ hätten viele Parallelen zu den Ereignissen gegen Ende der Weimarer Republik und zu den Strategien der damaligen rechts- und linksextremen Bewegungen aufgewiesen. Auch die „Aufpeitschung von Leidenschaften [...] und die Hingabe an sie“ sei bereits „konstitutiv für das NS-Regime gewesen“. Dies habe gerade in Deutschland zu einer besonders heftigen Konfrontation zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration geführt, wobei beide auf ihre Weise geglaubt hätten, „im antifaschistischen Recht zu sein“.[6]
Die einzelnen Bewegungen unterschieden sich teilweise deutlich voneinander. Häufige Themen waren u. a. der Protest gegen den laufenden Vietnamkrieg (Ostermarsch- und Friedensbewegung), der Kampf gegen Autorität (insbesondere in Bildung („Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren“) und Erziehung, Jugendbewegung) und für die Gleichstellung von Minderheiten sowie der Einsatz für mehr sexuelle Freiheiten (Frauenbewegung, Sexuelle Revolution („Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“), Schwulenbewegung, Flowerpower- und Hippie-Bewegung.
Die verschiedenen Bewegungen waren weltweit verbreitet. Nicht nur in Westeuropa und den USA, auch im sowjetischen Machtbereich fanden tief greifende gesellschaftliche Veränderungen statt – wenn auch unter sehr verschiedenen Vorzeichen: Prager Frühling, Aufstand in Ungarn, Reformprogramm im Gomulka-Polen, Aufschwung in Jugoslawien und kurzzeitige Entstalinisierung in Rumänien Mitte der 60er Jahre. Daneben gab es auch Bewegungen in Mexiko, Senegal und Japan.
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